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Zur figuralen Verwendung biblischer Motive in der profanen Literatur

Die Philippsprüche Walthers von der Vogelweide

Title: Zur figuralen Verwendung biblischer Motive in der profanen Literatur

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 13 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Bradley (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Seit der Zeit der Kirchenväter wird der Zusammenhang zwischen Altem und Neuem
Testament als Verhältnis von Verheißung und Erfüllung ausgelegt. Das Geschehen von
Ereignissen und das Auftreten von Personen des NT sollen demnach bereits im AT
angekündigt worden sein. Die Verheißung wird in der christlichen Terminologie mit Typus bezeichnet, die Erfüllung des Angekündigten mit Antitypus. So ist z. B. Adam der Typus Christi: Adam hatte Teil am Sündenfall und am Ausgestoßenwerden aus dem Paradies; Christus ist dann insofern der Antitypus des Adam dessen Leben die Geburt Christi verheißen soll und mit ihm die Erlösung von der menschlichen Erbsünde. Diese Form der Bibelexegese wird als typologische Interpretation oder auch als Figuraldeutung bezeichnet.
Die figura als Auslegungsverfahren nimmt zwar ihren Ursprung in der Bibelausdeutung, ist aber nicht auf sie beschränkt. Gerade im Mittelalter prägte sie die Denkweise der Menschen. Und so ist sie auch in der profanen mittelalterlichen Literatur anzutreffen. Diese Arbeit untersucht die halbbiblische Verwendung der figura am Beispiel eines Philippspruches Walthers von der Vogelweide.
In Kapitel 2 soll zunächst die figura exakt bestimmt und ein anschließender Umriss ihrer
Verwendungsweise gegeben werden (2.2). Dazu findet sich in 2.1 eine kurze etymologische Geschichte des Wortes figura sowie seines Bedeutungswandels hin zum Gegenstand christlich-mittelalterlicher Weltdeutung.
Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem Textmaterial und gibt eine geschichtliche Einführung, die die das ausgewählte Gedicht umrankenden historischen Hintergründe darstellt (3.1). Im zweiten Teil des dritten Kapitels schließlich wird das Gedicht interpretiert und aufgezeigt wie es sich durch den typologischen Zusammenhang mit immenser Wirkungskraft speist.
Im Anhang finden sich das Originalgedicht und eine Übersetzung. Auerbach zeichnet den etymologischen Werdegang des Begriffes figura in seinem gleichnamigen Aufsatz von 1967 nach. Erstmals zu finden ist figura (vom gleichen Stamm wie fingere, figulus, fictor, effigies) bei Terenz. Dieser wie andere Schreiber der Antike nutzte den Begriff ursprünglich zur Bezeichnung von geometrischen Formen verschiedenster Art, später dehnte er sich auch auf akustische und grammatische Formen aus. Jedoch verengte sich die Bedeutung von figura schon bald auf die komplementärantonymische Bezeichnung zu forma´Gussform` als dem plastischen Gebilde, das aus der Form hervorgeht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Figura

2.1 Figura als heidnischer und als christlicher Begriff

2.1 Die Gestalt der figura

3 Die Philippsprüche Walthers von der Vogelweide

3.1 Geschichtliche Hintergründe

3.1.1 Der Investiturstreit

3.1.2 Die doppelte Königswahl

3.2 Ez gienc, eins tages als unser herre wart geborn

4 Schluss

5 Bibliografie

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung der mittelalterlichen Figuraldeutung (Typologie) in der profanen Literatur, speziell im Philippspruch "Ez gienc, eins tages als unser herre wart geborn" von Walther von der Vogelweide. Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Dichter durch die Übertragung biblischer Heilsgeschichte auf die zeitgenössische Politik die Herrschaft des staufischen Königs Philipp von Schwaben legitimiert.

  • Grundlagen der christlichen Figuraldeutung (Typus und Antitypus).
  • Etymologische und historische Entwicklung des Begriffs "figura".
  • Historischer Kontext des Investiturstreits und der doppelten Königswahl um 1198.
  • Analyse und Interpretation des ausgewählten Philippspruchs im typologischen Kontext.
  • Verhältnis von politischer Intention und religiöser Symbolik in Walthers Dichtung.

Auszug aus dem Buch

3.2 Ez gienc, eins tages als unser herre wart geborn

Die so entstandene Pattsituation zwischen Otto IV. und Philipp von Schwaben lässt sich vorläufig nicht klären. Die Dinge entwickeln sich aber schon bald unter militärischem Nachdruck positiv für den staufischen Kandidaten. Er versichert sich der bedeutenden Bischofsstadt Trier und verfestigt seine Position am Niederrhein. Die Treue des Landgrafen von Thüringen wird mit Gebietsüberlassungen gekauft und der Bischof von Straßburg unterworfen. Im September 1199 schließlich unternimmt Philipp einen Heereszug nach Köln und richtet schwere Verwüstungen an. Otto – dessen finanzielle Mittel sich nach dem Tod des englischen Königs Richard Löwenherz erschöpften – ist nicht in der Lage diesen Angriff abzuwehren. Die Sachsen sehen die welfische Sache als verloren an und so kann Philipp von Schwaben mit einer großen Anhängerschaft in Magdeburg ungestört das Weihnachtsfest feiern.

Zu diesem historischen Ereignis setzt der Philippspruch Es gienc, eins tages als unser herre wart geborn des Dichters und Minnesängers Walther von der Vogelweide ein. Walther nennt nicht ausdrücklich das Weihnachten 1199, sondern stellt einen Bezug zum allerersten Weihnachtsfest, der Geburt Jesu Christi, und dem mit ihm verknüpften heilsgeschichtlichen Ereignis her (Z. 1ff.). Magdeburg, das seit Otto I. das kirchliche und politische Machtzentrum des Ostens war, fungiert in wortspielerischer Manier als heiliger und politisch hochaktueller Schauplatz des Geschehens: Megedeburc – burc der maget – die Stadt der heiligen Jungfrau. Jesus als der Menschenkönig, der der Welt Gerechtigkeit bringen soll, ist ein Attribut, das Walther dem künftigen deutschen König vermeintlich zuschreiben möchte. Er siedelt damit König Philipp in der jahrhundertealten Tradition des rex et sacerdotum an.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die typologische Interpretation als christliches Auslegungsverfahren ein und skizziert die Fragestellung zur Verwendung der figura bei Walther von der Vogelweide.

2 Figura: Dieses Kapitel erläutert die etymologische Herkunft sowie die historische Entwicklung des Begriffs figura von der Antike bis zur christlichen Figuraldeutung.

2.1 Figura als heidnischer und als christlicher Begriff: Hier wird der Bedeutungswandel des Begriffs figura vom geometrischen oder rhetorischen Fachbegriff hin zur religiösen, vorausdeutenden Heilsgeschichte detailliert dargestellt.

2.1 Die Gestalt der figura: Dieses Kapitel vergleicht die figura mit anderen literarischen Verfahren wie Metapher und Allegorie und arbeitet die Besonderheiten der Relation zwischen Typus und Antitypus heraus.

3 Die Philippsprüche Walthers von der Vogelweide: Hier wird Walther von der Vogelweide als politischer Dichter eingeführt und die Funktion seiner Sprüche im Königsstreit erläutert.

3.1 Geschichtliche Hintergründe: In diesem Abschnitt werden die komplexen politischen Voraussetzungen beleuchtet, die Walthers Engagement für Philipp von Schwaben begründen.

3.1.1 Der Investiturstreit: Dieses Kapitel beschreibt das enge Verhältnis von kirchlicher und weltlicher Macht im Mittelalter und die Bedeutung des Investiturstreits.

3.1.2 Die doppelte Königswahl: Hier wird der konkrete historische Konflikt um die Thronfolge zwischen Otto IV. und Philipp von Schwaben nach dem Tod Kaiser Heinrichs VI. dargestellt.

3.2 Ez gienc, eins tages als unser herre wart geborn: Dieses Kapitel interpretiert das Gedicht und zeigt auf, wie Walther durch typologische Vergleiche Philipp von Schwaben als legitimen Herrscher darstellt.

4 Schluss: Das Schlusskapitel fasst das weitere Schicksal Philipps von Schwaben zusammen und reflektiert Walthers Eindruck von dessen Persönlichkeit.

5 Bibliografie: Dieses Verzeichnis listet die verwendete Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit auf.

Schlüsselwörter

Figuraldeutung, Typologie, Walther von der Vogelweide, Philipp von Schwaben, Investiturstreit, Mittelalter, Typus, Antitypus, Rex et Sacerdotum, politische Lyrik, Heilsgeschichte, Magdeburg, Köngiswahl, Literaturwissenschaft, Bibelauslegung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Übertragung der christlichen Figuraldeutung auf die profane politische Lyrik des Mittelalters, am Beispiel eines Gedichts von Walther von der Vogelweide.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Themenfelder umfassen die mittelalterliche Bibelauslegung, den Investiturstreit, den politischen Königsstreit zwischen Staufern und Welfen sowie die literarische Legitimierung von Herrschaft.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Walther von der Vogelweide durch die Konstruktion eines typologischen Zusammenhangs zwischen Jesus Christus und König Philipp von Schwaben dessen politischen Anspruch stützt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die begriffsgeschichtliche Herleitungen mit historischer Kontextualisierung und textimmanenter Interpretation kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Bestimmung der figura, eine geschichtliche Einordnung des Investiturstreits und der Königswahl sowie eine detaillierte Interpretation von Walthers Philippspruch.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Begriffe sind Figuraldeutung, Typologie, Philipp von Schwaben, Walther von der Vogelweide und Heilsgeschichte.

Inwiefern spielt der Begriff "Magdeburg" eine Rolle im analysierten Gedicht?

Magdeburg dient im Gedicht sowohl als realer Ort des Geschehens als auch als "Stadt der Jungfrau" (Megedeburc - burc der maget), womit eine sakrale Komponente für die politische Handlung geschaffen wird.

Wie vollzieht Walther im Gedicht den Bezug zur Heiligen Dreieinigkeit?

Walther nennt Philipp einen "Kaisers Bruder" und "Kaisers Kind" und ergänzt dies durch die Reichskrone und das Reichszepter, womit er Philipp als die Person darstellt, die diese Dreieinigkeit in sich vereint.

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Details

Title
Zur figuralen Verwendung biblischer Motive in der profanen Literatur
Subtitle
Die Philippsprüche Walthers von der Vogelweide
College
University of Wuppertal
Course
Erich Auerbachs "Mimesis"
Grade
1,0
Author
Michael Bradley (Author)
Publication Year
2006
Pages
13
Catalog Number
V88620
ISBN (eBook)
9783638028523
ISBN (Book)
9783638927734
Language
German
Tags
Verwendung Motive Literatur Erich Auerbachs Mimesis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Bradley (Author), 2006, Zur figuralen Verwendung biblischer Motive in der profanen Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88620
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