Schulpraktikum an einer Kooperativen Gesamtschule in Hessen


Praktikumsbericht / -arbeit, 2007
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Schulprofil der Europaschule Gladenbach

3. Mein erster Tag an der Europaschule Gladenbach

4. Die verschiedenen Phasen des Praktikums

5. Ein Unterrichtsportrait

6. Der eigene Unterrichtsversuch
6.1 Verlaufsskizze
6.2 Lehrplanbezug und Einordnung in die Unterrichtsreihe
6.3 Lernziele
6.4 Lerngruppe
6.5 Durchführung der Stunde

7. Beobachtungsschwerpunkt:

8. Was Schule sonst noch ist

9. Bilanz

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn ich vor 2-3 Jahren an meine spätere Berufswahl gedacht habe, habe ich immer gesagt „Lehrerin? Also das mache ich nur als Notlösung!“ Damals habe ich es auch als Notlösung gesehen, aber heute weiß ich, dass es eigentlich keine war, sondern eine Entscheidung, die bei mir im Vergleich mit anderen Berufen die meisten positiven Gefühle ausgelöst hat und auch immer noch auslöst.

Natürlich ist die Vorstellung über meine berufliche Zukunft nicht ausschließlich von positiven Gefühlen geprägt. Ich habe genauso auch Ängste und Befürchtungen, wenn ich mir vorstelle, wie ich alleine vor einer Klasse stehe. Auch wenn sich bei mir gerade im Hinblick auf mein bevorstehendes Praktikum einige Ängste äußern, werde ich versuchen mich nicht davor zu verstecken, sondern mich ihnen zu stellen. Und das muss ich auch, um sie zu überwinden. Besonders beschäftigen mich Fragen wie: Wie werden mich die Schüler finden? Was werden sie über mich denken? Werden sie mich für kompetent halten? Werden sie auf mich hören, wenn ich mit ihnen etwas erarbeiten will? Werden sie meinen Unterricht gut finden oder werden sie sich langweilen? Werden sie etwas lernen? Wie gehe ich mit Schülern um, die aus der Reihe tanzen? Habe ich genügend Autorität, mich durchzusetzen? Und schlichtweg: Bin ich überhaupt als Lehrperson geeignet? Heute (vor meinem Praktikum) würde ich sagen, dass ich es bin. Ich glaube aber, das liegt daran, dass ich bisher, wie z.B. in meinem Orientierungspraktikum an der Grundschule Pfaffendorf, kaum negative Erfahrungen im Umgang mit Schülern gemacht habe. Ich weiß aber, dass sie noch kommen werden. Und darin liegt eigentlich meine größte Angst: Wie werde ich mit Misserfolgen umgehen und inwieweit werden diese Misserfolge meine berufliche Zukunft beeinflussen?

Aber neben all diesen Ängsten und Befürchtungen weiß ich, dass ich in diesem Beruf auch wachsen kann. Dass ich dazulernen kann und meinen Charakter und meine Fertigkeiten im Umgang mit Schülern stärken und verbessern kann. Ich weiß, dass ich etwas zurückbekomme, wenn ich jemandem etwas beibringen konnte. Und ich weiß, wie viel Freude mir die Interaktion mit den Schülern bereiten kann, vor allem das pädagogische Arbeiten auf der Beziehungsebene. Und um dieser ganzen positiven Eigenschaften wegen nehme ich die negativen Begleitgefühle gerne auf mich.

2. Das Schulprofil der Europaschule Gladenbach

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Pausenhof

„Die Europaschule Gladenbach will ihre Schülerinnen und Schüler vorbereiten auf das Leben in einem Europa, das sich in seiner globalen Verantwortung bewußt ist. Diese europäische Dimension prägt unsere Erziehungsziele, unser Schulleben und unsere Unterrichtsinhalte“.

Nach diesem Leitgedanken werden an der kooperative Gesamtschule mit Vorklasse, Grundschule, Förderstufe, Hauptschule, Realschule und Gymnasium mit gymnasialer Oberstufe ca. 1830 Schüler von 150 Lehrern unterrichtet. Als kooperative Gesamtschule, legt die Europaschule Gladenbach besonders Wert auf die Erfüllung der Bildungsanforderungen der drei in ihr zusammengefassten Schulformen. Sie verbindet diese pädagogisch, personell und organisatorisch und unterstützt das gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulformen in Teilbereichen des Unterrichts und im Schulleben.

Die hervorragend ausgestattete Schule gehört zu den Umweltschulen Europas und ist in zwei Gebäudekomplexen unterteilt: Grundschule und Förderstufe befinden sich im unteren, Jahrgänge 7 - 13 im oberen Gebäude. Es gibt eine Außensportanlage, eine Mehrzweck-Dreifachhalle und den Erweiterungsbau, in welchem Mensa, Cafeteria und weitere Ganztagseinrichtungen untergebracht sind.

Was ich persönlich als angehende Fremdsprachenlehrerin sehr bemerkenswert finde, ist die besondere Rolle die den Sprachen beziehungsweise Fremdsprachen zugeschrieben wird. Die Schule besitzt ein organisiertes Gesamtsprachenprogramm, welches den Englischunterricht ab der ersten Klasse und bilingualen Unterricht in Realschule und Gymnasium mit einschließt. Unterstützend zum Sprachenlernen werden internationale Austausche angeboten. Nicht nur „traditionelle“ Austauschländer wie England und Frankreich werden hier angeboten, sondern die Schule hat auch Beziehungen zu „exotischen“ Partnerschulen in Spanien, Russland, Irland, Italien, USA, Polen, Israel, Dänemark, Schweden, Finnland, Tschechien, Griechenland und Tansania.

In den so genannten Integrationsklassen werden Kinder und Jugendlich mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam unterrichtet. Diese Klassenform finde ich äußerst interessant, weil in einer solchen Klasse ganz andere Schwerpunkte gesetzt werden müssen, was die Lern- und Arbeitsformen betrifft, aber auch die sozial Formen innerhalb der Klasse. An der Europaschule sind solche Klassen die 1.,2.,4.,5. sowie die 8. und 9. der Hauptschule.

Schwerpunkt der Schule ist auch einen für erfahrungs- und praxisbezogenen Unterricht in den Naturwissenschaften. Ein Beispiel hierfür kann man im Erdgeschoss der Schule entdecken. Hier findet man mit dem „Vivarium Gladenbach“ einen von Lehrern und Schülern eingerichteten exotischen „Streichelzoo“, in dem Echsen, Vogelspinnen und andere tropische Tiere ein neues Zuhause gefunden haben.

Weitere nennenswerte Besonderheiten der Schule sind beispielsweise die „Lernwerkstatt“, das „Förderprogramm zum Ausgleich von Defiziten und zur Anregung besonderer Begabung“, das Betreuungsangebot der Grundschule sowie die Gewährleistung der informationstechnischen Grundbildung durch die Bereitstellung von Arbeitsplätzen mit Computern und Internetanschluss.

Diese allgemeinen Informationen habe ich aus der Schulbroschüre beziehungsweise der Internetseite der Schule www.eurogla.de entnommen.

Mein persönlicher Eindruck der Schule war durchaus positiv. Zwar hatte ich anfangs Schwierigkeiten mich zurechtzufinden und mir war nicht immer klar, wo sich welche Räume befinden, doch im Nachhinein war der gesamte Gebäudekomplex sinnvoll eingeteilt und so habe ich relativ schnell herausgefunden, wo ich hin muss. Das relativ aufgeschlossene Lehrerkollegium hat mir auch immer gerne Fragen beantwortet und mich tatkräftig bei organisatorischen Dingen unterstützt . Hier muss ich aber auch dazu sagen, dass besonders die Lehrer und Lehrerinnen der Förderstufe sehr aufmerksam und zuvorkommend waren.

Wie oben bereits erwähnt, imponierte mir sehr die multi-kulturelle Seite der Schule mit dem Fremdsprachenschwerpunkt und auch die vielen guten Ansätze, den „Lebensraum Schule“ zu verwirklichen, finde ich sehr gut gelungen. So können beispielsweise die Schüler in einer Projektwoche (welche leider eine Woche nach unserem Praktikum stattgefunden hat) je nach Interesse an verschiedenen Projekten mitarbeiten. Auch die Klassenfindungstage in Weidenhausen sollte die Schule unbedingt beibehalten. Diesen Ausflug halte ich pädagogisch für sehr sinnvoll, da sich hier neu zusammengesetzte Klassen zusammenfinden und lernen, was es heißt zusammen und im Team zu arbeiten. Es werden grundlegende Fähigkeiten vermittelt, welche nicht nur den Klassenzusammenhalt stärken, sondern auch den eigenen Charakter formen können.

Von einem materialistischen Blickpunkt aus gesehen, halte ich die Schule für gut ausgestattet. Dennoch hätten einige Räume eventuell eine Renovierung nötig, andere hingegen waren sehr nett und kreativ gestaltet, was gleich ein angenehmes Lernklima geschaffen hat. Auch die Pausenhalle unterliegt einem kreativen Ambiente, was sie sehr einladend macht und die Außenanlagen sind sauber und gut gepflegt. Besonders ansprechend finde ich das Ambiente des Neubaus. Die Mensa und die Kultursporthalle sowie die Oberstufenräume sind architektonisch sehr ansprechend und im modernen Stil gehalten. Aber dass die Sporthalle nur über einen halben Klassensatz an Fußbällen verfügt, war unter den Sportlern eine große Diskussion, die sogar bis zum Schulleiter reichte.

Abschließend ist jedoch zu sagen, dass ich mich sehr gerne in dem Schulgebäude aufgehalten habe und mich dabei auch durchaus wohl gefühlt habe.

3. Mein erster Tag an der Europaschule Gladenbach (27.08.2007)

Als mein Wecker an jenem Montagmorgen um halb sieben klingelte, fühlte ich mich

gleich zurückversetzt in meine eigene Schulzeit. So früh bin ich das letzte Mal aufgestanden, als ich in den Urlaub gefahren bin, aber nicht um mich an meinen „Arbeitsplatz“ zu begeben. Und da ich morgens etwas Zeit brauche um richtig fit zu werden, fiel es mir schwer mich auf meinen ersten Praktikumstag zu freuen. Als wir dann aber mit fünf Praktikanten im Auto saßen und über die bevorstehende Zeit redeten, freute ich mich doch irgendwie und war auch etwas aufgeregt.

In der Schule angekommen, wurden wir fünf gleich von unserem Kontaktlehrer abgefangen, mussten aber noch auf die vier anderen Praktikanten warten, die mit dem Bus kamen. Als wir dann vollzählig waren, betraten wir gemeinsam das Lehrerzimmer. Ich hätte erwartet, dass dies bei mir ein komisches auslöste, da man ja sonst als Schüler das Lehrerzimmer nicht betreten darf. Wir wurden aber sehr herzlich empfangen und die Neugier der Lehrer auf uns schien genauso groß wie unsere auf die Lehrer. Von daher habe ich mich in keinem Moment fehl am Platze gefühlt. Unser Kontaktlehrer war sehr freundlich zu uns und hat uns zunächst einmal über die Schule und ihre Besonderheiten, wie beispielsweise die verschiedenen Austauschprogramme oder die Förderstufe etc., informiert. Es folgte der Besuch beim Schulleiter. Ich fand es sehr unterstützend, dass wir gemeinsam sein Büro betreten haben, denn alleine hätte ich mich vielleicht etwas unwohl gefühlt. Er hat auf mich einen äußerst erfahrenen und unterstützenden Eindruck gemacht, dass er mir durch Worte wie „Ihr werdet bestimmt auch einmal negative Erfahrungen machen, aber diese sind fast noch wichtiger als die positiven Erfahrungen!“ aus der Seele sprach und mir zumindest ein bisschen die Angst beziehungsweise die Aufregung nehmen konnte. Nach dem kurzen Empfang vom Schulleiter, hat uns unser Kontaktlehrer durch die gesamte Schule geführt. Ich war leicht verwirrt von der Verwinklung des Gebäudes und wusste nie so genau auf welcher Ebene wir uns nun befinden. Er zeigte uns die naturwissenschaftlichen Räume und das Vivarium, die Pausenhalle, die Außenanlage und verwies auch auf den Neubau, dann musste er aber schnell weg und „übergab“ uns einem Kollegen, mit dem wir uns dann wieder ins Lehrerzimmer setzten. Auch dieser Lehrer nahm uns mit seiner lockeren und witzigen Art sämtliche Ängste. Er sagte uns die Zeiten der Schulstunden durch, verteilte eine Liste mit Lehrern und Lehrerkürzeln und ging jeden einzelnen Lehrer mit uns durch. So hatten wir die Möglichkeit herauszufinden, welche Lehrer gerne Praktikanten mit in den Unterricht nehmen, welche eher nicht so gern und wie manche Lehrer ganz grob aussehen. Das war zwar keine große Hilfe, weil wir so immer noch nicht wussten, welche Lehrer wir ansprechen konnten, aber so hatte man immerhin schon gehört, welche Lehrer für die eigenen Fächer in Frage kommen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Schulpraktikum an einer Kooperativen Gesamtschule in Hessen
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V88692
ISBN (eBook)
9783638049917
ISBN (Buch)
9783640099092
Dateigröße
786 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulpraktikum, Gesamtschule, Hessen, Gladenbach
Arbeit zitieren
Sandra Thillmann (Autor), 2007, Schulpraktikum an einer Kooperativen Gesamtschule in Hessen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88692

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