Die Komplexität des Verhältnisses zwischen Bürgertum und Adel und ‚Le Bourgeois gentilhomme’

Molières Werke


Seminararbeit, 2006

17 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Politik Ludwigs XIV
1.1. allgemein
1.2. Die Stellung des Adels
1.3. Die Entmachtung des Adels – Der Aufstieg des Bürgertums
1.4. Der Einfluss Ludwigs XIV. auf die französische Revolution

2. Der Hof unter Ludwig XIV
2.1. Die Sitten des Hofes
2.2. Hoffeste
2.3. Das Theater und Molière

3. Bildung und Literatur
3.1. Die Salons
3.2. Die Sprache

4. Ein neues Idealbild: Der honnête homme - die honnêteté

5. „Le Bourgeois gentilhomme“
5.1. Entstehung und Inhalt
5.2. Wie kann man das Gespräch zwischen Dorante und Madame Jourdain analysieren? (III, 5)
5.3. Woran kann man sehen, dass Cléonte die ideale Gegenfigur zu Monsieur Jourdain ist? (III, 12)

6. Thematik Molières immer noch aktuell?!

Bibliographie
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Internetseiten

Jean-Baptiste Poquelin, der als Schauspieler den Namen Molière annahm, wurde im Januar 1622 in Paris geboren. Nachdem er einige Jahre lang mit einer Theatergruppe herumgereist war, gelangten seine ersten Farcen und Komödien zur Aufführung.

Molière erfreute sich fast ununterbrochen der Gunst Ludwigs XIV., vor dem er oft spielen musste und in dessen Auftrag er seine Komödien und Schauspiele verfasste.

Auch das comédie-ballet „Le Bourgeois gentilhomme“, das am 14. Oktober 1670 in Chambord uraufgeführt wurde, war ein Auftragsstück des Königs.

Im Wörterbuch von Furetière wird Bourgeois wie folgt definiert: „…un homme peu galant, peu spirituel, qui vit et raisonne à la maniere du bas peuple“. Außerdem wurde der Ausdruck bourgeois zur Zeit Molières auch oft als Schimpfwort gebraucht.

In einem Lexikon über die Sprache Molières von Livet findet man unter gentilhomme die Erklärung: „Un personnage noble pouvait n’être pas gentilhomme, si la noblesse, par exemple, lui avait été conférée, comme aujourd’hui la croix de la Légion d’honneur, après vingt ans de services dans certains emplois, ou pour toute autre cause; mais le gentilhomme, c’est-à-dire le noble de naissance, était toujours et nécessairement noble.“

Man sieht also bereits beim Betrachten des Titels, dass er in gewisser Weise in einem Widerspruch steht, da er die Begriffe bourgeois und gentilhomme vereinbaren möchte, was aber nicht wirklich möglich ist.

Dies führt zum eigentlichen Thema dieser Seminararbeit, nämlich der Komplexität zwischen dem Adel und dem Bürgertum zur Zeit Molières.

1. Die Politik Ludwigs XIV.

1.1. allgemein

Das zentrale politische Problem des 17. Jahrhunderts war die Einigung Frankreichs unter einem allseits anerkannten König.

Dieser Prozess kam 1661 mit der Machtübernahme Ludwig XIV. zu einem Abschluss. Doch bis dahin war ein langer Weg:

Mit dem Tod Ludwigs XII. im Jahre 1643 beginnt eine neue Regentschaft. Seine Frau Anna von Österreich führte zusammen mit dem Kardinal Mazarin bis zu dessen Tod 1661 die Regierungsgeschäfte für den damals gerade einmal 5-jährigen Ludwig XIV.

Was die Kindheit Ludwigs XIV. sehr beeinflusst hatte, war die sogenannte Fronde. Die Fronde war die Auflehnung des Hochadels, der hohen Richterschaft der Parlements (vor allem des Pariser Parlements) und Teilen des Volkes gegenüber der königlichen Herrschaft. Die Fronde konnte in zwei Phasen eingeteilt werden: Die Fronde parlementaire (1648-1649) war die Revolte der bürgerlichen Juristenschicht und einiger mit ihr verbundener königlicher Offiziere, die sich gegen die immer stärkere Beschneidung ihres politischen Einflusses auflehnten. Die Fronde des Princes (1649-1652) bedeutete den Versuch mancher Adliger, die Interessen mit den Mitteln des Krieges zu verteidigen. Die Zentralgewalt sah sich 1650 stark genug jene ‚Princes’, also die Angehörigen des mit der Königsfamilie verwandten oder verschwägerten Hochadels, inhaftieren zu lassen, die das entstandene Machtvakuum zur Erweiterung ihrer Einflusssphäre nutzen wollten.

Aus der Niederschlagung der Fronde ging die Monarchie gestärkt hervor. Die Fronde war sowohl politisch, als auch mentalitätsgeschichtlich gesehen, der wichtigste Einschnitt in der Geschichte Frankreichs im 17. Jahrhundert.

Der Absolutismus, der in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden war, erreichte unter Ludwig XIV. seinen Höhepunkt. Ihm gelang es, alle anderen Gewalten im Staat zu entmachten

Ludwig XIV. regierte zwar mit Hilfe eines Kronrates, trotzdem aber hatten Minister keine Chance, die Zügel an sich zu reißen, da er es war, der die Richtlinien bestimmte. Die Mitglieder dieses Kronrates entstammten vorzugsweise dem Bürgertum.

Unter Ludwig XIV. verloren die Parlamente jegliche politische Bedeutung. Dadurch, dass sie aber die juristische Macht behalten durften, fühlten sie sich zu keinem Zeitpunkt der Herrschaft Ludwigs XIV. bedroht.

Dass Ludwig XIV. auch heute noch unvergessen ist, zeigen einige seiner eindrucksvollen Bauwerke, die noch immer zu bewundern sind. Man denke da nur an das Schloss von Versailles. Vor allem durch dieses Bauwerk hat Ludwig XIV. schon damals seine gewaltige Macht aufzeigen wollen – und das nicht nur in Frankreich. Hier macht sich die große Verschwendungssucht des Sonnenkönigs deutlich. Allein dieses Schloss hatte bereits bis zum Jahre 1690 was Bauten, Ausstattung, Dekoration, Gärten und Aquädukte betrifft, zweihundert Millionen Francs verschlungen.

Ein weiteres Indiz dafür, dass ihm nichts zu teuer war, was seine Macht demonstrierte, zeigte sich am Heer Frankreichs. Ludwig XIV. war einer der ersten Monarchen, der sich nicht nur auf gekaufte Söldner oder Zeitsoldaten verließ, sondern ein großes stehendes Heer unterhielt. Diese circa 15.000 Mann starke Armee, bestehend aus allen möglichen Waffengattungen, war im Land verteilt und sollte, wenn notwendig, den inneren Frieden sichern.

Frankreich verfügte so über ein jederzeit schlagkräftiges und einsatzbereites Heer, das durch unablässigen Drill auch für damalige Verhältnisse extrem diszipliniert und erfahren war.

Verwunderlich ist es daher nicht, dass Ludwig XIV. mit seinem Tod ein total verarmtes Land und ein im Schatten höfischen Prunks verelendetes Volk hinterließ. Allein die jährlichen Zinsen für die Staatsschuld waren in Frankreich 1715 größer als die laufenden Staatseinnahmen.

1.2. Die Stellung des Adels

In keinem anderen Land Europas hat der Adel die Form bürgerlicher Kultur so sehr beeinflusst wie in Frankreich. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts entstand zwischen dem Bürgertum und dem Adel eine neue, in ihrer sozialen Herkunft relativ heterogene Schicht. Und das passierte, indem sich reiche Rentiers, also Menschen, die von ihrem Vermögen leben, und Kaufmannssöhne in königliche Ämter einkauften und einen adeligen Lebensstil zu pflegen begannen. Gleichzeitig grenzten sie sich durch die Pflege humanistischer Bildung einerseits vom hohen Pariser Adel, andererseits vom kleinen Provinzadel kulturell entschieden ab.

Die Zulassung zum Hof bedeutete für den Adel den Eintritt in die königliche Hausgemeinschaft: Wer eine Rolle im Königreich spielen, Hof- oder Regierungsämter übernehmen wollte, musste am Hof präsent sein. Aufgrund des teuren und aufwändigen Lebensstils hat dies viele ärmere Adlige in den finanziellen Ruin getrieben. Um diesen zu kontrollieren, hat Ludwig XIV. Versailles sozusagen zu einem goldenen Käfig für den Adel gemacht.

1.3. Die Entmachtung des Adels – Der Aufstieg des Bürgertums

Da die Erinnerung an die Fronde die Kindheit sowie die Anfangszeit der Regierung Ludwigs bestimmt hatten, wollte er vermeiden, dass der Hochadel sich unter seiner Herrschaft ein weiteres Mal auflehnen konnte. Ludwig XIV. brauchte die Unterstützung des Bürgertums im Kampf um die Entmachtung der großen Feudalherren und so beschloss Ludwig XIV., dem Adel sämtliche Rechte zu entziehen. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass Ludwigs erste Amtshandlung die Verhaftung des adligen Finanzminister Foucquet und dessen Ablösung durch den bürgerlichen Colbert, war.

Ludwig XIV. verdrängte den hohen Adel erfolgreich aus der geburtsrechtlichen Teilhabe an der Regierungsverantwortlichkeit und besetzte die hohen Ämter mit Männern seiner Wahl und seines Vertrauens.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Komplexität des Verhältnisses zwischen Bürgertum und Adel und ‚Le Bourgeois gentilhomme’
Untertitel
Molières Werke
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Veranstaltung
Molière
Note
1,8
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V88885
ISBN (eBook)
9783638034883
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Komplexität, Verhältnisses, Bürgertum, Adel, Bourgeois, Molière
Arbeit zitieren
Verena Bauer (Autor), 2006, Die Komplexität des Verhältnisses zwischen Bürgertum und Adel und ‚Le Bourgeois gentilhomme’, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88885

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