Ein kurzer Überblick über den demographischen Wandel in Deutschland

Darstellung und Experteninterview


Facharbeit (Schule), 2020

17 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition des Begriffs „demographischer Wandel“

3 Darstellung der zukünftigen Problematik des demographischen Wandels

4 Experteninterview mit dem Demographiebeauftragten Herr B. aus Düren

5 Verschiedene Methoden zum Umgang mit dem demographischen Wandel

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Der 20. März 1884: ein Tag, welcher die Geschichte des heutigen Deutschlands grundlegend verändern sollte. Als Reaktion auf die damalige „soziale Frage“ stellte Otto von Bismarck die „Sozialgesetzgebung“ vor.

Als Folge der Industrialisierung sowie der Urbanisierung waren die Wohn- beziehungsweise Arbeitsbedingungen der Arbeiterschicht schlecht. Absicherungen wie eine Renten- oder Unfallversicherung besaßen die Arbeiter nicht. Doch dies sollte sich nun ändern. In der „Sozialgesetzgebung“ Bismarcks findet sich die Grundidee der heutigen Rentenversicherung.

„Der eigentliche Beschwerdepunkt des Arbeiters ist die Unsicherheit seiner Existenz; er ist nicht sicher, dass er immer gesund ist, und er sieht voraus, dass er einmal alt und arbeitsunfähig sein wird.“1

Aus heutiger Sicht betrachtet, war dies der Punkt, an dem ein bis dahin unbekanntes System eingeführt wurde: Die Altersvorsorge. Doch niemand wusste, vor welche Probleme uns ein Phänomen stellen würde, das die Bevölkerung Deutschlands sicherlich noch langfristig beschäftigen wird: der demographische Wandel.

Viele weitere Probleme gehen mit dem demographischen Wandel einher, wie im Verlauf dieser Arbeit gezeigt werden wird. Diese werden die Zukunft Deutschlands mit hoher Wahrscheinlichkeit unmittelbar betreffen und die Bevölkerung sowie die Politik vor eine exorbitante Aufgabe stellen.

Diese Facharbeit umfasst eine detaillierte, umfassende Definition des Begriffs demographischer Wandel und behandelt die Probleme, die mit dem demographischen Wandel einhergehen. Weiterhin beinhaltet sie eine Befragung des Dürener Demographiebeauftragten Herr B., der seine Einschätzung und Expertenmeinung abgibt.

2 Definition des Begriffs „demographischer Wandel“

Zum Verständnis des demographischen Wandels ist es essenziell, einige Definitionen und Grundbausteine der Demografie zu kennen und zu verstehen.

Die Demografie kann als Bevölkerungswissenschaft charakterisiert werden. Ziel ist die Beobachtung und Erklärung der Struktur einer Bevölkerung sowie das Erkennen einer auffälligen Entwicklung. Hierbei sind folgende Instrumente notwendig: Die Geburten- beziehungsweise Sterberate und die daraus resultierende Zuwachsrate, die Lebenserwartung, sowie das Wanderungssaldo2. Zu Beginn sollen diese Begriffe definiert und erläutert werden.

Die Geburtenziffer beschreibt die Anzahl der geborenen Kinder pro 1.000 Einwohner (Männer, Frauen und Kinder) in einem Jahr (absolute Zahl aller Geburten pro 1.000 Einwohner). Die Einheit dieser Größe ist „Promille“3. Jedoch muss man differenzieren: es kann sowohl die absolute Zahl aller Geburten, beziehungsweise deren Verhältnis zur Gesamtbevölkerung (beispielsweise pro 1000 Einwohner), als auch die zusammengefasste Geburtenziffer4 betrachtet werden. Die zusammengefasste Geburtenziffer setzt die Anzahl der Geburten ins Verhältnis zur Anzahl der Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren. Man kann so ermitteln, wie viele Kinder eine Frau einer bestimmten Alterskohorte5 (zwischen 15 und 49 Jahren) im Laufe ihres Lebens im Schnitt bekäme. Die vorhin genannten Werte sind die am häufigsten verwendeten Größen, wenn es um die „Geburtenrate“ geht, weshalb es wichtig ist, den Unterschied zu kennen.

Die Sterberate, auch „Mortalität“ genannt, beschreibt die Anzahl der Verstorbenen pro 1.000 Einwohnern innerhalb eines Jahres. Die Einheit hierbei ist ebenfalls „Promille“. Auch hier ist es möglich, die Mortalität einzelner Alterskohorten zu erfassen, wie es beispielsweise bei der Ermittlung der Kindersterblichkeit der Fall ist.

Die Zuwachsrate eines Staates oder einer bestimmten Region wird durch die Differenz aus Geburtenrate und Sterberate gebildet. Ist diese positiv, kann man von einem Bevölkerungswachstum sprechen. Ist die Zuwachsrate jedoch negativ, so spricht man von einer Bevölkerungsdezimierung.

Als Letztes wird die Lebenserwartung genauer betrachtet. Sie steht in enger Verbindung mit der Starberate. Generell gesagt beschreibt die Lebenserwartung, wie lange ein neugeborenes Kind im Durchschnitt lebt, wenn es über seine zukünftige Lebensspanne hinweg in jedem Jahr dem momentanen Sterberisiko seiner jeweiligen Alterskohorte unterläge. Geht man also nun vom ersten Lebensjahr an aufwärts und berechnet die jeweiligen Überlebenswahrscheinlichkeiten vom ersten bis zu jedem höheren Lebensalter und summiert diese Ergebnisse schlussendlich auf, so ergibt sich die Lebenserwartung in Jahren.6 Für eine genauere Betrachtung ist es zudem möglich, die Lebenserwartung einzelner Bevölkerungsgruppen zu spezifizieren, wie es beispielsweise bei der geschlechterspezifischen Lebenserwartung der Fall ist.

Nachdem die Grundbestandteile der Demographie erläutert wurden, ist es nun möglich, den demographischen Wandel an sich zu definieren und zu charakterisieren. Einfach gesagt ist die Kernaussage des demographischen Wandels: „Die sinkende Zahl der Menschen im jüngeren Alter und die gleichzeitig steigende Zahl älterer Menschen verschieben den demografischen Rahmen in bisher nicht gekannter Art und Weise.“7

Im Prinzip bedeutet dies, dass es in Deutschland (im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten) eine immense Verkleinerung der Anzahl von Menschen im jüngeren Alter und zeitgleich eine enorme Vergrößerung der Anzahl von Menschen im höheren Alter gibt. Es gibt also eine klar zu beobachtende Wende in der Altersstruktur der Bundesrepublik Deutschland, die noch nie zuvor so beobachtet wurde. Welche Probleme diese neuartige Entwicklung mit sich bringt und welche Auswirkungen dies auf die Sozialsysteme haben wird, soll in den nächsten Kapiteln genauer betrachtet und untersucht werden.

3 Darstellung der zukünftigen Problematik des demographischen Wandels

Da der demographische Wandel ein sehr komplexes Thema ist und seine Auswirkungen demnach weitläufig sein werden, wird in dieser Facharbeit rein auf die Auswirkungen auf die Sozialsysteme fokussiert.

Um das Problem besser verstehen zu können, muss man sich zu Beginn die Entwicklung der Altersstruktur innerhalb Deutschlands ansehen, da dies die Kernproblematik am besten darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Altersstruktur in Deutschland (1900-2050), www.diercke.westermann.de

Anhand der Grafik kann man erkennen, dass es starke Differenzen zwischen den Altersstrukturen in den einzelnen Jahren gibt, was auf einen demographischen Wandel hindeutet. Während die Altersstruktur im Jahr 1900 einer Pyramidenform gleicht, kann der Altersaufbau im Jahr 2050 mit einer Urnenform verglichen werden. Dies ist wie folgt zu deuten: Eine Altersstruktur wie im Jahr 1900 zeigt, dass zum einen viele Kinder geboren werden (also die Geburtenrate pro Frau hoch ist) aber zum anderen auch, dass die Lebenserwartung vergleichsweise niedrig ist. Die Gesellschaft bestand also zum Großteil aus jungen, arbeitsfähigen Menschen. Ältere, arbeitsunfähige Menschen machten im Kontrast nur einen sehr kleinen Anteil an der Gesellschaft aus. Erfasst man nun die Altersstruktur des Jahres 2013, so stellt man fest, dass dies nichts mehr mit der Struktur aus dem Jahre 1900 zu tun hat.

Die Urnenform zeigt, dass die Geburtenrate pro Frau nun sehr gering ist und die Gesellschaft zum Großteil aus älteren, nicht arbeitenden Menschen besteht. Junge und arbeitstüchtige Leute machen nur noch einen kleinen Teil aus. Dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern, denn betrachtet man die Struktur des Jahres 2050, fällt auf, dass sich die Urnenform weiter etablieren wird. Somit ist die zukünftige Problematik des demographischen Wandels bewiesen und es ist nun möglich, sich mit den spezifischen Auswirkungen zu beschäftigen.

Der wohl wichtigste soziale Aspekt ist dabei das Rentensystem. Hier werden die Auswirkungen am stärksten zu spüren sein. Zunächst sollte dazu erst einmal betrachtet werden, wie sich die Zahl der Erwerbsfähigen und die Zahl der Senioren in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entwicklung der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland bis 2060 (Annahmen: 1,4 Kinder pro Frau, Lebenserwartung bei Geburt 2060: Jungen: 84.8 Jahre, Mädchen: 88,8 Jahre, langfristige Nettozuwanderung/Jahr: 100 000 Personen), www.welt.de Anhand dieser Grafik ist zu erkennen, dass die Anzahl der erwerbsfähigen Menschen bei sinkender Bevölkerungsanzahl immer weiter zurückgeht, bis sie sich schließlich im Jahr 2060 auf 34,3 Millionen Menschen reduziert hat. Zeitgleich steigt jedoch auch die Zahl der erwerbsinaktiven Bevölkerung weiter an. Dieser Anstieg an Erwerbsinaktiven ist darauf zurückzuführen, dass die geburtenreichen Jahrgänge der 50er und 60er Jahre („Babyboomer“) in den nächsten Jahrzenten in das Rentenalter kommen und somit das Rentensystem belasten.

Insgesamt zeigt dies also, dass im Jahr 2060 nur noch die Hälfte der Bevölkerung (34,3 von 67,6 Millionen) erwerbsfähig sein wird, was besonders in unserem umlagefinanzierten Rentensystem zum Ausdruck kommen wird, da bei der Rentenkasse Beitragszahler Ansprüche erheben, die später von anderen Personen bezahlt werden müssen.8 Das Problem hierbei ist dann, wie bereits anhand der Grafik erläutert wurde, dass die späteren zahlenden Personen weniger zahlreich sein werden.9 Daraus folgt, dass es nur drei Möglichkeiten gibt, dies auszugleichen: Die Beiträge müssen steigen, die Auszahlungsbeträge sinken, oder die Finanzierung muss durch zusätzliche Quellen gewährleistet werden. Zudem ist es möglich und wahrscheinlich, dass das Renteneinstiegsalter weiter angehoben wird und eine kapitalgedeckte Altersvorsoge (welche dann freiwillig ist) eingeführt wird.10

Neben der zukünftigen Belastung des Rentensystems gibt es noch ein anderes Gebiet, das durch den demographischen Wandel enormen Druck verkraften muss: die (gesetzliche) Krankenversicherung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Altersbedingte Einnahmen und Ausgabenprofile in der GKV, W. Schmeinck

Nach der „Medikalisierungsthese“ nimmt die Morbidität im höheren Alter enorm zu und veranlasst demnach einen überproportionalen Anstieg der Gesundheitsausgaben. Da, wie bereits zu Beginn der Facharbeit erläutert wurde, die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist und sich die medizinische Versorgung stark verbessert hat, wird sich die Nachfrage nach Leistungen seitens der Krankenkasse auffallend vergrößern.11 Somit ist es möglich, dass sich die Krankenversicherungsbeiträge durch den demographischen Wandel erhöhen werden. Dies zeigt vor allem die oben angeführte Grafik auf (S.7).

[...]


1 Otto von Bismarck: Gesammelte Werke. Friedrichsruher Ausgabe, Berlin 1925-1934, Baden Reden, S.319

2 Migrationsrate

3 Promille: Pro Tausend

4 Zusammengefasste Geburtenziffer: „total fertility rate (TFR)“

5 Alterskohorte: Altersgruppe

6 Vgl. „Der demographische Wandel“ (2019), Hannes Weber, S. 22

7 https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/_inhalt.html, zuletzt geprüft am 16.02.2020 15:01 Uhr

8 Vgl. „Der demographische Wandel“ (2019), Hannes Weber, S.56

9 Vgl. „Der demographische Wandel“ (2019), Hannes Weber, S.56

10 Vgl. „Der demographische Wandel“ (2019), Hannes Weber S.56/57

11 Vgl. „Demographischer Wandel-Folgen für die Gesetzliche Krankenversicherung“, Dieter Cassel, www.wirtschaftsdienst.eu (81. Jahrgang, Februar 2001, Heft 2, S.87)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ein kurzer Überblick über den demographischen Wandel in Deutschland
Untertitel
Darstellung und Experteninterview
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V889223
ISBN (eBook)
9783346220035
Sprache
Deutsch
Schlagworte
überblick, darstellung, deutschland, experteninterview, wandel
Arbeit zitieren
Jaan Alexander Müller (Autor), 2020, Ein kurzer Überblick über den demographischen Wandel in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889223

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