Ziel dieser Arbeit ist es, durch den Vergleich der Kennzahlenkonzepte anhand ausgewählter Kriterien, dem Leser einen Einblick in die Vergleichbarkeit solcher Kennzahlenkonzepte zu gewähren und eine Entscheidungshilfe zu schaffen, indem dargelegt wird, welche Anforderungen an ein Unternehmen bei der Implementierung der Kennzahl gestellt werden. Im Zuge einer zunehmend schnelllebigen Umwelt und der Internationalisierung der Kapitalmärkte ist zu beobachten, dass immer mehr Unternehmen auf eine kennzahlenbasierte, wertorientierte Unternehmensführung setzen. Insbesondere Aktiengesellschaften sehen sich einem permanenten Wettbewerb um Beteiligungskapital auf den Kapitalmärkten ausgesetzt. Früh haben Aktiengesellschaften erkannt, dass die Unternehmensführung den Unternehmenserfolg über traditionelle Kennzahlen nur bedingt ausdrücken kann.
Als Nachteil traditioneller Kennzahlen wird in der Literatur die Nichtberücksichtigung der Kapitalkosten angeführt. Besonders auf den globalisierten Kapitalmärkten, wo Anleger die freie Auswahl bei ihrer Kapitalanlage haben und dort anlegen, wo sie den meisten Nutzen für sich sehen, ist die Bewertung der Kapitalkosten von entscheidender Relevanz. Sowohl die Unternehmen als auch die Kapitalgeber verfolgen ein gemeinsames Ziel in Form einer dauerhaften und nachhaltigeren Steigerung des Unternehmenswerts. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Grundidee des Shareholder Value an. Dieses Grundmodell geht auf die Veröffentlichung von Rappaports "Corporate Performance Standards and Shareholder Value" zurück. Sowohl in der Literatur als auch in der Praxis entstanden im Laufe der Zeit unterschiedliche Konzepte der wertorientierten Unternehmensführung, wie beispielsweise bei den DAX-Unternehmen Daimler oder Lufthansa. Trotz der weitverbreiteten Anwendung dieser Konzepte steht man vor der Problematik, dass es weiterhin keine Vereinheitlichung der Bemessungsgrundlage wertorientierter Kennzahlen gibt – eine Vereinheitlichung wäre ein entscheidender Schritt zu mehr Vergleichbarkeit und einer besseren Kommunizierbarkeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz der Thematik
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Finanzwirtschaftliche Kennzahlen
2.1 Begriff der „Kennzahl“
2.2 Funktionen und Aufgaben von Kennzahlen
2.2.1 Funktionen von Kennzahlen
2.2.2 Aufgaben von Kennzahlen
2.3 Arten von Kennzahlen
2.4 Auswahl traditioneller Kennzahlen
3 Finanzwirtschaftliche Kennzahlensysteme
3.1 Definition und Funktionen von Kennzahlensystemen
3.2 Anforderungen und Klassifizierung von Kennzahlensystemen
3.3 Ausgewählte finanzwirtschaftliche Kennzahlensysteme
3.3.1 Du-Pont-Kennzahlensystem
3.3.2 ZVEI-Kennzahlensystem
3.3.3 RL-Kennzahlensystem
4 Wertorientierte Kennzahlenkonzepte
4.1 Cashflow-basierte retrospektive Kennzahlen
4.1.1 CFROI (Cash Flow Return on Investment)
4.1.2 CVA (Cash Value Added)
4.2 Ergebnisbasierte retrospektive Kennzahlen
4.2.1 EVA-Konzept (Economic Value Added)
4.3 Cashflow-basierte prospektive Kennzahlen
4.3.1 DCF-Ansatz (Discounted Cash Flow)
5 Vergleich ausgewählter wertorientierter Kennzahlenkonzepte
5.1 Methodik
5.2 Eignung der Kennzahlenkonzepte anhand des Kriterienkatalogs
5.2.1 Ermittlungsaufwand
5.2.2 Zukunftsorientierung
5.2.3 Manipulations- und Fehleinschätzungsmöglichkeiten
5.2.4 Kommunizierbarkeit
5.2.5 Implementierbarkeit
5.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.4 Entwicklung der wertorientierten Unternehmensführung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, dem Leser einen fundierten Einblick in die wertorientierte Unternehmensführung zu gewähren, indem sie verschiedene Kennzahlenkonzepte theoretisch beleuchtet und anhand eines Kriterienkatalogs vergleichend analysiert. Dabei soll eine Entscheidungshilfe geschaffen werden, die verdeutlicht, welche Anforderungen bei der Implementierung solcher Konzepte an Unternehmen gestellt werden.
- Grundlagen und Definitionen von Kennzahlen und Kennzahlensystemen
- Darstellung traditioneller sowie moderner, wertorientierter Kennzahlenkonzepte
- Kriterienbasierter Vergleich von CFROI, CVA, EVA und DCF
- Diskussion über Implementierungsherausforderungen und Erfolgsfaktoren
Auszug aus dem Buch
4.2.1 EVA-Konzept (Economic Value Added)
Der Anfang der 90er Jahre von den Gründern von Stern Stewart & Co., Joel Stern und Benett Stewart, entwickelte Ansatz des Economic Value Added basiert auf der Anknüpfung bilanzieller Erfolgsgrößen und orientiert sich nicht an Cashflow-Größen. Stern und Stewart entwickelten diesen Ansatz auf Grundlage ihrer Kritik an den vorherrschenden veralteten und zumeist komplizierten Führungssystemen. Ziel der beiden war es, ein effektives Führungssystem zu entwickeln, um den Wohlstand der Eigenkapitalgeber, den sog. „Shareholder Wealth“, zu steigern. Zur Ermittlung des Economic Value Added gibt es zwei Methoden.
Die direkte Ermittlung über die Capital-Charge-Formel, basierend auf der Differenz des NOPAT (Net Operating Profit after Tax), dem operativen Nettogewinn aus der betrieblichen Tätigkeit, und den entstandenen Kapitalkosten (Multiplikation aus dem Geschäftsvermögen (Net Operating Assets = NOA) sowie dem durchschnittlich gewichteten Kapitalkostensatz (WACC)) können wir den Beitrag zur Steigerung oder Vernichtung von Unternehmenswert ermitteln:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der wertorientierten Unternehmensführung in einem globalisierten Umfeld ein und legt die Zielsetzung sowie den Aufbau der Arbeit dar.
2 Finanzwirtschaftliche Kennzahlen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Kennzahl, erläutert deren Funktionen und Aufgaben und stellt eine Auswahl an traditionellen Kennzahlen vor, deren Unzulänglichkeiten zur Einführung wertorientierter Konzepte motivieren.
3 Finanzwirtschaftliche Kennzahlensysteme: Es wird die Bedeutung von Kennzahlensystemen als Koordinationsinstrument hervorgehoben und verschiedene Systeme wie das Du-Pont- und ZVEI-System sowie das RL-Kennzahlensystem detailliert vorgestellt.
4 Wertorientierte Kennzahlenkonzepte: Dieses Kapitel widmet sich der Darstellung moderner Konzepte, wobei zwischen retrospektiven (CFROI, CVA, EVA) und prospektiven (DCF) Kennzahlen differenziert wird.
5 Vergleich ausgewählter wertorientierter Kennzahlenkonzepte: Der praktische Teil der Arbeit vergleicht die genannten Konzepte anhand eines fünfstufigen Kriterienkatalogs, fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der wertorientierten Unternehmensführung.
Schlüsselwörter
Wertorientierte Unternehmensführung, Kennzahlen, Kennzahlensysteme, Shareholder Value, EVA, CFROI, CVA, DCF, Kapitalmarkt, Rentabilität, Kapitalkosten, Unternehmenswert, Controlling, Liquidität, Performance Measurement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Konzepte und Methoden der wertorientierten Unternehmenssteuerung und untersucht deren Eignung für moderne Unternehmen im Wettbewerb um Beteiligungskapital.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Anwendung klassischer Kennzahlen, die Strukturierung von Kennzahlensystemen sowie die detaillierte Analyse wertorientierter Kennzahlenkonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein kriteriengeleiteter Vergleich ausgewählter wertorientierter Konzepte, um dem Leser eine Entscheidungshilfe für deren Implementierung und Anwendung in der Praxis zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie einen komparativen Ansatz, bei dem die Kennzahlenkonzepte anhand eines fünfstufigen Kriterienkatalogs bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl traditionelle als auch wertorientierte Kennzahlen und deren Systeme (z. B. Du-Pont, EVA, CFROI, DCF) detailliert vorgestellt und im anschließenden Vergleichsteil gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Wertorientierte Unternehmensführung, Shareholder Value, Kennzahlensysteme, EVA, CFROI, CVA und Discounted Cash Flow.
Warum wird beim EVA zwischen verschiedenen Methoden zur Ermittlung unterschieden?
Da es weder in der Theorie noch in der Praxis eine einheitlich definierte Methode gibt, werden unterschiedliche Ansätze wie die Capital-Charge-Formel oder die Value-Spread-Formel genutzt, wobei Anpassungen (Adjustments) je nach Unternehmensziel variieren können.
Welche Herausforderungen bestehen bei der Implementierung von DCF-Modellen?
Die DCF-Modelle sind aufgrund der erforderlichen Projektionen zukünftiger Zahlungsströme und der Notwendigkeit einer Kapitalflussrechnung sehr komplex, was die Kommunikation und das Verständnis im Unternehmen erschweren kann.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Wertorientierte Unternehmenssteuerung in der Praxis. Ein kriteriengeleiteter Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889294