Nationale und internationale Grundbildungs- und Alphabetisierungsbemühungen unter besonderer Berücksichtigung der Problematiken in diesem Kontext

“To read the world not only the word”


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung

1. Grundlegendes
1.1 Begriffsklärung – Was ist unter Alphabetisierung und Grundbildung zu verstehen?
1.2 Formen und Ursachen von Analphabetismus

2. Alphabetisierungsbemühungen
2.1 Alphabetisierungsbemühungen in der Bundesrepublik Deutschland
2.1.1 Alphabetisierung ausländischer Erwachsener in Deutschland
2.2 Alphabetisierungsbemühungen im internationalen Kontext
2.2.1 Die Alphabetisierungsdekade der UNESCO
2.2.2 Alphabetisierung in Industriestaaten

3. Probleme im Zusammenhang mit Alphabetisierungsbemühungen
3.1 Kein flächendeckendes Angebot in Deutschland
3.2 Fehlende Ausbildung der KursleiterInnen
3.3 Mangel an theoretischer Auseinandersetzung
3.4 Bedeutungsverlust von Grundbildung
3.5 Alphabetisierung kann nicht alles leisten
3.6 Analphabetismus – ein Tabuthema
3.7 Orientierung an ökonomischen Zielen
3.8 Analphabeten verschwinden aus dem Blickfeld
3.9 Probleme bei Alphabetisierungsbemühungen im internationalen Kontext
3.9.1 Erschreckende Ergebnisse im Jahr 2000
3.9.2 Das Problem der Lehrkräftequalifizierung in Entwicklungsländern

4. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Was sie uns beibrachten, war nutzlos. Was haben wir davon, wenn wir unsere Namen schreiben können oder ein paar Worte, die uns nichts bedeuten?

Wir würden wieder in eure Klassen kommen, wenn ihr uns beibringt, nicht mehr von anderen abhängig zu sein.

Warum glauben unsere Lehrer, dass sie uns überlegen sind? Sie benehmen sich, als wären wir arme Unwissende, als wären wir Kinder.

Wir sind keine leeren Hülsen. Wir haben Verstand. Wir können denken, und wir haben unsere eigene Würde.“

Salim, ein Fischer aus Indien[1]

Alphabetisierung und Grundbildung sind der Schlüssel zum lebenslangen Lernen. Was aber heißt Grundbildung? Was muss Alphabetisierung leisten? Der Titel “To read the world not only the word”, ein im Englischen verwendetes Wortspiel, enthält schon eine Erklärung dafür, was Grundbildung zu leisten hat, nämlich den Menschen zu lehren, nicht nur Worte, sondern die Welt zu verstehen[2].

Nach einer Einführung in das Thema werden in dieser Arbeit sowohl nationale als auch internationale Alphabetisierungsbemühungen vorgestellt, um im Anschluss daran zu Problemen hinzuführen, die sich im Zusammenhang mit Alphabetisierung und Grundbildung ergeben.

1. Grundlegendes

1.1 Begriffsklärung – Was ist unter Alphabetisierung und Grundbildung zu verstehen?

Alphabetisierung und Grundbildung sind fester Bestandteil der Erwachsenenbildung.

Der Begriff „Grundbildung“ wird sehr vielfältig benutzt. „Elementarbildung“, eine weitere Bezeichnung (Tröster 1997: 17), wird definiert als „die Befähigung eines jeden Menschen zur gleichberechtigten Teilnahme am sozialen, politischen, beruflichen und wirtschaftlichen Leben“ (Batt-Behrendt 1997: 29).

Nach Trier (2002: 32) zählen zu Grundbildung „elementare Fähigkeiten und Fertigkeiten des Lesens, Schreibens, Rechnens zu haben, mit Symbolen und Zeichen umgehen zu können, die für die Alltagskommunikation unverzichtbar und in der Arbeit unerlässlich sind.“

„Es geht um das, was jede und jeder haben muss, das Mindeste, das Fundamentale, Elementare (…)“. Ihre Aufgabe ist es, „Lernbedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu befriedigen“ (Kamper/ Hoffmann/ Müller 1997: 119).

Grundbildung ist die Basis von Alphabetisierungsmaßnahmen, denn mit dem bloßen Erlernen der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen ist das Gesamtproblem des Analphabetismus nicht gelöst. Vielmehr gehören zu solchen Maßnahmen „Persönlichkeitsentwicklung, (…) lebenspraktische Fertigkeiten und einkommenssichernde Kenntnisse (…) “ (Kamper/ Hoffmann/ Müller 1997: 119). Aber auch Themen wie Gesundheit, Ernährung, Umweltschutz etc. sind wichtige Inhalte von Grundbildung (Vgl. Müller 1996: 41).

Die Befriedigung grundlegender Lernbedürfnisse gilt als Oberziel von Grundbildung. Auf der Grundlage von lebenslangem Lernen haben darüber hinaus die so genannten Schlüsselqualifikationen eine enge Verbindung zu Grundbildung (Vgl. Linde 2002: 19; 29).

Grundbildung soll einen gleichberechtigten Zugang für alle gewährleisten, vor allem Benachteiligte zur Teilnahme an Maßnahmen ermutigen und dabei zu aktivem, lebensorientierten Lernen beitragen (Vgl. Müller 1996: 40f).

Eine Arbeitsgruppe setzte sich mit dem Thema der praktischen Herangehensweise auseinander und stellte Kernkompetenzen auf, die zu einer Grundbildung gehören sollen (Vgl. Kamper/ Hoffmann/ Müller 1997: 120):

1. Lesen, Schreiben, Rechnen,
2. Personale Kompetenz, wie etwa die Stärkung des Selbstbewusstseins,
3. Soziale Kompetenz, beispielsweise Kommunikations- und Ausdrucksfähigkeit,
4. Lebenspraktische Kompetenz, d.h. Fähigkeiten zur Bewältigung des Alltags und
5. Förderung von Kreativität durch Theaterspielen, Malen etc.

Alphabetisierung gilt als Bestandteil der Grundbildung. Die Alphabetisierungsidee ist es, über eine allgemeine Grundbildung hinaus den Zugang zur beruflichen Bildung und zum besseren Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge und Gegebenheiten zu sichern, den eigenen Horizont zu erweitern, aber auch „kritisches Bewusstsein zu entwickeln für die Widersprüche in der Gesellschaft und ihrer Ziele“ (vgl. Müller 1996: 41ff).

Da die moderne Gesellschaft täglich völlig unwichtige Informationen über Fernsehen und Internet erfährt, gehört für Steuten (2004: 82) ebenso zur Grundbildung

„…das Vermögen, zu unterscheiden, was notwendiges Wissen ist und was nicht. Muss man wissen, ob die Haare des Bundeskanzlers gefärbt sind? Oder sollte man eher die Grundzüge seiner Politik kennen oder die Gebrauchsanweisung des Haarfärbemittels, das man selbst benutzen möchte, lesen (und verstehen) können?“

1.2 Formen und Ursachen von Analphabetismus

Die häufigste Form des Analphabetismus ist der funktionale Analphabetismus. Er grenzt sich vom totalen Analphabetismus, d.h. dem „Fehlen jeglicher Buchstabenkenntnis“ (Linde 2002: 18), ab und wird definiert als „die Unterschreitung der gesellschaftlichen Mindestanforderungen an die Beherrschung der Schriftsprache, deren Erfüllung Voraussetzung ist zur sozial streng kontrollierten Teilnahme an schriftlicher Kommunikation in allen Arbeits- und Lebensbereichen“ (Linde 2002: 18, zit. n. Decroll 1981: 31). Ein funktionaler Analphabet ist demzufolge „eine Person, die sich nicht beteiligen kann an all den zielgerichteten Aktivitäten ihrer Gruppe und Gemeinschaft, bei denen Lesen, Schreiben und Rechnen erforderlich sind, und an der weiteren Nutzung dieser Kulturtechniken für ihre eigene Entwicklung und die ihrer Gemeinschaft“ (Müller 1996: 42, zit.n. Records of the General Conference).

Fasst man Analphabetismus in Zahlen, gibt es ca. vier Millionen Analphabeten in Deutschland, was 6,3 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht, wobei bisher keine repräsentativen Ergebnisse und somit keine genauen Zahlen hierzu vorhanden sind.

Nahezu eine Milliarde Menschen auf der Welt sind Analphabeten. Etwa 862 Millionen, d.h. 64 Prozent der Analphabeten weltweit sind über 15 Jahre alt, wovon 600 Millionen in Entwicklungsländern vorzufinden sind. Etwa 20 Prozent der Analphabeten über 15 Jahre leben in westlichen Industrienationen.

[...]


[1] Müller 1997: 38

[2] Müller 1997: 42

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Nationale und internationale Grundbildungs- und Alphabetisierungsbemühungen unter besonderer Berücksichtigung der Problematiken in diesem Kontext
Untertitel
“To read the world not only the word”
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V88560
ISBN (eBook)
9783638025003
ISBN (Buch)
9783638925853
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nationale, Grundbildungs-, Alphabetisierungsbemühungen, Berücksichtigung, Problematiken, Kontext
Arbeit zitieren
Katharina Gorski (Autor), 2007, Nationale und internationale Grundbildungs- und Alphabetisierungsbemühungen unter besonderer Berücksichtigung der Problematiken in diesem Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88560

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