Der Sozialstaat: Auslaufmodell oder zukunftsfähig?

Bevölkerung und Alterssicherung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
36 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung in Deutschland
2.1. Die Geburtenentwicklung
2.2. Die Lebenserwartung
2.3. Die Außenwanderungen
2.4. Die Bevölkerungszahl
2.5. Der Altersaufbau
2.6. Folgen für die Alterssicherung in Deutschland

3. Die gesetzliche Rentenversicherung und Modelle zur Reformierung
3.1. Das Umlageverfahren als Grundlage der gesetzlichen Rentenversicherung
3.2. Alterssicherung durch eine Grundrente
3.3. Einführung des Kapitaldeckungsverfahrens
3.3.1. Das Kapitaldeckungsverfahren
3.3.2. Vor- und Nachteile des KDV
3.3.3. Die Kombination von KDV und ULV
3.4. Reformberechnungen der Prognos AG
3.4.1. Grundlagen der Prognos AG Berechnungen
3.4.3 Einführung eines Teilkapitalstocks

4. Alterssicherung im Blick der Öffentlichkeit
4.1. Das Generationenverhältnis als Basis des Generationenvertrags
4.2. Reformvorschläge in der öffentlichen Diskussion

5. Resumee und Ausblick

6. Literatur

7. Anhang

1. Einleitung

Unlängst ist der demographische Wandel in Europa und in Deutschland aus der rein wissenschaftlichen Betrachtung in das Blickfeld der Öffentlichkeit getreten. Die Geburtenrate ist in den letzten Jahrzehnten stark gesunken, während die Lebenserwartung dank fortgeschrittener medizinischer Möglichkeiten anhaltend steigt. Die sich daraus ergebende Alterung der Bevölkerung Deutschlands ist nun allgegenwärtig und findet ihre Thematisierung immer häufiger in Medienberichten. Mit diesem Bewusstsein, dass der Anteil Alter Menschen – zunächst noch im erwerbsfähigen, aber später auch im Ruhestandsalter - im Vergleich zu dem Bevölkerungsanteil Junger Menschen - die in den Erwerbsstatus nachrücken und „Ausscheider“ ersetzen sollen – in den nächsten 20 – 50 Jahren drastisch zunehmen wird, wächst auch die Besorgnis, dass eine Erfüllung des Generationenvertrags in der Zukunft unter Umständen nur eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr möglich sein könnte. Verstärkt werden derartige Befürchtungen durch Berichte von Medien, aber auch Politikern, welche eine „Krise des Sozialstaats“ konstatieren. Als Indikatoren hierfür werden der benannte demographische Wandel, die anhaltende Flaute des Wirtschaftswachstums und die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt herangezogen. Ein weiteres Zeichen in Richtung der Aufweichung des Solidarpaktes stellt der Vorstoß aus Politikerkreisen dar, dass eine private Altersvorsorge sinnvoll, wenn nicht sogar notwendig werden oder bereits sein könnte.

In der folgenden Arbeit zum Thema „Modell: Bevölkerung und Alterssicherung“ werde ich derzeit bestehende Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung der nächsten 50 Jahre in Deutschland aufzeigen und mich mit Modellen zur Sicherung des Lebensstandards auf Basis der Erwartungen einer alternden Bevölkerung beschäftigen. Es soll hierbei die Frage geklärt werden, ob ein Umdenken beim Thema Alterssicherung notwendig ist, oder ob eine Beibehaltung des vorherrschenden Prinzips der „Generationensolidarität“, welche durch das Umlageverfahren verkörpert wird, in Zukunft noch möglich bzw. sinnvoll sein wird.

2. Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung in Deutschland

Wie in der Einleitung bereits kurz angerissen befindet sich die Bevölkerung Deutschlands strukturell in einem starken Wandel der sich in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen wird und auf mehrere kumulativ wirkende Faktoren zurückzuführen ist. So hängt die Entwicklung der Population in Deutschland in erster Linie von der Entwicklung der Geburtenziffer, der Lebenserwartung und der Sterbeziffer ab. Daneben hat der Faktor der Migration, d.h. der Außenwanderungen, einen essentiellen Einfluss, vor allem in einem vereinigten Europa mit geöffneten Binnengrenzen. Im folgenden Kapitel werde ich die mögliche Entwicklung der Bevölkerung Deutschlands bis 2050 auf Grundlage der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes aufzeigen.

2.1. Die Geburtenentwicklung

In der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird die Geburtenentwicklung auf Basis der „zusammengefassten Geburtenziffer“ berechnet. Diese zeigt die Anzahl der Kinder an, die eine Frau in ihrem Leben, d.h. in der Zeit zwischen ihrem 15. und 49. Lebensjahr, zur Welt bringen würde, wenn die im Jahr der Erfassung bestehenden Bedingungen für die Dauer dieses Lebenszeitraums Bestand hätten. Für Westdeutschland ist eine „zusammengefasste Geburtenziffer“ von 1,4 Kindern pro Frau kennzeichnend. Es wird angenommen, dass sich die Zahl von 1,2 Kindern pro Frau im Osten Deutschlands bis spätestens 2010 an das westdeutsche Verhältnis annähert. Gestützt wird diese Annahme durch die sehr ähnlich verlaufende Geburtenentwicklung in der DDR und der BRD – sowie später West- und Ostdeutschland – seit Mitte der 50er Jahre. In beiden Ländern war ab Mitte der 50er bis Mitte der 60er Jahre ein Anstieg der Geburtenziffer zu verzeichnen (bis auf 2,5 Kinder pro Frau). Danach sank sie bis Mitte der 70er Jahre auf etwa 1,5 ab, stabilisierte sich in Westdeutschland etwas unter diesem Niveau, und erlebte in der DDR Anfang der 80er Jahre einen erneuten starken Anstieg (1,94 Kinder pro Frau). Mit dem Zusammenbruch der DDR sank die Geburtenziffer in Ostdeutschland jedoch deutlich unter das Niveau im Westen (0,77 gegenüber ca. 1,4 Kinder pro Frau), nähert sich seither jedoch stetig dem oben genannten Wert von 1,4 Kindern pro Frau an. Aufgrund der Stagnation im Westen auf dem Wert 1,4 und der stetigen Annäherung im Osten an diesem Wert wird die ‚langfristige Stabilisierung’ der Geburtenziffer auf diesem Niveau in der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung als sehr wahrscheinlich angesehen (siehe Anhang 1) (DeStatis 2003:10-13).

2.2. Die Lebenserwartung

Der relativ niedrigen Geburtenziffer – zum Erhalt der Bevölkerungsstärke wäre eine Geburtenziffer von 2,0 nötig - steht eine im vergangenen Jahrhundert stark gestiegene Lebenserwartung gegenüber. Durch die Lebenserwartung wird das Alter das ein neugeborenes Kind, bei Stabilität des Sterberisikos in den einzelnen Altersgruppen, voraussichtlich erreicht ausgedrückt. Für ältere Menschen – ab 60 Jahren - gilt die statistisch noch verbleibende Lebensdauer, die ‚fernere Lebenserwartung’. Als Faktoren für den starken Rückgang des „Sterblichkeitsniveaus der Menschen in Deutschland [werden in der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes] Fortschritte in Gesundheitswesen, Hygiene, Ernährung, Wohnsituation und Arbeitsbedingungen sowie der gestiegene materielle Wohlstand“ (DeStatis 2003:13) benannt. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass 1910 für Neugeborene ein Durchschnittsalter von 47 Jahren für Jungen und von 51 Jahren für Mädchen als wahrscheinlich galt, während es heute – Neugeborene in den Jahren 1998 bis 2000 – 75 bzw. 81 Jahre sind. Die fernere Lebenserwartung ist für 60-jährige Männer von 13 verbleibenden Jahren 1910 über 15 im Jahr 1970 auf heute 19 Jahre gestiegen; für Frauen sogar noch stärker von 14 über 19 auf 23 verbleibende Lebensjahre. Basierend auf diesen Zahlen stellt das Statistische Bundesamt drei mögliche Szenarien (L1, L2, L3) der Entwicklung der Lebenserwartung bis zum Jahr 2050 vor (siehe Anhang 2).

Szenario L1 geht davon aus, dass sich die Sterbewahrscheinlichkeit für jede einzelne Altersgruppe in Deutschland an das heute international gesehen jeweils niedrigste Niveau anpasst. Es ergibt sich bis 2050 dadurch eine gemäßigte Zunahme der Lebenserwartung, wodurch sie für neugeborene Jungen bei etwa 79 Jahren liegen wird, bei neugeborenen Mädchen bei ca. 75,5 Jahren. Für diesen relativ gebremsten Anstieg der Lebenserwartung im Vergleich zu den letzten 30 Jahren spricht nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, dass die Potenziale zu einer Weiterentwicklung in manchen Lebensabschnitten bereits stark ausgeschöpft sind, so z.B. bei der Säuglingssterblichkeit, die heute schon ein sehr niedriges Niveau erreicht hat. In Szenario L2 orientiert sich die weitere Entwicklung der Lebenserwartung, ebenso wie in Szenario L3, an der Entwicklung der Sterblichkeit seit 1970. Während die Berechnungen in L2 auf einer im Vergleich zu den letzten 30 Jahren beinahe unverminderten Weiterentwicklung der Lebenserwartung basieren wird in L3 von einer deutliche abgeschwächten Form der vergangenen Entwicklung der Lebenserwartung ausgegangen. Es ergibt sich dementsprechend eine Lebenserwartung von 81,1 Jahren für neugeborene Jungen und 86,6 Jahren für neugeborene Mädchen im Jahr 2050 bei Annahme von Szenario L2 und von 82,6 bzw. 88,1 Jahren bei Annahme von Szenario L3. Die Annahmen für die erwartete Lebenserwartung von Neugeborenen im Jahr 2050 schwanken damit zwischen einem Anstieg um ca. vier bis acht Jahre für Jungen und fünf bis acht Jahre für Mädchen. Bei der ferneren Lebenserwartung, d.h. die verbleibenden Lebensjahre für ab 60-jährige im Jahr 2050 bewegt sich der Anstiegsbereich zwischen drei und sechs Jahren im Vergleich zu heute (DeStatis 2003:19-20).

Tabelle 1: Szenarien zum Anstieg der Lebenserwartung im Jahr 2050

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3. Die Außenwanderungen

Für die Außenwanderungen von und nach Deutschland ergibt sich für die letzten 50 Jahre ein sehr komplexes Bild. Zu diesen starken Unterschieden in den Wanderungsbewegungen führten besondere Begebenheiten und politische Programme in der Vergangenheit, so z.B. die Anwerbung von Arbeitern in den 60er Jahren und die Nachzüge von Familienangehörigen im darauf folgenden Jahrzehnt, sowie der anschließende starke „Rückzug“ von deutschstämmigen Aussiedlern und der heute eher bedeutsame Zuzug von Asylbewerbern. Insgesamt – und das ist der entscheidende Punkt – ist in den letzten fünf Jahrzehnten ein positives durchschnittliches Wanderungssaldo zu verzeichnen. Als zusätzlich positiv ist dabei anzusehen, dass durch den Altersunterschied zwischen Immigranten und Emigranten eine Bevölkerungsverjüngung erzielt werden konnte. Auch wenn Aussagen über zukünftige Wanderungen wegen vielfacher unvorhersehbarer externer Effekte – z.B. Kriege, Naturkatastrophen - nur schwer zu treffen sind können vergangene sowie aktuelle Daten, vor allem auch aus Wirtschaft und Politik, Anhaltspunkte liefern. So begründen die Wirtschaftslage und dabei vor allem die Arbeitsmarktlage Deutschlands, sowie die momentane und zukünftige Erweiterung der Europäischen Union wichtige Faktoren für Zuwanderungspotenziale (DeStatis 2003:20-22).

Um nun die zukünftigen Wanderungen zu berechnen wurde eine weitere Unterteilung zwischen Aussiedlern/innen und Ausländern/innen getroffen. Für die erstgenannte Gruppe wird vermutet, dass sich die Zuwanderungsströme – deren Hochzeit in den 80er und 90er Jahren lagen - von derzeit um die 80 000 im Jahr weiter abschwächen und sich Immigration und Emigration von deutschstämmigen Personen ab dem Jahr 2040 neutralisieren. Die bis dahin zugewanderten Deutschen Frauen und Männer würden einen relativ kleinen Bevölkerungsteil von etwas über 850 000 Menschen stellen (DeStatis 2003:22).

Für die zukünftige Entwicklung der Außenwanderungen der zweitgenannten Gruppe und damit der für die Bevölkerungsentwicklung entscheidenden Wanderungssaldi werden in der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung ebenso wie für die Entwicklung der Lebenserwartung drei alternative Szenarien (W1-W3) vorgestellt. Während W1 und W2 die bisher festgestellten durchschnittlichen Wanderungssaldi von 100 000 bzw. 200 000 Ausländern/innen aufgreifen und ab dem Jahr 2003 weiterführen, wird in W3 von einem Anstieg der Zuwanderungen ab dem Jahr 2011 auf etwa 300 000 Ausländer/innen ausgegangen. Es ergeben sich daher Zuwanderungssummen zwischen 5,7 und 14,5 Millionen Menschen bis zum Jahr 2050. Positiv sind diese Zuwanderungssummen zu bewerten, da davon ausgegangen wird, dass der Trend der „jungen“ Zuwanderer der in der Vergangenheit vorherrschte weiterhin Bestand hat, wodurch eine weitergehende „Verjüngung“ der Bevölkerung in Deutschland zu verzeichnen wäre (siehe Anhang 4) (DeStatis 2003:22-23).

2.4. Die Bevölkerungszahl

Ausgehend von den jeweils drei getroffenen Annahmen für die Entwicklung der Lebenserwartung und die Entwicklung des Wanderungssaldos ergeben sich neun mögliche Szenarien für die Entwicklung der Bevölkerungszahl in Deutschland bis zum Jahr 2050. Das Statistische Bundesamt greift hiervon exemplarisch drei mögliche Szenarien (Variante1, 5 und 9) heraus, um den möglichen Entwicklungsbereich der Bevölkerungszahl abzustecken. In Variante 1 werden die Szenarien für die minimale Lebenserwartung und das minimale Wanderungssaldo kombiniert, wodurch sich ein starker Rückgang der Bevölkerungszahl von derzeit knapp 83 Millionen auf etwa 67 Milliarden Menschen ergibt. Eine Schrumpfung der Bevölkerungszahl ergibt sich ebenso in Variante 5 – auf 75 Millionen Menschen -, in der jeweils die mittleren Annahmen für Wanderungssaldo und Lebenserwartung summiert werden. Im Gegensatz zu diesen beiden Annahmen ergibt sich in Variante 9 – hohes Wanderungssaldo und hohe Lebenserwartung - eine Stagnation der Bevölkerungszahl (siehe Anhang 5). Ohne Zuzüge, bei einem ausgeglichenen Wanderungssaldo und einer unveränderten Lebenserwartung zu heute würde die Bevölkerungszahl in Deutschland im Jahr 2050 bei etwa 54 Millionen Menschen liegen (DeStatis 2003:26-28).

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie immer zwischen diesen beiden letztgenannten extremen Formen. Erwartungen für eine positive Entwicklung, d.h. für einen relativ guten Erhalt der Bevölkerungszahl Deutschlands fallen jedoch sehr gebremst aus, da davon ausgegangen werden muss, dass sich die Schere zwischen Geburten und Sterbefällen, aufgrund des starken Rückgangs der Geburtenziffer in den letzten 30 Jahren, weiter öffnen wird. Diese Annahme wird auf der Tatsache aufgebaut, dass die in diesen Jahrzehnten hervorgebrachten Mädchenjahrgänge zahlenmäßig schwächer besetzt sind als ihre Vorgängergenerationen und somit trotz der Konstanz der zusammengefassten Geburtenziffer von den absoluten Zahlen aus gesehen schwächere Jahrgänge hervorbringen. Damit die Verluste der Vergangenheit wieder aufgeholt werden können müsste die zusammengefasste Geburtenziffer auf über 2,1 – der Punkt ab dem sich eine Generation zahlenmäßig reproduziert – steigen. Hierfür sind jedoch keine Anzeichen erkennbar. Aufgrund dieser negativen Entwicklung kann es als sehr wahrscheinlich angesehen werden, dass sich die Bevölkerungszahl in Deutschland mit Zuzügen zwar langsamer, aber dennoch verringern wird (DeStatis 2003:28).

2.5. Der Altersaufbau

Der zukünftige Altersaufbau in Deutschland hängt in entscheidender Weise von den eben genannten Entwicklungen der Population, aber auch vor allem von der gegenwärtigen Situation im Altersaufbau ab (siehe Anhang 6). Die am stärksten vertretenen Jahrgänge der heute 30-40-jährigen werden in 20-30 Jahren an der Schwelle zum Senioren- und nach den heutigen Maßstäben Rentenalter stehen. Kombiniert mit den Geburtenrückgängen in der Vergangenheit und der Fortsetzung dieses Trends in der Zukunft bedeutet dies, dass es zu einer deutlichen Alterung der Gesellschaft kommen wird. Während vor 50 Jahren jeder Dritte in Deutschland noch unter 20 und jeder Siebte 60 oder älter war, hat sich dieses Verhältnis bis heute leicht zu Gunsten der Älteren auf 20% unter 20-jährige und 25% über 59-jährige gedreht und wird sich weiterhin in diese Richtung verschieben. Gemäß der bereits beschriebenen Entwicklungsvariante 5 würden im Jahr 2050 um 15% der Menschen in Deutschland unter 20, aber etwa ein Drittel über 59 Jahre alt sein. Bei den ab 80-jährigen wäre ebenfalls ein starker Anstieg von derzeit 4% der Bevölkerung auf 12% zu verzeichnen (DeStatis 2003:29-31).

Für den Altenquotient, der das Verhältnis zwischen erwerbstätiger Bevölkerung – zwischen 20 und 59 Jahren – und der Bevölkerung im Rentenalter – derzeit durchschnittlich ab 60 Jahren – würde dies einen Anstieg von 44 „Rentnern“ gegenüber 100 „Erwerbstätigen“ im Jahr 2001 auf 77,8 „Rentner“ im Jahr 2050 bedeuten. Durch ein Hinauszögern des Renteneintritts – wie er durch die Bundesregierung in den letzten Jahren angedacht wurde - auf das 65. Lebensjahr könnte der Altenquotient auf 54,5 „Rentner“ und beim Hinauszögern auf das 67. Lebensjahr auf 47,4 „Rentner“ je 100 Erwerbstätige im Jahr 2050 gesenkt werden (DeStatis 2003:31-33).

Hieraus ergeben sich auch für den Altersaufbau der erwerbstätigen Population deutliche Veränderungen. So würde die Gruppe der „jungen Arbeiter“ zwischen 20 und 34 Jahren um 24% von heute etwa 16 Millionen auf 12 Millionen im Jahr 2050 sinken, die der „mittelalten Arbeiter“ zwischen dem 35. und 49. Lebensjahr um 31% von 20 auf 14 Millionen. Die Gruppe der „alten Arbeiter“ ab dem 50. bis zum 64. Lebensjahr würde hingegen lediglich um 3% auf etwa 15 Millionen Menschen schrumpfen und somit die Leute mittleren Alters unter den Erwerbstätigen als am stärksten vertretene Altersgruppe ablösen (siehe Anhang 8) (DeStatis 2003:35).

2.6. Folgen für die Alterssicherung in Deutschland

Es stellt sich nun die Frage welche Auswirkungen sich für den Sozialstaat Deutschland und im Besonderen für das System der Alterssicherung ergeben. Während die Bevölkerungszahl in Deutschland kurzfristig und auf lange Zeit gesehen aufgrund des Geburtenrückgangs sinkt steigt der Anteil alter Menschen im erwerbsfähigen und vor allem auch im Rentenalter. Hierbei wirkt eine Zuwanderung von Ausländern/innen, solange sie nicht auf ein unerwartbar hohes Maß steigt lediglich als Puffer oder Bremse für die sich abzeichnende Entwicklung. Behält man den vermuteten weiteren Anstieg der Lebenserwartung im Auge, so wird klar, dass dies bedeutet, dass auf einen kleineren Teil erwerbstätiger in Zukunft ein größerer Anteil nicht mehr erwerbstätiger Menschen zukommt, deren Lebensunterhalt – in Form von Renten – gesichert werden muss. Als mögliche Auswege hierfür werden eine Erhöhung von anfallenden Rentenbeiträgen, die Kürzung von Leistungen - im Extremfall bis auf eine Grundrente - für heutige und vor allem zukünftige Rentner, die Verlängerung der Lebensarbeitszeit durch ein Hinausschieben des Renteneintrittsalters oder die Einführung von privaten Zusatzversicherungen diskutiert. Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit das bestehende System der Alterssicherung in Deutschland unter den aufgezeigten Bedingungen überhaupt noch reformierbar und in seiner bestehenden Form als umlagefinanziertes System auf der Basis des Generationenvertrags zwischen Alt und Jung haltbar ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Der Sozialstaat: Auslaufmodell oder zukunftsfähig?
Untertitel
Bevölkerung und Alterssicherung
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Der Sozialstaat: Auslaufmodell oder zukunftsfähig?
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
36
Katalognummer
V88604
ISBN (eBook)
9783638025102
ISBN (Buch)
9783638934497
Dateigröße
762 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialstaat, Auslaufmodell
Arbeit zitieren
Marius Birnbach (Autor), 2004, Der Sozialstaat: Auslaufmodell oder zukunftsfähig?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88604

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