Die Arbeit beschreibt die Standardiesierung der deutschen Schriftsprache seit dem 15. Jahrhundert bis heute. Hierbei wird besonders auf die Auswirkungen der Erfindung des Buchdrucks eingegangen. Anschließend werden Destandardisierungstendezen der heutigen Zeit beschrieben, wobei besonders die Chatkommunikation und die Nutzung von Anglizismen hervorgehoben werden.
Inhaltsverzeichnis
1 – Einleitung
2 – Zur Standardisierung der deutschen Schriftsprache
2.1 Die Auswirkungen des Buchdrucks
2.2 Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache
3 – Destandardisierungstendezen
3.1 Nonstandard
3.2 Die Chatkommunikation
3.2.1 Anglizismen
3.2.2 Sprachökonomie
3.2.3 Ausdrücken von Handlungen, Zuständen und Emotionen
3.3 Netspeak?
4 – Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den historischen Prozess der Standardisierung der deutschen Schriftsprache, ausgehend vom Buchdruck und dem Wirken Martin Luthers, und stellt diesen einer gegenläufigen, rezenten Destandardisierungstendenz im Bereich der digitalen Kommunikation gegenüber.
- Historische Entwicklung der deutschen Schriftsprache durch den Buchdruck
- Die Rolle Luthers bei der Herausbildung einer einheitlichen Norm
- Phänomene der Destandardisierung im digitalen Raum
- Analyse der Chatkommunikation hinsichtlich Anglizismen und Sprachökonomie
- Definition und Einordnung von "Nonstandard" und "Netspeak"
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Anglizismen
Das Internet hat maßgeblich zur Übernahme vieler Anglizismen in die deutsche Sprache beigetragen. Es existieren allein zahlreiche Entlehnung aus dem Englischen, welche zu einer Art ‚Internetwortschatz‘ zu zählen sind, wie beispielsweise ‚Homepage‘, ‚Provider‘, ‚Email‘ oder sogar das Objekt dieser Untersuchung, das ‚Internet‘, selbst. „Die Integration von Anglizismen in die deutsche Allgemeinsprache ist ein sehr komplexes Feld“50, daher werden englische Begriffe oft ins Deutsche transferiert oder man ordnet ihnen eine Lehnübersetzung zu. Die Befürchtung, „die deutsche Sprache werde durch das Internet in noch stärkerem Maße als bisher schon von einer ‚hereinbrechenden Flut von Anglizismen […]‘ bedroht, [kann jedoch] als relativ unbegründet erachtet werden“51.
Daher soll hier im Bezug auf die Sprache in Chatrooms auf die Nutzung von Anglizismen anstelle von deutschen Worten eingegangen werden, also die ‚gewollte‘ Destandardisierung der Sprache im Internet, nicht durch das Internet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 – Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Sprache für die menschliche Identität und skizziert den Wandel von einer Vielzahl an Dialekten hin zu einer vereinheitlichten Schriftsprache.
2 – Zur Standardisierung der deutschen Schriftsprache: Dieses Kapitel analysiert den Einfluss des Buchdrucks und die prägende Rolle Martin Luthers bei der Etablierung des Neuhochdeutschen.
2.1 Die Auswirkungen des Buchdrucks: Hier wird dargelegt, wie die technische Innovation des Buchdrucks die Alphabetisierung förderte und die Verbreitung überregionaler Standards ermöglichte.
2.2 Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache: Dieser Abschnitt beschreibt die Überwindung regionaler Sprachbarrieren und den langwierigen Prozess zur Herausbildung einer einheitlichen Norm.
3 – Destandardisierungstendezen: Das Kapitel führt in aktuelle Entwicklungen ein, die von der schriftsprachlichen Norm abweichen, wobei der Fokus auf der Internetkommunikation liegt.
3.1 Nonstandard: Es erfolgt eine wissenschaftliche Definition des Begriffs Nonstandard und dessen Abgrenzung zum Substandard.
3.2 Die Chatkommunikation: Der Abschnitt untersucht die spezifischen Merkmale der Chat-Sprache, die durch eine Symbiose aus Schrift und konzeptueller Mündlichkeit gekennzeichnet ist.
3.2.1 Anglizismen: Dieses Unterkapitel befasst sich mit den Ursachen für die Integration englischer Begriffe in die digitale deutsche Alltagssprache.
3.2.2 Sprachökonomie: Hier wird analysiert, wie durch minimale sprachliche Aufwände, wie Kurzwörter oder Kleinschreibung, die Kommunikationseffizienz in Chats gesteigert wird.
3.2.3 Ausdrücken von Handlungen, Zuständen und Emotionen: Dieser Teil widmet sich dem Einsatz von Emoticons und Inflektiven als Ersatz für prosodische Mittel in der digitalen Textkommunikation.
3.3 Netspeak?: Die abschließende Einordnung der digitalen Sprache erfolgt unter der Fragestellung, ob es sich um eine eigenständige, kodifizierte "Netspeak" handelt.
4 – Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Chatkommunikation keine ernsthafte Bedrohung für den schriftsprachlichen Standard darstellt.
Schlüsselwörter
Standardisierung, Destandardisierung, Schriftsprache, Buchdruck, Martin Luther, Chatkommunikation, Nonstandard, Anglizismen, Sprachökonomie, Netspeak, Internet, Sprachwandel, Neuhochdeutsch, Linguistik, digitale Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den spannungsreichen Prozess der Entstehung und der heutigen Destandardisierung der deutschen Schriftsprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Sprachgeschichte (Buchdruck, Luther) sowie der modernen Sprachvarietätenbildung im Internet.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die deutsche Schriftsprache historisch entwickelt hat und ob moderne Tendenzen im Chat das Potenzial haben, diesen Standard langfristig zu verändern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine linguistische Literaturarbeit, die auf Basis bestehender theoretischer Modelle und Begriffsdefinitionen eine aktuelle kommunikative Erscheinungsform analysiert.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung des Neuhochdeutschen und die detaillierte Untersuchung der Chat-Sprache anhand von Anglizismen, Sprachökonomie und Emoticons.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Standardisierung, Destandardisierung, Sprachökonomie, Chatkommunikation und der Begriff des Nonstandards.
Warum spielt Martin Luther eine so zentrale Rolle im Text?
Luther wird als maßgeblicher Wegbereiter für eine einheitliche deutsche Schriftsprache angeführt, deren Autorität und Sprachwahl die spätere Normierung nachhaltig beeinflussten.
Was unterscheidet den "Nonstandard" von einem regulären Dialekt?
Während ein Dialekt historisch legitimiert ist, beschreibt die Arbeit den Nonstandard in Chats als eine nicht fest kodifizierte, aber überregional genutzte Ausdrucksform bestimmter sozialer Gruppen.
Beeinflussen Anglizismen den Standard nachhaltig?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Integration von Anglizismen zwar in Chats häufig vorkommt, aber keine Bedrohung für den schriftsprachlichen Standard darstellt.
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- Alice Fleischmann (Author), 2007, Standardisierung und Destandardisierung der deutschen Schriftsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88816