Sport als Unterhaltung

Mediensport im TV


Forschungsarbeit, 2008

21 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffsdefinitionen
1.1. Sport
1.1.1. Sport, Medien und Wirtschaft
1.1.2. Fernsehen und Sport
1.1.3. Mediensportrealität
1.1.4. TV-Sport und Geschlecht
1.2. Unterhaltung
1.2.1. Unterhaltung als Spiel
1.2.2. Unterhaltung als Entspannung, Ablenkung und Realitätsflucht
1.2.3. Unterhaltung als Erlebnissuche
1.2.4. Unterhaltung als Stimmungs- und Gefühlsmanagement
1.2.5. Unterhaltung als Information und Bildung
1.2.6. Unterhaltung als gesellschaftliche und soziale Funktion und Interaktion
1.2.7. Unterhaltung zur Selbstsuche, -verwirklichung und –bestätigung
1.2.8. Unterhaltung als Beziehungsherstellung – Parasoziale Beziehung (Horton und Wohl 1956)
1.2.9. Unterhaltung als Wertevermittlung
1.2.10. Infotainment - Information und Unterhaltung als Elemente integrierter Kommunikation

2. Zur Popularität des Mediensports
2.1. Uses and Gratification Approach
2.2. Agenda Setting

3. Sport und Unterhaltung
3.1. Formel 1
3.2. Fußball
3.3. Studie Hartmann, Daschmann, Stuke
3.4. Studie Klimmt, Bepler, Scherer

Fazit

Bibliographie

Einleitung

97 Prozent der insgesamt 3,5 Millionen österreichischen Privat-Haushalte verfügen über einen Fersehapparat. Im Jahr 2006 nutzten rund 66,9 Prozent der ÖsterreicherInnen über 12 Jahren das Medium Fernsehen täglich. Im Schnitt verbrachten die Zuseher 163 Minuten vor dem Fernseher (vgl. http://mediaresearch.orf.at). Die Medien - insbesondere das Fernsehen – sind also im Alltag der Menschen omnipräsent, sie bringen uns eine Vielzahl von Ereignissen, die wir nicht selbst erlebt haben, bis in unsere Wohnungen (vgl. Marschik 2002). Der Mediensport übernimmt dabei eine ganz besondere Rolle.

„In einer zunehmend komplexeren und undurchschaubarer erscheinenden Welt bietet der Sport klare einsichtige Maßstäbe von gut und schlecht, von oben und unten, von Erfolg und Misserfolg.“ (Marschik 2002, S. 31) Der Sport im TV übernimmt also eine gewisse Orientierungs- und Informationsfunktion, aber durch den Umfang von Angebot und Nutzung nimmt der Sport auch innerhalb der non-fiktionalen Unterhaltungsgenres eine Schlüsselrolle ein. Denn im trivialen Sinne ist Unterhaltung immer das, von dem sich der Mediennutzer gerade unterhalten fühlt (vgl. Schramm 2007).

Im Jahr 2006 befanden sich drei Sportgroßereignisse unter den zehn meistgesehenen Sendungen des ORFs. Auf Rang drei dieser Liste landete das Fußball-WM-Finale Italien-Frankreich mit 2,066 Millionen Zusehern. Auf Platz fünf rangierte die Schi-Olympia-Abfahrt der Herren und erreichte damit eine Reichweite von 26,7 Prozent. Mit 1,625 Millionen Sehern konnte sich auch die Schi-Herren-Abfahrt in Kitzbühel unter die Top Ten einreihen. Unter den 30 beliebtesten Sendungen fanden sich insgesamt 11 Sportereignisse (vgl. http://mediaresearch.orf.at)

Aufgrund dieser Fakten und Überlegungen ergaben sich für die vorliegende Arbeit folgende Forschungsfragen:

Was ist Mediensport?

Was ist Fernseh-Unterhaltung?

Wie wird Sport im Fernsehen unterhaltend dargestellt?

Wie wird Sport im Fernsehen rezipiert und warum?

Was sind die möglichen Auswirkungen?

1. Begriffsdefinitionen

1.1. Sport

„Sammelbezeichnung für alle als Bewegungs-, Spiel- oder Wettkampfformen gepflegten körperlichen Aktivitäten des Menschen.“ (Brockhaus 1999)

Leistungssport

„... hat seinen Kern in der meist durch die Medien vermittelten Präsentation von Spitzenleistungen, die als Kampf um den Sieg und Bestleistungen breites Interesse finden.“ (Brockhaus 1999)

Mediensport (auch: Showsport, Zuschauersport oder Passivsport)

„Showsport ist technisch – wissenschaftlich fundierte, arbeitsmäßig vorbereitete, in der Regel als Beruf ausgeübte und als Show repräsentierte Unterhaltung. Showsport wird vor einem Massenpublikum ... regelmäßig ausgeübt und gleichzeitig oder zeitversetzt im Massenmedium Fernsehen ausgestrahlt.“ (vgl. Hortleder 1978, zit. nach Bacher 2000)

1.1.1. Sport, Medien und Wirtschaft

Diese drei Dimensionen sind nicht mehr auseinander zu denken, sie bilden das sogenannte „magische Dreieck“ (Hackforth 1997, zit. nach Gutmann 2004). Vor allem der Unterhaltungsaspekt spielt aus ökonomischer Sicht eine große Rolle. „Der echte Sport interessiert uns nicht. Was wir kaufen und verkaufen, ist kein Sport, sondern professionelle Sportunterhaltung.“ (Geschäftsführer der Sportrechte Verwertungsgesellschaft ISPR Daniel Beauvois zit. nach Schramm 2006)

„... die Ökonomie schaltet sich massiv ins Sportgeschehen ein und verspricht sich davon, man denke an die Sportartikelindustrie oder die Tourismusbranche, direkte Gewinne wie auch indirekten Nutzen: Ohne Sponsoring und Werbung wäre der heutige Sport undenkbar.“ (Marschik 2002, S. 31)

1.1.2. Fernsehen und Sport

Im Folgenden werden sechs Faktoren erläutert, warum Sport und TV symbiotisch sind (vgl. Burk 2003, zit. nach Wendl 2005):

- Ereigniswert des Sports
- Genauer Handlungsablauf
- Internationale Verständlichkeit
- Eigendramaturgie
- Natürliche Werbepausen
- Hohe Einschaltquoten

Nachrichtenfaktoren des TV-Sports (vgl. Loosen 2001, zit. nach Gutmann 2004)

- Personalisierung, Elite

außergewöhnliche Leistungen und Erfolge

- räumliche Nähe

politisch, kulturell und zeitlich

- Ethnozentrismus

Bezug zum eigenen Land, Patriotismus

- Dauer

Aktualität, Regelmäßigkeit

- Eindeutigkeit

Konzentration auf einen Themenbereich

1.1.3. Mediensportrealität

Auch Sport im TV ist keine Abbildung der Wirklichkeit und unterliegt dem Konzept des Konstruktivismus. Sportjournalisten müssen wie in allen anderen Genres eine Auswahl an Themen treffen und übernehmen somit die Rolle des sogenannten „Gatekeepers“. Zwei Selektionsprozesse finden statt, bevor es zur Rezeption kommt. Aus einer Vielzahl von Sportveranstaltungen, werden dann jene herausgefiltert, die populäre Sportarten behandeln. Die Popularität ist oft vom Nachrichtenfaktor `Nähe´ abhängig, das heißt, je besser die eigene Mannschaft bzw. die eigene Nation, desto beliebter auch die Sportart. Ganz im Sinne der massenmedialen Verbreitung werden natürlich meist Großereignisse übertragen, die national oder international große Bedeutung haben. Länderspiele, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympische Spiele erfreuen sich größter Beliebtheit. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der finale Charakter von Sportereignissen, der zum Schluss einen Sieger feststehen lässt (vgl. Wendl 2005).

Im zweiten Schritt wird das Ereignis selbst selektiert. Eine Besonderheit im TV-Sport sind Live-Übertragungen. Die Zuseher haben hier das Gefühl unmittelbar am Geschehen zu sein und realisieren nicht, dass sie das Ereignis zwar zeitgleich, aber ausschließlich aus der Perspektive sehen, die ihnen durch den Bildschirm geboten wird. Sportliche Ereignisse werden aber stets umittelbar erlebt, selbst wenn sie medial vermittelt werden. Es entsteht der Eindruck, dass im TV nicht nur über die Geschehnisse selbst berichtet wird sondern auch, was hinter den Kulissen passiert. Sport wird stets spontan erlebt, die Rezipienten haben das Gefühl immer dicht am Geschehen zu sein. Die Zuseher erleben aber nur einen vorgefilterten Ausschnitt aus der Realität.

„Der Sport wird als konkretes Geschehen erlebt, sind doch Siege und Ergebnisse stets mess- und vergleichbar. Der Sport wird als überschaubar erlebt, weil die Ereignisse stets von kurzer Dauer sind und die Ergebnisse in Siegerlisten oder Tabellen nachvollzogen werden können. Der Sport wird als nachvollziehbar erlebt, weil stets klar ist, wer die Gewinner und Verlierer sind.“ (Marschik 2002, S. 31)

Dies ist aber nur eine Wirkungsebene des Sportes, denn gleichzeitig konstruiert er auf einer abstrakten Ebene „Geschichten und Legenden von Stärke, Eleganz und Erfolg, von Ästhetik oder Zähigkeit.“ (Gebauer 1998, zit. nach Marschik 2002, S. 31)

„Sport reproduziert und produziert durch seine Mythen und besonders durch seine Heldenfiguren ein Wissen über die Welt, er kreiert oder verändert Wertvorstellungen und prägt oder relativiert Normensysteme.“ (Marschik 2002, S. 31)

Hackforth (1988, zit. nach Wendl 2005) unterscheidet zusätzlich zwischen Medienrealität und Rezipientenrealität. „Zahlreiche Interpretationen, Selektionen und Konstruktionen der Sportwirklichkeit führen zu einer Sportmedienrealität“ ... dazu gehören „die Überbewertung von einzelnen Sportarten ebenso wie die Vernachlässigung anderer Wettbewerbe und Themen.“

[...]

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Details

Titel
Sport als Unterhaltung
Untertitel
Mediensport im TV
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Forschungsseminar
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V88793
ISBN (eBook)
9783640102099
ISBN (Buch)
9783640113323
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport, Unterhaltung, Forschungsseminar
Arbeit zitieren
Bakk. Andrea Ludwig (Autor), 2008, Sport als Unterhaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88793

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