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Ein Plädoyer für die Filmanalyse im Geschichtsunterricht am Beispiel von "Schindlers Liste"

Title: Ein Plädoyer für die Filmanalyse im Geschichtsunterricht am Beispiel von "Schindlers Liste"

Seminar Paper , 2006 , 17 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Simone Bender (Author)

Didactics - History
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit versucht den Film „Schindlers Liste“ im Hinblick auf die Sympathielenkung zu analysieren. Im 2. Kapitel wird zunächst ein Vorschlag bezüglich spezieller Begrifflichkeiten für den Geschichtsunterricht gemacht. Dies erscheint notwendig, da die Geschichtsdidaktik in Bezug auf die Filmanalyse noch nicht mit eigenen Wörtern operiert. Fachspezifische Benennungen und ihre semantische Zuschreibungen bereitzustellen und zu manifestieren, zeigen die Relevanz eines Themengebiets für ein wissenschaftliches Feld. Es ist also zunächst festzuhalten, daß sich die Geschichtsdidaktik noch nicht genügend mit dem Thema „Filmanalyse“ beschäftigt hat. Von diesem Manko ausgehend und dem Versuch einer Definition der Begriffe, filmische Fiktion, filmische Rekonstruktion und Archiv- bzw. Dokumentarfilm in Ahnlehnung an Norbert Zwölfer, versucht die Arbeit zu begründen, warum die Filmanalyse gerade für den Geschichtsunterricht relevant ist, um im Anschluß eine Filmanalyse an der filmischen Fiktion „Schindlers Liste“ vorzunehmen. Diese Filmanalyse erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, vielmehr soll sie die Argumentation bezüglich des Filmeinsatzes bzw. der Filmanalyse im Geschichtsunterricht unterstreichen.
Trotz der verbreiteten Verwendung des Mediums Films im Geschichtsunterricht, hat sich die Geschichtsdidaktik noch nicht auf eine einheitliche, allgemein akzeptierte Terminologie geeinigt. Die in dieser Arbeit verwendete Terminologie geht auf Norbert Zwölfer zurück, dessen Augenmerk bei der Einteilung der Filmgattungen auf das immanente historische Material gerichtet ist. Es sei an dieser Stelle ergänzend zu dieser materialistischen Definition und der daraus resultierende Abgrenzung der einzelnen Präsentationsformen historischer Inhalte bemerkt, dass jegliche filmische Präsentationen kritisch analysiert werden müssen auch wenn sie per Definition einen bestimmten historischen Wahrheitsgehalt suggerieren.
Der Begriff filmische Fiktion wird im Folgenden für filmische Darstellungen verwendet, die historische Stoffe und Themen bewußt szenisch gestalten und unter filmästhetische Geschichtspunkte stellen. Historische Ereignisse werden dramatisiert und personifiziert und gewähren so höchstmögliche Identifikationsmöglichkeiten für den Zuschauer.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Terminologie unterschiedlicher Filmgattungen im Geschichtsunterricht

2.1 Die filmische Fiktion

2.2 Filmische Rekonstruktion

2.3 Archiv- bzw. Dokumentarfilm

3. Plädoyer für die Filmanalyse im Geschichtsunterricht

4. Filmanalyse von „Schindlers Liste“

4.1 Figurencharakterisierung

4.1.1 Oskar Schindler

4.1.2 Amon Göth

4.2 Die Kamera

4.2.1. Einstellungen

4.2.2. Einstellungsgröße

4.2.3. Einstellungsperspektive

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Potenzial der Filmanalyse im Geschichtsunterricht, wobei der Film „Schindlers Liste“ als Beispiel für eine filmische Fiktion dient, um Möglichkeiten der Sympathielenkung und die Notwendigkeit von Medienkompetenz bei Schülern aufzuzeigen.

  • Methodische Grundlagen der Filmanalyse im Geschichtsunterricht
  • Definition und Abgrenzung verschiedener Filmgattungen
  • Analyse der Figurencharakterisierung am Beispiel von Oskar Schindler und Amon Göth
  • Untersuchung filmästhetischer Mittel (Kameraführung, Einstellungen) zur Sympathielenkung

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Oskar Schindler

Die Figur Oskar Schindler ist kein Heiliger im klassischen Sinn. Er ist vielmehr ein geschäftstüchtiger Lebemann, dessen Ziel es ist, möglichst viel Geld zu machen. Er ist ein Spieler und Gigolo. Obwohl ihm gewisse Tugenden fehlen, wirkt er dennoch sympathisch, da er das Schicksal herausfordert und sich nicht kleinkriegen läßt. Dass diese Figur ein Mensch mit Fehlern und Schwächen ist, bringt sie dem Zuschauer näher, da man sich mit ihr identifizieren kann. Oskar Schindler ist berechnend aber gleichzeitig auch großzügig. Seine anfängliche Profitgier wandelt sich im Laufe des Films zum einen aufgrund seines „Ekel[s] vor den Nazis“ und zum anderen aus „Mitleid mit den Opfern“ zunehmend in ein ehrliches Bestreben, Juden zu retten. Steven Spielberg erklärt in einem Interview: „Er schmierte den Nazis Honig um den Bart. Zuerst aus rein egoistischer Profitgier und dann um Menschen zu retten. Dabei tritt er mit großer Selbstsicherheit sogar gegenüber höheren Offizieren auf.

„Ich kann ihnen auf jeden Fall garantieren, dass sie beide nach Rußland versetzt werden und zwar noch vor Monatsende“(Einstellung 310). In dieser Szene werden die Machtverhältnisse nicht nur rhetorisch, sondern auch anhand der Körpergrößen der Darsteller bildlich umgesetzt. Oskar Schindlers sympathische Ausstrahlung wird des weiteren im Vergleich zu seinem Gegenspieler Amon Göth formiert. Oskar Schindler tritt stets elegant und gepflegt in Erscheinung (implizit-figural). Auch nach einer offenbar durchzechten Nacht wird er im Gegensatz zu Amon Göth, der schmuddelig und betrunken wirkt, tadellos adrett dargestellt (Einstellung 694-705). Seine Selbstkontrolle offenbart sich nicht nur in seinem Äußeren, wie sich anhand Götz Bemerkung „Sie sind nie betrunken“ (Einstellung 695) zeigt. In dieser Szene zeigt sich noch ein weiterer Eckpfeiler seines Charakters: Die Fähigkeit andere zu beeinflussen: „Macht ist, wenn wir zwar jede Rechtfertigung haben um zu töten, es aber nicht tun (Einstellung 698).“ Mit dieser Bemerkung manipuliert er Göth sich zumindest für eine kurze Zeit gegenüber den Häftlingen milder zu verhalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit begründet die Relevanz der Filmanalyse im Geschichtsunterricht und skizziert das methodische Vorgehen bei der Untersuchung von „Schindlers Liste“.

2. Zur Terminologie unterschiedlicher Filmgattungen im Geschichtsunterricht: Es werden basierend auf Norbert Zwölfer Begriffe wie filmische Fiktion, filmische Rekonstruktion und Dokumentarfilm definiert, um eine theoretische Grundlage für die Arbeit zu schaffen.

3. Plädoyer für die Filmanalyse im Geschichtsunterricht: Dieses Kapitel erörtert die didaktischen Vorteile des Filmeinsatzes und betont die Notwendigkeit, Schülern Methoden zur Analyse filmischer Manipulation zu vermitteln.

4. Filmanalyse von „Schindlers Liste“: Das Hauptkapitel widmet sich der strukturanalytischen Untersuchung des Films, wobei der Fokus auf der Charakterisierung der Hauptfiguren und dem Einsatz kameraästhetischer Mittel liegt.

5. Resümee: Das Kapitel fasst zusammen, dass Filme im Geschichtsunterricht Emotionen wecken und zur kritischen Medienkompetenz beitragen können, sofern ihre filmischen Mittel hinterfragt werden.

Schlüsselwörter

Filmanalyse, Geschichtsunterricht, Schindlers Liste, filmische Fiktion, Sympathielenkung, Geschichtsdidaktik, Medienkompetenz, Oskar Schindler, Amon Göth, Kameraeinstellungen, Holocaust, historische Repräsentation, Filmästhetik, Manipulation, Identifikation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Seminararbeit plädiert für die Integration der Filmanalyse in den Geschichtsunterricht und demonstriert dies anhand einer Untersuchung des Films „Schindlers Liste“.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentral sind die didaktische Begründung der Filmanalyse, die terminologische Abgrenzung von Filmgattungen sowie die Untersuchung filmischer Gestaltungsmittel zur Steuerung der Zuschauerwahrnehmung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu zeigen, dass die Analyse von Spielfilmen im Geschichtsunterricht die Medienkompetenz der Schüler schult und sie vor einer unkritischen Rezeption historischer Darstellungen bewahrt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine strukturanalytische Methode, um das „Gerüst“ des Films, seine Komposition und spezifische formale Mittel wie die Kameraführung in Bezug auf ihre Wirkung zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Figurencharakterisierung (Oskar Schindler vs. Amon Göth) und der Wirkung von Kameraeinstellungen, Einstellungsgrößen sowie Einstellungsperspektiven.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Filmanalyse, Geschichtsdidaktik, Sympathielenkung, filmische Fiktion, Medienkompetenz und das Beispiel „Schindlers Liste“.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen den Filmgattungen?

Die Unterscheidung erfolgt nach dem immanenten historischen Material, wobei zwischen „filmischer Fiktion“, „filmischer Rekonstruktion“ und „Archiv- bzw. Dokumentarfilm“ differenziert wird.

Warum wird Oskar Schindler als dynamische Figur beschrieben?

Schindler wandelt sich im Filmverlauf von einem profitorientierten „Kriegsgewinnler“ zu einem „christlichen Retter jüdischer Leben“, was durch seine persönlichen Fehler nahbarer und sympathischer wirkt.

Wie wird Amon Göth durch filmische Mittel dargestellt?

Göth wird konsequent negativ gezeichnet, etwa durch seine distanzlose Darstellung beim Morden oder durch eine Ästhetik, die seine Willkür und Machtbesessenheit unterstreicht.

Welche Rolle spielt die Kamera bei der Identifikation?

Die Kameraführung und die Wahl der Perspektiven (z. B. Untersicht/Aufsicht) beeinflussen die Sympathie des Zuschauers für bestimmte Figuren und vermitteln psychologische Machtverhältnisse.

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Details

Title
Ein Plädoyer für die Filmanalyse im Geschichtsunterricht am Beispiel von "Schindlers Liste"
College
University of Münster  (Institut für Didaktik der Geschichte)
Course
Einführung in die Geschichtsdidaktik
Grade
2,0
Author
Simone Bender (Author)
Publication Year
2006
Pages
17
Catalog Number
V88645
ISBN (eBook)
9783638030052
ISBN (Book)
9783638927864
Language
German
Tags
Plädoyer Filmanalyse Geschichtsunterricht Beispiel Schindlers Liste Einführung Geschichtsdidaktik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simone Bender (Author), 2006, Ein Plädoyer für die Filmanalyse im Geschichtsunterricht am Beispiel von "Schindlers Liste", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88645
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