Paul Dahlke in Gastrollen der ZDF-Fernsehproduktionen "Der Kommissar", "Derrick" und "Der Alte"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Stammpersonal und Gäste in Der Kommissar, Derrick und Der Alte
2.1. Die Ermittler der Serien: Who is Who?
2.2. Gastrollen im ZDF-Freitagskrimi

3. Paul Dahlkes Gastrolle in Der Kommissar („Tod eines Landstreichers“)
3.1. Zum Inhalt der Episode
3.2. Paul Dahlke als Eberhard Scherf: Schauspieltechniken und deren Bedeutung
3.3. Typage: Paul Dahlke als nichtklassischer Schurke?

4. Paul Dahlkes Gastrolle in Derrick („Die Tote in der Isar“)
4.1. Zum Inhalt der Episode
4.2. Paul Dahlke als Josef Matusek: Schauspieltechniken und deren Bedeutung
4.3. Typage: Paul Dahlke als liebevoller und trauernder Großvater

5. Paul Dahlkes Gastrolle in Der Alte („Die tote Hand“)
5.1. Zum Inhalt der Episode
5.2. Paul Dahlke als Franz Burger: Schauspieltechniken und deren Bedeutung
5.3. Typage: Paul Dahlke als pensionierter Kommissar

6. Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Welch Schauspiel! Aber ach! ein Schauspiel nur!“

(Johann Wolfgang von Goethe, Faust I)

Bereits Johann Wolfgang von Goethe thematisiert den Unterschied zwischen Schauspiel und Realität. Dieser Unterschied ist auch dem Zuschauer in der Regel bewusst – und doch erhebt das Schauspiel den Anspruch, möglichst authentisch dargestellt zu werden. Denn das Publikum möchte beim Anschauen von Theaterstücken bzw. Filmen und Serien nicht bloß unterhalten werden, sondern ist ferner dazu geneigt, sich in die Charaktere hineinzuversetzen, mit ihnen zu fühlen und ihr Agieren nachzuvollziehen oder es zu kritisieren. So können sich gewisse Sympathien oder Antipathien herauskristallisieren, die es dem Zuschauer ermöglichen, die Zusammenhänge besser zu verstehen und die Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren zu durchschauen. Damit ein solcher Vorgang jedoch stattfinden kann, besteht eine wichtige Aufgabe des Schauspielers darin, seine Rolle so zu spielen, dass die wesentlichen Charakterzüge der von ihm verkörperten Figur dem Publikum eindeutig und unmissverständlich präsentiert werden. Je besser ihm dies gelingt, umso größer ist sein schauspielerisches Talent. So kann der Beliebtheitsgrad eines Schauspielers u.a. von seinem Können abhängig sein. Wie professionell ein Schauspieler ist, kann sich dann auch in seiner Rollenbiographie spiegeln, denn mit ihr wird nicht nur die Abfolge, sondern auch die Art der Rollen und so die Vielseitigkeit des Schauspielers erfasst. Ist er z.B. durch sein äußeres Erscheinungsbild auf ein bestimmtes Rollenformat festgelegt, muss er versuchen, dies durch seine schauspielerische Leistung zu kompensieren; nur so kann er letztendlich beweisen, dass er auch wechselnden Typensystemen gerecht werden kann. Beispielsweise wirkt der typisch 'männliche' Actionheld Arnold Schwarzenegger in der Komödie Junior im Großen und Ganzen überzeugend, wenn er den ersten schwangeren Mann der Welt mimt (obwohl Figur und Handlung an sich unrealistisch sind). Natürlich gibt es weitere Namen, die einer Würdigung aufgrund ihres vielseitigen Schaffens bedürften. Allein die zahlreichen Preise, die jährlich von der Filmindustrie verliehen werden, sprechen Bände. Und doch können einige dieser populären Stars nach ihrem Tod – oft zu Unrecht – leicht in Vergessenheit geraten.

Einer von ihnen ist ohne Zweifel der deutsche Schauspieler Paul Dahlke (1904-1984). Das Spektrum seiner Film- und Fernsehrollen zwischen 1934 und 1984, durch die er großes Ansehen erlangte, ist sehr breit.[1] Allerdings übernahm er nicht nur Haupt- und Nebenrollen in Kino- und Fernsehfilmen, sondern wirkte u.a. auch in den ZDF-Krimiserien Der Kommissar, Derrick und Der Alte in Gastrollen mit, deren Analyse Gegenstand der vorliegenden Darstellung sein soll. Insbesondere wird hier der Fragestellung nachgegangen, ob und wie es Dahlke gelingt, die (unterschiedlichen) Typen in der Trias der genannten Serien darzustellen, welche übrigens nicht nur hierzulande bekannt sind, sondern sich z.T. auch als Exportschlager erwiesen.[2]

Damit eine Schauspielanalyse Paul Dahlkes in Der Kommissar, Derrick und Der Alte vorgenommen werden kann, wird nach einigen allgemeinen Anmerkungen zu jenen Fernsehproduktionen (die auch einen kurzen Überblick über die Ermittlerfiguren bzw. deren Darsteller verschaffen sollen) der Begriff der Gastrolle mitsamt ihren Wirkungsabsichten untersucht. Darauf aufbauend soll das Augenmerk auf die Charaktere gerichtet werden, die der Schauspieler jeweils verkörpert. Die Figurenanalyse läuft deshalb bei allen drei Serien nach dem gleichen Schema ab: Zunächst erfolgt eine kurze Inhaltsangabe der Episode, um ein Vorverständnis für die von Paul Dahlke eingesetzten Schauspieltechniken zu schaffen. Denn diese sollen im jeweils nächsten Abschnitt analysiert werden, damit abschließend bewertet werden kann, welcher Typus in den Episoden repräsentiert und welche (psychologische) Wirkung damit beim Zuschauer erzielt wird.

Zitate sind in der vorliegenden Arbeit als solche durch Anführungszeichen kenntlich gemacht und mit einer Fußnote versehen. Alle eingeklammerten Hinweise, z.B. (vgl. Kap. 2.1.), sind Binnenverweise dieser Arbeit.

2. Stammpersonal und Gäste in Der Kommissar, Derrick und Der Alte

2.1. Die Ermittler der Serien: Who is Who?

Den o.g. Krimiserien sind mehrere Eigenschaften gemein: Sie alle wurden am Freitagabend im Zweiten Deutschen Fernsehen um 20.15 Uhr ausgestrahlt, ihre Episoden dauern jeweils ca. 60 Minuten, und obwohl sich Erzählweise und Charaktereigenschaften der Protagonisten z.T. voneinander abgrenzen[3], geschieht in jeder Episode der drei Serien ein Verbrechen, das am Ende vom jeweiligen Ermittler (meistens durch Unterstützung seiner Mitarbeiter) aufgeklärt wird. Die einzelnen Episoden aller drei Krimiserien sind also in sich geschlossen, denn stets wird ein neuer Fall bearbeitet (vgl. dazu auch Kap. 2.2.).

Der Freitagabend hat als 'Krimitermin' im ZDF eine lange Tradition. Bereits ab 1969 lief Der Kommissar; das Drehbuch stammt von Herbert Reinecker. Bis 1976 waren insgesamt 97 Episoden zu sehen mit Erik Ode in der Hauptrolle des Kommissar Keller, gefolgt von seinen drei Mitarbeitern und einer Sekretärin.[4] Diese Charaktere und deren Darsteller blieben in allen Episoden bis auf eine Ausnahme gleich: Elmar Wepper übernahm später den Part seines Bruders Fritz Wepper, der schon in Der Kommissar die Rolle des Assistenten Harry Klein spielte, dann aber – sowohl innerhalb der Serie als auch schauspielertechnisch – zu Oberinspektor Derrick wechselte. Denn Fritz Wepper verkörpert in Derrick den gleichen Charakter (diese Serie ist also strenggenommen das Spin-Off von Der Kommissar.)

Derrick stammt ebenfalls aus der Feder des Drehbuchautors Herbert Reinecker. Von 1974 bis 1998 wurden insgesamt 281 Episoden ausgestrahlt. Darin spielt Horst Tappert die Rolle des Oberinspektors Stephan Derrick, der sich gemeinsam mit seinem o.g. Assistenten Harry Klein (Fritz Wepper) in jeder Episode auf Verbrecherjagd begibt.

Im Jahre 1977 kam mit Der Alte die dritte der genannten Krimiserien hinzu.[5] Das Drehbuch zu dieser Serie schrieben verschiedene Autoren, wie z.B. Karl Heinz Willschrei,

Volker Vogeler, Hartmut Griesmayr u.a. In den ersten 100 Episoden spielte Siegfried Lowitz die Hauptrolle des Kommissar Köster, der zusammen mit seinem Assistenten Gerd Heymann (gespielt von Michael Ande) in jeder Folge zu sehen ist; 1986 verließ Lowitz jedoch auf eigenen Wunsch die Serie. Allerdings blieb Der Alte weiterhin bestehen: In 222 Episoden spielte Rolf Schimpf von 1986 bis 2006 die Hauptrolle des Kommissar Kress. Die Rolle des Gerd Heymann wurde durch den selben Schauspieler beibehalten. Andere Ermittlercharaktere und deren Darsteller blieben zwar auch größtenteils konstant; jedoch wurden diese später ausgetauscht bzw. kamen nicht in jeder Episode vor. Eine Fortsetzung von Der Alte wird bereits (mit z.T. anderer Figurenkonstellation) produziert und ausgestrahlt.[6]

2.2. Gastrollen im ZDF-Freitagskrimi

Bisher wurden Der Kommissar, Derrick und Der Alte allgemein als 'Serie' bezeichnet. In der Literatur besteht Uneinigkeit darüber, ob der Begriff sich noch komplexer einteilen lässt. Während z.B. Hickethier sowohl in sich geschlossene Folgenhandlungen als auch Fortsetzungsgeschichten als Serie bezeichnet[7], definiert Zwaenepoel nur Fortsetzungsgeschichten als Serie und in sich geschlossene Folgenhandlungen, die durch die gleichbleibende(n) Hauptfigur(en) miteinander verbunden werden, aber „jeweils einen konkreten Fall behandeln“, als 'Reihe'.[8] Auch sei hier „[e]in Wechsel in der Besetzung der Titelrolle [...] aus Altersgründen oder persönlichen Gründen [...] nicht auszuschließen“[9], der, wie bereits gezeigt wurde (vgl. Kap. 2.1.), in Der Alte stattfand. Die o.g. Merkmale der Reihe sind also typisch für Der Kommissar, Derrick und Der Alte: Dem Zuschauer ist es möglich, eine oder mehrere Episoden zu verpassen und dennoch die Handlung zu verstehen. So scheint es für die folgenden Überlegungen plausibel, Zwaenepoels Begriff der Reihe auch auf jene drei Fernsehproduktionen anzuwenden.

Da in jeder Episode der drei Reihen ein anderer Fall behandelt wird, bleiben zwar die Hauptfiguren und deren Schauspieler gleich (vgl. Kap. 2.1.), die übrigen Charaktere aber, deren Geschichte im eigentlichen Sinn erzählt wird, wechseln von Folge zu Folge. Ihre Darsteller gehören somit nicht zur Stammbesetzung. Deshalb werden ihre Auftritte als 'Gastrollen' bezeichnet. Erstmals kamen Gastrollen (als Gast auftritte) in US-Sitcoms der 1950er Jahre vor und wurden später auf alle seriellen Formate übertragen.[10] Diese Auftritte sollten einerseits den Bekanntheitsgrad der Stars erhöhen oder stabilisieren; umgekehrt konnte aber auch durch die Mitwirkung bereits populärer Stars für die jeweilige Sendung eine Werterhöhung erreicht werden. So können Gastrollen als Werbung dienen, um den Schauwert für das Publikum zu intensivieren. Hier liegt also eine Doppelwertigkeit vor: Die Rolle wird zwar als solche wahrgenommen, aber durch die Rolle selbst wird der Schauspieler gesehen. Und so verwundert es kaum, dass die Gastrollen in Der Kommissar, Derrick und Der Alte größtenteils mit der Elite deutschsprachiger Schauspieler besetzt wurden.[11] Aufgrund des enormen Bekanntheitsgrades dieser Darsteller waren die Rollen dann nicht selten höherwertiger als die Episoden an sich. Auch Paul Dahlke übernahm in je einer Episode der drei Krimireihen eine Gastrolle, deren Analyse im nächsten Teil der Arbeit erfolgen soll.

3. Paul Dahlkes Gastrolle in Der Kommissar („Tod eines Landstreichers“)

3.1. Zum Inhalt der Episode

Ein Landstreicher wird tot aufgefunden – vermutlich erschlagen. Wie sich später herausstellt, zog er zu Lebzeiten mit drei weiteren Landstreichern umher, die von der Polizei schnell aufgespürt und vernommen werden. Sie berichten, dass der Tote in der Nacht zuvor irgendwo im Dorf einbrechen wollte, um ein Huhn zu stehlen. Nach dem Gespräch mit Kommissar Keller quartieren sich die drei Landstreicher gratis beim Dorfwirt Eberhard Scherf ein, den sie zu erpressen scheinen; denn Scherf zeigt sich den Männern gegenüber ungewöhnlich großzügig. So wirkt er für die Polizei schnell verdächtig und gibt später zu, einen Einbrecher erschlagen zu haben. Umso entsetzter habe er dann festgestellt, dass der Tote sein eigener Bruder war, der vor langer Zeit unter falschem Namen untertauchte. Jedoch erzählen daraufhin die drei Landstreicher, dass dieser von einem Lastwagen gefallen sei und sie ihn vor die Tür seines Elternhauses gelegt hätten. Der von Scherf im Dunkeln überraschte Einbrecher war einer der drei anderen Landstreicher, der mit einer Kopfverletzung fliehen konnte. Der vermeintliche Mord stellt sich also als Unfall heraus.

[...]


[1] vgl. dazu www.imdb.com (Zugriff: 25.08.2007)

[2] vgl. Lange, Frauke: Untersuchung zur Dramaturgie von Krimiserien. Am Beispiel des Zweiten Deutschen Fernsehens. Alfeld/Leine 1994, S. 39

[3] vgl. dazu ausführlich ebd., S. 38f.

[4] vgl. ebd., S. 32

[5] vgl. dazu ebd., S. 59

[6] vgl. dazu www.zdf.de (Zugriff: 26.08.2007)

[7] vgl. Hickethier, Knut: Die Fernsehserie und das Serielle des Fernsehens. Lüneburg 1991, S. 8

[8] vgl. Zwaenepoel, Tom: Dem guten Wahrheitsfinder auf der Spur. Das populäre Krimigenre in der Literatur und im ZDF-Fernsehen. Würzburg 2004, S. 155

[9] ebd.

[10] vgl. dazu ausführlich Mann, Denise: The spectacularization of everyday life: Recycling Hollywood stars and fans in early television variety shows. In: Star texts. Ed. by Jeremy G. Butler. Detroit 1991, S. 337ff.

[11] vgl. Lange, Frauke: Untersuchung zur Dramaturgie von Krimiserien. Am Beispiel des Zweiten Deutschen Fernsehens. Alfed/Leine 1994, S. 34. Zu jenen Schauspielern gehören u.a. Curd Jürgens, Lilli Palmer, Bernhard Wicki, Brigitte Horney u.v.a.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Paul Dahlke in Gastrollen der ZDF-Fernsehproduktionen "Der Kommissar", "Derrick" und "Der Alte"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V88639
ISBN (eBook)
9783638028608
ISBN (Buch)
9783638927451
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paul, Dahlke, Gastrollen, ZDF-Fernsehproduktionen, Kommissar, Derrick, Alte, Schauspieler, Acting, Der Alte
Arbeit zitieren
Mirco Rauch (Autor), 2007, Paul Dahlke in Gastrollen der ZDF-Fernsehproduktionen "Der Kommissar", "Derrick" und "Der Alte", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88639

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