Was ist der Spracherwerb und welche Grundlagen er hat?
Die Sprache selbst fungiert als Vermittler zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Um die Sprache zu erwerben, muss sich der Mensch in dieser Umwelt befinden, da nur die Umwelt ihm die Sprache vermitteln kann. Die Interpretation der Umwelt hängt also wesentlich von der sprachlichen Konvektion ab.
Es sollen die Grundstrukturen des Verlaufs der Sprachentwicklung skizziert werden.
Zuerst wird auf diverse Bedingungen eingegangen, die vorhanden sein müssen, damit ein Kind überhaupt Sprache entwickeln kann. Im zweiten Teil geht es um den Erwerb der Phonologie, die vorsprachlichen Phasen, Ammensprache, Lautproduktion und Protowörter.
Im Anschluss daran geht es um den Erwerb der Semantik:Bedeutung der Wörter, Prinzipien der Affektkonstanz und der Dingkonstanz, Voraussetzungen der Entwicklung von semantischen Strukturen, Bedeutungsverengungen und Bedeutungserweiterungen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 BEDINGUNGEN FÜR DIE SPRACHENTWICKLUNG
2 ERWERB DER PHONOLOGIE (LAUTVERSTÄNDNIS UND LAUTPRODUKTION)
2.1 DIE VORSPRACHLICHEN PHASEN
2.2 DIE AMMENSPRACHE
2.3 PHASEN DER LAUTPRODUKTION
2.4 DIE LALLPHASE
2.5 ERSTE LAUTBILDUNG
2.6 DIE PROTOWÖRTER
3 ERWERB DER SEMANTIK
3.1 DIE BEDEUTUNG EINES WORTES
3.2 DIE PRINZIPIEN DER AFFEKTKONSTANZ UND DER DINGKONSTANZ
3.3 VORAUSSETZUNGEN DER ENTWICKLUNG VON SEMANTISCHEN STRUKTUREN
3.4 BEDEUTUNGSVERENGUNGEN UND BEDEUTUNGSERWEITERUNGEN
3.5 ZWEI EBENEN
3.6 SEMANTIK UND SYNTAX
4 SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den kindlichen Spracherwerb als modularen, unbewussten Prozess und analysiert die wesentlichen Bedingungen sowie die lautlichen und semantischen Entwicklungsschritte bis hin zum Erwerb der ersten Wörter und der syntaktischen Strukturierung.
- Grundvoraussetzungen für die Sprachentwicklung (auditive, organische, visuelle und emotionale Faktoren)
- Die vorsprachlichen Phasen und die Bedeutung der Ammensprache
- Die physiologischen Phasen der Lautproduktion und des Lallens
- Differenzierungsprozesse beim Lauterwerb (maximaler Kontrast)
- Semantische Entwicklung, einschließlich Affekt- und Dingkonstanz
- Das Zusammenspiel von Semantik und Syntax im Spracherwerb
Auszug aus dem Buch
2.4 Die Lallphase
In diesen Phasen des Lallens, Gurgelns oder Plapperns sind alle Kinder in den unterschiedlichen Sprachkulturen gleich. Zu den ersten Lauten zählen k, g, x, i und a. Unabhängig von der Sprache, die das Kleinkind in seiner Umwelt vernimmt, werden die ersten sinnvollen Laute mit der Zungenspitze, vorne im Mund, hervorgebracht. Das frühe Auftreten der Sprachlaute m und p mag wohl der Grund sein, dass Mama und Papa die ersten Worte sind.
Mit etwa 3 - 4 Monaten tritt die so genannte Lallphase ein. Das Kind begreift, dass es den Mund öffnen und schließen kann und dabei durch Verwendung von Vokalen, Laute nutzt. Welche Laute das Kind produziert, ist von der Mundöffnung abhängig und somit eher zufällig. Die Kinder lallen, wenn sie glücklich und zufrieden sind. Sie hören ihren eigenen Lauten zu und so ergeben sich Lallmonologe. Lallmonologe sind Echolalien.
Ab dem 4. Monat ist das Kind daran interessiert Vorgesagtes nachzuahmen. Deshalb ist es gerade in dieser Phase des Nachahmens wichtig mit dem Kind richtig und nicht in der sogenannten Baby-Sprache zu sprechen, sonst lernt das Kind nämlich nie sich richtig zu äußern. Mit ungefähr 6 Monaten beginnt das Kind Dinge „anzuplappern“.
Die Melodieführung bei diesem Anplappern weist dabei Ähnlichkeiten mit Sätzen und Phrasen aus der Erwachsenensprache auf. Das Kind beherrscht also schon die sprachlichen Signifikanten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung definiert den Spracherwerb als modularen Prozess und erläutert die Bedeutung von sprachlichem Input und Autonomie in der kindlichen Entwicklung.
1.1 BEDINGUNGEN FÜR DIE SPRACHENTWICKLUNG: Dieses Kapitel stellt die notwendigen auditiven, organischen, visuellen und emotionalen Grundvoraussetzungen vor, die ein Kind zur Sprachentwicklung mitbringen muss.
2 ERWERB DER PHONOLOGIE (LAUTVERSTÄNDNIS UND LAUTPRODUKTION): Hier wird der Prozess von den ersten Lautäußerungen nach der Geburt bis zur bewussten Lautbildung detailliert beschrieben.
2.1 DIE VORSPRACHLICHEN PHASEN: Das Kapitel erläutert, dass Sprachverstehen dem Sprechen vorausgeht und bereits pränatale Erfahrungen eine Rolle für die Wahrnehmung von Rhythmus und Klang spielen.
2.2 DIE AMMENSPRACHE: Hier wird die instinktive, gesangsähnliche Art der Erwachsenen, mit Kleinkindern zu kommunizieren, als wesentlicher Baustein der Sprachentwicklung beleuchtet.
2.3 PHASEN DER LAUTPRODUKTION: Dieses Kapitel stellt fest, dass die Entwicklung der Lautproduktion durch allgemeingültige Gesetze geprägt und weitgehend unabhängig von der Sprachumgebung ist.
2.4 DIE LALLPHASE: Der Fokus liegt auf der Entwicklung des Lallens ab dem 3. bis 4. Monat, in der das Kind spielerisch Lautkombinationen erprobt und beginnt, erste Laute nachzuahmen.
2.5 ERSTE LAUTBILDUNG: Es wird der Differenzierungsprozess nach dem Prinzip des maximalen Kontrasts beschrieben, bei dem das Kind Laute nach distinktiven Merkmalen ordnet.
2.6 DIE PROTOWÖRTER: Dieses Kapitel markiert den Übergang zu bewusst geäußerten Lauten, die das Kind nun mit einer konstanten Bedeutung verknüpft.
3 ERWERB DER SEMANTIK: Dieser Abschnitt behandelt die Entwicklung der Verknüpfung von Lautketten mit konkreten Realitätsausschnitten oder Inhalten.
3.1 DIE BEDEUTUNG EINES WORTES: Es wird dargelegt, dass der Erwerb von Wortbedeutungen ein aktiver, oft missverständnisreicher Prozess des Kindes ist.
3.2 DIE PRINZIPIEN DER AFFEKTKONSTANZ UND DER DINGKONSTANZ: Hier wird erläutert, wie das Kind zunächst Gefühle durch Laute ausdrückt und später Gegenstände unabhängig von ihrem affektiven Wert identifiziert.
3.3 VORAUSSETZUNGEN DER ENTWICKLUNG VON SEMANTISCHEN STRUKTUREN: Dieses Kapitel beschreibt die kognitive Fähigkeit des Kindes, aus Gesamtsituationen Einzelheiten zu isolieren und Lautkontinua zu differenzieren.
3.4 BEDEUTUNGSVERENGUNGEN UND BEDEUTUNGSERWEITERUNGEN: Es wird erklärt, wie das Kind Begriffe anfangs unscharf verwendet und diese im Verlauf der Entwicklung an die Erwachsenensprache anpasst.
3.5 ZWEI EBENEN: Das Kapitel beschreibt, wie neue sprachliche Elemente sich sowohl durch die Verbindung zu Sachvorstellungen als auch durch Relationen zu anderen Wörtern im System des Kindes einordnen.
3.6 SEMANTIK UND SYNTAX: Abschließend wird das Verhältnis zwischen der semantischen Entwicklung und dem späteren Erwerb syntaktischer Organisationsprinzipien erörtert.
4 SCHLUSS: Das Fazit fasst zusammen, dass Spracherwerb ein Zusammenspiel aus Umweltfaktoren, Belohnung und kognitiven Voraussetzungen ist.
Schlüsselwörter
Spracherwerb, Phonologie, Semantik, Lallphase, Ammensprache, Lautproduktion, Muttersprache, Sprachtheorie, Kindliche Entwicklung, Dingkonstanz, Affektkonstanz, Syntax, Linguistik, Lautbildung, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Prozess des kindlichen Spracherwerbs, von den ersten unbewussten Lautäußerungen nach der Geburt bis hin zum Aufbau eines semantischen und syntaktischen Sprachsystems.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Phonologie (Lautverständnis und -produktion) sowie der Semantik (Bedeutungserwerb von Wörtern) unter Berücksichtigung kognitiver und entwicklungspsychologischer Aspekte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Grundstrukturen der kindlichen Sprachentwicklung aufzuzeigen und zu erläutern, wie ein Kind aus einer vorsprachlichen Phase heraus zur bewussten Kommunikation gelangt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf linguistische Theorien und Fachliteratur, um die Phasen des Spracherwerbs theoretisch einzuordnen und zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Phonologieerwerbs (inklusive Lallphase und Lautbildung) und den Erwerb der Semantik (einschließlich Prinzipien wie Affekt- und Dingkonstanz).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Spracherwerb, Phonologie, Semantik, Lallphase, Ammensprache und die Prinzipien der Ding- und Affektkonstanz.
Warum ist die „Ammensprache“ für den kindlichen Spracherwerb bedeutsam?
Die Ammensprache fungiert als ein lautlicher Raum, der Geborgenheit vermittelt und das Kind motiviert, eigene Laute in einem interaktiven, gesangsähnlichen Dialog zu produzieren.
Was unterscheidet „Protowörter“ von den vorherigen Lalllauten?
Im Gegensatz zu den zufälligen Lalllauten sind Protowörter durch eine bewusste Absicht des Kindes gekennzeichnet, eine konstante Bedeutung mit einem bestimmten Laut zu verknüpfen.
Welche Rolle spielt die „Dingkonstanz“ beim Spracherwerb?
Die Dingkonstanz ist ein wichtiger Entwicklungsschritt, bei dem das Kind erkennt, dass ein Gegenstand einen Namen hat, der unabhängig von aktuellen Affekten oder persönlichen Wünschen des Kindes existiert.
Inwiefern ist die semantische Entwicklung von der Syntax abhängig?
Laut der Arbeit geht die Semantik der Syntax voraus, da bereits in semantischen Begriffen grundlegende organisatorische Prinzipien enthalten sind, die erst später in der komplexen Satzsyntax explizit ausgearbeitet werden.
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- Julia Smaxwil (Author), 2004, Kindlicher Spracherwerb: Der Mensch lernt sprechen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88447