Stadtentwicklung in der DDR und die Merkmale sozialistischer Städte


Hausarbeit, 2005

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politische Situation nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945)

3. Zustand der Altstädte

4. Sozialistische Merkmale des Städtebaus in der DDR
4.1 Städteplanerische Maßnahmen

5. Resultierende Folgen des Städtebaus
5.1 Verkehr
5.2 Umwelt
5.3 Freizeit und Kultur
5.4 Bevölkerung

6. Die Entwicklung der Städte in der DDR nach der Wiedervereinigung
Deutschlands (1989/1990)

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die ersten Nachkriegsjahre waren in vielen deutschen Städten durch große Flüchtlingsströme, weitgehende Zerstörung der Industrieanlagen, technischen Infrastruktur sowie der Wohngebiete in den Innenstädten geprägt. Die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland kennzeichnete den Wettlauf zweier politischer Systeme und führte schließlich zu höchst unterschiedlichen Entwicklungen in den beiden Teilen Deutschlands.

Durch die weitreichenden Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges war es durchaus gerechtfertigt von einer wichtigen Rolle der Planung in der gesellschaftlichen Entwicklung zu sprechen und die Lösbarkeit bestehender Probleme in der sozialistischen Gesellschaft anzunehmen, dessen Entscheidungsmacht der Kontrolle der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) unterlag.

Die verheerende Wohnungsnot, die hohe Arbeitslosigkeit und die tiefen Wunden in den deutschen Familien verlangten nach einer Lösung.

Auf den folgenden Seiten soll ein Überblick über die Stadtentwicklung der DDR und die Merkmale sozialistischer Städte gegeben werden. Mit einer anfänglichen Einführung über die politische Situation nach dem Zweiten Weltkrieg möchte ich anschließend die Stadtzustände der DDR nach 1945 darstellen. Anhand der städteplanerischen Maßnahmen des Staates, werde ich die Merkmale sozialistischer Städte erörtern sowie auf die daraus entstandenen Folgen für Verkehr, Umwelt und auf die Folgen für Freizeit, Kultur und Bevölkerung der DDR eingehen.

Die Entwicklung der Städte in der DDR nach der Wiedervereinigung Deutschlands soll einen abschließenden Punkt meiner Hausarbeit bilden. Erst nach der Wende 1989/1990 wurde das verheerende Ausmaß eines stalinistisch, antidemokratisch und zentralistisch organisierten Parteien- und Staatssystem deutlich.

2. Politische Situation nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945)

Von 1949-1989 war die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) die herrschende Staatspartei der DDR. Sie wurde am 21./22.4.1946 durch die Vereinigung der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) und der SPD in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands gegründet. Sie verstand sich als marxistisch-leninistische Partei der Arbeiterklasse und war nach dem Grundsatz des demokratischen Zentralismus aufgebaut, das heißt die Parteiorgane waren formal von unten nach oben wählbar, der tatsächliche Entscheidungsweg verlief jedoch von oben nach unten (Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, o. S.).

Das formal höchste Organ war der Parteitag, der nach indirekten, von der Führung gesteuerten Wahlen alle fünf Jahre zusammentrat. Die Aufnahme in die SED war erst nach einjähriger Kandidatenzeit möglich und bedurfte der Bestätigung durch die zuständige Kreisleitung. 1989 hatte die SED 2,26 Millionen Mitglieder (Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, o. S.).

Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands nutzte das Programm des umfassenden Aufbaus des Sozialismus. Parteiführer waren in der Zeit der SED Walter Ulbricht, Erich Honecker, Egon Krenz und Gregor Gysi.

Die Partei führt neben dem Sozialismus die Zentralisierung von Planung ein. Durch diese absolute Lenkung und Steuerung durch den Staatsapparat konnte eine absolute Kontrolle der Bevölkerung ermöglicht werden.

1961 führt der Mauerbau erneut zur weiteren Differenzierung Deutschlands in die Bundesrepublik Deutschland sowie die DDR (Deutsche Demokratische Republik).

3. Zustand der Altstädte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Zerstörte Bausubstanz durch den Zweiten Weltkrieg - Beispiel Gera

Quelle: Schöller 1986, Tafelanhang

Durch den Zweiten Weltkrieg wurden viele Städte, vor allem große Teile Ostmitteleuropas, zerstört. Auf dem Gebiet der DDR sind zahlreiche historische Denkmäler erhalten geblieben; sie stellen einen beträchtlichen kulturellen und materiellen Wert dar. Von 643 Städten haben 620 ein Stadtzentrum mit einem hohen Anteil historischer Bausubstanz. Jediglich 32% der historischen Bausubstanz ist hochgradig gefährdet (Vgl. SAUBER-ZWEIG 1991, S. 16). Die noch vor dem ersten Weltkrieg erbauten Häuser in der Innenstadt zeichnen sich allerdings durch unzureichende Heiz-, Strom- und Entsor-gungsinfrastruktur sowie hohe Anteile schlechter oder unzureichender Bausubstanz aus. Daher stehen 43% der bürgerlichen Wohnungen in der Altstadt leer, da sie nicht mehr bewohnbar sind. Besonders in den Städten Görlitz, Potsdam oder Meißen herrschen katastrophale Zustände (Vgl. SAUBERZWEIG 1991, S. 16).

„17% der städtischen Krankenhäuser, 29% der Verkaufsstellen und 49% der Großhandelslager (in den Innenstädten) befinden sich in den Bauzustandsstufen 3 und 4“

(SAUBERZWEIG 1991, Seite 20) beziehungsweise weisen sie schwere Schäden auf oder sind unbrauchbar.

Mit Ausnahme industrieller Großeinrichtungen am Stadtrand, konzentrieren sich alle Funktionen auf die Kernstadt. Daher befinden sich zwei Drittel aller Arbeitsstätten der produktiven Bereiche im Stadtinneren und häufig sogar in fußgängerfreundlicher Entfernung.

Banken und Versicherungen, Arzt- und Rechtsanwaltspraxen gehören im sozialistischen System nicht zum Grundgerüst der Zentrenausstattung. Warenhäuser, Buchhandlungen und Reisebüros sind auf einzelne größere Standorte konzentriert und meist nur für wenige Stunden geöffnet.

Der ungenügende Zustand der Industriegebäude und der technischen Infrastruktur sowie der Verfall der innerstädtischen Wohngebiete ist überall deutlich. Dies betrifft am stärksten die industriellen Ballungszentren. Somit steht nicht aus, dass das Niveau der Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung durch den hohen Verfall vieler Städte und Stadtgebiete beeinträchtigt ist. Das weiter vom Stadtkern entfernte Umland besitzt nur vereinzelt Kläranlagen, die jedoch zu einem Drittel einen ungenügenden Zustand aufweisen (Vgl. PFAU 1990, S. 201f.).

Da die Lösung dieser Probleme einen beträchtlichen Wert darstellen, errechnete das Bauministerium für die Stadtsanierung in der DDR bis 1990 rund „400 Milliarden DM.“ (SAUBERZWEIG 1991, S. 17)

4. Sozialistische Merkmale des Städtebaus in der DDR

Für einen Stadtaufbau nach sozialistischem Grundmuster waren die von 1950 veröffentlichten „Sechszehn Grundsätze des Städtebaus“ (SCHÖLLER 1986, S. 19) bestimmend. Jede sozialistische Stadt sollte ihr individuelles, unverwechselbares Aussehen erhalten, sowie soziale Ausgeglichenheit und Harmonie aufweisen. Zudem musste „das Zentrum als bestimmender Kern und politischer Mittelpunkt der sozialistischen Stadt die wichtigsten politischen, administrativen und kulturellen Einrichtungen erhalten. Wichtig waren dabei [...] die Repräsentation und Demonstration, das heißt die Symbolisierung des Staates und der neuen sozialen Gesellschaftsordnung durch Anlage von (Versammlungsplätzen und Aufmarschstraßen für Massendemonstrationen), mindestens ein großer zentraler Platz (als) Konzentrationspunkt für Volksfeste (und) die Errichtung städtebaulicher Dominanten in Gestalt zentraler Partei-, Verwaltungs-, und Kulturhochhäuser als Ausdruck der Staatsmacht.“

(HEINEBERG 2001, S. 224) Auch die Wohnsiedlungen sollten einen städtischen Charakter verdeutlichen. Die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs, die Erschließung von Erholungsflächen und der Umweltschutz sollten bei diesem Konzept gleichrangig bedacht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Höhendominanten ostdeutscher Städte

Quelle: Marcuse / Staufenbiel 1991, S. 61

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Stadtentwicklung in der DDR und die Merkmale sozialistischer Städte
Hochschule
Universität Trier  (Universität Trier)
Veranstaltung
Stadtgeographie
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V88665
ISBN (eBook)
9783638028646
ISBN (Buch)
9783638937795
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadtentwicklung, Merkmale, Stadtgeographie, DDR, Sozialismus, Plattenbau, Platte, Städte, Städtebau
Arbeit zitieren
Doreen Flegel (Autor), 2005, Stadtentwicklung in der DDR und die Merkmale sozialistischer Städte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88665

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