Ziel dieser Arbeit ist, die Bedeutung des Werkswohnungsbaus für die Farbwerke Höchst zu erarbeiten. Inwiefern der Wohnungsbau Teil des Erfolgs, allerdings auch des betriebspolitischen Konzeptes der Farbwerke war und wieso er überhaupt Notwendigkeit besaß, soll dabei geklärt werden.
Im Zuge dessen wird die Historie der Firma und ihre Expansion im Zeitalter der industriellen Revolution angerissen und parallel dazu die Entstehung des Werkswohnungsbaus für sich ergründet. Des Weiteren soll sich mit der Arbeitersiedlung "Colonie" im heute zur Stadt Frankfurt gehörigen Zeilsheim behandelt werden. Neben der geschichtlichen Entwicklung Zeilsheims vom bäuerlich geprägten Dorf zur größten Arbeitersiedlung der Farbwerke Höchst soll auch der Prozess des Siedlungsbaus durch die Firma Höchst beleuchtet werden.
Im Detail soll die Arbeit Aufschluss darüber geben, welche Bauabschnitte es gab, worin die Bauweise der Gebäude begründet liegt und welche Probleme und Hindernisse der Bau mit sich brachte. Im Fazit sollen sich Antworten auf die Leitfragen nach der Rolle des Arbeiterwohnungsbaus für die Entwicklung und den Erfolg der "Rotfabrik" im historischen Kontext finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Farbwerke Höchst im Zeitalter der Industrialisierung
3. Der Beginn des Werkswohnungsbaus
4. Die Arbeiterwohnungen der Farbwerke Höchst
5. Zeilsheim
5.1. Historie
5.2. Der Bau der „Colonie“
5.3. Die Bedingungen der Zeilsheimer
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Werkswohnungsbaus für die Farbwerke Höchst während der industriellen Revolution. Dabei wird analysiert, inwiefern der Wohnungsbau als betriebspolitisches Instrument zur Bindung von Arbeitskräften und zur Steigerung der Unternehmenseffizienz diente, wobei die Arbeitersiedlung „Colonie“ in Zeilsheim als zentrales Fallbeispiel dient.
- Historische Entwicklung der Farbwerke Höchst und deren industrielle Expansion.
- Theoretische Grundlagen und Motive für den industriellen Werkswohnungsbau.
- Detaillierte Analyse der Entstehung und Bauweise der „Colonie“ in Zeilsheim.
- Untersuchung der sozialen und ökonomischen Auswirkungen auf die Gemeinde Zeilsheim.
- Bewertung der betrieblichen Sozialpolitik als Instrument zur Mitarbeiterbindung.
Auszug aus dem Buch
5.2. Der Bau der „Colonie“
Der angesprochene Anstieg des Bedarfs an Arbeitskräften und das damit verbundene Wachstum an Mitarbeiterzahlen zwangen die Farbwerke um die Jahrhundertwende, den Bau von Werkssiedlungen außerhalb des Firmenareals zu erweitern. Die Wahl fiel auf das nahegelegene Zeilsheim. Gründe für die Ansiedlung von Mitarbeitern in Werksnähe war zum einen der Gedanke, einer Fluktuation der Fabrikarbeiter entgegenzuwirken; diese sollten durch ein gutes Wohnungsangebot auf Dauer an das Werk gebunden werden. Zum anderen wollten die Funktionäre einen gewissen Stamm an Spezialisten wie Ingenieure, Chemiker, Betriebsschlosser, aber auch Feuerwehrleute, nah bei sich wissen, sodass diese im Notfall verfügbar waren.
Nach einem Gutachten des Architekten Heinrich Kutt begannen die Vorbereitungen „Zum Projekt der Erbauung weiterer Arbeiterwohnungen“. Zweifamilienhäuser seien als Haustypen zu wählen, da diese aus sanitärer, moralischer, sozialer und ökonomischer Sicht am sinnvollsten seien. Dies vermeide Konflikte, welche bei gemeinschaftlicher Nutzung von Garten oder Treppenhaus entstehen.
Die ersten 436 Wohneinheiten wurden unter der Leitung Kutts in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts gebaut. Dieser später als „Alte Colonie“ bekannte Bauabschnitt befand sich zwischen der Pfaffenwiese und der Straße Alt-Zeilsheim, welche heute in die West-Höchster Straße übergeht. Der häufigste von mehreren angewandten Haustypen ist Typ II, das Doppelhaus. Fast die Hälfte der Siedlungshäuser zwischen 1900 und 1908 entsprachen diesem Typus. Er weist ein Krüppelwalmdach mit Biberschwanzdeckung auf und ist in Ziegelbauweise errichtet. Es handelt sich um eineinhalbgeschossige Häuser mit dominierendem Zwerchhaus mit Schleppdach.
In einem zweiten Bauabschnitt 1924-1925 folgte östlich der „Alten Colonie“ die sogenannte „Neue Colonie“ mit 154 weiteren Wohneinheiten. Hier wurden neben Ein- und Zweifamilienhäusern erstmals in Zeilsheim auch Reihenhäuser gebaut.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit definiert die Zielsetzung, die Bedeutung des Werkswohnungsbaus für die Farbwerke Höchst und die methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung der „Colonie“ Zeilsheim zu erörtern.
2. Die Farbwerke Höchst im Zeitalter der Industrialisierung: Dieses Kapitel skizziert das rasante Wachstum der Farbwerke von einer kleinen Fabrik zum global agierenden Chemieunternehmen und den damit verbundenen enormen Bevölkerungsanstieg in Höchst.
3. Der Beginn des Werkswohnungsbaus: Hier wird der allgemeine Bedarf an Werkswohnungen in der Region Rhein-Main erläutert und die strategische Entscheidung der Industriefirmen, durch Siedlungsbau die Bindung der Arbeiter an das Unternehmen zu stärken.
4. Die Arbeiterwohnungen der Farbwerke Höchst: Das Kapitel befasst sich mit den konkreten Siedlungsprojekten der Farbwerke, deren architektonischer Ausrichtung im „Cottage-Stil“ und den verbesserten Lebensbedingungen für die Beschäftigten.
5. Zeilsheim: Dieser zentrale Teil untersucht die Historie des Ortes, den Bauprozess der Siedlung „Colonie“ und die daraus resultierenden sozialen Spannungen sowie infrastrukturellen Entwicklungen in der Gemeinde.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung, dass der Siedlungsbau eine erfolgreiche betriebliche Sozialpolitik darstellte, die sowohl die Lebensqualität der Arbeiter steigerte als auch die wirtschaftliche Stabilität der „Rotfabrik“ sicherte.
Schlüsselwörter
Farbwerke Höchst, Werkswohnungsbau, Colonie Zeilsheim, Industriegeschichte, Soziale Betriebspolitik, Arbeiterwohnungen, Industrialisierung, Heinrich Kutt, Rotfabrik, Siedlungsbau, Chemieindustrie, Rhein-Main-Gebiet, Wohnungsnot, Arbeiterkultur, Patriarchalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung des Werkswohnungsbaus der Farbwerke Höchst für die Entwicklung des Unternehmens und der Gemeinde Zeilsheim.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die industrielle Expansion der Farbwerke, die Geschichte der Arbeitersiedlung „Colonie“ und die Wechselwirkung zwischen betrieblicher Sozialpolitik und städtischem Wachstum.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Beitrag des Wohnungsbaus zum Erfolg der „Rotfabrik“ zu analysieren und zu klären, welche betriebspolitischen Motive hinter der Errichtung der Siedlungen standen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine methodische Archivrecherche, die Sichtung von Lageplänen, Fachliteratur sowie die Analyse von kommunalen und privaten Veröffentlichungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Industrialisierung in Höchst, die Anfänge des Werkswohnungsbaus in der Region und detailliert die Baugeschichte und die sozialen Bedingungen in der Zeilsheimer „Colonie“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Farbwerke Höchst, Werkssiedlungen, soziale Betriebspolitik, Industrialisierung und das spezifische Fallbeispiel der „Colonie“ Zeilsheim.
Warum wählten die Farbwerke ausgerechnet den „Cottage-Stil“ für die Siedlungen?
Dieser Stil sollte nicht nur Unterkünfte bieten, sondern durch eine ansprechende architektonische Gestaltung das moralische Empfinden und die Identifikation der Arbeiter mit dem Unternehmen fördern.
Welche Probleme entstanden durch den Bau der Kolonie in Zeilsheim?
Es kam zu sozialen Spannungen zwischen den „Alt-Zeilsheimern“ und den neuen „Kolonisten“, bedingt durch befürchtete Mehrkosten für die Gemeinde und eine gefühlte soziale Entfremdung.
- Citation du texte
- Robinson Michel (Auteur), 2018, Arbeiterwohnungen als Teil sozialer Betriebspolitik der Farbwerke Höchst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889266