Die griechische Tyrannis - Die Tyrannis in archaischer Zeit: Peisistratos (561/60; 545/540 – 528/527)


Seminararbeit, 2007
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gegenstand

2. Überblick über die Karriere des Peisistratos bis zum Ende der zweiten Tyrannis

3. Die dritte Tyrannis des Peisistratos
3.1 Der Weg zur dritten Tyrannis
3.2 Machterhaltung
3.2.1 Maßnahmen
3.2.2 Folgen für die Bevölkerung

4. Vergleich der drei Herrschaften

5. Fazit

6. Quellen

7. Literatur

1. Gegenstand

Gegenstand dieser Hausarbeit ist das Leben des Tyrannen Peisistratos, im Besonderen seine Zeit als Tyrann von Athen. In diesem Thema werde ich genauer auf die Frage eingehen, warum Peisistratos es insgesamt drei Mal schafft, die Alleinherrschaft über die Polis Athen zu erreichen und warum er ausgerechnet bei seinem dritten Versuch seine Tyrannis so weit festigen kann, dass er bis zu seinem Lebensende Alleinherrscher über Athen ist und warum er sich dieser Herrschaft nicht schon vorher bemächtigen kann. Im Folgenden werde ich zuerst auf die allgemeine Karriere Peisistratos eingehen und dann die Zeit seiner dritten Tyrannis genauer untersuchen.

2. Überblick über die Karriere des Peisistratos bis zum Ende der zweiten Tyrannis

Peisistratos wird wahrscheinlich um 600 v. Chr.[1] geboren. Er stammte aus einem Adelsgeschlecht in Brauron, das sich angeblich auf den peloponnesischen Helden Neleus zurückführen lässt.[2] Sein Vater ist Hippokrates, seine Mutter ist vermutlich mit der Mutter Solons verwandt[3]. Zwischen beiden besteht eine enge Freundschaft, woraus später möglicherweise auch das Liebesverhältnis zwischen Solon und Peisistratos entsteht.[4] Allerdings ist im Bezug auf die Beziehung der beiden Realität und Fiktion kaum auseinander zu halten.[5] Über Peisistratos Kindheit und Jugend ist nichts bekannt.

Peisistratos tritt erstmals im Krieg gegen Megara in Erscheinung, in dem er das Amt des Polemarchos innehat. Während dieses Krieges, der wahrscheinlich um 560 v.Chr. statt findet[6], erobert er den Hafen Nisia und vollbringt noch andere Heldentaten, von denen aber weiter nichts bekannt ist.[7] Nicht gesichert ist zudem Peisistratos Teilnahme am Salamis Feldzug; während Plutarch berichtet, dass er zusammen mit Solon die Megarer besiegt[8], bezeichnet Aristoteles diese Behauptung klar als „offensichtlichen Unsinn“[9]. Durch die militärischen Erfolge erlangt Peisistratos großen Ruhm, mit dem eine Stärkung seiner Stellung in seiner Heimat einhergeht.

Um seinen nun folgenden Kampf um die Alleinherrschaft zu verstehen, muss noch erwähnt werden, dass es zur Zeit der versuchten Machtübernahmen Peisistratos drei konkurrierende aristokratische Gruppen, sozusagen Parteien, in Athen gibt. Führer der Partei der Pediaker ist Lykurgos. Diese Partei besteht im Wesentlichen aus reichen Großgrundbesitzern, die in der Ebene wohnen und deren Ziel eine Oligarchie ist.[10] Die zweite Partei wird von Megakles geführt. Sie wird allgemein als die Partei der Neureichen und der Handel- und Gewerbetriebenden angesehen.[11] Es sind meist Küstenbewohner, die ihr angehören; die Gesinnung geht eher in die gemäßigte Richtung. Peisistratos ist der Führer der dritten Partei. Dieser Partei gehören vor allem Kleinbauern und Hirten an; zudem auch alle anderen, die sozial in etwa die gleiche Stellung inne haben. Somit ist seine Partei die volksfreundlichste und wohl auch die demokratischste.[12]

Peisistratos will sich nun aber aus diesem System lösen und Alleinherrscher über Athen werden und versucht dies bei seinem ersten Versuch mit einem Trick: Nachdem er in seiner Heimat Gebirgsbauern und andere Unzufriedene um sich geschart und sich damit die Mehrheit in der Volksversammlung gesichert hat, die seine Anhängerschaft nun bildet,[13] verwundet er sich wahrscheinlich selbst, fährt auf den Markt und bittet das Volk, ihm eine Schutzwache beiseite zu stellen. Die Wunde soll die Verfolgung seiner Gegner beweisen. Herodot berichtet, dass er sich diese allerdings selbst zugefügt hat.[14] Die von ihm verlangte Schutzwache wird ihm durch eine Volksversammlung gewährt; Aristion, der wahrscheinlich ein befreundeter Adliger Peisistratos ist, stellt den Antrag und setzt zugleich die Zahl der Leibwächter, die aus Keulenträgern bestehen soll, auf 50 fest[15]. Allerdings wirbt Peisistratos noch weitere Keulenträger an, ohne dass jemand einschreitet[16] ; mithilfe dieser Leibwache, deren letztendliche Größe bei Polyän auf 300 beziffert ist[17], was allerdings in keiner anderen Quelle belegt werden kann und deshalb relativ unwahrscheinlich ist[18], besetzt Peisistratos wahrscheinlich um 561/560 v. Chr.[19] die Akropolis. Die Besetzung der Burg ist ein Mittel zur Gewinnung der Tyrannis, dessen sich auch schon Kylon vor Peisistratos bedient hat, allerdings ist dies das erste Mal, dass ein zukünftiger Tyrann eine von der Volksversammlung genehmigte Leibwache zu seiner Seite hat.[20] Durch die Besetzung der Akropolis wird Peisistratos zum Herrn über das Gemeinwesen, einschließlich der Adligen, die sich ihm beugen müssen oder gleich fliehen, wie es beispielweise Miltiades aus dem Hause der Philiaden[21] tut. Nachdem seine Gegner Athen verlassen haben, kann Peisistratos seine Herrschaft ausführen, wobei er die Ämter und Satzungen unangetastet lässt[22] und somit den Staat eher „verfassungsmäßig als tyrannisch“[23] leitete.

Diese erste Tyrannis des Peisistratos dauert allerdings nicht lange an, da sich die beiden gegnerischen Parteien Athens, an ihrer Spitze Megakles und Lykurgos, verbünden und ihn vertreiben[24]. Peisistratos zieht sich daraufhin auf seine Güter in Attika zurück, während Megakles und Lykurgos sich nach ihrem kurzen Zweckbündnis gegen Peisistratos entzweien.[25] Megakles merkt jedoch schnell, dass er allein nichts gegen Lykurg ausrichten kann und wendet sich an Peisistratos, der an einer Rückkehr nach Athen sehr interessiert ist und deshalb schnell auf das Angebot Megakles eingeht. Um das Bündnis zwischen Megakles und Peisistratos zu bekräftigen heiratet er zusätzlich Megakles Tochter.[26] Natürlich hat auch Megakles seine Hintergedanken bei dieser Verbindung, hätten Peisistratos und seine Tochter Kinder bekommen, so hätte dies, so erhofft er es sich, auch zu seiner Machtsicherung in Athen beigetragen.

[...]


[1] Helmut Berve, Die Tyrannis bei den Griechen, Bd. 1, München 1967, S. 47.

[2] Berve, Tyrannis, S. 47.

[3] Plut.Solon 1.

[4] Während sich Plutarch hierbei einigermaßen sicher ist (Plut.Solon 1), tut Aristoteles diese Verhältnis als „Unsinn” ab (Arist.Ath.Pol. 17,2).

[5] Loretana de Libero, Die archaische Tyrannis, Stuttgart 1996. S.51.

[6] Ebd., S.52.

[7] Hdt. I, 59.

[8] Plut.Solon 8.

[9] Arist.Ath.Pol. 17,2.

[10] Arist.Ath.Pol. 13.

[11] Ernst Kluwe, Bemerkungen zu den Diskussionen über die drei „Parteien“ in Attika zur Zeit der Machtergreifung des Peisistratos, in: Klio, Bd.54 (1972), S.103.

[12] Arist.Ath.Pol. 13.

[13] Berve, Tyrannis, S.47.

[14] Hdt. I, 59; Aristoteles berichtet ebenfalls davon(Arist.Ath.Pol. 14), wahrscheinlich hat er es von Herodot übernommen.

[15] Aristoteles nennt nur den Antragsteller Aristion (Arist.Ath.Pol. 14), während Plutarch auch die Anzahl der Keulenträger erwähnt (Plut.Solon 30).

[16] Plut.Solon 30.

[17] Polyän I 21,3.

[18] Ernst von Stern, Solon und Peisistratos, in: Hermes. Zeitschrift für classische Philologie, Bd.48 (1913), S. 488.

[19] Berve, Tyrannis, S.47.

[20] Ebd. S.48.

[21] Berve, Tyrannis, S.47.

[22] Hdt. I,59.

[23] Arist.Ath.Pol. 14.

[24] Hdt. I,60.

[25] Loretana de Libero, Die sogenannte zweite Tyrannis des Peisistratos, in: Hermes, Bd.122 (1994), S.114.

[26] Hdt. I, 60.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die griechische Tyrannis - Die Tyrannis in archaischer Zeit: Peisistratos (561/60; 545/540 – 528/527)
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V88663
ISBN (eBook)
9783638028639
ISBN (Buch)
9783638926805
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tyrannis, Peisistratos, archaische Zeit, Griechenland, Antike
Arbeit zitieren
Britta Düvelmeyer (Autor), 2007, Die griechische Tyrannis - Die Tyrannis in archaischer Zeit: Peisistratos (561/60; 545/540 – 528/527), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88663

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