Auf der Suche nach einer geeigneten Praktikumsschule innerhalb meiner Heimat- und Studienstadt Jena wurde ich schnell mit der ernüchternden Situation rund um die Jenaer (Gymnasial-)Schullandschaft konfrontiert: Es stellte sich als ein schwieriges Unterfangen heraus, überhaupt „vor Ort“ aufgenommen zu werden – wollte ich doch unter allen Umständen die sonst drohende, alternative Notwendigkeit des Ausweichens auf eine andere Stadt dringend vermeiden. Nach mehreren Anläufen sowie einigen Anstrengungen wurde es mir am Ende einer langen Suche doch noch ermöglicht, am Ernst-Abbe-Gymnasium in Jena - Winzerla 2 Wochen lang zu hospitieren.
Die Aufnahme durch die jeweiligen Sportlehrer erfolgte stets freundlich und aufgeschlossen. Bereits im Vorfeld wurde ich durch den stellvertretenden Direktor für die „suboptimale“ Situation vor Ort sensibilisiert: Da sich das im Schulprogramm fest etablierte Skilager um eine Woche verschob, kam ich zunächst leider nicht in den „Genuss“, dem Unterricht aller am EAG arbeitenden Sportlehrer beizuwohnen. Um jedoch den individuellen Stil jedes Sportpädagogen erleben zu können, bat ich rechtzeitig um die Gewährung eines längeren Aufenthalts. Zusätzlich wurde die alltägliche Unterrichtsatmosphäre durch weitere Aspekte „verfälscht“ bzw. beeinflusst: An 2 Tagen besuchten Viertklässler das EAG zu sog. „Schnupperveranstaltungen“ im Hinblick auf die bevorstehende Wahl einer weiterführenden Schule. Des Weiteren fielen zahlreiche Stunden durch die im Schulprogramm fest etablierte Faschingsfeier sowie ein kompletter Unterrichtstag auf Grund von Weiterbildungsmaßnahmen aus. All jene Umstände zeigten die Notwendigkeit eines gewissen Maßes von Improvisationstalent und Flexibilität von Seiten des Sportlehrers auf – so wusste er beispielsweise nicht, mit wie vielen Viertklässlern überhaupt zu rechnen war, etc. Deshalb musste selbiger ebenfalls durch die vielen Ausfälle bedingt, die Prozess- und Umrissplanung variabel überdenken bzw. situativ anpassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Portrait des Ernst-Abbe-Gymnasiums
3. Fallarbeit
3.1 Fall 1 – „Halsbrecherische Akrobatik“
3.1.1 Fallgeschichte
3.1.2 Normzuweisung
3.1.3 Problemermittlung
3.1.4 Theorieanschluss
3.1.5 Handlungsempfehlungen
3.2 Fall 2 – „Divenalarm“
4. Eigene (Lehr-)Erfahrungen
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, im Rahmen der Schulpraktischen Studien am Ernst-Abbe-Gymnasium in Jena Einblicke in die sportpädagogische Praxis zu gewinnen, konkrete Unterrichtssituationen wissenschaftlich zu reflektieren und die Rolle des Sportlehrers hinsichtlich Organisation und Interaktion kritisch zu hinterfragen.
- Analyse von sportpädagogischen Fallbeispielen und Problemstellungen
- Reflektion über den Umgang mit Angst im Sportunterricht
- Bewertung von Rahmenbedingungen und organisatorischen Herausforderungen
- Eigene Unterrichtserfahrungen und methodische Erprobung
- Theoretische Einordnung von Schülerverhalten und Lehrstrategien
Auszug aus dem Buch
3.1.4 Theorieanschluss
„Angst“ ist eine hochkomplexe physische und psychische Emotion im Sport. Daher scheint es zunächst erforderlich, die hier thematisierte Begrifflichkeit weiter zu spezifizieren. So trifft man im Schulsport typischer Weise auf die sog. Verletzungsangst – eine Art Selbstschutzform, die mit risikobehafteten Situationen einhergeht. Sie stellt ein Signal für die im schulischen Kontext subjektiv empfundene Gefahrensituation dar. Laut Psychoanalytischem Ansatz nach Freud entspricht die Fallgeschichte der sog. „Realangst“ (= Angst vor den Gefahren der Außen- und Umwelt). Die Behavioristen des Lerntheoretischen Ansatzes fassen Angst dagegen als eine erlernte Verhaltensweise auf (= Konditionierungsprozess). Jene Lernprinzipien müssen dabei jedoch nicht als Reiz-Reaktions-Sequenz direkt im Individuum ablaufen: So kann auch über die Beobachtung anderer Personen Angst „erlernt“ werden (= Modelllernen – z.B. Beobachtung des Vordermanns, der beim Sprung „verunglückt“). Realangst ist nun schließlich in der sekundären Sozialisationsinstanz ‚Schule’ häufig als Angst vor Schmerz und körperlicher Schädigung (als eine zentrale Angstform im Sportunterricht) zu beobachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Autorin beschreibt ihre Suche nach einer Praktikumsschule in Jena sowie ihre ersten Eindrücke von der Organisation und den Gegebenheiten am Ernst-Abbe-Gymnasium.
2. Portrait des Ernst-Abbe-Gymnasiums: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entstehungsgeschichte, das Profil, die personelle Ausstattung und die räumlichen Bedingungen der Schule.
3. Fallarbeit: Hier werden zwei konkrete Unterrichtsszenarien – „Halsbrecherische Akrobatik“ und „Divenalarm“ – detailliert analysiert und theoretisch fundiert aufgearbeitet.
4. Eigene (Lehr-)Erfahrungen: Die Autorin reflektiert ihre eigenen praktischen Versuche bei der Anleitung von Sportgruppen, die Herausforderungen durch Stundenausfälle und die Beobachtungen bei anderen Lehrkräften.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der gesammelten Erkenntnisse über die Bedeutung von Organisation im Sportunterricht und die Rolle des Sportlehrers als Vermittler von Bildung.
Schlüsselwörter
Sportpädagogik, Schulpraktische Studien, Sportunterricht, Angstbewältigung, Gerätturnen, Unterrichtsorganisation, Sportlehrertypologie, Motorisches Lernen, Fallarbeit, Erziehung, Schulentwicklung, Sportdidaktik, Reflexion, Pädagogischer Umdenkprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert und reflektiert die Erfahrungen der Autorin während ihrer Schulpraktischen Studien am Ernst-Abbe-Gymnasium in Jena im Wintersemester 2005/06.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Analyse von Unterrichtssituationen im Sport, der Umgang mit Schülerängsten beim Gerätturnen, die Rolle des Lehrers als Organisator sowie die eigene praktische Erprobung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Reflexion sportpädagogischer Alltagssituationen und die Erweiterung der eigenen Kompetenzen hinsichtlich der Beobachtung und Gestaltung von Sportunterricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine offene Fremdbeobachtung angewandt, wobei die Beobachtungen anhand fachwissenschaftlicher Theorien (u.a. zu Angst und Sportpädagogik) analysiert und bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fallbasierte Analyse von Gerätturnstunden (Angstproblematik) und eine Schilderung der eigenen praktischen Lehrversuche in einer 7. Klasse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sportpädagogik, Angstbewältigung, Unterrichtsorganisation, Sportunterricht, Fallarbeit und pädagogische Reflexion.
Warum spielt die räumliche Situation eine so wichtige Rolle in der Analyse?
Die räumlichen Gegebenheiten beeinflussen die Sicherheit, die Geräteorganisation und die Gruppendynamik, was sich maßgeblich auf den Unterrichtserfolg und das Sicherheitsgefühl der Schüler auswirkt.
Was bedeutet die "Formel" „Sport ist Organisation“ in diesem Kontext?
Sie betont, dass der Sportunterricht durch den ständigen Auf- und Abbau von Geräten einen hohen organisatorischen Aufwand erfordert, der die effektive Bewegungszeit der Schüler einschränken kann.
Wie unterscheidet sich die "Divenalarm"-Situation von der Turn-Problematik?
Während beim Turnen physische Gefährdung und Verletzungsangst im Vordergrund stehen, zeigt das Fallbeispiel "Divenalarm" eine Herausforderung durch verbale Störungen und Vermeidungsstrategien der Schülerin.
Welchen Stellenwert räumt die Autorin der "allseitigen Bildung" ein?
Sie wertet das Fach Sport als unentbehrlich, da es eine einzigartige Chance zur ganzkörperlichen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung bietet, die über rein motorisches Lernen hinausgeht.
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- Stud. phil. Annabelle Senff (Author), 2006, Beleg zu den Schulpraktischen Studien im Fach Sport an einem Gymnasium in Jena, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88779