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Die Geburt der Heldin - 'Der Tod der Alkestis' von Angelika Kauffmann als Reformulierung eines Mythos

Title: Die Geburt der Heldin - 'Der Tod der Alkestis' von Angelika Kauffmann als Reformulierung eines Mythos

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 34 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: MA Torsten Junge (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Vom Eros ergriffen übertraf sie diese so sehr an Liebe, dass man glauben musste, sie [die Eltern, TJ] ständen ihrem Sohne fremd gegenüber und seien ihm nur dem Namen nach verwandt; und nach Vollführung dieser Tat schien sie nicht nur in den Augen der Menschen, sondern auch der Götter ein so herrliches Werk vollbracht zu haben. Dass sie – die Götter – in Bewunderung ihrer Tat ihre Seele aus dem Hades zurückkehren ließen, während sie sonst, angesichts zahlreicher herrlicher Tat mancher anderer, doch nur ganz wenige Auserwählte der Auszeichnung würdigten, ihre Seele aus dem Hades wieder freizugeben. So ehren die Götter den tugendhaften Eifer für die Liebe.“ (Platon 1922: Bd.3, Das Gastmahl S.12)
Der hier in Platons Gastmahl angesprochene Mythos des Opfertodes der Alkestis erzählt die Geschichte einer Frau, die für ihren Ehemann in den Tod geht. Das Motiv für jemanden aus Liebe zu sterben, ist für den Menschen der Antike ebenso wenig unbekannt wie für die Gegenwart. In Platons Gastmahl wird sie in der Reflexion über die Bedeutung der Liebe, des Eros erwähnt, als Liebende, die bereit ist, für ihren Mann Admetos in den Tod zu gehen. Der Gehalt der Mythe liegt auf der Hand: Sich als Mensch für den anderen zu opfern, ist eine Tat, die sogar die Götter beeindruckt und zu ihren Respekt herausfordert. In der Antike ist dies keine Selbstverständlichkeit, die griechische Antike kennt in ihrer Konzeption des Überirdischen und Jenseitigen keine Götter, die als Heilsbringer oder als Hirten wie im Christentum fungieren. Die Götter sind bestimmend über Territorien und können schicksalsbeeinflussend sein. Sie sind jedoch keinesfalls um das Wohlergehen des einzelnen Menschen und um sein Seelenheil bemüht. Der christlichen Auffassung von der Heilserwartung, die in der Befolgung der göttlichen Gebote und in der Sorge des Pastors um die Gemeinde sich ausdrückte, ist dem griechischen Menschen völlig unbekannt: „Der griechische Gott gründet die Stadt, er zeigt ihren Standort, er hilft beim Bau der Mauern, er gewährleistet ihre Solidarität, er gibt der Stadt seinen Namen, er erteilt Orakel und verkündet dadurch seinen Rat. Man konsultiert den Gott, er beschützt, er interveniert, es geschieht, daß er zornig wird und daß er sich wieder versöhnt, doch niemals leitet der Gott die Menschen der Stadt, wie ein Hirte seine Schafe leiten würde.“ (Foucault 2004: 187)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodisches Vorgehen

2.1. Bilder als Gegenstand der Literaturwissenschaft

2.2. Die Methode der Bildinterpretation nach Erwin Panofsky

2.3. Zum Begriff des Mythos

3. Liebe im 18. und 19. Jahrhundert

3.1. Die sozialintegrierende Funktion von Liebe

3.2. Das Frauenbild im Übergang vom 18. zum 19.. Jahrhundert

4. Das Bild als Affirmation und Revolte

4.1. Zur Geschichte eines Bildmotives

4.2. Angelika Kauffmann - Der Tod der Alkestis

4.3. Darstellungstraditionen

4.3.1. Der klassische Heldentod

4.3.2. Der Marientod

5. Fazit

6. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie Angelika Kauffmann in ihrem Gemälde „Der Tod der Alkestis“ den antiken Mythos neu interpretiert und dabei zeitgenössische Konzepte von Geschlechterrollen im ausgehenden 18. Jahrhundert reflektiert und in Frage stellt. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert auf die Transformation des Mythos durch die bewusste Erschaffung einer Heldin, die traditionelle Rollenzuschreibungen aufbricht.

  • Interdisziplinäre Bildinterpretation nach Erwin Panofsky
  • Sozialhistorische Analyse der Liebe im 18. und 19. Jahrhundert
  • Die Darstellung des Frauenbildes und der Geschlechterrollen
  • Kulturwissenschaftliche Untersuchung von Mythenrezeption und Bildtraditionen

Auszug aus dem Buch

2. Methodisches Vorgehen

Ein Gemälde als Thema eines literaturwissenschaftlichen Seminars? Haben wir uns da nicht in der akademischen Disziplin vertan? Ist das Bild und Bildinterpretation nicht ein genuiner Gegenstand der Kunstgeschichte und der Kunsttheorie? Was hat ein Bild im Sinne einer visuellen Repräsentation mit einem fiktionalen Text gemeinsam? Können beide als Ausdruck eines künstlerischen Begehrens nach der selben Methode analysiert werden? Oder bestehen doch gravierende Unterschiede zwischen der Macht der Ikonographie und dem Gehalt eines literarischen Textes?

Diese Fragen sind längst eingeholt von dem sogenannten Pictural Turn oder auch Iconic Turn, der in allen Wissenschaften auf die Rolle von Bilder verweist und Probleme dieser Wissenschaften hinsichtlich ihrer Repräsentationsordnungen neu formuliert. Nicht nur die Geistes- und Sozialwissenschaften haben sich dem Problem des Darstellens gewidmet, selbst die auf ‚Objektivität’ und ‚Rationalität’ besonnenen Naturwissenschaften reflektieren mittlerweile verstärkt u.a. die unterschiedlichen Weisen, wie wissenschaftliche Ergebnisse, und auch ihre Akteure, repräsentiert werden, welche Bilder und eben auch Sprachbilder hier zum Einsatz kommen. Der Pictural Turn, ein Ausdruck des amerikanischen Kunsthistorikers William John T. Mitchell (1994) verweist auf eine gestiegene Bedeutung von Bildern hinsichtlich der Quantität wie auch der Qualität.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Alkestis-Mythos und die Bedeutung von Mythen als transformierbare kulturelle Modelle.

2. Methodisches Vorgehen: Vorstellung der interdisziplinären Analyseansätze, insbesondere der Bildinterpretation nach Panofsky und des Mythosbegriffs.

3. Liebe im 18. und 19. Jahrhundert: Untersuchung der soziohistorischen Bedingungen und der Entwicklung bürgerlicher Liebeskonzepte und Geschlechterbilder.

4. Das Bild als Affirmation und Revolte: Analyse von Kauffmanns Gemälde im Vergleich zu anderen Bildtraditionen und der bewussten Rollen-Rebellion.

5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Transformation des Mythos und des performativen Charakters von Geschlechteridentitäten in Kauffmanns Werk.

6. Literatur: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Angelika Kauffmann, Der Tod der Alkestis, Alkestis-Mythos, Geschlechterrollen, Bildinterpretation, Erwin Panofsky, Historienmalerei, Ikonologie, Liebe, Aufklärung, Bürgertum, Kulturwissenschaft, Transformation, Mythos, Weiblichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert das Gemälde „Der Tod der Alkestis“ von Angelika Kauffmann vor dem Hintergrund der historischen und gesellschaftlichen Geschlechterrollen im 18. Jahrhundert.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Mythenrezeption, der Kunsttheorie, der Entwicklung von Liebeskonzepten sowie der soziologischen Einordnung des bürgerlichen Frauenbildes.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Kauffmann durch eine bewusste Transformation des Alkestis-Mythos eine bildliche Revolte vollzieht, indem sie die traditionelle Passivität der Frau aufbricht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der insbesondere das dreistufige Interpretationsmodell der Bildinterpretation nach Erwin Panofsky nutzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der methodischen Einordnung, der Analyse der Liebessemantik in der Epoche und einer vergleichenden Bildanalyse verschiedener Alkestis-Darstellungen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Mythos, Geschlechterrollen, Ikonologie, Historienmalerei, bürgerliche Ehe und die Transformation von Rollenbildern.

Warum wählt Kauffmann gerade das Sujet der Alkestis?

Die Wahl dient dazu, eine Frau als Heldin darzustellen und damit eine in der Historienmalerei ungewöhnliche Verschiebung der geschlechtsspezifischen Rollenmuster vorzunehmen.

Wie unterscheidet sich Kauffmanns Darstellung von anderen Malern?

Während bei vielen Zeitgenossen der trauernde Mann oder der heldenhafte Retter im Zentrum stehen, rückt Kauffmann die Heldin Alkestis in den Mittelpunkt und verleiht ihr eine neue, aktive Würde.

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Details

Title
Die Geburt der Heldin - 'Der Tod der Alkestis' von Angelika Kauffmann als Reformulierung eines Mythos
College
University of Hamburg  (Institut für Germanistsik II)
Grade
1,0
Author
MA Torsten Junge (Author)
Publication Year
2006
Pages
34
Catalog Number
V88628
ISBN (eBook)
9783638028578
ISBN (Book)
9783638948821
Language
German
Tags
Geburt Heldin Alkestis Angelika Kauffmann Reformulierung Mythos
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MA Torsten Junge (Author), 2006, Die Geburt der Heldin - 'Der Tod der Alkestis' von Angelika Kauffmann als Reformulierung eines Mythos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88628
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