Politische Bildung in der Schule - Von der Reedukation zur Europabildung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politische Bildung in der Schule nach dem Nationalsozialismus

3. Europäische Bildung
3.1. Die „Europäische Dimension“ im Unterricht
3.2 KMK- Beschluss „Europa im Unterricht“
3.3. Bildungsprogramme in der Europäischen Union
3.4 Europa in den Lehrplänen und Schulbüchern für den Politikunterricht

4.Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

In der Schule als Staatliche Institution ist Politische Bildung immer auf das bestehende politische System bezogen gewesen. In Westdeutschland hat politische Bildung im letzten Jahrhundert unter vier verschiedenen politischen Systemen mit unterschiedlichen Zielen stattgefunden. Bis 1918 für eine Monarchie, bis 1933 für eine Demokratie, die Weimarer Republik, bis 1945 für eine Diktatur - den nationalsozialistischen Staat und danach für die Bundesrepublik Deutschland.

Beginnend mit der sog. Reedukation(Umerziehung) in den Besatzungszonen entwickelte sich die Schule nach der faschistischen Diktatur wieder zu einer demokratischen Institution, in der die Demokratie unter anderem mit Hilfe des Politikunterrichts aufgebaut werden sollte. Fortan erkannte man auch die Bedeutung der politischen Bildung und damit verbunden auch die Bedeutung des Fachs Politik. Welche Maßnahmen getroffen wurden und welche Auswirkung diese Maßnahmen für die weitere Entwicklung hatten, wird im zweiten Kapitel ausgearbeitet.

Die Entwicklungen im zusammenwachsenden Europa und speziell der europäischen Union stellten die Bildungsträger in Deutschland zunehmend vor die Aufgabe, Ihre Praxis auf europäische Themen und internationale Kooperationen auszurichten. Im dritten Teil dieser Arbeit wird die Europäische Bildung dargestellt. Welche Ziele hat die Europäische Bildung? Wie wird Europa in der Schule vermittelt? Welches Europa vermittelt europäische Bildung? Wie sieht die Bildung für und über Europa aus? Welche Schwierigkeiten gibt es dabei? Diese und andere Fragen werden im dritten Teil ausgearbeitet und im letzten Kapitel wird die Hausarbeit mit einer zusammenfassenden Beurteilung beendet.

2. Politische Bildung in der Schule nach dem Nationalsozialismus

Etwa 8,5 Millionen deutsche waren Mitglieder der NSDAP gewesen. Diese bildeten den Kern von Hitlers Parteigängern und mussten deswegen der Politischen Säuberung in Form von Entnazifizierung unterworfen werden. Von entscheidender Bedeutung war die Frage von welchem Geist die deutsche Jugend fortan erzogen werden Sollte. Außerdem galt es den Versuch zu wagen, die bis 1945 der NS –Erziehung ausgesetzten Jugendlichen vom Nationalsozialismus zu befreien. Schon lange vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches war von den verschiedensten Seiten her das NS – Erziehungswesen kritisch analysiert worden und es waren Pläne erarbeitet worden zur Beseitigung der durch die NS – Pädagogik geprägten Verhaltensweisen.

Schon in den Endjahren der Weimarer Zeit hatten sich deutsche und amerikanische Fachleute, die sich der vergleichenden Erziehungswissenschaften widmeten, intensiv mit den pädagogischen Problemen in beiden Ländern befasst, so dass es nicht an Wissen über die deutsche Entwicklung auf amerikanischer Seite fehlte[1].

Die Bedingung für das entwerfen von Projekten zur Reeducation(Umerziehung) war daher die Analyse der nationalsozialistischen Strömungen im Erziehungssystem, die auszumerzen waren. Den Amerikanern war es gelungen, ihre Alliierten aus der Kriegszeit auf ein einheitliches Programm festzulegen. Die Engländer waren bereit, gemeinsam mit den Amerikanern die Planung eines neuen „Erziehungssystems“ voranzutreiben.

Die zukünftigen Erziehungsoffiziere aus beiden Ländern berieten die Art des Eingreifens in das deutsche Erziehungswesen und kamen zum Entschluss, einen Großteil der anfallenden Arbeiten den deutschen zu übertragen.

Die Hauptaufgabe sahen die Erziehungsoffiziere zunächst in der Entlassung von Lehrern, die durch ihre Verbindung zum Nationalsozialismus und Militarismus belastet waren. Von 2648 Lehrern mussten 1228 aus dem Dienst ausscheiden[2]. Weiterhin machten die Erziehungsoffiziere in viertägigen Lehrgängen die zugelassenen Lehrer und Schulräte mit ihren Vorstellungen vertraut.

Im weiteren Verlauf wurde durch die Amerikaner eine Kommission gegründet, deren zehn Mitglieder Vertreter der verschiedensten Zweige des amerikanischen Erziehungswesens waren, dessen Vorsitzender G.F. Zook (Präsident des American Council of Education) war[3].

Der von der Kommission gelieferte Bericht wurde die Grundlage für die von den Amerikanern in Deutschland angestrebte Schulreform. Für die Mitglieder der

Zook – Kommission war eine Schulreform nur über den Weg der Gesellschaftsreform möglich. Hauptziel war die Übernahme des Prinzips der Gleichheit bezogen auf Menschen und Ideen. Demokratie als Lebensform wurde als Die Bedingung angesehen, um eine demokratische Regierungsweise zu erreichen.

Die deutsche Schule war aber nicht demokratisch. Ein entscheidendes Kriterium für den fehlenden demokratischen Charakter war die Kritik an der frühen Selektion nach dem vierten Schuljahr was als Grundlage für eine Klassengesellschaft gesehen wurde und dass es im Bildungswesen Sackgassen gab. Um den Übergang zu den verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten zu gewährleisten, sollte die Schule sämtliche Zweige enthalten, dies bedeutete bei der Verwirklichung die Einführung der Gesamtschule[4].

Dennoch konnten die Amerikaner nicht alle Ziele durchsetzen. Eine Hauptursache dafür war, dass erst verspätet ernsthaft der Versuch der Reeducation unternommen wurde. Dennoch stellt die Reeducation einen besonderen Beitrag für die Demokratisierung der Schule und bei der Bekämpfung der Xenophobie die während des Nationalsozialismus und seiner Lehre Ihren Höhepunkt erreicht hatte, dar.

Das Hauptinteresse der Zook – Kommission galt jedoch an der Gestaltung des Unterrichts.

Die Mitglieder der Kommission stellten fest, dass die Lehrpläne der Schulen mit Inhalten gefüllt waren, die nur in weiter Verbindung zum Leben standen und auch keine Beziehung zu den zukünftigen Bedürfnissen der Schüler hatten.

Die Aktivierung des Schülers zur tätigen Teilnahme am Lernprozess, vor allem in den Sozialwissenschaften war der Kommission eine Notwendigkeit auf dem Wege zur[5] demokratischen Mitarbeit im Gemeinwesen und der damit verbundenen Erfahrungen demokratischer Lebensformen[6].

Auch der Mangel an Selbstverwaltung viel der Kommission auf. Der Lehrer war zu sehr im Vordergrund und bestimmte dadurch das Verhalten der Schüler. Die Schulfächer sollten weiter beibehalten werden aber in einem anderen Sinne unterrichtet werden.

Der erste Beschluss der ständigen Konferenz der Kultusminister in den 1950er – Jahren sprach sich zwar für eine Politische Bildung aus, dieser sollte jedoch mit anderen Fächern Kombiniert werden. Bis 1964 konnte man acht Varianten zur Politischen Bildung

feststellen:

1. Sozialkunde als ordentliches Lehrfach sie ist gleichrangiges und gleichwertiges Fach neben anderen, hat einen eigenen Lehr- und Stundenplan, wird benotet und durch einen Fachlehrer vertreten.
2. Sozialkunde als Teilbereich eines Faches – zumeist der Geschichte oder der Geographie.
3. Sozialkunde als ein in mehreren Fächern integriertes Fach.
4. Sozialkunde als Prinzip, d.h. sie ist nicht Unterrichtsfach sondern soll als orientierende Maxime in aller Lehr- und Schularbeit wirksam werden.
5. Sozialkunde als Vergnügungsstunde( aktuelle Themen werden von Zeit zu zeit unterrichtet.
6. Sozialkunde als kursorischer Unterrichtsgang( maximal zwei, drei Wochen im Jahr).
7. Sozialkunde als Fächerkombination (Geographie, Geschichte, Sozialkunde zusammengenommen und als didaktische Einheit repräsentiert)
8. Sozial- und Wirtschaftskunde als Gymnasialer Schwerpunkt[7].

In den 1960er Jahren kam es schließlich in fast allen Bundesländern zur Einführung eines eigenen Schulfaches für politische Bildung. Von den Vertretern der ersten Generation(z. B Kurt Georg Fischer, Berngard Sutor) der Politikdidaktik haben mehrere Wissenschaftler didaktische Konzeptionen für den Politikunterricht erarbeitet und bis im die 90er Jahre weiterentwickelt.

[...]


[1] Schlander, Otto: Reeducation – ein politisch- pädagogisches Prinzip im Widerstreit der Gruppen. Frankfurt

am Main 1975,

[2] Ebd.,

[3] Ebd.,

[4] Schlander, Otto: Reeducation – ein politisch- pädagogisches Prinzip im Widerstreit der Gruppen. Frankfurt am Main 1975,

[5] Ebd.,

[7] Sander, Wolfgang: Politik in der Schule. Kleine Geschichte der politischen Bildung in Deutschland.

Marburg, 2004

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Politische Bildung in der Schule - Von der Reedukation zur Europabildung
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Die Gute Schule
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V88801
ISBN (eBook)
9783638032209
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politische, Bildung, Schule, Reedukation, Europabildung, Gute
Arbeit zitieren
Yener Kisin (Autor), 2005, Politische Bildung in der Schule - Von der Reedukation zur Europabildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88801

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