Peisistratos von Athen und seine Wege zur Machtergreifung als Tyrann


Hausarbeit, 2006

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Grundvoraussetzungen

3. Die Machtergreifungen von Peisistratos
3.1. Die erste Tyrannis
3.2. Die zweite Tyrannis
3.3. Das Handeln Peisistratos’ zwischen zweiter und dritter Tyrannis
3.4. Die dritte Tyrannis

4. Die Mittel der Aufrechterhaltung
4.1. Die Folgen für den Adel
4.2. Die Folgen für die Bauern
4.3. Die Folgen für die besitzlose Stadtbevölkerung

5. Die Persönlichkeit des Peisistratos

6. Die Beziehung Peisistratos’ zur Polis Athen

7. Die Religion

8. Die Außenpolitik Peisistratos’

9. Die Zusammenfassung

Bibliographie

1. Einleitung

Gegen Ende des siebten Jahrhunderts vor Christus lassen sich die Anfänge der tyrannischen Herrschaft datieren. Die Gründe für eine Tyrannis liegen im Allgemein in der Stasis innerhalb der Aristokratie. Eine solche Auseinandersetzung endet unter bestimmten Bedingungen darin, dass sich ein Einzelner aus der Oberschicht gegen seine Gegnerschaft durchsetzt und eine Alleinherrschaft bildet.

In der folgenden Arbeit sollen Peisistratos von Athen und seine Wege zur Machtergreifung als Tyrann aufgezeigt werden. Peisistratos bietet sich für diese Arbeit an, weil er drei verschiedene Versuche braucht und erst im dritten die Macht ganz und gar an sich reißen kann. Welche Mittel benötigt Peisistratos also, um endgültig Tyrann in Athen zu werden und zu bleiben? Welche Tricks wendet er an? Warum gelingt es ihm zweimal an die Macht zu kommen, selbige aber schnell wieder zu verlieren? Sehr viel interessanter ist noch die Frage, ob Peisistratos weiter versucht hat, wie Solon, den Polisgedanken und die Gemeinschaft in gewissem Maße zu fördern. Kann man die attische Tyrannis auf langfristige Sicht als Helfer für die spätere Demokratie betrachten?

Peisistratos wird um 600 v. Chr. wahrscheinlich in Brauron als Sohn eines Adelsgeschlechts geboren. Über seine Jugendzeit sind keine Aufzeichnungen erhalten. Erst um 560 v. Chr. taucht Peisistratos wieder auf. Nämlich als griechischer Heerführer. Er feiert große militärische Erfolge. Peisistratos erobert unter anderem den Hafen von Megara und Nisaia.[1] Als Befehlshaber im Feldzug gegen die Megarer und durch andere „große Taten“ erwirbt er beträchtlichen Ruhm und allgemeines Ansehen.[2]

Diese militärischen Erfolge möchte er auch in politische umwandeln und Herrscher von Athen werden. Doch dies bedarf einiger Grundvoraussetzungen, die im folgenden Teil geklärt werden sollen. Die Tyrannis des Peisistratos wird jedenfalls der entscheidende Wendepunkt in der Geschichte der athenischen Elite sein.[3]

2. Grundvoraussetzungen

Seit 640 v. Chr. sind die Kleinbauern Athens sehr unzufrieden. Eine Bodenreform ist überfällig. Doch die Herrscher reagieren nicht. Infolge der Vererbungspraxis teilt sich das Land in immer kleinere Teile auf. Jeder Erbe bekommt einen Teil zugestanden.

Kylon versucht 636 v. Chr. die Macht auf der Grundlage von Kameradschaft zu anderen Adligen an sich zu reißen. Doch das Volk wendet sich schnell gegen ihn. Es kommt zum Kampf. Kylon und seine Anhänger fliehen auf die Akropolis in den Tempelbereich. Dort wähnen sie sich in Sicherheit. Der Adel unter Führung der Alkmeoniden tötet Kylons Verbündete trotzdem. Er selbst kann fliehen. Von nun an liegt auf dem Geschlecht der Alkmeoniden eine Blutschuld. Sie haben im heiligen Tempelberich, wo keine Waffen und Gewalt erlaubt sind, gemordet.[4] Diese Verletzung der Asylie und und das folgende Urteil, die Verbannung des Archons Megakles aus dem Geschlecht der Alkmeoniden, wird im weiteren Verlauf noch eine Rolle spielen.

Solon versucht mit seinen Reformen um 594/3 v. Chr., den Kleinbauern die Lage zu erleichtern. Doch diese Reformen bannen die Krise nicht. Es kommt nicht zur Aufteilung des Bodens. Solon kann sich nicht ganz gegen den mächtigen Adel durchsetzen. Er entwirft auch Gesetze gegen die Tyrannis.[5]

3. Die Machtergreifungen von Peisistratos

Sowohl Herodot, als auch Aristoteles wissen von drei Gruppierungen in der athenischen Bevölkerung; Pediaker, Paralier und Diakrier oder Hyperakrier. Sie werden auf drei große landschaftliche Räume Attikas bezogen. Von Herodot werden die Gruppen mit einzelnen adligen Führern verbunden. Aristoteles macht aus ihnen drei politische Gruppen mit unterschiedlichen Verfassungswünschen: Oligarchie, gemäßigte Verfassung und Demokratie. Die ältere Forschung rekonstruiert daher, dass Peisistratos Führer der Dikarier und seine Herrschaft bauernfreundlich ist. Andere sehen eher den bei Herodot deutlich werdenden Zusammenhang der inneren Unruhen mit unterschiedlichen Gebieten Attikas als Hinweis darauf, dass es sich um Kämpfe zwischen Adligen handelt. Sie sehen die Tyrannis aus einer Stasis adliger Häuser entstehen, die sich jeweils auf regionale Kräfte stützt.[6]

„Es gab drei Parteiungen: als erste die Küstenbewohner (parálioi), die Megakles, der Sohn des Alkmeon, anführte, und die am ehesten als Verfechter einer mittleren Verfassung galten; als zweite die Bewohner der Ebene (pediakoí), die die Oligarchie anstrebten, ihr Führer war Lykurg; als dritte die Bewohner des Hügellandes (diakrioí), die Peisistratos folgten, der für den volksfreundlichsten gehalten wurde“[7]. Arme Bauern und Lohnarbeiter, also das einfache Volk, sind die Anhänger des Peisistratos. Die genannten drei Führer sind auch die mächtigsten Männer Athens. Durch Peisistratos’ Sieg gegen Megara gewinnt er eine noch größere Anhängerschaft.[8]

3.1. Die erste Tyrannis

Mit Hilfe eines Tricks gelingt ihm nun die Machtübernahme. Angeblich fügt er sich selbst eine Verwundung zu. Bei seiner Rückkehr nach Athen wird ihm eine Leibwache zugestanden. Dies war ein großes Machtzeichen. Mit der Einbildung, das Volk hinter sich stehen zu haben, besetzt Peisistratos die Akropolis. Damit wird er erstmals Tyrann in seiner Heimat Athen.[9]

Sofort verlassen einige Adlige das Land. Sie hatten Angst, als Gegner des Tyrannen getötet zu werden. Die Verfassung von Solon bleibt bestehen. Peisistratos’ erste Herrschaft ist allerdings nicht von großer Dauer. Welwei schreibt sogar, dass diese Besetzung der Akropolis nicht gleichbedeutend mit der Errichtung einer Tyrannis ist.[10] Lykurgos und Megakles schließen sich jedenfalls zusammen und beenden die Tyrannis noch im selben Jahr. Die Tyrannisgesetze von Solon greifen nicht. Das Ende dieser ersten Tyrannis ist sehr milde. Peisistratos darf wahrscheinlich sogar in Attika, vielleicht in Brauron, bleiben.[11] Dieser erste Versuch zeigt, dass die Stasisgruppierungen trotz allem intakt bleiben. Zwar ist ihr Bündnis durch die Leibwache und die Akropolisbesetzung für kurze Zeit machtlos, aber letztendlich ist es stärker als die peisistratidische Anhängerschaft. Peisistratos kann nicht genug Gefolgsleute für sein Hauptziel auf seine Seite bringen. Ohne Probleme kann eine adlige Allianz, ohne die Unterstützung politischer Institutionen, den Tyrannen aus der Stadt werfen. Peisistratos überschätzt die Zustimmung der Volksversammlung für seine weiteren Aktivitäten. Seine erste Alleinherrschaft ist von kurzer Dauer und sehr ineffektiv.[12] „Das Bedürfnis nach einem ‚starken Mann’ bestand offensichtlich nicht.“[13] Trotzdem ist zu beachten, dass Peisistratos im Gegensatz zu seinen Konkurrenten versteht, über die normal begrenzte Anhängerschaft hinaus, beträchtliche Teile des Demos wenigstens kurzfristig zu mobilisieren.[14]

3.2. Die zweite Tyrannis

Sehr bald, versucht Peisistratos ein zweites Mal Herrscher zu werden, nämlich um 558 v. Chr. Megakles, der ihn gerade noch stürzte, bietet ihm nun seine Hilfe an. Peisistratos soll dessen Tochter Koisyra heiraten. Er führt schon vorher zwei Ehen. Mitte der sechziger Jahre heiratet er eine Athenerin. Sie bringt drei Söhne von ihm zur Welt: Hippias, Hipparchos und Thessalos, sowie eine Tochter. Neben dieser Gattin besitzt er eine nichtheimische Frau, Timonassa aus Argos. Sie schenkt dem Peisistratos zwei Söhne, Hegesistratos und Iophon, von denen der Erste vor 560 v. Chr geboren sein muss.[15] Dieses Angebot der Unterstützung von Megakles hängt sicher mit eigenen Hoffnungen zusammen. Wahrscheinlich dachte er nach einer erneuten Machtübernahme des Peisistratos selbst einen hohen Posten zu bekommen oder mit ihm gleichgestellt zu sein. Megakles sichert so auch die Stellung der Familie durch Enkelkinder ab. Doch Peisistratos vollzieht die Ehe mit der Tochter des Megakles im Hinblick auf seine heranwachsenden Söhne nicht.[16] Hinzu kommt die Blutschuld, welche auf dem Geschlecht der Alkmeoniden liegt. Vielleicht will Peisistratos deshalb keine Ehe und Kinder mit Koisyra.

Peisistratos kehrt also in die Stadt zurück und wird zum zweiten Mal Herrscher über Athen. Auch hier schreibt Welwei erneut, dass wiederum von einer Tyrannis des Peisistratos gar keine Rede sein kann.[17] Zuvor hat er verbreiten lassen, die Göttin Athena selbst werde ihn in die Stadt geleiten. Er staffiert ein Mädchen namens Phye als Athena aus. Sie ist die Tochter des Sokrates aus dem Bezirk Paiania. Vor den Augen des staunenden Volkes begleitet sie Peisistratos hinauf zur Burg, die er wiederum in Besitz nimmt. Die Einwohner beten die Frau sogar an. Sie glauben, sie sei wirklich die Göttin Athena. „Über das törichte Verhalten der Athener während des zweiten Putschversuchs von Peisistratos kann Herodot nur sein äußerstes Befremden zum Ausdruck bringen. Eigentlich, so meint er, unterschieden sich die Griechen von den Nichtgriechen seit alters her dadurch, dass sie klüger seien und sich stärker von der naiven Einfalt gelöst hätten“.[18] Linke schreibt: „Die ältere Forschung sah zumeist in Übereinstimmung mit dem griechischen Historiker eine leicht zu durchschauende politische Inszenierung, die auf einer Manipulation der religiösen Einstellung der breiten Bevölkerungsmasse basierte. Hintergrund für den Erfolg seien die in der Volksreligion noch fortwirkende Reste einer ‚primitiven’ Religionsauffassung gewesen“[19]. „In der neueren Forschung zum archaischen Griechenland wird die hohe Bedeutung der Religion für die kollektive Identität der griechischen Polisgemeinschaften nachdrücklich hervorgehoben. Erstaunlich ist jedoch, dass trotz dieser engen Verwobenheit von kollektiver Selbstwahrnehmung und religiösem Leben die religiöse Sphäre kaum zur Legitimation von Herrschaft genutzt wurde.“[20] Peisistratos’ zweiter Putschversuch ist also eine Ausnahme. Zudem scheitert er ja auch. Bei Loretana de Libero findet die zweite Tyrannis des Peisistratos nicht soviel Beachtung. Zumindest nicht wie bei Helmut Berve. Sie geht davon aus, dass die zweite Machtübernahme in das Reich der Mythen gehöre und diese Geschichte Herodot nur als Ausschmückung diente. Sozusagen als Beweis für die Pfiffigkeit und den Einfallsreichtum des Peisistratos und die Gottesfurcht der Athener.[21]

[...]


[1] Vgl. Berve, Helmut: Die Tyrannis bei den Griechen, erster Band, München 1967, S. 47.

[2] Stein-Hölkeskamp, Elke: Adelskultur und Polisgesellschaft, S. 139.

[3] Ebd.

[4] Vgl. Berve, S. 42.

[5] Vgl. ebd., S. 45.

[6] Vgl. Bleicken, Jochen: Die athenische Demokratie, S. 516-517.

[7] Arist. Ath. Pol. 13,4.

[8] Vgl. ebd., 14,1.

[9] Vgl. ebd.

[10] Welwei, Karl-Wilhelm: Athen. Vom neolithischen Siedlungsplatz zur archaischen Großpolis. S. 227

[11] Vgl. Berve, S. 48.

[12] Vgl. Libero, Loretana De: Die Archaische Tyrannis. Stuttgart 1996, S. 59.

[13] Ebd.

[14] Stein-Hölkeskamp, S. 142.

[15] Vgl. Berve, S. 49.

[16] Vgl. ebd., S. 49.

[17] Vgl. Welwei, S. 227

[18] Linke, Bernhard: Religion und Herrschaft im archaischen Griechenland. In: Historische Zeitschrift Band 280 (2005), S. 2.

[19] Ebd.

[20] Ebd., S. 37.

[21] Vgl. Libero, S. 59.

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Details

Titel
Peisistratos von Athen und seine Wege zur Machtergreifung als Tyrann
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V88818
ISBN (eBook)
9783638071307
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peisistratos
Arbeit zitieren
Michael Behrens (Autor), 2006, Peisistratos von Athen und seine Wege zur Machtergreifung als Tyrann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88818

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