Spielen ist bedeutend für die Entwicklung der Kinder. Beim Eintritt in die Grundschule hat ein normal entwickeltes Kind schon eine beachtliche Spielvergangenheit hinter sich. Das Meiste, was es bisher gelernt hat, hat es durch das Spielen erfahren.
Gegenstand dieser Arbeit ist die Frage, ob und wenn inwiefern ausgewählte Aspekte gesellschaftlicher Veränderungen Einfluss auf das Spielverhalten und damit auf die kindliche Entwicklung nehmen.
Die Verhältnisse, in denen Kinder heute aufwachsen, haben sich verändert. Viele Kinder wohnen in Städten und haben nur wenige Möglichkeiten, direkte Erfahrungen mit der Natur zu machen. Die Städte sind an den Bedürfnissen der Erwachsenen ausgerichtet. Autos beherrschen die Straßen, das Spielen ist aus dem Netz der Lebensbezüge herausgelöst und in die dafür vorgesehenen Institutionen verdrängt worden.
Das Leben scheint insgesamt schneller geworden zu sein. Durch eine Vielfalt von Freizeitangeboten (z.B. Musik oder Sport,…) sowie die Erziehungs- und Bildungsvorstellungen der Eltern wird der Terminkalender der Kinder immer voller. Dies dient nicht zuletzt als Vorbereitung um in einer leistungsorientierten Gesellschaft zu bestehen. Viele Eltern wollen, dass die Freizeit ihrer Kinder vielseitig und vor allem „sinnvoll“ und aktiv gestaltet wird. So wird Kindheit schnell zu einer „verplanten Kindheit“.
Bleibt dann noch genügend Zeit zum eigentätigen Spielen?
Ziel dieser Arbeit ist nicht, der Gesamtheit der vielfältigen, komplexen Formen, Funktionen und Aspekte des kindlichen Spielens gerecht zu werden. Im Mittelpunkt meiner Betrachtungen steht vielmehr das eigentätige Spielen der Kinder als kreativ schöpferische Tätigkeit, hervorgehend aus einer inneren Motivation.
Mittels Gegenüberstellung verschiedener Ansätze sollen mögliche Auswirkungen der „veränderten Gesellschaft“ auf die Entwicklung diskutiert werden, um abschließend daraus entstehende Herausforderungen für die pädagogische Arbeit der Lehrer/innen an Grundschulen zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1 Einleitung
2 Das kindliche Spielen
2.1 Theorien des kindlichen Spiels
2.1.1 Erste Theorien zum Spiel der Kinder
2.1.2 Interesse der Pädagogik am Spiel
2.1.3 Jean Piaget und Sigmund Freud
2.2 Drei Merkmale des Spiels
2.2.1 Spielen um des Spielens willen
2.2.2 Abtauchen in eine andere Realität
2.2.3 Wiederholung und Ritualisierung
2.3 Formen des kindlichen Spiels
2.4 Der Einfluss des Spielens auf die vier Kompetenzbereiche
2.5 Zusammenfassende Betrachtung
3 Gegenüberstellung von gesellschaftlichen Veränderungen und deren möglichen Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern
3.1 Veränderte Kindheit – gefährdete Kindheit?
3.1.1 Das Spielen heute
3.1.2 Die neuen Medien
3.1.3 Verhäuslichung und Verinselung
3.1.4 Keine Zeit zum Spielen?
3.1.5 Diskussion
3.2 Mögliche Auswirkungen auf die Entwicklung
3.2.1 Der Verlust von Eigentätigkeit
3.2.2 Mögliche Folgen für die vier Kompetenzbereiche
3.2.2.1 Die emotionale und soziale Entwicklung
3.2.2.2 Die motorische Entwicklung
3.2.2.3 Die kognitive Entwicklung
3.2.3 Wird dann das Spielen zum Termin? Die Spieltherapie
3.3 Zusammenfassende Betrachtung
4 Herausforderungen für die pädagogische Arbeit an Grundschulen
4.1 Die Herausforderungen in den einzelnen Bereichen
4.1.1 Die Bedeutung der Naturerfahrungen
4.1.2 Gleichberechtigung für Homo ludens und Homo faber
4.1.3 Partizipation der Kinder
4.2 Rahmenbedingungen
4.3 Fazit
5 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit gesellschaftliche Veränderungen das Spielverhalten von Kindern beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf die kindliche Entwicklung hat. Ziel ist es, aus dieser Analyse konkrete Herausforderungen für die pädagogische Arbeit an Grundschulen abzuleiten und präventive Ansätze aufzuzeigen.
- Bedeutung und Funktionen des kindlichen Spiels für die Entwicklung.
- Analyse gesellschaftlicher Risikofaktoren wie Medienkonsum, Verhäuslichung und Zeitdruck.
- Zusammenhang zwischen Eigentätigkeit, Selbstwirksamkeit und Kompetenzentwicklung.
- Pädagogische Handlungsfelder wie Naturerfahrungen und Partizipation.
- Das Konzept der Ganztagsschule als Rahmenbedingung für gelingende Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Spielen um des Spielens willen
OERTER beschreibt das Spiel als eine Handlung, der Absicht und Zielorientierung zugrunde liegen. Das Kind entwickele so genannte „mentale Theorien“ und wisse, dass es durch Handlungen Ziele und Wünsche erreichen könne. Der Gegenstandsbezug spielt dabei eine große Rolle, denn ohne Gegenstand gäbe es keine Handlung und auch keine Entwicklung. Die wichtigsten Kriterien, die das Spiel von anderen Handlungen unterschieden, seien die „Zweckfreiheit“ und der „innere Anreiz zur Spieltätigkeit“ („intrinsische Motivation“). Die Handlung werde nur der Handlung wegen vollzogen. Überwiegend seien die Folgen und das Ergebnis das Erstrebenswerte. Beim Spiel jedoch fielen diese Glieder weitestgehend weg. Hier stünden die Situation und die Handlung, d.h. die Spieltätigkeit an sich, im Vordergrund. In einigen Fällen spiele auch das Ergebnis eine Rolle, die Berücksichtigung der Folgen fehle jedoch ganz.
Er betont, dass Kinder im Spiel Fertigkeiten übten, die unter funktionalem Druck nie ausgeübt würden. Durch das lustvolle Versenken in die im Vordergrund stehende Tätigkeit, vergesse das Kind den ursprünglichen Zweck. Die Tätigkeit selbst sei die Belohnung und dadurch auch die Motivation zum Spielen („intrinsisch motivierender Charakter des Spiels“). OERTER erwähnt hier CSIKSZENTMIHALYI (1985), der das Spiel als Flusserlebnis („flow“), welches bei der Spieltätigkeit auftrete, bezeichnet. Das Zeiterleben werde weitestgehend ausgeschaltet. Das Verschmelzen des Spielenden mit der Umwelt bewirke eine gesteigerte Ich-Bewusstheit bzw. Selbsterweiterung. Die Tätigkeitszentrierung ermögliche es dem Kind ein Schöpferbewusstsein zu entwickeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des kindlichen Spiels ein und definiert das Ziel der Untersuchung, den Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen auf das Spielverhalten und die kindliche Entwicklung zu beleuchten.
2 Das kindliche Spielen: Das Kapitel erläutert grundlegende Theorien, Merkmale und Formen des Spiels und zeigt dessen zentrale Rolle für die Kompetenzentwicklung bei Kindern auf.
3 Gegenüberstellung von gesellschaftlichen Veränderungen und deren möglichen Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern: Hier werden gesellschaftliche Trends wie Medienkonsum und Zeitdruck kritisch hinterfragt und deren potenziell negative Konsequenzen für die psychische und physische Entwicklung analysiert.
4 Herausforderungen für die pädagogische Arbeit an Grundschulen: Dieses Kapitel diskutiert Ansätze wie Naturerfahrungen, Partizipation und das Ganztagsschulkonzept, um auf die veränderten Lebensbedingungen der Kinder pädagogisch zu reagieren.
5 Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und betont die Notwendigkeit, dem kindlichen Spielbedürfnis in der Schule mehr Raum und Wertschätzung entgegenzubringen.
Schlüsselwörter
Kindliches Spiel, Entwicklung, Eigentätigkeit, Gesellschaftlicher Wandel, Naturerfahrung, Utomhuspedagogik, Grundschule, Ganztagsschule, Medienkonsum, Spieltherapie, Pädagogische Arbeit, Kompetenzentwicklung, Schulfähigkeit, Kindheit, Selbstwirksamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Stellenwert und die Veränderung des kindlichen Spiels unter dem Einfluss moderner gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und dessen Bedeutung für die frühkindliche Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung des Spiels als Entwicklungsmedium, die Analyse von gesellschaftlichen Trends wie Digitalisierung oder Verhäuslichung sowie die Ableitung pädagogischer Konsequenzen für den Grundschulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Veränderungen die Spielkultur beeinflussen, welche Gefahren und Chancen daraus resultieren und wie Schulen durch gezielte Rahmenbedingungen (z.B. naturnaher Unterricht) diesen Herausforderungen begegnen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, der Gegenüberstellung verschiedener Ansätze sowie der Einbeziehung eigener Praxiserfahrungen aus einem schwedischen Schulkonzept.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erst die theoretischen Grundlagen des Spiels, stellt diese dann dem gesellschaftlichen Wandel gegenüber (Medien, Verhäuslichung) und untersucht abschließend die Herausforderungen für die Grundschule hinsichtlich Unterrichtsgestaltung und Raumplanung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Eigentätigkeit, kindliches Spiel, Naturerfahrung, gesellschaftlicher Wandel, Schulfähigkeit und Utomhuspedagogik.
Was ist die „Utomhuspedagogik“?
Es handelt sich um ein aus Schweden stammendes Konzept der „Ausserhauspädagogik“, das den Unterricht nach draußen verlegt, um durch authentische, sinnliche Erfahrungen die Lernmotivation und das Verständnis für die Natur zu fördern.
Welche Rolle spielt die „Eigentätigkeit“ für die Entwicklung?
Eigentätigkeit gilt als intensivste Form der Erfahrung, die den Produktionsprozess sichtbar macht, alle Sinne anspricht und die Basis für Selbstwirksamkeitserfahrungen sowie kognitive Entwicklung bildet.
- Quote paper
- Kristina Klüver (Author), 2007, Einfluss des Spielens auf die Entwicklung von Kindern unter der Berücksichtigung gesellschaftlicher Veränderungen als Herausforderung an die pädagogische Arbeit an Grundschulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88664