Migrations- und Integrationspolitik von Schweden


Seminararbeit, 2006

15 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Überblick der Migration und Integration in Schweden
2.1 Grund- und Strukturdaten von Schweden
2.2 Migration seit dem 2. Weltkrieg
2.3 Migration- und Integrationspolitik von Schweden

3. Integration
3.1 Soziale Situation in „Ghettos“ und Gegenmaßnahmen der Regierung
3.2 Integrationsmodell

4. Ausblick

Literaturangaben

1. Einleitung

In dem Seminar „Migration in Deutschland und nicht–klassischen Einwanderungsländern“ bei Prof. N. Werz an der Universität Rostock wurden Migration, Migrations- und Integrationsstrukturen und Integrationsprobleme verschiedener europäischer Länder in den Mittelpunkt gestellt. Dabei wurden auch nicht–klassische Einwanderungsländer in den Seminarsitzungen vorgestellt und diskutiert. Schweden ist eines dieser nicht–klassischen Einwanderungsländer. Das Land besteht mittlerweile aus einer größtenteils funktionierenden multikulturellen Gesellschaft, Probleme zwischen verschiedenen Menschengruppen sind relativ selten und gehören in Schweden nicht zur Tagesordnung. Dazu kann man sich folgende Fragen stellen: Wie kann eine derartige Gesellschaft entstehen, und warum hat Schweden trotz einer vielfältigen und multikulturellen Gesellschaft das Thema Integration gut in den Griff bekommen. Wie umfangreich sind die Probleme und wie weitgreifend und erfolgreich sind die Maßnahmen und Programme gegen Integrationsprobleme in Schweden? Um zu zeigen, wie Schweden mit Migration und Integrationsproblemen umgeht, ist es nötig die Migrationsgeschichte, die Struktur der Ausländerpolitik und aktuelle Integrationsprogramme der schwedischen Regierung vorzustellen.

In den letzten 150 Jahren entwickelte sich Schweden vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland. Vor allem nach dem 2. Weltkrieg wanderten immer mehr Menschen nach Schweden ein. Die Einwanderungsquote ist im europäischen Vergleich gering, jedoch sieht sich Schweden offiziell als Einwanderungsland. Schweden ist für Einwanderer sehr attraktiv. Der gute Sozialstaat, eine funktionierende Wirtschaft sowie eine gut strukturierte und organisierte Integrationspolitik lässt die Zahl der Zuwanderer, auch aus dem europäischen Ausland, ansteigen. Aufgrund der Integrationspolitik sind die Integrationsprobleme von Ausländern sehr gering. Allerdings kann sich Schweden mit dem geringen Ausländeranteil eine derartige Integrationspolitik auch finanziell leisten.

Aber auch Schweden ist nicht frei von Problemen. Rechtsradikalismus und Integrationsprobleme sind trotz einer ausgeklügelten Integrationspolitik nicht ausgeschlossen. Die schwedische Regierung erkennt diese Probleme jedoch relativ schnell und steuert mit umfangreichen Programmen dagegen. Vor allem die Vorstädte größerer Städte wie Stockholm oder Malmö, welche als Satellitenstädten in den 70er Jahren entstanden, sind der Problemherd Schwedens. In den „Ghettos“ herrscht ein relativ hoher Wohnkomfort durch eine moderne Bauweise der Wohnhäuser, allerdings durch die Abgeschiedenheit eine relativ geringe Wohnqualität. In manchen Wohngebieten gibt es einen Ausländeranteil von bis zu 99%. Kriminalität, eskalierende Segregation und mangelnde schwedische Sprachkenntnisse sind die Probleme, mit denen die Regierung und die Gesellschaft zu kämpfen hat.

2. Überblick der Migration und Integration in Schweden

2.1 Grund- und Strukturdaten von Schweden

Schweden hat eine Gesamtfläche von 450 000 km² und ist damit das drittgrößte Land Westeuropas. Die Bevölkerungszahl liegt bei ca. 9 Millionen, davon sind 90% ethnische Schweden, 2,5% Finnen und 20 000 Samen (Lappen). Die Amtssprache ist Schwedisch. Samisch, Finnisch, Meänkieli (Tornedal-Finnisch), Jiddisch und Romani Chib sind anerkannte Minderheitssprachen.

2.2 Migration seit dem 2. Weltkrieg

Bis zum Ende des 2. Weltkrieges war Schweden ein klassisches Auswanderungsland. Ungefähr 1,2 – 1,4 Millionen[1] Menschen, v.a. aus den ländlichen Gebieten, verließen das Land. Gründe dafür waren eine schwache schwedische Wirtschaft und insbesondere das neue Amerika lockte als aufstrebende Macht mit einer starken Wirtschaft. Nach dem 2. Weltkrieg herrschte in Schweden, wie in vielen europäischen Ländern, ein großer Bedarf an Arbeitskräften. Schweden begann, ausländische Arbeitskräfte anzuwerben. In den 1940er Jahren betrug die Nettoeinwanderung ca. 134.000 Menschen, in den 50er Jahren verbuchte Schweden einen Zuwachs von ca. 106.000 Menschen[2]. Diese kamen zum größten Teil aus den nordischen Nachbarstaaten.

1954 schlossen die skandinavischen Länder Dänemark, Norwegen, Finnland und Schweden ein Abkommen über einen gemeinsamen Arbeitsmarkt. Dieser erlaubte jedem Skandinavier, sich in einem der Länder niederzulassen und dort zu arbeiten. 1955 verabschiedete Skandinavien die nordische Passunion[3]. Die Folge waren regelrechte Wanderungsbewegungen, hauptsächlich aus Finnland kamen die Menschen nach Schweden. Bis 1969/70 wanderten fast 3% der Arbeitskräfte aus Finnland in das nordische Nachbarland aus[4]. Da dies jedoch die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Finnlands bedrohte, schlossen beide Länder 1973 ein Abkommen zur Lenkung der Arbeitskräfte[5].

1965 erlebte Schweden die erste Einwanderungswelle. Die Arbeitskräfte kamen hauptsächlich aus Jugoslawien, Griechenland und der Türkei. 1968 – 1970 schloss sich eine weitere Einwanderungswelle an, in der ca. 166.000 Menschen in das Land kamen[6]. Durch die Ölkrise 1972 wurden viele Volkswirtschaften von Industrieländern geschwächt, vor allem die durch eine starke Industrialisierung vom Öl abhängig waren. Auch die Wirtschaft Schwedens war davon betroffen. Die Folge war ein geringerer Bedarf an Arbeitnehmern und daraufhin erließ Schweden einen Anwerberstopp. Aufgrund dieser Maßnahme kam es im Jahr 1973 sogar zu einer negativen Nettoimmigration, da viele Arbeitskräfte nach Finnland zurückkehrten. Ab diesem Zeitpunkt wurden Flüchtlinge zum dominanten Element. Insbesondere Eritreer, Kurden, Chilenen, Syrer, Palästinenser, Iraner, Iraker und Polen kamen nach Schweden.

Ein weiterer Höhepunkt von einreisenden Flüchtlingen entstand während der Unruhen auf dem Balkan. Zwischen 1992 und 1995 kamen ca. 170.000 Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien.[7]

Die folgenden Abbildungen dienen der Übersicht über die Anzahl der Einwanderer in den Jahren 1990 – 2001. Die Abbildungen 1 und 2 zeigen das Verhältnis der Ausländer zur Gesamtbevölkerung Schwedens. Die Abbildung 3 zeigt die ausländische Bevölkerung nach den häufigsten Staatangehörigkeiten und macht deutlich, dass die Finnen mit 20% die stärkste Ausländergruppe in Schweden sind.

[...]


[1] Currle, Edda: Migration in Europa Daten und Hintergründe, Stuttgart 2004, S. 195

[2] Sund, Eric-Magnus: Schweden in: Gieler, Wolfgang (Hrsg.): Handbuch europäischer Migrationspolitik, Münster 2004, S. 157

[3] Passunion: Bürger Schwedens, Norwegens, Dänemarks und Finnlands können ungehindert in alle skandinavischen Länder reisen

[4] Austrup, Gerhard: Schweden, München 1988, S. 33

[5] Austrup, Gerhard: Schweden, München 1988, S. 34

[6] Sund, Eric-Magnus: Schweden in: Gieler, Wolfgang (Hrsg.): Handbuch europäischer Migrationspolitik, Münster 2004, S. 157

[7] Currle, Edda: Migration in Europa Daten und Hintergründe, Stuttgart 2004, S. 197

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Details

Titel
Migrations- und Integrationspolitik von Schweden
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Politikwissenschaften)
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V88518
ISBN (eBook)
9783638024860
ISBN (Buch)
9783638924818
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migrations-, Integrationspolitik, Schweden
Arbeit zitieren
Tilman Fröhlich (Autor), 2006, Migrations- und Integrationspolitik von Schweden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88518

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