Die Methode in der Sozialen Arbeit - Soziale Einzelhilfe - Eine kritische Betrachtung


Hausarbeit, 2006
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Grundlagen sozialpädagogischen Handelns:
2.1. Konzepte – Methoden- Verfahren
2.2. Kritische Betrachtung des Begriffes ‚Methode’
2.3. Methodenentwicklung

3. Soziale Einzelhilfe (Case Management)
3.1. Die Bedeutung von der Sozialen Einzelhilfe in der Sozialen Arbeit
3.2. Einschätzung und Methodenkritik der Sozialen Einzelhilfe
3.2.1 Methodenkritik Baron (der Sozialpädagogischen Korrespondenz) und Kunstreich
3.2.2. Methodenkritik von Michael Galuske
3.2.3. Vergleich der beiden Kritiker

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Profils Grundstrukturen Sozialer Arbeit und Diakonie, bei Prof. Dr. Timm Kunstreich und Marcus Hußmann, befasste sich das Seminar des Wintersemesters 2005/2006 mit der Fragestellung „Wie handeln die Professionellen in der sozialen Arbeit?“.

In diesem Seminar stand die Frage der Professionalität und Methodik in der Sozialen Arbeit im Vordergrund.

Die thematischen Impulse des Semesters 05/06 setzen sich ebenfalls mit diesen Fragen auseinander.

Der Input von Markus Hußmann, am 19. Dezember 2005, setzte sich gezielt mit dem Thema Professionalität auseinander. Dabei standen folgende Fragen im Raum:

„Wozu sind wir Experten?“ und „Was ist Professionalität in der Sozialen Arbeit?“

In unserer Arbeitsgruppe mit Cornelia Frieß im Anschluss an den Input kamen bei uns folgende Fragen auf:

- „Leitet theoretisches Wissen die Praxis an?“
- „Ist theoretisches Wissen unbrauchbar, da es nicht unser soziales Handeln bestimmt?“
- „Wenn wir keine Experten sind, welche Bedeutung hat das wissenschaftliches Wissen?“

Immer wieder kamen wir während unserer Diskussion auf die Fragen zurück „Was wissenschaftliches Wissen ist?“ und „Wie sich wissenschaftliches Wissen kennzeichnet“. Unterschiedliche Meinungen kamen zum Ausdruck. Für manche lag wissenschaftliches Wissen in Theorien. Für andere war wissenschaftliches Wissen in der Methodik verankert.

Die Fragen, welche in dieser Diskussion aufkamen, beschäftigten mich weiterhin und ich griff noch einmal auf den thematischen Impuls von Cornelia Frieß, vom 12. Dezember 2005, zurück, in dem das Thema „Situation/Person“ thematisiert wurde. Cornelia begann diesen Input mit der Frage „Situation/ Person- Was muss verändert werden“. Fokussiert wurde die Methodik der Sozialen Arbeit. Während des Inputs verglichen wir Personenbezogene Verfahren mit Situationsbezogenen Verfahren. Dabei kristallisierte sich heraus, dass das Personenbezogene Verfahren das hauptsächlich praktizierte Modell der Sozialen Arbeit ist. Jedoch stellte sich auch heraus, dass dieses Verfahren ein sehr häufig kritisiertes Modell ist, was ich sehr interessant fand.

Seminarbegleitend arbeiteten wir mit den zwei Bänden ‚Grundkurs Sozialer Arbeit’ von Timm Kunstreich, welche unterschiedliche Blicke auf Geschichte und Gegenwart Sozialer Arbeit werfen. Im Sechsten Blick- ‚Soziale Arbeit als Sozialtechnologie im „Modell Deutschland“ und als kritische Gesellschaftstheorie’ setzt sich Timm Kunstreich im Grundkurs Soziale Arbeit, Band 2, (2001) ebenfalls mit der Methodenkritik und der Suche nach neuen Ansätzen auseinander. Thematisiert werden dabei die drei Methoden Einzel-, Gruppen-, und Gemeinwesenarbeit.

Meine Hausarbeit möchte ich zum Anlass nehmen mich mit der Methodik der Sozialen Arbeit auseinander zu setzen.

Da das Thema an sich zu weiträumig ist, möchte ich einen bestimmten Aspekt betrachten und beleuchten. Die Methodik der Sozialen Arbeit, setzt sich aus verschiedenen Methoden zusammen. Ich habe die Methode ‚Soziale Einzelhilfe’ ausgewählt. Die soziale Einzelhilfe stellt ein Personenbezogenes Verfahren dar, welches in dem Input von Cornelia, wie oben bereits erwähnt, thematisiert wurde.

Ich möchte die Soziale Einzelhilfe untersuchen und ihre Nachteile beleuchten.

An dieser Stelle möchte ich die wissenschaftliche Aussage von Baron (1978) und Kunstreich (2001) darstellen und mit der von Galuske (2003) vergleichen Bevor ich jedoch damit beginne, möchte ich vorerst den Begriff Methodik greifbar machen, damit jeder Leser ein Verständnis über den Begriff bekommt, der im weiteren Verlauf einen zentralen Stellenwert hat. Dies stellt einen ersten Hauptteil meiner Arbeit dar, da sich dies als viel weiträumiger erwies, als ich es zunächst erwartete.

2. Grundlagen sozialpädagogischen Handelns

„In einer wissenschaftlichen Diskussion ist es .. gefährlich, mit Begriffen zu arbeiten, die auch im Alltagssprachlichen verwurzelt sind.“, so Galuske (2003. S.23). Er betont, dass jeder „Inhalte, Bilder und Assoziationen“ mit dem Begriff Methode in Verbindung bring. Damit diese Verbindungen eine fachliche Auseinandersetzung nicht beeinflussen, hält er eine vorausgehende Klärung für unabdingbar. (vgl. ebd.)

Bei Wikipedia wird der Begriff ‚Methode’ wie folgt definiert:

„Eine Methode („das Nachgehen, Verfolgen, die Verweglichung, Wegebenung“) ist:

- allgemein eine geistige Grundlage für planmäßiges, folgerichtiges Verfahren, Vorgehen, Forschen, Handeln oder die Art und Weise der Durchführung […]
- ein Vorgang innerhalb einer Methodik
- Wissenschaft: eine Vorgehensweise, um neue Erkenntnisse zu erlangen
- […] (Wikipedia)

Des Weiteren findet man unter dem Begriff ‚ Wissenschaftliche Methodik’ bei Wikipedia folgende Definition: „Wissenschaft enthält Methodiken zum Wissenserwerb, wie sie die Methodologie untersucht. Ziel wissenschaftlicher Methoden ist es, ausgehend von einer oder mehreren Hypothesen eine tragfähige Theorie zu entwickeln.“ (Wikipedia)

2.1. Konzepte – Methoden- Verfahren

Pädagogisches Handeln ist meist kein spontanes, aus dem Bauch heraus geschehenes Handeln, sondern ein geplantes und auf ein Konzept basierendes Handeln mit der Verfolgung bestimmter Ziele und der Verwendung verschiedener Methoden und Techniken.

Die Soziale Einzelhilfe wird teilweise als ein Konzept verstanden, teilweise jedoch auch als eine Methode der Sozialen Arbeit. Daher halte ich es für angebracht die unterschiedlichen Begriffe im Folgenden kurz zu definieren und voneinander abzugrenzen.

Die folgende Abbildung soll verdeutlichen, wie die Begriffe (Konzept-Methoden-Verfahren) zueinander in Verbindung stehen und ineinander greifen. Ein Konzept stellt ein Grundgerüst Sozialer Arbeit dar. Dies wiederum beinhaltet Methoden, welche sich erneut aus verschiedenen Techniken zusammensetzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Konzept- Methode-Technik (Galuske. 2003. S.27)

Konzept „Unter Konzept verstehen wir ein Handlungsmodell, in welchen die Ziele, die Inhalte, die Methoden und die Verfahren in einen sinnhaften Zusammenhang gebracht sind. Dieser Sinn stellt den Ausweis der Begründung und Rechtfertigung dar.“ (Geißler/ Hege. 1997. S.23)

Methoden „Der begriffliche Umfang dessen, was wir Methode nennen, ist enger als der des Konzeptes: Methoden sind- formal betrachtet- (konstitutive) Teilaspekte von Konzepten. Die Methode ist ein vorausgedachter Plan der Vorgehensweise.“ (ebd. S.24)

Verfahren „Während Methoden einen systematisierten Komplex von Vorgehensweisen darstellen, sind Verfahren Einzelelemente von Methoden. In gleicher Weise ist der Begriff „Technik“ […] zu verstehen.“ (ebd. S.29)

2.2. Kritische Betrachtung des Begriffes ‚Methode’

Methode ist ein Begriff, der im Alltagsverständnis durchaus geläufig ist.

„Methoden haben etwas mit planvollem Handeln zu tun, mit Handeln, das in gewissen Umfang standardisiert ist, das nämlich zurückgreift auf einen Fundus an mehr oder minder erprobten Hilfsmitteln. Kurz: Wenn man sich mit Methoden beschäftigt, steht das „wie“ im Mittelpunkt.“ (Galuske. 2003. S.23)

Erler schreibt, dass mit dem Begriff Methode ein Vorgang gemeint ist, der ein bestimmtes Ziel verfolgt. Erler betont dabei jedoch, dass man die „Ziel- oder Zweckausrichtung“ genau betrachten muss, da es sich in den meisten Fällen um ein Objekt handelt, an dem das Ziel verfolgt wird. Beispielsweise ist in der Medizin „die Ziel- Mittel- Relation eindimensional auf den isolierten Heilungsprozess ausgerichtet“. (Erler. 2000. S.82)

Die Methoden der Sozialen Arbeit, sind für Menschen in problematischen sozialen Situationen bestimmt.

„Die Alltagsbezüge von Klienten sind ein umfassendes kommunikatives Beziehungsgeflecht und verlangen demzufolge von den Methoden und Verfahren der sozialen Arbeit die Berücksichtigung des ‚ganzen’ Menschen und all seiner Lebensumstände.“ (Erler. 2000. S.83)

Auf Grund der vielfältigen möglichen sozialen Brennpunkte, entwickelte die Soziale Arbeit etliche signifikante Methoden oder Verfahren. Diese Methoden und Verfahren sind seiner Meinung nach jedoch „dem Gegenstand entsprechend vage und umstritten.“

Die Methodenfrage ist laut Erler auf Grund der vielfältigen Gefüge Sozialer Arbeit „vieldeutig und unklar“. (vgl.Erler. 2000. S.81ff)

Zu beachten ist vor allen Dingen, dass Konzepte und Methoden, aber auch Techniken „Typisierungen und Generalisierungen“ darstellen. Sie sind geplante Überlegungen von Sozialpädagogen- bleiben aber in allen Fällen „gedankliche Gebilde“, was nur das zu erwartende beinhaltet, nicht aber das „zu erwartende Allgemeine“. (vgl. Geißler/Hege. 1997. S.31)

Geißler und Hege betonen, dass die Frage nach Professionalität in der Sozialen Arbeit seit Jahren debattiert wird. Die Debatte verschiebt sich laut ihnen zunehmend von den Zielen und Inhalten Sozialer Arbeit auf die Methoden und Verfahren. (vgl. Geißler/ Hege. 1997. 20f)

So schreibt auch Galuske, dass es um die „Methodendiskussion in der Sozialen Arbeit“ nicht gut steht, sofern man weit verbreitete Bewertungen verfolgt. Er zitiert an dieser Stelle Alice Salomon, die bereits 1926 erkennt, dass die soziale Fürsorge nicht von den gebotenen Mitteln abhängt, sondern von den zur Verfügung stehenden Kräften und Methoden der Sozialen Arbeit. Sie kritisiert des Weiteren, dass Mittel und Notwendigkeit Sozialer Arbeit zu wenig Beachtung in den gesetzlichen Grundlagen in Deutschland finden, woran auch die Ausbildung von Sozialarbeitern leidet. Erwerb von Wissen hat laut Salomon einen höheren Stellenwert als die Erarbeitung von brauchbaren Arbeitsmethoden. (vgl. Salomon, nach Galuske. 2003. S.18)

Auch Müller, der an dieser Stelle von Galuske zitiert wird, sagt zum Stand der Methodenentwicklung folgendes „Aufs ganze gesehen scheint mir das alte Urteil, dass die Praxis sozialer Arbeit jedenfalls in Deutschland ein allenfalls halbprofessionelles Niveau hat, nach wie vor berechtigt. Die seit zwanzig Jahren stark entwickelte sozialwissenschaftliche Reflexion in der Theoriebildung hat keine Entsprechung in verbindlichen Methodenstandards gefunden“ (Müller 1992b. S. 145 nach Galuske. 2003. S.18)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Methode in der Sozialen Arbeit - Soziale Einzelhilfe - Eine kritische Betrachtung
Hochschule
Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V88490
ISBN (eBook)
9783638024808
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schwerpunkt: Methodenkritik von Baron u.a. und Tim Kunstreich (Korrespondenz), sowie von Galuske und ein Vergleich der Kritiker Dozentenkommentar: Du entwickelst in deiner Hausarbeit einen kritischen Blick auf DIE klassische Methode Sozialer Arbeit: die soziale Einzelhilfe. Zudem beschreibst du einen eigenen Bildungsprozess durch die Auseinandersetzung mit dem Thema. Du hast mittels Literaturrecherche, einer historischen Kontextualisierung und einer wissenschaftlichen Vorgehensweise in der Darstellung der Aussagen dein Thema gesichtet und adäquat aufgearbeitet.
Schlagworte
Methode, Sozialen, Arbeit, Soziale, Einzelhilfe, Eine, Betrachtung
Arbeit zitieren
Melanie Bolls (Autor), 2006, Die Methode in der Sozialen Arbeit - Soziale Einzelhilfe - Eine kritische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88490

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