Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten


Seminararbeit, 1999

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Freiheit und die Kausalität des Willens
2.1 Die Kausalität des Willens
2.2 Die Freiheit
2.3 Die Autonomie und der freie Wille

3 Der Imperativ
3.1 Der hypothetische Imperativ
3.2 Der kategorische Imperativ
3.3 Analytische und synthetische Methode
3.4 Die Formeln des kategorischen Imperativs

4 Die Handlung aus Pflicht
4.1 Maxime
4.2 Achtung vor dem Gesetz

5 Der Wille
5.1 Der gute Wille
5.2 Grundsatz der Natur
5.3 Zusammenhang zwischen gutem Willen und freiem Willen

6 Sittlichkeit

7 Schluß

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kants Bemühen ist, das Menschenbild in der Vernunft zu begründen. Sein Humanitätsideal ist in einer Regel der Vernunft für das Menschenbild definiert, die Allgemeingültigkeit beansprucht.

Mit der Schrift ‘ Grundlegung der Metaphysik der Sitten’ will Kant darstellen, dass in der Ethik der Empirismus als philosophische Position nicht haltbar ist. Moral ist weder aus Erfahrung, noch aus der Natur des Menschen, noch aus den Umständen unserer Welt ableitbar. Er sieht sie in der reinen Vernunft verankert, ‘ daß mithin der Grund der Verbindlichkeit hier nicht in der Natur des Menschen, oder den Umständen in der Welt, darin er gesetzt ist, gesucht werden müsse, sondern a priori lediglich in Begriffen der reinen Vernunft’[1] .

Kant entwickelt eine neue Moralphilosophie auf der Basis der kritischen Philosophie. Er will ein oberstes Prinzip der Moralität finden. Die Handlung steht im Mittelpunkt der Untersuchung: Was trennt die allgemeine von der individuellen Handlung? Welche individuelle Handlungen sind allgemein gültig? Gibt es Prinzipien und wie sind sie zu differenzieren?

Kants Beweisführung ist in drei Abschnitte gegliedert. In den ersten beiden Abschnitten analysiert er die moralischen Begriffe wie Wollen, Pflicht und Handlung, um dann im letzten Abschnitt mit der synthetischen Methode den freien Willen zu begründen.[2]

Kant stellt Prinzipien auf, die er später mit dem Begriff der intelligibelen Welt und dem Begriff der Freiheit verknüpft. Erst dadurch läßt sich seine Beweisführung nachvollziehen.

So stellt sich z.B. die Frage, wie die Handlung aus der Pflicht nach einer Maxime zu verstehen ist, wenn der Begriff des kategorischen Imperativs nicht bekannt ist. Folgt die Erklärung des kategorischen Imperativs, fehlt das Verständnis darüber, was ihn bestimmt.

Aus diesem Grund wird in diesem Seminarbericht der Versuch unternommen, den Inhalt des Proseminars von hinten aufzurollen, beginnend mit der Freiheit und der daraus folgenden Kausalität des Willens.

2 Die Freiheit und die Kausalität des Willens

Kant schlug einen neuen Weg bei der Diskussion des Begriffes Freiheit ein. Er fragte, ‘wie sich Freiheit mit dem Kausalgesetz vereinbaren läßt, das die Natur und offensichtlich ebenso die Natur des Menschen durchaus bestimmt’[3] .

Die Kausalität der Natur läßt sich nachvollziehen, denn ein Ereignis ist stets die Wirkung einer Ursache.

Woraus lässt sich nun ein solches Kausalgesetz ableiten?

2.1 Die Kausalität des Willens

Das Kausalgesetz ist durch die Kausalität des Willens ableitbar. Für Kant ist der Wille zunächst ‘das Vermögen, nach der Vorstellung der Gesetze, d.i. nach Prinzipien, zu handeln.’[4]. Dieses Vermögen gibt dem vernünftigen Wesen die Möglichkeit, nach moralischen Prinzipien auch moralisch zu handeln. Der Wille bestimmt also unser moralisches Handeln. Was bedingt nun den Willen?

Kant zeigt im dritten Abschnitt der ‘Grundlegung‘, dass alles, was den Willen bestimmt, auf die Freiheit des vernünftigen Wesen zurückzuführen ist.

‘Als ein vernünftiges [...] Wesen kann der Mensch die Kausalität seines eigenen Willens niemals anders als unter der Idee der Freiheit denken.[5]

Aus der Idee der Freiheit resultiert also der Wille. Alles, was unseren Willen beeinflusst und bedingt, geht auf Freiheit zurück. Ohne Freiheit könnten vernünftige Wesen gar keinen Willen entwickeln. Da wir Menschen einen Willen haben, implizieren wir notwendigerweise Freiheit. Diese Freiheit existiert als eine Idee in der intelligibelen Welt.

2.2 Die Freiheit

Ohne die Idee der Freiheit können wir uns Freiheit nicht vorstellen. Nämlich gerade die Möglichkeit des Menschen, sich als frei denken zu können, zeigt uns, dass wir Freiheit haben. Wir begegnen der Freiheit nur als Idee in unseren Gedanken, und alleine diese Gedanken geben uns das Bewusstsein von Freiheit. Wir können sie aber niemals durch Erfahrungen ermitteln. Die Freiheit ist nicht empirisch gegeben. Sie kann so nicht bewiesen werden, denn ‘ Freiheit aber ist eine bloße Idee, deren objektive Realität auf keine Weise nach Naturgesetzen [...] dargetan werden kann.’[6] Freiheit kann weder durch noch mit den Naturgesetzen erklärt werden. Sie ist der Naturnotwendigkeit entgegengesetzt. In der Natur gibt es keine Freiheit. Alles wird determiniert von Ursache und Wirkung. Freiheit ‘gilt nur als Voraussetzung der Vernunft in einem Wesen’[7] . Die Freiheit muß als Eigenschaft des Willens dem vernünftigen Wesen vorausgesetzt werden.

2.3 Die Autonomie und der freie Wille

Der Wille steht also der Naturnotwendigkeit entgegen, die den Menschen rein durch Instinkte bestimmen würde. Der Mensch als ein vernünftiges Wesen bricht durch seinen Willen aus der Naturnotwendigkeit heraus.

Wenn alles, was unseren Willen bedingt, auf Freiheit zurückgeht, spricht Kant von einem freien, autonomen Willen. Autonomie ist die Folge der Freiheit.

Wir kennen also die Bedingung des Willens durch die Vorstellung der Freiheit. Wenn wir die Freiheit als Voraussetzung erkannt haben, wissen wir, dass die Autonomie des Willens eine Folge daraus ist.

Wie wirkt nun aber die Autonomie auf unser Handeln? Dies zeigt sich durch den kategorischen Imperativ. Die Autonomie ist mit dem kategorischen Imperativ nachweisbar.

3 Der Imperativ

Würde der freie Wille ohne Einschränkung auf unser Handel wirken, so würde alles, was ein vernünftiges Wesen als objektiv gut erkennt, auch als subjektiv gut ansehen. ‘Der Wille ist ein Vermögen, nur dasjenige zu wählen, was Vernunft unabhängig von der Neigung als praktisch notwendig, d.i. als gut, erkennt.’[8]

Diese Idealvorstellung sieht ab von Neigungen und der schon oben beschriebenen Naturnotwendigkeit. Das vom vernünftigen Wesen als subjektiv notwendig Gesehene unterliegt nicht dem Einfluß der Neigung. Das Objektive, das von der Vernunft bestimmte, ist also mit dem Subjektiven eins. Der freie Wille würde direkt unser Handeln bestimmen.

Diese Idealvorstellung existiert jedoch nicht im Realen. ‘ Bestimmt aber die Vernunft für sich alleine den Willen nicht hinlänglich, ist dieser noch subjektiven Bedingungen (gewissen Triebfedern) unterworfen ‘[9], wie z.B. den Neigungen .

Wir sprechen also nicht mehr vom freien Willen. Es ist ein Wille ‘nicht an sich völlig der Vernunft gemäß’[10] . Dieser Wille ist z.B. auch bestimmt durch den Trieb der Selbsterhaltung und der menschlichen Bedürfnisse.

Es existiert also eine Diskrepanz zwischen dem durch die Vernunft bestimmten freien Willen und dem Willen, ‘ der seiner Natur nach nicht notwendig folgsam’[11], also den subjektiven Bedingungen unterworfen ist. Bei dieser Diskrepanz setzt der Imperativ an.

Der Imperativ ist die Formel des Gebots, das aus der Fähigkeit des Menschen entsteht, sich ein objektives Prinzip zu denken.

Wir stellen uns die objektiven Gesetze vor und können somit die Folgen absehen, ob die Handlung schädlich ist oder nicht. Dadurch stehen wir im Konflikt mit dem objektiven Guten, das dem subjektiven Willen gegenüber steht.

Im Imperativ tritt die Vernunft durch ein Sollen auf. Er kann eine Einschränkung der menschlichen Bedürfnisse darstellen und zeigt sich somit durch Nötigung, weil das Subjektive zu gunsten der allgemeinen Sittlichkeit eingegrenzt wird.

Über den Imperativ wirkt also der selbst bestimmte, freie Wille auf unser Handeln. Er überträgt die Moralität aus der intelligibelen Welt auf die reale Welt und bringt durch Nötigung vernünftige Wesen zum moralischen, sittlichen Handeln.

Kant bezeichnet als Imperativ ‘eine allgemeingültige sittliche Vorschrift im Gegensatz zum persönlich-praktischen Grundsatz [...], einer Regel, die ein Sollen (objektive Nötigung der Handlung) ausdrückt’[12] .

3.1 Der hypothetische Imperativ

Es wird zwischen hypothetischem und kategorischem Imperativ unterschieden.

Der hypothetische Imperativ sagt, ‘ daß die Handlung zu irgend einer möglichen oder wirklichen Absicht gut sei’[13] .

Er beschreibt die Handlung, die sich auf irgendeine Absicht bezieht, und zwar in einer Wenn-Dann-Struktur. Um einen gewissen Zweck zu erreichen, muss die Handlung als Mittel zu diesem Zweck gut sein. Man stelle sich die Handlung vor, die ich als Mittel zum Zweck ansehe. Wenn man den Zweck z.B. ein guter Philosoph zu werden, anstrebe, dann muss ich mich des Mittels bedienen, täglich philosophische Literatur zu lesen.

Kant teilt den hypothetischen Imperativ in zwei Formen auf: Zielt der Imperativ auf eine mögliche Absicht, so nennt er ihn problematisch; es ist der Imperativ der Geschicklichkeit. Baut er auf eine wirkliche Absicht auf, der Absicht auf Glückseligkeit, ist es ein assertorisch-praktisches Prinzip, ein Imperativ der Klugheit, der auch pragmatischer Imperativ heißt.[14]

3.2 Der kategorische Imperativ

Schließlich gibt es das objektive Prinzip, wobei die Handlung nicht auf irgendeinen Zweck oder einer Absicht beruht. Dieses Prinzip ist das apodiktisch-praktische Prinzip, der Imperativ der Sittlichkeit oder auch der kategorische Imperativ genannt.

[...]


[1] Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten.Stuttgart: Reclam, 1998. 22.

[2] Lewis W. Beck, Kants „Kritik der praktischen Vernunft“. München: Fink, 1995. 23.

[3] H.J.Paton, Der kategorische Imperativ. Berlin: De Gruyter, 1962. 256.

[4] Kant 56.

[5] Kant 112.

[6] Kant 121.

[7] Kant 121.

[8] Kant 56.

[9] Kant 56.

[10] Kant 56.

[11] Kant 56.

[12] Georgi Schischkoff (Hrsg.) Philosophische Wörterbuch. Stuttgart: Körner, 1991. 326.

[13] Kant 61.

[14] Paton 132.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Philosophisches Institut Mainz)
Veranstaltung
Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
Note
1,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
14
Katalognummer
V88526
ISBN (eBook)
9783638035644
ISBN (Buch)
9783638932387
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kants, Grundlegung, Metaphysik, Sitten, Kants, Grundlegung, Metaphysik, Sitten
Arbeit zitieren
Gangolf Neubach (Autor), 1999, Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88526

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