Beleg zu den Schulpraktischen Studien im Fach Sport an einem Gymnasium in Jena


Praktikumsbericht / -arbeit, 2006

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Portrait des Ernst-Abbe-Gymnasiums

3. Fallarbeit
3.1 Fall 1 – „Halsbrecherische Akrobatik“
3.1.1 Fallgeschichte
3.1.2 Normzuweisung
3.1.3 Problemermittlung
3.1.4 Theorieanschluss
3.1.5 Handlungsempfehlungen
3.2 Fall 2 – „Divenalarm“

4. Eigene (Lehr-)Erfahrungen

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang (Stundennachweis)

1. Vorwort

Auf der Suche nach einer geeigneten Praktikumsschule innerhalb meiner Heimat- und Studienstadt Jena wurde ich schnell mit der ernüchternden Situation rund um die Jenaer (Gymnasial-)Schullandschaft konfrontiert: Es stellte sich als ein schwieriges Unterfangen heraus, überhaupt „vor Ort“ aufgenommen zu werden – wollte ich doch unter allen Umständen die sonst drohende, alternative Notwendigkeit des Ausweichens auf eine andere Stadt dringend vermeiden. Nach mehreren Anläufen sowie einigen Anstrengungen wurde es mir am Ende einer langen Suche doch noch ermöglicht, am Ernst-Abbe-Gymnasium in Jena - Winzerla 2 Wochen lang zu hospitieren.

Die Aufnahme durch die jeweiligen Sportlehrer erfolgte stets freundlich und aufgeschlossen. Bereits im Vorfeld wurde ich durch den stellvertretenden Direktor für die „suboptimale“ Situation vor Ort sensibilisiert: Da sich das im Schulprogramm fest etablierte Skilager um eine Woche verschob, kam ich zunächst leider nicht in den „Genuss“, dem Unterricht aller am EAG arbeitenden Sportlehrer beizuwohnen. Um jedoch den individuellen Stil jedes Sportpädagogen erleben zu können, bat ich rechtzeitig um die Gewährung eines längeren Aufenthalts. Zusätzlich wurde die alltägliche Unterrichtsatmosphäre durch weitere Aspekte „verfälscht“ bzw. beeinflusst: An 2 Tagen besuchten Viertklässler das EAG zu sog. „Schnupperveranstaltungen“ im Hinblick auf die bevorstehende Wahl einer weiterführenden Schule. Des Weiteren fielen zahlreiche Stunden durch die im Schulprogramm fest etablierte Faschingsfeier sowie ein kompletter Unterrichtstag auf Grund von Weiterbildungsmaßnahmen aus. All jene Umstände zeigten die Notwendigkeit eines gewissen Maßes von Improvisationstalent und Flexibilität von Seiten des Sportlehrers auf – so wusste er beispielsweise nicht, mit wie vielen Viertklässlern überhaupt zu rechnen war, etc. Deshalb musste selbiger ebenfalls durch die vielen Ausfälle bedingt, die Prozess- und Umrissplanung variabel überdenken bzw. situativ anpassen.

2. Portrait des Ernst-Abbe-Gymnasiums

Die Neugestaltung der Jenaer Schullandschaft erforderte nach der Wiedervereinigung auch im Süden der Stadt ein Gymnasium: So eröffnete die Institution 1991 für ca. 550 (aktuell 471) Schüler[1] und 45 (aktuell 48) Lehrer seine Pforten. Zur Profilierung der Schule trug die Gründung eines Fördervereins im 2. Jahr des Schulbestehens bei. Als Ehrengast konnte dabei im Zuge der prominenten Namensgebung sogar die Urenkelin Ernst Abbes begrüßt werden. Durch die partnerschaftliche Kooperation mit der FH Jena versprach man sich eine Schärfung des naturwissenschaftlichen Profils. Derzeit unterrichten 5 Lehrer die rund 470 Schüler im Fach Sport. Dem allgemeinen „Negativ-Trend“ folgend, ist der jüngste Pädagoge der Sportlehrer-schaft 37 Jahre alt. In Anlehnung an die Sportlehrertypologie von Bräutigam (1999) besteht das Kollegium am EAG aus zwei ‚lockeren Typen’, einem ‚Handwerker’, einem ‚Frühpensionär’ und einem ‚Enthusiasten’.

Zu den Besonderheiten der unterrichtsspezifischen Situation vor Ort zählt in puncto ‚Sportstättenprofil’ die Tatsache, dass man auf Grund der finanziellen und insbesondere baulichen Gegebenheiten (die Schule befindet sich inmitten eines Plattenbau-Wohngebietes) über keine eigene Freianlage verfügt. Stattdessen teilt man sich den Außenbereich mit dem benachbarten Kindergarten (5min. Fußweg). Doch auch diese materielle Voraussetzung erweist sich nach eigener Begutachtung als unzureichend – handelt es sich dabei doch lediglich um einen kleinen Handballplatz mit mangelhaftem Laufbereich (fehlende 100m-Sprintstrecke – von der Abnahme von Dauerlaufleistungen hinsichtlich des viel zu kleinen Karrees ganz zu schweigen). Die sonstigen materiellen Voraussetzungen hinsichtlich des Inventars sind nach Aussage einer Lehrkraft „gut“. Wenngleich eine andere Lehrkraft nach der mittlerweile bereits 15 Jahre zurückliegenden Sanierung von merklichen „Verschleißerscheinungen“ sprach, präsentierte sich mir die Halle in einem tadellosen Zustand. So bietet sich dem Benutzer jeder Zeit die (durchaus zweischneidig zu betrachtende) Möglichkeit, die Halle per Raumteiler zweifach zu nutzen. Im Stundenplan findet dies verstärkt Anwendung, da in den Klassenstufen ohne koedukativen Unterricht (7-10) jeweils die Hallenhälften von Jungen- und Mädchen-klassen zur selben Zeit separat genutzt werden. Hinsichtlich der Schülerzahl von bis zu 26 Personen pro Hälfte kann ich diesen Fakt nur sehr skeptisch bewerten. Für mein Empfinden erscheint mir diese räumliche Gegebenheit schier zu klein: Wie sollen sich Kinder unter diesen Bedingungen bewegen, ohne sich gegenseitig „auf den Füßen rumzutrampeln“? Ergo: Es bestand akute „Klaustrophobiegefahr“. Das Sportangebot für die Oberstufe umfasst mit den Kursen Fitness/Gesundheit, Basketball, Fußball, Volleyball, Badminton, Schwimmen, Wintersport und partiell Turnen sowie Gymnastik/Tanz einen durchaus breit gefächerten Kanon.

Die Atmosphäre innerhalb des Schulgebäudes, um an dieser Stelle auch einmal den Blick über die Grenzen der Turnhalle hinaus zu wagen, kann als sehr angenehm beschrieben werden. Die Innenausstattung wirkt sehr freundlich und ansprechend – dem aufmerksamen Besucher fällt die Mitgestaltung durch die Schülerschaft schnell ins Auge. Auch sonst sorgt das in jeder Pause im gesamten Gebäude zu vernehmende Schülerradio für eine gehaltvolle Lern- und Lebenskultur.[2] Der außerschulische Sportunterricht ist leider nur sehr marginal realisiert: Von bemerkens-werten 24 AGs sind gerade mal 2 sportiv geprägt (Volleyball Kl. 5-12 und Fußball Kl. 5-8).

3. Fallarbeit

3.1 Fall 1 – „Halsbrecherische Akrobatik“

3.1.1 Fallgeschichte

Es ist Montag, die 7. und 8. Stunde Sport. Auf dem Programm steht für die 26 Jungen zweier 9. Klassen gemäß der Umrissplanung „Turnen“. Aufgebaut sind für diese Stunde durch den Lehrer die Geräte Boden, Barren und Sprung. Nach einer intensiven Erwärmung teilt Herr X. die Jungen in 2 Gruppen. Die eine Hälfte begibt sich nun zum Sprung, die Anderen üben am Boden, Balken und Barren (Alternative: Reck). Dabei werden Elemente und Verbindungen für die bald bevorstehenden Testate geübt. Die Wahl der Geräte, an denen geturnt wird, ist den Schülern freigestellt. Eher schlecht als recht wird sich an den einzelnen Stationen unmotiviert „bewegt“. Herr X. bemüht sich, den Schülern am Barren und am Reck behilflich zu sein. Einige Elemente demonstriert er durchaus gekonnt selbst.

Die Gruppe der Schüler beim Sprung übt selbständig und vom Lehrer unbeobachtet. Schon sehr bald bleiben viele Jungen am Kasten, welcher längs übersprungen werden soll, unzählige Male „hängen“. Die Sprünge gleichen einem „Trip ins Ungewisse“, den einige der Schüler gerade so noch glimpflich abfangen können. Manch einer erlangt das Gleichgewicht bei der Landung erst kurz vor der Wand. Der Abstand vom Sprungbrett zum Kasten beträgt ca. 30cm. Als Alternative zum Kasten ist für die Schüler noch ein Doppelbock zur Überquerung bereitgestellt (Note 4). Die Wahl der Sprungart (Hocke bzw. Grätsche) war jedem einzelnen freigestellt. Nach einer kurzen Übungszeit wechseln die Gruppen ihre Aufgaben. Auch im zweiten Durchlauf gleichen die Sprünge eher einer (unkontrollierten) Akrobatikeinlage als lehrplan-gemäßen Sprüngen. Im anschließenden Gespräch mit Herrn X. offenbarte mir dieser nach der Stunde auf die Frage nach dem Grund des knappen Brettabstandes, dass die Schüler Angst hätten und den Abstand zum Brett folglich selbst (so gering!) wählten.

3.1.2 Normzuweisung

Im vorliegenden Fall handelt es sich m.E. nach in Anlehnung an Scherler (2004) primär um die Abweichung von der 3. Norm, welche besagt: „Die Interaktion mit den Schülern soll zu deren Voraussetzungen passen.“ Dies umfasst, dass der Lehrer die Leistungsfähigkeit der Schüler berücksichtigt, diese nicht überfordert und Verständnis für sie aufbringen kann.

[...]


[1] Im Folgenden wird der besseren Lesbarkeit wegen für Personenbezeichnungen nur die männliche Form verwendet – gemeint sind jedoch in allen Fällen Mädchen und Jungen bzw. Männer und Frauen.

[2] In der Konzeption der „modernen“ Ganztagsschule wurde bereits ein pädagogischer Umdenkprozess eingeläutet: So ist derzeit zumindest partiell die Notwendigkeit zur Einbeziehung des Raumes (neben der Zeit) als einen weiteren wichtigen didaktischen „Eckpfeiler“ erkannt worden.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Beleg zu den Schulpraktischen Studien im Fach Sport an einem Gymnasium in Jena
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Schulspraktische Studien im Fach Sport
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V88779
ISBN (eBook)
9783638049931
ISBN (Buch)
9783638943970
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit kann als Muster zur Anfertigung von Praktikumsberichten im Rahmen der Schulpraktischen Studien zur gymnasialen (Sport-)Lehrerausbildung verwendet werden. So bietet sie eine übersichtliche und inhaltlich akzentuierte Gliederung, die als Orientierung und Leitfaden dient. Insbesondere macht sie einführend mit dem methodologisch-didaktischen "Instrument" der sportwissenschaftlich relevanten Fallarbeit (nach Schlerler) vertraut.
Schlagworte
Beleg, Schulpraktischen, Studien, Fach, Sport, Gymnasium, Jena, Schulspraktische
Arbeit zitieren
Stud. phil. Annabelle Senff (Autor), 2006, Beleg zu den Schulpraktischen Studien im Fach Sport an einem Gymnasium in Jena, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88779

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