Alessandro Moreschi - Sind seine Tonaufnahmen stellvertretend für den Kastratengesang?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
Exkurs: Biografie Alessandro Moreschi

2. Die Aufnahme
2.1 Technische Mängel
2.2 Aufregung
2.3 Stimmalter

3. Die Stimme
3.1 Klangerzeugung mit der menschlichen Stimme und Spezifika der Kastratenstimme
3.2 Formale Aspekte zu Moreschis Stimme
3.3 Künstlerische Aspekte

4. Fazit

5. Quellen
5.1 Primärquellen
5.2 Sekundärquellen
5.2.1 Bücher
5.2.2 Internet

Trackliste der beiliegenden Audio-CD

1. Einleitung

„Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen in den Versammlungen schweigen, denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es sagt.“[1]

Ein einziger Satz aus Korinther 14,34 war ab dem beginnenden 17. Jahrhundert und bis vor etwas über 100 Jahren verantwortlich für die illegale Verstümmelung von vielen tausenden (vornehmlich italienischen) Knaben – den Kastraten.[2] Denn in diesem einen Satz des Neuen Testaments, oder besser, in seiner falsch verkürzten Fassung „ mulier taceat in ecclesia[3] sahen die Päpste die Rechtfertigung, dass keine Frau im Vatikan Chordienst leisten dürfe.[4] Aber nicht nur dort, sondern auch in allen unter päpstlicher Herrschaft stehenden Ländern war es Frauen untersagt, als Chor- und ab 1588 sogar als Opernsängerin zu arbeiten. Doch wie war es möglich, große sakrale Chorwerke aufzuführen, ohne auf Sopran- und Altstimmen zu verzichten? Es gab die so genannten Falsettisten, die, wie der Name schon sagt, im Falsett sangen. Meist kamen sie aus Spanien, und ihre Gesangstechnik galt als ein gut gehütetes Geheimnis, was im Gegenzug hohe Gagenforderungen bedeutete. Nachteilig erwies sich, dass der nicht besonders große Tonumfang ihrer Gesangsstimme manchmal in der Höhe nur bis zum c’’ oder d’’[5] reichte. Eine weitere erlaubte Möglichkeit waren die Knabensänger, die aber, sobald sie durch mehrjährige Schulung das ausreichende musikalische Bewusstsein und Können erlangt hatten, in den Stimmbruch kamen und ihre hohen Stimmen für immer verloren. Dem konnte jedoch durch eine simple Operation Abhilfe geschafft werden:

Man durchtrennte vor Einbruch der Pubertät und dem Einsetzen des Stimmbruchs die Samenleiter des Knaben, verhinderte dadurch eine pubertäre hormonelle Veränderung des Körpers, und somit auch, dass sich die Knabenstimmbänder in die eines Mannes verwandelten. Ein fataler Eingriff für den Großteil der meist aus armen Verhältnissen stammenden und oft einfach nur auf Verdacht und ohne vorherige Eignungsprüfung aus reiner Geldnot Kastrierten.

Für einige wenige Talentierte gab es Hoffnung: das Leben als Opernsänger, das Berühmtheit und Reichtum versprach, oder das Singen in einem katholischen Kirchenchor, das das grundlegende Überleben sicherte. Zu den bedeutendsten Kirchenchören zählte der der Sixtinischen Kapelle – der Privatchor des Papstes. In ihm waren zu den Bestzeiten bis zu 16 Kastraten beschäftigt[6].

Kastration war illegal: „In Rom und im Kirchenstaate galt der Codex Justinianeus, der für die Entmannung strenge Strafen androhte, als subsidiäres Recht und insofern war es nicht nötig, daß die Päpste als weltliche Herrscher neue Gesetze erließen.“[7] Die Operation für sängerischen Nachwuchs stand zwar unter Strafe, wenn Knaben sich aber aus gesundheitlichen Gründen der Operation unterziehen mussten, oder beispielsweise „durch den bösen Biß eines wilden Schweins“[8] verletzt wurden, war sie legal. Das Nachprüfen einer Straftat erwies sich als schwierig und war auch gar nicht erwünscht – Päpste und Fürsten, die hätten Recht sprechen können, profitierten ja davon: ”Many popes had turned a blind eye to the practice of castration, thinking that once the deed had been done, why not profit by it?”[9] Dass aber eigentlich nur wegen der Kirche kastriert wurde, ist grotesk. Es existieren keine offiziellen Äußerungen der Päpste zu diesem Thema[10], aber die inzwischen immer pompöser werdende Musik, die auch kunstvolle Sologesänge verwendete, verlangte nach geschulten professionellen hohen Stimmen, wie sie nur Kastraten oder Frauen haben. So nahm die Sixtinische Kapelle die „Verschnittenen“ mit offenen Armen auf und konnte sich noch als Gönner hinstellen, denn was hätten diese armen Geschöpfe sonst tun sollen? Kastraten waren gesellschaftlich nie sehr angesehen, ihnen wurden gelegentlich verabscheuungswürdige menschliche Charaktereigenschaften nachgesagt, sie waren somit wirklich kaum fähig, einen anderen Beruf als den des Sängers zu ergreifen, denn sobald sie etwas sagten, enttarnte sie ihre hohe Sprechstimme als Entmannte. Ob manchmal nur aus dem sängerischen und nicht aus dem, aus heutiger Sicht häufig überflüssigen medizinischen Grund kastriert wurde, blieb also bei vielen Vorfällen ungeklärt. Man vermied es, Aufsehen um die Aufnahmepraktiken im Chor der Sixtina zu veranstalten, vieles blieb im Geheimen, Kastraten wurden oft in den offiziellen Statistiken nicht als Kastraten, also castrato, Evirato[11] oder Eunuco[12], sondern, wenn überhaupt, als S oprano[13], musico[14], falsetista[15] oder Spangoletti[16] geführt. Der Chorist der Sixtinischen Kapelle hatte sich Regeln zu unterwerfen und schwor, „daß er dem Papst treu diene, die Vorschriften des Statuts stets beachten, und – worauf insbesondere Nachdruck gelegt wurde – nie die Geheimnisse des Kollegs verraten wolle.“[17] Dies erklärt auch die schwierige Quellenlage, die große Anzahl von Vermutungen und die häufigen Rückgriffe auf Anekdoten, die es über das gesamte Kastratenwesen zur Genüge gibt.

„Die Französische Revolution machte der sixtinischen Frauenverstummung ein Ende. 1798 standen zum ersten Mal wieder weibliche Wesen auf den Bühnen Roms.“[18] In diesem Zuge wurde auch die Kastration unter Todesstrafe gestellt. Im Endeffekt handhabte man das Gesetz aber genauso lasch wie vorher, es wurde weiter kastriert, wenn auch nicht mehr in dem Ausmaß wie früher, was jedoch auch am sich verändernden Musikgeschmack lag, einem Umdenken in der Oper, weg vom Kastratengesang. Kastraten wurden aber weiterhin in den Kirchenchören und besonders im Vatikan eingesetzt.

Mit Anfang des 20. Jahrhunderts, dem Tod von Papst Leo XIII (*1810, Pontifikat 1878-1903) und der Einsetzung von Pius X (*1835, Pontifikat 1903-1914) im Jahre 1903 begann erneut eine Reform: Die Sakralmusik wurde wieder vereinfacht, man verbannte alles bis auf die Gregorianik aus der Liturgie, ersetzte Kastraten wieder durch Knaben, und langsam verschwanden die Entmannten auch aus ihrer letzten Bastion, der Sixtinischen Kapelle. „It is a curious fact that the first and the last place in Italy known to have employed castrati singers was the Vatican“[19]. Mit Lorenzo Perosi (1872-1956) als neuem Chorleiter – er trat 1902 an die Stelle des Kastraten Domenico Mustafà (1829-1912) – und seiner Abneigung gegen Kastratenstimmen, hatte die Neueinstellung von Kastraten ein Ende: Das Auslaufen dieser Tradition war besiegelt.

Doch was blieb der Nachwelt von der jahrhunderte andauernden Ära der Kastraten erhalten und wie mögen diese speziellen Sänger geklungen haben? Notenbeispiele und Augenzeugenberichte sind überliefert, sie lassen erahnen, wozu diese Sänger fähig waren – der zeitgenössische Klang von Opernkastraten wird dem heutigen Hörer aber für immer verwehrt bleiben. Historische Tonbeispiele sind nur von einem einzigen Kastraten erhalten, von Alessandro Moreschi, dem so genannten „ Letzten Kastraten“[20] der Sixtinischen Kapelle.

Exkurs: Biografie Alessandro Moreschi

Alessandro Moreschi wurde am 11.11.1858 um 11 Uhr in Montecompatri, etwa 40 Kilometer von Rom entfernt, als 6. Kind geboren.[21] Schon als Junge wirkte er in der Kapelle der Madonna dal Castagno in Montecompatri mit. Das Datum seiner Kastration ist unbekannt, Clapton vermutet, dass sie während der Cholera-Epidemie 1867 präventiv vorgenommen wurde um das Immunsystem zu stärken.[22] Moreschi war als einziger seiner Geschwister schon sehr früh getauft worden, was meist nur mit körperlich schwachen Kindern geschah. Er wird wohl seine ganze Kindheit ein eher kränklicher Junge gewesen sein, was für einen medizinischen Kastrationsgrund spricht, ob dies aber richtig ist, wurde weder von Moreschi noch von anderer Stelle bestätigt. Moreschi bekam seit 1871 Unterricht an der Chorschule San Salvatore in Lauro. Im Juli 1873 tritt er als primo soprano in die Kapelle der Kirche San Giovanni Laterano ein. Durch seinen dortigen Vortrag des Seraphs aus dem Oratorium Christus am Ölberge (op. 85) von Beethoven fällt er den Leitern des Chores der Capella Sistina auf und wird nach einstimmigem Einverständnis der restlichen Choristen am 22.3.1883 Mitglied des Chores. Er sticht aus der Masse der übrigen, noch im Chor aktiven Kastraten heraus, da er ihnen an Gesangsqualität überlegen ist. Ihm wird sogar die übliche Probezeit erlassen, und somit steigt er nach und nach die Karriereleiter auf bis zum maestro pro tempore[23]. Zudem bekleidet er verschiedene Verwaltungsämter im Chor. Nebenbei hat Moreschi noch einige Auftritte in verschiedenen anderen Kirchen, bei den Beerdigungsfeierlichkeiten der Könige Victor Emanuelle II und Humbert I im Pantheon, oder auf Privatkonzerten, beispielsweise in Hotels. Seit 1894 ist er auch Mitglied bei der Capella Giulia in St. Peter in Rom. 1902 kommen zwei Schallplattenpioniere, die Brüder Fred und Will Gaisberg, technisch-kreative Vorstände der amerikanischen Gramophone and Typewriter Company, nach Rom und machen mit ihm die einzigartigen Stimmaufnahmen. 1904 steht Moreschi nochmals vor dem Aufzeichenhorn des Grammophons. Nach 30 Jahren des Chordienstes wird Moreschi 1913 mit 54 Jahren Pensionist. Der österreichische Musikwissenschaftler und Arzt Franz Haböck[24] trifft Moreschi – nachdem er ihn 1911 auf einem Musikkongress hören konnte – 1914 persönlich; seine Aussagen sind maßgebend für die meisten überlieferten Informationen über Moreschi. Haböck wollte ursprünglich mit den restlichen Kastraten der Sixtinischen Kapelle als letzten Vertretern ihrer Gattung die Kastratenarien des berühmten Farinelli (d.i. Carlo Broschi, 1705-1782) aufführen, was aber scheitert aufgrund altersbedingter Stimmprobleme und nur sakralmusiktauglicher Ausbildung. Moreschi stirbt am 21.4.1922 in Rom mit 63 Jahren und wird im Cimitero del Verano, einer Art Familiengruft der Chorsänger der Sixtina, beigesetzt.

Eine detailliertere Biografie ist nicht erhalten und soll auch nicht Gegenstand dieser Arbeit sein, denn, was Moreschi für die Nachwelt so bedeutend macht, sind nicht seine Auftritte in der Kirche, sondern die Tatsache, dass gerade seine ausgebildete Kastratenstimme als einzige überhaupt mit den seinerzeit aktuellsten technischen Mitteln konserviert wurde. Es existieren noch Schallplatten mit Tonbeispielen von Skopzenstimmen[25], die jedoch in der vorliegenden Arbeit ausgeklammert werden, da diese Kastraten niemals eine Gesangsausbildung genossen haben und auch nur Stimmumfänge von ungefähr einer Oktave besitzen.[26]

[...]


[1] Hamp, Vinzenz (Hrsg.), u.a.: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Aschaffenburg: Paul Pattloch Verlag, 197626. S. 243

[2] Über eine genaue Anzahl streiten sich die Quellen, es ist meistens die Rede von 2000 oder 4000 pro Jahr, diese Zahlen werden aber von anderen Quellen wieder stark angezweifelt. Aufgrund des Verbotes der Kastration beim Menschen wurden niemals offizielle Statistiken erstellt, es bestand eine hohe Dunkelziffer bzw. Verschleierungsquote. So können heute wie damals keine genauen Angaben gemacht werden. „Die Zahl der von 1600-1850 kastrierten Knaben muß sehr groß gewesen sein, aber eine auch nur annähernd genaue Angabe ist unmöglich.“ Vgl. dazu Browe, Peter: Zur Geschichte der Entmannung – Eine Religions- und Rechtsgeschichtliche Studie. Breslau: Müller & Seiffert, 1936. S. 98 – Schon hier zeigt sich die Schwierigkeit, im Themenbereich „Kastraten“ zu eindeutigen Aussagen zu kommen; oftmals widersprechen sich die Quellen, zweifeln einander gegenseitig an. Es wurde deshalb versucht, wenn es zu verschiedenen, heute nicht mehr nachprüfbaren Meinungen kommt, diese nebeneinander zu stellen.

[3] Siehe: Fritz, Hans: Kastratengesang. Tutzing: Hans Schneider, 1994. S. 134, Anm. 385

[4] Frauen war es schon ab dem 4. Jahrhundert verboten in Kirchen zu singen. Vgl. dazu Ranke-Heinemann, Uta: Eunuchen für das Himmelreich: katholische Kirche und Sexualität. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1988. S. 263

[5] Vgl. Haböck, Franz: Die Kastraten und ihre Gesangskunst. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1927. S. 146

[6] Der Chor war an die 32 Sänger stark, d.h. jede der Stimmen achtfach besetzt. Die Kastraten wirkten jeweils in den Alt- und Sopranstimmen mit.

[7] Browe, Peter: Geschichte der Entmannung, S. 101

[8] Haböck, Franz: Die Kastraten und ihre Gesangskunst. S. 245

[9] Wolfson, John / Scammell Elsa: Alessandro Moreschi. In: Alessandro Moreschi – The Last Castrato – Complete Vatican recordings. OPAL CD 9823 (Booklet), Pavilion Records, Waldhurst, 1987. S. 8 (eigene Paginierung)

[10] Einige Quellen berichten, dass ein Erlass von Papst Clemens VII (1536-1605) die Kastration „ad honorem dei“ erlauben würde. Eine offizielle zeitgenössische Quellenangabe kann aber keiner der Verfasser machen. Browe bestreitet dieses Zitat auch. Vgl. dazu: Browe, Entmannung, S. 101 oder Clapton, Nicholas: Moreschi - The Last Castrato. London: Haus Publishing, 2004. S. 11 oder: Scholz, Piotr O.: Der entmannte Eros. Eine Kulturgeschichte. Düsseldorf/Zürich: Artemis und Winkler, 1997. S. 256 - Vielleicht ergab sich diese Vermutung, da Clemens VII als einer der ersten Päpste gilt, der Kastraten im Chor der Sixtinischen Kapelle beschäftigte.

[11] Derksen, Jörg: Der römische Sopranist Alessandro Moreschi (1858-1922). Das reproduzierte Bild des ’letzten Kastraten’ und der musikwissenschaftlichen Forschung im 20. Jahrhundert (Magisterarbeit), Bonn: o.V., 1995. S. 49, Anm. 4

[12] Fritz, Hans: Kastratengesang. S. 147 - Nur die zwei allerersten Kastraten der Statistik des Vatikans werden so bezeichnet.

[13] Kesting, Jürgen: Die Stimme als Kunst-Werk. In: Barbier, Patrick: Farinelli – Der Kastrat der Könige. Die Biographie. Deutsch von Claudia Denzler. Düsseldorf: Econ, 1995, S. 9

[14] Ebd. S. 158

[15] Clapton, Nicholas: Moreschi. S. 7

[16] Scholz, Piotr O.: Der entmannte Eros. S. 255

[17] Schelle, Eduard: Die päpstliche Sängerschule in Rom genannt die Sixtinische Kapelle – ein musikhistorisches Bild. Wien: 1872. Zit. in: Haböck, Gesangskunst, S. 158

[18] Ranke-Heinemann, Uta: Eunuchen für das Himmelreich, S. 263

[19] Wolfson, John / Scammell Elsa: Alessandro Moreschi. S. 2 (eigene Paginierung)

[20] Zum wirklich Letzten (Gesangs-) Kastraten wurde Alessandro Moreschi mit dem Tod seines Kollegen Vincenzo Sebastianelli am 12.3.1919. Gerüchte existieren über einen Kastraten, Domenico Mancini, der noch von 1939 bis 1959 im Vatikan gesungen haben soll. Vgl. dazu: Gruber, Gerold W.: Der Niedergang des Kastratentums. Eine Untersuchung zur bürgerlichen Kritik an der höfischen Musikkultur im 18. Jahrhundert, aufgezeigt am Beispiel der Kritik am Kastratentum – mit einem Versuch einer objektiven Klassifikation der Kastratenstimme (Diss.). Wien: o.V., 1982. S. 186 - Ob Mancini aber doch nur ein Falsettist gewesen ist, darüber streiten sich die Quellen. Clapton führt ein Zitat von Mancini selbst an, wie er über seine vorpubertären Unterrichtsstunden bei Alessandro Moreschi berichtet, und wie er dessen Stimme imitiert. Nach dem Stimmbruch hätte Mancini auch im Falsett singen und sich somit die hohe Stimme bewahren können. Vgl. dazu: Clapton, Moreschi, S. 130ff.

[21] Vgl. ebd. S. 26

[22] Vgl. ebd. S. 32f.

[23] Ein geheim und demokratisch gewählter Posten. ”[I]t did not involve any conducting, but was chiefly administrative, being concerned with calling choir meetings, fixing rehearsals, granting leave of absence and the like.“ Vgl.: Clapton, Moreschi, S. 88

[24] Prof. Franz Haböck (1868-1921) wollte ursprünglich ein Gesamtwerk „Gesangskunst der Kastraten in vier Bänden“, bestehend jeweils aus zwei Notenbänden und zwei Textbänden, herausgeben, von dem aber nur der erste Band in der geplanten Form erscheinen konnte. Sein restliches, unvollendetes Werk ist posthum erschienen, bleibt aber für die Beschäftigung mit Moreschi eine wichtige Grundlage. Vgl. dazu: Derksen, Jörg: Der römische Sopranist Alessandro Moreschi. (Magisterarbeit) S. 80ff.

[25] Skopzen waren kastrierte Mitglieder einer verbotenen, 1757 gegründeten russischen Sekte, die den Glauben verbreitete, dass nur kastrierte Männer und Frauen in den Himmel auffahren können. Bis der Messias (der Gründervater der Sekte selbst) kommt und seine Herrschaft den Selbstverstümmelten überantwortet, müssen 144.000 Menschen kastriert sein. Die Wissenschaftler Julius Tandler und Siegfried Grosz konnten um 1907 an gefangenen männlichen Skopzen Untersuchungen durchführen und dokumentieren. Sie machten die beinahe einzigen umfassenden Aufzeichnungen über menschliche Kastraten. Vgl. Haböck, Gesangskunst, S. 39f.

[26] Vgl.: Haböck, Gesangskunst, S. 117: „Da alle fünf Sänger – gebürtige Russen – reine Naturalisten im Stimmgebrauch sind, […] ist der Eindruck der Phonogramme an sich nicht sehr ergiebig, was teilweise auch an den gewöhnlichen Liedern liegen dürfte, die nur zur Entfaltung eines geringen Umfangs Gelegenheit bieten, der über eine Sext von f bis d’, oder eine Oktav von d bis d’ oder höchstens von f bis g’ kaum hinausgeht. Keinesfalls vermitteln diese Phonogramme eine richtige Vorstellung von dem eigentlichen Charakter einer Eunuchensingstimme.“

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Alessandro Moreschi - Sind seine Tonaufnahmen stellvertretend für den Kastratengesang?
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Inszenierungsanalyse
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V88454
ISBN (eBook)
9783638024679
ISBN (Buch)
9783656761051
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alessandro, Moreschi, Sind, Tonaufnahmen, Kastratengesang, Inszenierungsanalyse
Arbeit zitieren
Michael Köwer (Autor:in), 2007, Alessandro Moreschi - Sind seine Tonaufnahmen stellvertretend für den Kastratengesang?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88454

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