Die Aufgaben des Lehrers und seine gesellschaftliche Stellung in der DDR (Phase 1950 bis 1969)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

8 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Datum: 21.03.2005

Seit Bestehen der DDR genossen die Lehrer innerhalb des gesellschaftlichen Systems ein hohes Ansehen. Den Lehrern wurde viel Verantwortung bei der Bildung und Erziehung der Kinder -und Jugendlichen zugesprochen. Diese Verantwortung bezog sich allerdings in erster Linie auch auf die staatsbürgerliche Erziehung im Sinne des Sozialismus.

Der Aufbau des Volksbildungswesens in der DDR begann seit 1945 mit dem Aufbau der antifaschistisch- demokratischen Schule. Viele Neulehrer, die aus den verschiedensten Berufen kamen, unterrichteten die Schüler. Dabei waren sie oftmals noch selbst Lernende und hatten keine pädagogische Ausbildung. Ihre Aufgabe war es, den Schülern Lehrinhalte und Verhaltensweisen im Sinne des Antimilitarismus, des Antifaschismus, der Demokratie und des Friedens zu vermitteln. „Dank ihrer Initiative, ihres Fleißes und vieler persönlicher Opfer gelang es in verhältnismäßig kurzer Zeit, auf den geistigen und materiellen Trümmern der faschistischen Schule eine Schule des Friedens und der Demokratie, die deutsche demokratische Schule zu schaffen“ (Günther u.a., 1962, S. 90).

Darauf aufbauend entwickelte sich in der DDR die deutsche demokratische Schule. Seit dem Jahr 1950 standen die Lehrer vor weiteren neuen Aufgaben innerhalb des sozialistischen Gesellschaftssystems. Diese richteten sich hauptsächlich nach den Vorgaben der Staatsführung der DDR sowie der SED. Alle Aufgaben der Lehrer waren darauf gerichtet, die jungen Staatsbürger auf das Leben und Arbeiten in der sozialistischen Gesellschaftsordnung vorzubereiten. Der gesamte Unterricht sollte einen grundlegenden Beitrag zur Entwicklung der Persönlichkeit leisten und entscheidende Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bildungs- und Erziehungsprozess sowie für die gesellschaftliche Tätigkeit der Schüler schaffen. Aus diesen Zielen wurden folgende spezifische Aufgaben abgeleitet:

- Der Lehrer sollte ein Helfer der Werktätigen bei der Erziehung der Jugendlichen sein.
- Der Lehrer sollte Grundlagen für die Entwicklung zur gebildeten sozialistischen Nation schaffen.
- Der Lehrer sollte alle Bestrebungen der Gesellschaft unterstützen, die der friedlichen Verständigung und dem pädagogischen Fortschritt dienen.
- Der Lehrer sollte ein allseitiges, modernes und umfassendes Wissen vermitteln.
- Der Lehrer sollte zu einem engen Vertrauensverhältnis zwischen Werktätigen und Lehrern beitragen.
- Der Lehrer sollte durch einen wissenschaftlichen, Praxis verbundenen und erzieherisch wirksamen Unterricht den Erziehungsauftrag der Partei- und Staatsführung erfüllen.
- Der Lehrer sollte alles daran setzen, dass eine enge Verbindung zwischen den sozialistischen Betrieben der Industrie und der Lehrerschaft besteht (vgl. Günther u.a., 1962, S. 90f).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass gleich nach der Gründung der DDR den Lehrern viele Aufgaben und Verantwortungsbereiche auferlegt wurden. Alle Ziele und Aufgaben standen im Zeichen der sozialistischen Bildung- und Erziehung der Kinder und Jugendlichen. Die Partei -und Staatsführung der noch jungen DDR legte sofort viel Wert auf die Beeinflussung der jungen Generation durch sozialistische Lehrinhalte und deren parteigetreue Vermittlung. Bildung und Erziehung wurden nicht getrennt. Der Lehrer hatte, wie aus den vorgenannten Aufgaben ersichtlich, auch einen wesentlichen erzieherischen Auftrag. Dieser wurde dann noch durch die Arbeit von Jugendorganisationen, die ihren festen Standpunkt in den Schulen hatten, verstärkt. Bildung und Erziehung wurden so zu einem gesamtgesellschaftlichen Auftrag. Somit bekleideten auch zahlreiche Lehrer wichtige Funktionen in den Parteien (hauptsächlich in der SED), in den Massenorganisationen, in der Nationalen Front und in der Friedensbewegung. Lehrer waren besonders gut angesehen, wenn sie in den Volksvertretungen der Städte und Gemeinden oder auch in der Volkskammer aktiv tätig waren. „ Die lebendige Verbindung unserer Lehrer mit der sozialistischen Produktion und mit dem demokratischen Leben in unserem Staat befähigt sie, ihren Unterricht gegenwarts- und wirklichkeitsbezogen zu gestalten“ (Günther u.a., 1962, S. 91).

Eine besondere Bedeutung kam den Lehrern auf dem Land zu .Entsprechend den damaligen Bedingungen musste in ländlichen Gegenden Mehrstufenunterricht erteilt werden. Anerkannt wurde das Bemühen der Landlehrer, annähernd gleiche Bedingungen für die Schüler ihrer Schulen zu schaffen. Ihr Ziel war es, die Schüler –wie die Stadtschüler- zum Abschluss der zehnklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule zu führen.

Die Arbeit der Stadt- und Landlehrer fand in der Gesellschaft und in erster Linie durch die Regierung der DDR große Anerkennung. So wurde z.B. ab dem Jahr 1950 am 12.Juni der „Tag des Lehrers“ eingeführt. Die besten Lehrkräfte erhielten den Ehrentitel „Verdienter Lehrer des Volkes“. In den nachfolgenden Jahren wurden weitere Auszeichnungen für Lehrer eingeführt und verliehen, z.B. die „ Dr.- T.- Neubauer- Medaille“ und die „ Pestalozzi-Medaille“. Eine monatliche Gehaltszulage wurde für die Lehrer erteilt, die einen der folgenden Titel verliehen bekommen haben: „ Oberlehrer“, „Studienrat“, „ Oberstudienrat“ oder „ Professor“. Insgesamt gesehen wurde die finanzielle Lage der Lehrer seit 1959 verbessert. Das Gehalt wurde durchschnittlich um 20% angehoben.

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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Aufgaben des Lehrers und seine gesellschaftliche Stellung in der DDR (Phase 1950 bis 1969)
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Bildung und Erziehung in der DDR
Note
1,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
8
Katalognummer
V88686
ISBN (eBook)
9783638030151
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufgaben, Lehrers, Stellung, Bildung, Erziehung
Arbeit zitieren
Berit Schüler (Autor), 2004, Die Aufgaben des Lehrers und seine gesellschaftliche Stellung in der DDR (Phase 1950 bis 1969), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88686

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