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Alessandro Moreschi - Sind seine Tonaufnahmen stellvertretend für den Kastratengesang?

Title: Alessandro Moreschi - Sind seine Tonaufnahmen stellvertretend für den Kastratengesang?

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Köwer (Author)

Theater Studies, Dance
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„Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen in den Versammlungen schweigen, denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es sagt.“

Ein einziger Satz aus Korinther 14,34 war ab dem beginnenden 17. Jahrhundert und bis vor etwas über 100 Jahren verantwortlich für die illegale Verstümmelung von vie-len tausenden (vornehmlich italienischen) Knaben – den Kastraten. Denn in diesem einen Satz des Neuen Testaments, oder besser, in seiner falsch verkürzten Fassung „mulier taceat in ecclesia“ sahen die Päpste die Rechtfertigung, dass keine Frau im Vatikan Chordienst leisten dürfe. Aber nicht nur dort, sondern auch in allen unter päpstlicher Herrschaft stehenden Ländern war es Frauen untersagt, als Chor- und ab 1588 sogar als Opernsängerin zu arbeiten. Doch wie war es möglich, große sakrale Chorwerke aufzuführen, ohne auf Sopran- und Altstimmen zu verzichten? Es gab die so genannten Falsettisten, die, wie der Name schon sagt, im Falsett sangen. Meist kamen sie aus Spanien, und ihre Gesangstechnik galt als ein gut gehütetes Geheim-nis, was im Gegenzug hohe Gagenforderungen bedeutete. Nachteilig erwies sich, dass der nicht besonders große Tonumfang ihrer Gesangsstimme manchmal in der Höhe nur bis zum c’’ oder d’’ reichte. Eine weitere erlaubte Möglichkeit waren die Knabensänger, die aber, sobald sie durch mehrjährige Schulung das ausreichende musikalische Bewusstsein und Können erlangt hatten, in den Stimmbruch kamen und ihre hohen Stimmen für immer verloren. Dem konnte jedoch durch eine simple Operation Abhilfe geschafft werden:
Man durchtrennte vor Einbruch der Pubertät und dem Einsetzen des Stimmbruchs die Samenleiter des Knaben, verhinderte dadurch eine pubertäre hormonelle Verän-derung des Körpers, und somit auch, dass sich die Knabenstimmbänder in die eines Mannes verwandelten. Ein fataler Eingriff für den Großteil der meist aus armen Ver-hältnissen stammenden und oft einfach nur auf Verdacht und ohne vorherige Eig-nungsprüfung aus reiner Geldnot Kastrierten. Für einige wenige Talentierte gab es Hoffnung: das Leben als Opernsänger, das Be-rühmtheit und Reichtum versprach, oder das Singen in einem katholischen Kirchen-chor, das das grundlegende Überleben sicherte. Zu den bedeutendsten Kirchenchö-ren zählte der der Sixtinischen Kapelle – der Privatchor des Papstes. In ihm waren zu den Bestzeiten bis zu 16 Kastraten beschäftigt .

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

Exkurs: Biografie Alessandro Moreschi

2. DIE AUFNAHME

2.1 Technische Mängel

2.2 Aufregung

2.3 Stimmalter

3. DIE STIMME

3.1 Klangerzeugung mit der menschlichen Stimme und Spezifika der Kastratenstimme.

3.2 Formale Aspekte zu Moreschis Stimme

3.3 Künstlerische Aspekte

4. FAZIT

5. QUELLEN

5.1 Primärquellen

5.2 Sekundärquellen

5.2.1 Bücher

5.2.2 Internet

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit die historischen Tonaufnahmen von Alessandro Moreschi als repräsentativ für den Klang und die Gesangstechnik der Kastraten gelten können, und analysiert hierbei kritisch die Limitierungen der frühen Aufnahmetechnik sowie den altersbedingten Zustand der Stimme des Sängers.

  • Kritische Analyse der Aufnahmetechnik von 1902 und 1904.
  • Untersuchung der physiologischen und stimmtechnischen Merkmale der Kastratenstimme.
  • Vergleich der Moreschi-Aufnahmen mit historischen Überlieferungen und anderen Kastraten wie Farinelli.
  • Bewertung der Einflussfaktoren wie Nervosität, Alter und Repertoireauswahl auf das Klangergebnis.
  • Rekonstruktion und Einordnung der Bedeutung Moreschis als „letzter Kastrat“.

Auszug aus dem Buch

3.1 Klangerzeugung mit der menschlichen Stimme und Spezifika der Kastratenstimme

Technisch und menschlich bedingte Abstriche an die Qualität der Aufnahmen einbeziehend, beschäftigt sich dieses Kapitel mit den Besonderheiten der Stimme Moreschis, wie sie auf der 1987 veröffentlichten OPAL CD, die alle Werke seiner hörbaren Mitwirkung sowie die Papststimme Leo XIII beinhaltet, zu hören ist. Zuerst aber soll die Prozedur der Klangerzeugung durch die menschliche Stimme überhaupt kurz umrissen werden:

„Um einen Ton zu erzeugen spannen wir die Stimmbänder an. Dabei verengt sich die Stimmritze im Kehlkopf zu einem schmalen Spalt. Der Atem wird durch diese enge Ritze geführt, versetzt dabei die Stimmbänder in elastische Schwingungen und es entsteht ein Ton. Die Höhe des Tons hängt von der Länge und der Spannung der Stimmbänder ab. Je kürzer die Stimmbänder sind, desto höher sind die Töne, die sie erzeugen können.“

Der Kastratenkehlkopf ähnelt von der Stimmbandlänge mit ca. 12 mm am ehesten dem einer Frau und hat im Unterschied zum dem des Manns mit 18 mm Länge keinen Adamsapfel. Wegen der durch Kastration verhinderten Pubertät kann sich das männliche Merkmal nicht entwickeln, die Stimmbänder wachsen nur minimal. Dies erklärt die einer weiblichen Sopranstimme im Umfang ähnlich hohen Töne. Dem berühmten Farinelli wird z.B. eine Stimme von „mehr als drei Oktaven – vom >C< bis zum >D’’’<“ zugeschrieben. Auch seine enorme Atemkraft, damit verbundene Schwelltöne und extrem langer Atem, sind legendär.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Beleuchtung der historischen Hintergründe und der kirchlichen Rechtfertigung für die Kastration, sowie Einleitung in die Thematik der Kastraten als Sängergruppe.

Exkurs: Biografie Alessandro Moreschi: Zusammenfassung des Lebenswegs von Alessandro Moreschi, seinem Werdegang in der Sixtinischen Kapelle und seiner Bedeutung als einziger aufgezeichneter Kastrat.

2. DIE AUFNAHME: Analyse der technischen Rahmenbedingungen und Einschränkungen der frühen Grammophon-Aufnahmen sowie der Einfluss von Nervosität und Aufnahmesituation.

2.1 Technische Mängel: Detaillierte Betrachtung der eingeschränkten Frequenzbereiche und der Auswirkungen der Aufnahmetechnik auf das Klangbild.

2.2 Aufregung: Untersuchung der psychologischen Auswirkungen auf den Sänger während des Aufnahmevorgangs und der fehlenden Nachbearbeitungsmöglichkeiten.

2.3 Stimmalter: Erörterung der altersbedingten Stimmveränderungen und körperlichen Voraussetzungen eines Kastraten bei zunehmendem Alter.

3. DIE STIMME: Darstellung der physiologischen Grundlagen des Kastratengesangs im Vergleich zur modernen Stimmphysiologie.

3.1 Klangerzeugung mit der menschlichen Stimme und Spezifika der Kastratenstimme.: Erklärung der Stimmfunktion und der anatomischen Besonderheiten der Kastratenkehlköpfe.

3.2 Formale Aspekte zu Moreschis Stimme: Analyse von Tonumfang und Registerwechseln in den erhaltenen Aufnahmen von Moreschi.

3.3 Künstlerische Aspekte: Untersuchung der angewandten Gesangsstilmittel wie der Appoggiatura und der Einordnung in den zeitgenössischen musikalischen Geschmack.

4. FAZIT: Kritische Zusammenfassung der Ergebnisse und abschließende Einordnung der Repräsentativität der Aufnahmen für die gesamte Ära der Kastraten.

5. QUELLEN: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Alessandro Moreschi, Kastrat, Sixtinische Kapelle, Kastratengesang, Gesangstechnik, Aufnahmetechnik, Stimmphysiologie, Farinelli, Kirchenmusik, Vokalmusik, Historische Aufnahmen, Appoggiatura, Registerwechsel, Stimmalter, Stimmumfang.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Analyse der historischen Tonaufnahmen des letzten Kastratensängers der Sixtinischen Kapelle, Alessandro Moreschi.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind die historische Einordnung des Kastratenwesens, die Technik der frühen Schallplattenaufnahmen, die Anatomie der Kastratenstimme und die kritische Würdigung der Überlieferung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, inwieweit die Aufnahmen von Moreschi repräsentativ für die jahrhundertelange Tradition des Kastratengesangs sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden musikwissenschaftliche Quellen, anatomische Grundlagen und eine kritische Auseinandersetzung mit der Tonträgertechnik sowie ein Vergleich mit historischen Berichten herangezogen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die technischen Mängel der Aufnahmen, den stimmlichen Zustand Moreschis, die physiologischen Besonderheiten der Kastraten sowie ästhetische Aspekte wie Registerwechsel und Verzierungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Moreschi, Kastratenstimme, Aufnahmetechnik, Historische Musikwissenschaft und Stimmphysiologie.

Welche Rolle spielt Farinelli in dieser Arbeit?

Farinelli dient als Idealbild des Kastraten, um den Kontrast zwischen der legendären Stimmqualität eines Opernkastraten und dem dokumentierten, technisch limitierten Klang Moreschis aufzuzeigen.

Warum konnte Moreschis Stimme nur beschränkt rekonstruiert werden?

Die Rekonstruktion ist aufgrund des Frequenzverlusts bei der alten Aufnahmetechnik, des Alters Moreschis bei der Aufnahme und des Fehlens objektiver Referenzaufnahmen von anderen Kastraten extrem schwierig.

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Details

Title
Alessandro Moreschi - Sind seine Tonaufnahmen stellvertretend für den Kastratengesang?
College
University of Bayreuth
Course
Inszenierungsanalyse
Grade
1,0
Author
Michael Köwer (Author)
Publication Year
2007
Pages
25
Catalog Number
V88454
ISBN (eBook)
9783638024679
ISBN (Book)
9783656761051
Language
German
Tags
Alessandro Moreschi Sind Tonaufnahmen Kastratengesang Inszenierungsanalyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Köwer (Author), 2007, Alessandro Moreschi - Sind seine Tonaufnahmen stellvertretend für den Kastratengesang?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88454
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