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Die Motivation der Meierstochter zum Selbstopfer in Hartmann von Aues Werk: "Der arme Heinrich"

Title: Die Motivation der Meierstochter zum Selbstopfer in Hartmann von Aues Werk: "Der arme Heinrich"

Seminar Paper , 2006 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Christopher Späth (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Das „Werden des Mannes“ steht in den Epen Hartmann von Aues im Mittelpunkt. Trotzdem sind weibliche Charaktere ein fester Bestandteil in Hartmanns Werken und spielen auch eine tragende Rolle.
Die Epen Hartmanns verlaufen immer nach einem ähnlichen Muster. Der Held fällt durch sein schuldhaftes Leben von der erlangten Scheinhöhe auf einen Tiefpunkt. An diesem muss er durch Umorientierung und Selbstfindung zu einer neuen Lebenseinstellung gelangen, um der ihm von Gott vorgesehene Position gerecht zu werden. Hartmann verdeutlicht, dass die erfolgreiche Suche nach sich selbst „nur in der Selbstaufgabe, in der Beziehung möglich ist.“ Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist für den Reifeprozess des Helden daher von zentraler Bedeutung.
In den Artusromanen und im „Gregorius“ stellt eine Frau die „Initialzündung“ für die weitere Handlung dar. Die Scheinhöhe ist erreicht, wenn erstmals erfolgreich um die Frau geworben wurde. Der „Arme Heinrich“ fällt aus diesem Schema heraus, denn der Held trifft erst nach seinem Fall, der Erkrankung am Aussatz, auf die Meierstochter. Erst durch das aufopferungsvolle Verhalten der Heldin ist es Heinrich möglich, die Erkrankung zu überwinden und sich als neu legitimierter Herrscher zu installieren. Im Vergleich zu den Frauengestalten in den anderen Werken Hartmanns ist die Meierstochter der Figur der Enite aus dem „Erec“ am ähnlichsten. Beide sind zu Beginn Jungfrauen, „noch unter dem Schutz des Vaters stehend“ und greifen erst in der Mitte der Handlung aktiv in das Geschehen ein. Am erneuten Aufstieg des Helden sind sie unmittelbar beteiligt, hat dieser seine höchste Daseinsstufe erreicht, treten sie wieder in den Hintergrund.
Im Folgenden soll nun der Charakter der Meierstochter im „Armen Heinrich“ betrachtet, ihre Rolle in Heinrichs Leben veranschaulicht und auf die Motive ihres Selbstopferungswillens näher eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Figur der Meierstochter und ihre Funktion im „Armen Heinrich“

1. Charakterisierung des Mädchens

2. Die Rolle der Meierstochter in Heinrichs Leben

III. Die Motive der Meierstochter zum Selbstopfer

1. Die Existenzsicherung der Familie

2. Die Sehnsucht nach der uneingeschränkten Seligkeit

3. Ihr Erbarmen für Heinrich und die wahre Liebe zu ihrem Herrn

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Meierstochter in Hartmann von Aues Werk „Der arme Heinrich“ und analysiert insbesondere die psychologischen sowie religiösen Beweggründe für ihre Bereitschaft zum Selbstopfer zugunsten des kranken Helden.

  • Charakteranalyse der Meierstochter und ihre soziale Einordnung
  • Funktion der Heldin im Reifeprozess und bei der Heilung Heinrichs
  • Ökonomische und existenzielle Faktoren für das Selbstopfer der Familie
  • Religiöse Argumentationsstrategien der Tochter gegenüber ihren Eltern
  • Die Bedeutung von Liebe und christlicher Nächstenliebe im Epos

Auszug aus dem Buch

1. Die Existenzsicherung der Familie

Die Existenz der Meiersfamilie hängt einzig und allein von der Gnade Heinrichs ab. Bisher hat er sie nicht durch zu hohe stiure und mit bete (V. 275) belastet. Dies macht sich nun bezahlt, denn der Bauer hat ihn nach seiner Erkrankung ohne Zögern und angemessen aufgenommen (V. 285 – 287). Durch die Rede Heinrichs über den Zustand seiner Krankheit und deren Ursache (V. 329 – 399) erkennen die Meiersleute, dass Heinrichs Herrschaft nicht mehr von Gott legitimiert ist. Für die Bauern ist Heinrich „kein Partner mehr.“ Die gesellschaftliche und die ökonomische Lage der Meiersfamilie ist gefährdet, denn nach Heinrichs Tod würde ein neuer Herr kommen, über dessen Verhalten Ungewissheit herrscht. Das Mädchen erkennt die wirtschaftliche Situation und ist sich der Folgen bewusst.

Im ersten Gespräch mit ihren Eltern am Nachtlager erklärt die Tochter ihren Eltern den Grund für ihr Klagen. Erstmals weist sie ihre Eltern auf die angespannte wirtschaftliche Situation hin. Sie bringt zum Ausdruck, dass Heinrich ihrer Meinung nach der beste Herr ist, und ein neuer Gebieter kaum besser, aber wohl schlechter sein kann (V. 491 – 498). Auch ihre Eltern sind sich darüber im Klaren (V. 499), weisen sie aber darauf hin, dass dieser Zustand allein Gottes Wille und auf sein Wirken zurückzuführen ist (V. 506). Die Meierstochter greift ihr Argument an anderer Stelle erneut auf, erklärt die Opferung ihres Lebens als Lösung für dieses Problem und schließt eine andere Möglichkeit aus.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung weiblicher Figuren in Hartmanns Epen heraus und definiert die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der Motivation der Meierstochter im „Armen Heinrich“.

II. Die Figur der Meierstochter und ihre Funktion im „Armen Heinrich“: Dieses Kapitel analysiert das Wesen des Mädchens und beleuchtet ihre tragende Rolle für Heinrichs sozialen und gesundheitlichen Genesungsprozess.

III. Die Motive der Meierstochter zum Selbstopfer: Hier werden die Beweggründe der Tochter detailliert untersucht, wobei wirtschaftliche Notwendigkeiten, religiöse Heilserwartungen und die persönliche Zuneigung zu Heinrich gegenübergestellt werden.

Schlüsselwörter

Hartmann von Aue, Der arme Heinrich, Meierstochter, Selbstopfer, Mittelalterliche Literatur, Seelenheil, Nächstenliebe, Existenzsicherung, christliche Motivation, Minne, Heldenreise, Epik, Helden-Motivik, Bauernstand, religiöse Argumentation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Handeln der Meierstochter in Hartmann von Aues Epos „Der arme Heinrich“ und ergründet, welche Motive sie dazu bewegen, ihr Leben für die Heilung ihres Herrn zu opfern.

Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Charakterisierung der Tochter, ihrer Funktion für Heinrichs Status und Genesung sowie der Analyse ihrer rationalen und emotionalen Argumentation gegenüber ihren Eltern.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Frage konzentriert sich darauf, wie sich der Selbstopferungswille des Mädchens motivisch begründen lässt und inwiefern dabei ökonomische Erwägungen, religiöse Hingabe oder persönliche Zuneigung dominieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die sich auf zentrale Textstellen (Verse) des Werkes sowie auf existierende mediävistische Forschungsliteratur stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung der Figur, ihre Rolle in Heinrichs Leben und eine differenzierte Untersuchung der drei Hauptmotive: Existenzsicherung, Seligkeit und Liebe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere das Selbstopfer, die christliche Nächstenliebe, der Reifeprozess des Helden und die sozioökonomische Situation der Meiersfamilie.

Wird das Handeln der Meierstochter als rein altruistisch eingestuft?

Der Autor argumentiert, dass neben dem tiefen Erbarmen auch rationale Überlegungen – wie die wirtschaftliche Absicherung der Familie und das persönliche Streben nach dem Seelenheil – eine wichtige Rolle spielen.

Wie bewertet die Arbeit die religiöse Sprache des Mädchens?

Die Arbeit erkennt in der rhetorisch anspruchsvollen religiösen Argumentation der elfjährigen Tochter ein bewusst eingesetztes Mittel, um den Widerstand der Eltern gegen das geplante Opfer zu brechen.

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Details

Title
Die Motivation der Meierstochter zum Selbstopfer in Hartmann von Aues Werk: "Der arme Heinrich"
College
LMU Munich  (Institut für Deutsche Philologie)
Course
Proseminar: Hartmann von Aue: "Gregorius" und "Der arme Heinrich"
Grade
1,7
Author
Christopher Späth (Author)
Publication Year
2006
Pages
13
Catalog Number
V88581
ISBN (eBook)
9783638025058
ISBN (Book)
9783638924795
Language
German
Tags
Motivation Meierstochter Selbstopfer Hartmann Aues Werk Heinrich Proseminar Hartmann Gregorius Heinrich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christopher Späth (Author), 2006, Die Motivation der Meierstochter zum Selbstopfer in Hartmann von Aues Werk: "Der arme Heinrich", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88581
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