Ausdruck von Höflichkeit im interkulturellen Vergleich am Beispiel von Deutschland und Russland


Hausarbeit, 2019

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Theoretische Hintergründe
1.1 Interkulturalität
1.2 Probleme und Möglichkeiten kulturspezifischer Normen und Verhaltensweisen
1.3 Höflichkeit – ein universelles Gut?

2 Praktische Beispiele
2.1 Aspekte der Höflichkeit am Beispiel von Deutschland
2.1.1 verbal
2.1.2 nonverbal
2.1.3 paraverbal
2.2 Aspekte der Höflichkeit am Beispiel von Russland
2.2.1 verbal
2.2.2 nonverbal
2.2.3 paraverbal

3 Vergleich der kulturspezifischen Höflichkeitsformen
3.1 Gemeinsamkeiten
3.2 Unterschiede

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Einleitung

Wenn man heute jemanden fragt, was er unter Höflichkeit versteht, würden höchstwahrscheinlich folgende Sätze fallen: Bitte und Danke sagen, anderen Menschen die Tür aufhalten, niemanden am Tisch zu lange den Rücken zukehren, im Bus für jemand anderen einen Platz freimachen, Leute, die einander nicht kennen, vorstellen und mit Sicherheit noch viele mehr Beispielsätze. Es scheint, jeder rühmt die Höflichkeit. Fragt man jedoch die ältere Generation, sterben höfliche Menschen immer schneller aus (www.freiherr-knigge.de). Dieser Pauschalisierung, dass es kaum mehr höfliche Menschen gäbe, muss mit einem wichtigen Punkt entgegnet werden. Interkulturelle Unterschiede. In jeder Kultur, in jedem Land wird unter Höflichkeit etwas anderes verstanden und andere Aspekte als wichtig erachtet. In romanischen Sprachkulturen zum Beispiel ist man viel offener, wenn man eine Person begrüßt. Diese Offenheit ist wiederum in asiatischen Ländern eher unerwünscht und wird abwertend betrachtet. Daher wäre es ein falscher Ansatz zu behaupten, dass es kaum mehr höfliche Menschen gäbe, wenn in jeder Kultur etwas anderes darunter verstanden wird.

In dieser wissenschaftlichen Arbeit wird anscheinlich auf das Thema Höflichkeit, im interkulturellen Vergleich, eingegangen. Im Fokus liegt der verbale, der non-verbale und der paraverbale Aspekt der Sprache, welcher in Vergleich zwischen Deutschland und Russland gesetzt wird. Welche Gemeinsamkeiten respektive Unterschiede in dieser Gegenüberstellung zu finden sind, wird sich im letzten Punkt der Arbeit herausstellen. Bevor die sprachlichen Aspekte voneinander abgewägt werden, wird allgemein auf die Interkulturalität eingegangen und welche Probleme aber auch Möglichkeiten durch diese kulturspezifischen Eigenheiten entstehen können. Am Schluss sollte ein Ergebnis zustande kommen, welches Einblick in die Kultur Russlands als auch Deutschlands bietet und die Höflichkeit von zwei kulturell sehr unterschiedlichen Seiten beleuchtet.

1 Theoretische Hintergründe

1.1 Interkulturalität

Zu Beginn der vorliegenden Arbeit müssen wesentliche Termini geklärt und bestimmt werden, um ein eindeutiges und fließendes Lesen des Textes zu ermöglichen. Darunter fällt die Bestimmung der Begriffe Interkulturalität und Höflichkeit. Ein zentraler Begriff ist Interkulturalität. Dieses Kompositum setzt sich zusammen aus dem lateinischen Präfix inter-, was so viel bedeutet wie zwischen oder unter. Außerdem dem zweiten Wort Kultur, welches ursprünglich aus dem Lateinischen stammt und Landbau beziehungsweise Pflege bezeichnet. Jedoch aufgrund der Bestimmung des traditionellen Kulturbegriffes nach Herder (vgl. Herder 1966: o.S.) wird seither ein allgemeinerer Begriff von Kultur verwendet. Dieser beschreibt die „Gesamtheit der geistigen und artistischen Leistungen einer Gemeinschaft, die für die Ausbildung ihrer Identität als soziale Gruppe (politischer Nation, sprachlicher Gemeinschaft etc.) konstitutiv angesehen werden kann“ (Hofmann 2006: 9). Zusammengesetzt kann man nun also Interkulturalität als eine Art Zwischenkultur identifizieren, welche durch ein Interaktionsprozess zwischen zwei verschiedenen Kulturen entsteht. Da Personen in einer kulturellen Überschneidungssituation, aufgrund ihrer unterschiedlichen Prägungen bezüglich ihrer Traditionen, Gedanken und ihres Wahrnehmungsverhaltens, ungleiche Haltungen und Meinungen besitzen, können in Interaktionsprozessen dieser Art, Missverständnisse und Probleme auftreten. Die Kommunikationssituation zweier Angehörigen unterschiedlicher Herkunft entwickelt demnach Handlungen und Deutungen, welche keiner der anwesenden Kulturen zugeordnet werden kann und somit eine gewissermaßen neue Zwischenkultur entsteht. Hieraus ergibt sich nach Hamid Reza Yousefi, dass sich Interkulturalität mit dem „historischen und gegenwärtigen Verhältnis aller Kulturen und der Menschen als ihren Träger auf der Grundlage ihrer völligen Gleichwertigkeit beschäftigt“ (Yousefi 2010: o.S.). Überdies kann aufgrund dieser Begriffsbestimmung ein leichteres Verständnis der Hauptthematik erfolgen, welche wie in der Einleitung bereits beschrieben, einen interkulturellen Vergleich zwischen Deutschland und Russland zieht. Lediglich fokussiert sich die Arbeit aber auf den Aspekt der Höflichkeit. Der Begriff der Höflichkeit und ihre Bedeutung muss, wie auch der Begriff der Interkulturalität, vorweg definiert werden, um klare Anfangsbedingungen für die wissenschaftliche Betrachtung dieser Thematik zu schaffen. Außerdem werden vorab die Probleme und Möglichkeiten kulturspezifischer Verhaltensweisen aufgezeichnet.

1.2 Probleme und Möglichkeiten kulturspezifischer Normen und Verhaltensweisen

Wie bereits im vorherigen Gliederungspunkt beschrieben, ist Sprache ein wichtiges Mittel des Ausdrucks und der Kommunikation, in der automatisch die erworbenen und angeeigneten Verhaltensweisen einer Person mitschwingen (vgl. Zach 2010: 10). Daher können aufgrund unterschiedlicher Kulturen und eingeprägten Handlungsmustern einer Kultur, in einer Gesprächssituation zweier Angehörigen unterschiedlicher Herkunft, gewisse Missverständnisse und Probleme auftreten. Diese unterschiedlichen Denk- und Verhaltensmuster können jedoch auch einen positiven Einfluss auf die Gesprächspartner haben. Beide Parteien können in ihrem zukünftigen Auftreten gegenüber Menschen fremder Kulturen bereits auf alle Unterschiede und Gegensätze vorbereitet sein und sich dadurch die Interpretation der Konversation und der Behavioreme erleichtern. Laibl (1995) definiert Behavioreme als soziokulturelbedingte Verhaltensweisen, die zum einen verbal, nonverbal und paraverbal ausgedrückt werden und zum anderen auch extraverbal geäußert werden können (vgl. Laibl 1995: 13). Diese Verhaltensweisen nennt man unter anderem auch Kultureme, welche durch die Kulturemtheorie von Oksaar (1988) nachweislich geprägt wurde (vgl. Oksaar 1988: 26f). Zu diesen genannten Verhaltensweisen zählen unter anderem der räumliche Abstand, den man in einem Gespräch zu seinem Gegenüber einhält, das sogenannte Nähe- und Distanzverhalten. Aber auch die Begrüßung der Kommunikationspartner ist ausschlaggebend für den weiteren Gesprächsverlauf. Hinzu kommt paraverbales Sprechverhalten, welches mit unter die Artikulation, das Sprechtempo oder die Sprechlautstärke miteinschließt. Da paraverbale Kommunikation, anders als nonverbale Kommunikation, vom Gesprächspartner wesentlich registriert und gehört werden kann, ist es möglich, dass bestimmte Verhaltensweisen in der Ausführung des Sprechaktes falsch aufgefasst werden und somit bestimmte Differenzen zwischen den Kommunikationspartnern entstehen können. An dieser Stelle wird ein Beispiel für falsch verstandene, kulturspezifische Kommunikation genannt. Angehörige der lateinamerikanischen Kultur sind ein Volk, welches offener auf andere Menschen zugeht und dabei auch Grenzen der eigens geschaffenen Distanzzonen überschreitet. Durch Berührungen möchten Lateinamerikaner ihre Sympathien gegenüber anderen Personen ausdrücken. Von einer westeuropäisch geprägten Gesellschaft könnten diese Berührungen jedoch als ein Eindringen in die intime Zone gelten und der weitere Verlauf des Gespräches dadurch gestört sein. Eine Folge wäre die Entwicklung einer gewissen Abneigung für den Gegenüber. In einem geschäftlichen Umfeld zum Beispiel sollten vorab alle interkulturellen Unterschiede und Distanzempfindungen verdeutlicht und klargestellt werden, um Missverständnissen vorzubeugen (vgl. Hagenbrock & Gieraths 2012: 15).

1.3 Höflichkeit – ein universelles Gut?

Wenn von Höflichkeit die Rede ist, gibt es eine Tätigkeit, die jeder Mensch tagtäglich ausführt, woran man unter anderem auch den Grad der Höflichkeit genau erkennen kann. Es handelt sich um die Begrüßung untereinander und das Grüßen, wenn man jemanden, neu oder bereits bekannt, begegnet. Begrüßungen bestätigen dem Gegenüber eine Kenntnisnahme und Akzeptanz als Mitglied eines sozialen Gefüges (vgl.Kotthof 2003: 2). Brown & Levinson haben daraus eine Theorie der Höflichkeit entwickelt und das sogenannte face dieser Theorie zugrunde gelegt (vgl. Brown & Levinson 1978: o.S.). Dieses Face steht für das eigene Selbstbild und auch ein Bild von anderen, welches man durch die Konversation entwickelt. Durch ein Gegrüßt-Werden wird deutlich gemacht, dass andere Personen einen selber wahrnehmen und zu Kenntnis nehmen, was wiederum ein Akt der Höflichkeit darstellt. Nun ist jedoch jede Art der Begrüßung und Anrede von Kultur zu Kultur unterschiedlich. Eine für einen Deutschen gewohnte und höfliche Begrüßung kann im Französischen als missverständlich aufgefasst werden und als unhöflich abgestempelt werden. Ist Höflichkeit daher kein universales Gut? Jedes Land besitzt eigene Sitten, Normen und Werte. Höflichkeitsformen werden innerhalb dieser kulturspezifischen Normen wiedergegeben und von jedem Angehörigen dieser Kultur verstanden. Duranti nennt dies ein „embodiment of culture“ (Duranti 1997: o.S.), die Verkörperlichung der Höflichkeit, welche dem Volk wie auf den Leib geschrieben ist. Vergleicht man nun die unterschiedlichen, höflichen Verhaltensweisen und Kommunikationsarten aller Kulturen, kann man einen großen Unterschied erkennen. An dieser Stelle kann wie folgt zusammengefasst werden, dass ein Akt der Höflichkeit ein universales Gut ist und in jedem Land positiv und wertschätzend angesehen wird. Die Art und Weise, auf der dieser Akt entgegengebracht wird, kann jedoch variieren und unterschiedlich interpretiert werden. Auch der Grund und der Moment differiert von Land zu Land. Es ist daher von Vorteil, sich bei der Begegnung mit Kommunikationspartner anderer Kulturen, im Voraus über landestypische und kulturspezifische Handlungsweisen und Sitten zu informieren um einem Fettnäpfchen zu entkommen. Im nächsten Gliederungspunkt wird nun näher auf den kulturellen Vergleich Deutschlands und Russlands, in Bezug auf den Akt der Höflichkeit, eingegangen. Es werden sowohl verbale, nonverbale als auch paraverbale Verhaltensweisen beleuchtet und gegenübergestellt. Am Ende dieser Gegenüberstellung soll eine umfangreiche Zusammenfassung, mit allen wichtigen Informationen und Details, entstanden sein. Diese soll sowohl auf die Unterschiede als auch auf die Gemeinsamkeiten beider Kulturen aufmerksam gemacht haben und schlussendlich zu einem Fazit gelangen.

2 Praktische Beispiele

Wie bereits erwähnt, wird nun der Aspekt der Höflichkeit in zwei verschiedenen Kulturkreisen unter die Lupe genommen und miteinander verglichen. Dies geschieht auf allen Ebenen einer Kommunikation. Zuallererst wird auf die Kulturform in Deutschland eingegangen.

2.1 Aspekte der Höflichkeit am Beispiel von Deutschland

Es ist bereits definiert worden, welche Eigenschaften den Aspekt der Höflichkeit ausmachen. Um nun einen genaueren Blick auf Deutschland zu werfen, wird im Folgenden beschrieben, welche Kennzeichen in der deutschen Kultur ausschlaggebend sind und wie diese wiedergegeben werden.

In Deutschland versteht man unter einem höflichen Verhalten unter anderem, einen respektvollen Umgang mit Alteren und Höhergestellten Personen. Allein auch das Anbieten des Sitzplatzes im Bus für eine ältere oder schwangere Person, kann einen wichtigen Aspekt für Höflichkeit darstellen. Hinzu kommen Verhaltensweisen wie, das Siezen in einer Kommunikation mit unbekannten Gesprächsteilnehmern, als auch das richtige Benehmen am Esstisch. All solche kulturspezifischen Handlungen sind in Deutschland weit verbreitet und unterbewusst allen Angehörigen dieser Kultur bekannt. Es wird nun auf den verbalen Aspekt der Höflichkeit eingegangen, welcher in Deutschland praktiziert wird.

2.1.1 verbal

In einer verbalen Kommunikation geht es, wie das Wort schon sagt, um das rein gesprochene Wort. Genauer gesagt, die Kommunikation über die Sprache. Man beleuchtet das Gesagte des Senders und alle Informationen, die an den Empfänger in der Kommunikationssituation übermittelt werden. In Deutschland äußert sich Höflichkeit in einer verbalen Kommunikation allein durch die Auswahl der Pronomen für sein Gesprächspartner. Man kann anhand der Auswahl erkennen, ob eine Person höflich oder unhöflich erscheint und ob sie sich dem Gegenüber distanziert oder ob das Verhalten freundlich ist (vgl. Yamashita 2003: 105). Im Deutschen gibt es 8 unterschiedliche Personalpronomen. Bei einer Anrede in höflicher Form würde man sich für die dritte Person Plural, also dem Pronomen Sie, entscheiden. Die Auswahl wird aufgrund verschiedener Kategorien getroffen. Es kommt darauf an, in welchem Alter der Kommunikationspartner ist, wie vertraut man mit dieser Person ist und in welchem Verhältnis man zu ihm steht. Ferner ist auch die Benutzung des Konjunktiv II in einer höflichen Kommunikation unerlässlich. Wenn man eine Bitte oder eine imperative Aussage an seinen Kommunikationspartner ausrichten möchte, verwendet man Sätze wie „Könnten Sie das für mich erledigen?“, „Würden Sie mir einen Gefallen tun?“ aber auch „Hätten Sie einen Moment Zeit?“. Diese Formen der Höflichkeit präsentieren den grammatikalischen Bereich der verbalen Äußerungen. Geht es nun aber um sprachliche, feststehende Begriffe in einer Kommunikation, gibt es Anhaltspunkte, welche im Deutschen die Höflichkeit ausmachen. Wirft man einen Blick auf das Aussprechen von Komplimenten, wird einem sehr schnell bewusst, dass Komplimente ein Ausdruck der Höflichkeit sind. Man möchte mit einem Kompliment die Wertschätzung für eine andere Person ausdrücken und ihm seine Bewunderung entgegenbringen. Wenn der Gesprächspartner eine außerordentlich gute Arbeit geleistet hat und erfolgreich gehandelt hat, kann ein Kompliment eine sehr höfliche und angemessene Äußerung sein. Eine weitere Situation, in welcher ein Kompliment einen höflichen Nachdruck verleiht, wäre bei einem Rendezvous mit einer Frau. Ihr ein Kompliment für ihr Aussehen zu geben, würde der Frau zeigen, sie hat es mit einem höflichen und gut erzogenen Gegenüber zu tun. Ferner zählen zu einer höflichen Kommunikation auch Ausdrücke, welche die eigene Hilfe anbieten oder ein Entgegenkommen verdeutlichen. Darunter kann man Sätze wie „Darf ich Ihnen helfen?“, „Möchten Sie sich setzen?“ oder „Ich trage Ihnen den Koffer die Treppen hoch!“ verstehen. Diese genannten Höflichkeitsformen, sind zentral in einer Kommunikation der deutschen Sprache und es gehören noch viele mehr dazu.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Höflichkeit in Deutschland zu einem guten Ton gehört und als Teil einer gelungenen Erziehung gilt. Die verbale Höflichkeit ist im Deutschen sehr wichtig und kann den Verlauf eines Gesprächs, einer geschäftlichen Beziehung oder einer wichtigen Konversation ausmachen und beeinflussen. Wie jedoch bekannt, wird eine verbale Kommunikation immer mit nonverbalen und paraverbalen Ausdrücken begleitet, die eine Aussage noch unterstreichen und verdeutlichen wollen. Nonverbale Kommunikation wird im Deutschen sehr stark genutzt und trägt viel Aussagekraft mit sich. Im nächsten Gliederungspunkt wird dieser Bereich genauer beleuchtet und analysiert.

2.1.2 nonverbal

Körperliche oder nonverbale Kommunikation (NVK) spielt eine zentrale Rolle im Sozialverhalten des Menschen. Neuere Forschungen von Sozialpsychologen und Wissenschaftlern anderer Disziplinen haben gezeigt, dass solche Signale eine wichtigere Rolle spielen und komplexer funktionieren, als bislang angenommen wurde. Wenn wir das menschliche Sozialverhalten verstehen wollen, müssen wir dieses nonverbale System enträtseln (Argyle 2013: 11).

Dieses nonverbale System zu enträtseln kann jedoch nur erfolgen, indem man die nonverbalen Signale identifiziert. Dazu zählen unter anderem die Mimik, das Blickverhalten, die Gestik einer Person als auch die Körperhaltung, das Körperverhalten und die Proxemik. Bereits Watzlawick hat in seinen fünf Axiomen festgestellt, dass wir Menschen nicht nicht kommunizieren können, denn mit jeder Kommunikation schwingt auch ein bestimmtes Verhalten mit, welches man nicht unterdrücken oder vermeiden kann (www.paulwatzlawick.de). Wie auch schon die verbale Kommunikation hängt auch die nonverbale Kommunikation sehr stark von den verschiedenen Kulturen ab. Es kommt jedoch nicht nur allein auf die kulturellen Faktoren an, sondern auch auf natürliche Faktoren in einem Land, wie zum Beispiel die Temperatur oder die Feuchtigkeit, als auch die dort übliche getragene Kleidung (vgl. www.denkerinnen.de ). Eine höfliche Begrüßung zu einer fremden Person wird in Deutschland mit einem Händedruck und reichlich Körperabstand durchgeführt. Bei längerer Bekanntschaft zu einer Person, zählt zu einer höflichen Begrüßung auch das Küssen auf beiden Wangen. Die Verabschiedung läuft in Deutschland auf die gleiche Art und Weise. Ein weiteres Merkmal für ein deutsches, anständiges Verhalten während eines Gespräches wäre das Einhalten einer bestimmten Distanz zur anderen Person. Noch nicht lange her, verlangte die Oberbürgermeisterin von Köln, das Bewahren und Akzeptieren einer bestimmten Proxemik, welche sich nach einer Armlänge Abstand richtete (www.faz.net). Diese Forderung richtete die Oberbürgermeisterin jedoch hauptsächlich an Migranten und Flüchtlinge. Dass eine solche Anordnung auf nur eine kulturelle Gruppe von Personen angewendet und zugewiesen werden soll, hat keinerlei Berechtigung in einem demokratischen Staat. Bei weiterer Nachforschung jedoch, halten deutsche Bürger diese Armlänge als Abstand automatisch ein, wenn sie mit einer neuen Person in Kontakt treten oder sich im öffentlichen Raum bewegen. In Deutschland sollte man bei der Einhaltung der Distanz vor allem auf seine Rolle in der Kommunikation achten. Einladende Personen oder Geschäftsführer agieren selbstsicher, da ihnen bildlich der Raum gehört. Sie machen einladende Gesten, wohingegen der Gast oder der Mitarbeiter zurückhaltend und abwartend handelt, bis er zu einer bestimmten Handlung oder einem Verhalten aufgefordert wird (www.etikette-trainer.de). Berührungen untereinander basieren auch hier, falls gewollt, auf den hierarchischen Stufen. Eine Nichteinhaltung dieser unausgesprochenen Gesetze in Bezug auf das persönliche Raumverhalten, wird als unhöfliches und unanständiges Verhalten definiert. Ein weiteres nonverbales Mittel innerhalb einer Kommunikation, welches auf ein höfliches oder unhöfliches Verhalten hindeutet, wäre die Körperhaltung der Gesprächspartner. In Deutschland wird es als unhöflich angesehen, wenn eine Person während einer Konversation mit geschränkten Armen agiert. Diese Haltung deutet auf eine ignorante, uninteressierte und genervte Stimmung hin und gibt dem Gegenüber das Gefühl, er wird nicht ausreichend wertgeschätzt. „Nur eines lässt sich übers Arme verschränken generell sagen: Sie wirken mit dieser Körperhaltung nicht besonders aktivitätsbereit“ ( www.manager-magazin.de). Höflicher wäre eine normale und entspannte Haltung der Arme, welche seitlich neben dem Körper angelegt werden oder in der sitzenden Position auf den Oberschenkeln abgelegt werden. Das nächste nonverbale Medium, welches unbedingt zu beachten ist, ist das Blickverhalten von Menschen. Dieses ist nämlich, anders als die Mimik, an kognitive Prozesse gekoppelt, da die Augen an das zentrale Nervensystem gebunden sind. Außerdem verarbeitet das Auge bereits peripher einen großen Teil der eingehenden Informationen (vgl. Ellgring 2010: 27). Ferner beherbergen Augen die einzigen Muskeln im Körper, welche man nicht bewusst kontrollieren kann. In Deutschland wird unter einer höflichen Konversation verstanden, dass sich die Gesprächspartner ins Gesicht blicken, was jedoch nicht unbedingt bedeutet, sie müssen sich direkt in die Augen schauen, sondern dazu zählt auch ein fokussieren auf die Mundregion oder die Nasenwurzel. Hinzu kommt, dass ein Blickverhalten vorbei an der Person, mit welcher man das Gespräch führt, auch darauf hindeuten kann, dass man nicht ehrlich ist und sein Gegenüber anlügt. Auch dieses Verhalten kann als sehr unhöflich identifiziert werden. Ein weiteres Verhalten bezüglich des Augenkontaktes bei Menschen bezieht sich auf das Beobachten von anderen Personen. Speziell auf das Beobachten von behinderten oder kranken Menschen. Eine Person wird als sehr unhöflich abgestempelt, wenn sie einen behinderten Menschen länger betrachtet oder begutachtet, als man sollte. Dies gibt der betroffenen Person das Gefühl, es sei nicht normal und sehr speziell, wessen sich Diese sicher bewusst ist.

Wie sich nun herausgestellt hat, gibt es unzählige Verhaltensweisen, die zu einer nonverbalen Kommunikation gehören und ein Gespräch dementsprechend beeinflussen können. Denn mit der Körpersprache kann man im Grunde keine Fehler machen, aber man kann vieles aus ihr lesen. Zusätzlich erleichtert die Körpersprache dem Empfänger der Nachricht, die Informationen wahrzunehmen und diese richtig zu interpretieren. Nachdem nun sowohl der verbale als auch der nonverbale Bereich der deutschen Sprache bezüglich der Höflichkeit analysiert wurde, fehlt nur noch die Analyse der paraverbalen Sprach- und Kommunikationsmittel.

2.1.3 paraverbal

Es gibt neben der verbalen Kommunikation zusätzlich eingesetzte kommunikative Signale, welche auch paraverbale Signale genannt werden. Diese Signale beeinflussen den reinen Sprechakt nur aufgrund der Auswahl des Sprechtempos, der Sprechgeschwindigkeit und der gewählten Lautstärke. Wenn man den Empfindungen anderer Länder glaubt, reden Deutsche sehr laut, sehr hart und bestimmt. Genau diese paraverbalen Empfindungen wirken sich auf das Sympathieempfinden Anderer gegenüber Deutschen aus. Aber nicht nur aus Sicht Anderer wird zum Beispiel die Tonlautstärke als sehr ausschlaggebend für eine angenehme Konversation empfunden. Auch unter Deutschen empfindet man vor allem laute und hohe Tonlagen als sehr unangenehm und störend. Es gehört zum guten Ton, eine geeignete Lautstärke für das passende Gespräch zu wählen und diese auch der Tonlage anzupassen. Es wird in Deutschland als sehr unhöflich empfunden, wenn an einem großen Tisch oder einem Restaurant, eine Person in einem Gespräch sehr laut spricht und alle anderen Konversationen dadurch unterbrochen oder übertönt werden. Ein weiterer paraverbaler Faktor ist auch das Schweigen. Als gut erzogene Person ist man sich bewusst, in welchen Momenten man schweigen sollte und andere aussprechen lassen soll. Es wird als unhöflich empfunden, wenn man in einer Konversation sein Gegenüber andauernd unterbricht und ihn nicht aussprechen lässt. Dies wird dementsprechend als unfreundlich eingestuft. Es sollte beispielsweise in einer Konferenz im geschäftlichen Bereich, geschwiegen werden, wenn ein Geschäftspartner eine Präsentation hält oder ein Mitarbeiter einen Vorschlag bereitet. Auch wenn man mit einer Idee oder einer Aufgabe nicht einverstanden ist, zeugt es von Anstand, den Partner aussprechen zu lassen, all seine Punkte anzubringen und erst dann seinen Standpunkt zu vertreten. Aber auch hier unterscheiden sich weltweit die Kulturen voneinander, inwiefern sie ein Schweigen einstufen. Beispielsweise fallen sich Sprecher der romanischen Sprache sehr oft ins Wort und Schweigen gilt hier als unerwünscht (www.ikud.de).

Anhand der letzten drei Gliederungspunkte konnte man erkennen, dass es nicht nur von Bedeutung ist, dass man etwas sagt, sondern auch wie man etwas sagt und mit welchen Gestiken das Gesagte begleitet wird. Außerdem stellte sich heraus, wie sich Dieses dann auf die Höflichkeit und das Empfinden von Höflichkeit aus Sicht der Gesprächspartner auswirkt. Es wurde der Fokus auf die kulturellen Eigenheiten Deutschlands gerichtet. Um nun einen Vergleich herbeizuführen, wird auf genau diese Komponente der Kommunikation mit Blick auf Russland und seine kulturellen Eigenschaften gerichtet.

2.2 Aspekte der Höflichkeit am Beispiel von Russland

Die Werte der Höflichkeit und der konventionellen „Freundlichkeit“ stehen in Russland gegenüber dem Menschlichen […] zurück. Die Frequenz des Wortes „freundlich“ und „höflich“ ist im deutschsprachigen Raum wesentlich höher, als in Russland (Zarend 2015: 34).

Am Beipiel dieses Zitates lässt sich erkennen, dass Russland eine andere Definition von Höflichkeit besitzt, als Deutschland. Dies ist begründet durch verschiedene kulturelle Indikatoren. Um nun einen intensiveren Blick auf diese Unterschiede zu bekommen, wird im Folgenden auch hier auf verbale, nonverbale und paraverbale Kommunikation im Hinblick auf die Höflichkeit eingegangen.

2.2.1 verbal

Die Begrüßung verläuft in der russischen Sprache zuallererst verbal, bevor sie non-verbale Sprachmittel einsetzt. Das bedeutet, dass man, auch wenn man die andere Person vorerst nur aus der Ferne erkennt, grüßt und bestimmte Begrüßungsformeln anwendet. Erst, wenn sich das Paar gegenübersteht, wird mit einem Händedruck oder einer Umarmung, je nach Bekanntheitsgrad, nonverbal aufeinander zugegangen. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist, dass sich in Russland nur die Männer untereinander die Hände schütteln, wohingegen dies bei Frauen eher unüblich wäre (vgl. Yakovleva 2004: 150f). In Gesprächen mit anderen Personen gibt es in Russland eine weitere wichtige Höflichkeitsregel, welche dringend zu beachten ist. Geht es um den Sprecherwechsel in der Konversation, gibt es zwei Arten auf denen dieser zustande kommt. Es gibt zum einen die Fremdwahl, durch Aufforderung, oder zum anderen die Selbstwahl. „Diese Art des Sprecherwechsels wird als glatter Wechsel bezeichnet, d.h. der Sprecher übergibt das Rederecht an den Hörer, der seinerseits die Sprecherrolle übernimmt“ (ebd.). Bei einer Aufforderung übergibt der Sprecher die Sprecherrolle mit bestimmten verbalen, nonverbalen aber auch paraverbalen Signalen an sein Gegenüber weiter. Verbale Signale wären in diesem Fall, eine direkte Anrede. Diese direkte Anrede muss auch im Hinblick auf den sozialen Status oder den Bekanntheitsgrad untereinander gewählt werden. Wenn man jedoch nicht bekannt ist, wird in Russland ausschließlich die Sie-Form gewählt (www.benimmregeln-reise.de). Hinzu kommt, dass man in Russland nicht wie in Deutschland den Titel Frau oder Mann vor den Nachnamen setzen kann und dadurch eine höfliche Anrede zur Verfügung hat, sondern in Russland besitzen die Menschen einen Vornamen, den Vornamen des Vaters und den Nachnamen der Familie. Für eine anständige Begrüßung ist es demnach wichtig, dass man den Vaternamen ausfindig gemacht hat und diesen zur richtigen Anrede benutzt. Wenn aber diese persönlichen Informationen nicht bekannt sind, ist es üblich, sich selbst im ersten Schritt vorzustellen um seinem Gesprächspartner entgegenzukommen. In Gesprächen ist es überdies eher nutzlos über Belanglosigkeiten wie das Wetter, Essen oder tägliche Routinen zu sprechen, da Russen den Small Talk nicht wirklich bewundern. Erst wenn man in ein Gespräch mit russischen Bürgern verwickelt wird oder sogar zu ihnen nach Hause eingeladen wird, erkennt man die überaus ehrliche Freundlichkeit und Ehrlichkeit dieses Volkes. Wenn man also das Heim einer russischen Familie besucht, ist es von höchster Wichtigkeit, dass man seine Straßenschuhe im Hauseingang auszieht. Da Russen sehr schnell beleidigt und empört sein können, sollte man diese verbalen sprachlichen Regeln unbedingt beachten. Aber auch nonverbale und paraverbale ungeschriebene Gesetze sind in Russland vorhanden und werden in den folgenden Gliederungspunkten definiert.

2.2.2 nonverbal

In Russland wird sehr stark auf nonverbale Signale und Gestiken geachtet und Wert gelegt. Angefangen bei der Begrüßung, welche im vorherigen Punkt bezüglich der Verbalität schon analysiert wurde. Es besteht ein ungeschriebenes Gesetz, dass weder ein Jüngerer einem Älterem, noch ein Mann einer Frau die Hand reicht zur Begrüßung, sondern die Frau dem Mann entgegenkommen muss, wenn sie von ihm berührt werden möchte. Wie bereits erläutert, ist es jedoch unüblich für Frauen zur Begrüßung die Hände zu schütteln. Dies tun im Normalfall nur männliche Personen (vgl. Yakovleva 2004:151). Obwohl sehr viel Wert auf Gestiken und Sprechweisen in Russland gelegt werden, sind Russen an sich nach außen zurückhaltender mit ihren Emotionen und Mitteilungen. Diese Zurückhaltung basiert auf guten Manieren. Ein altes russisches Sprichwort bestätigt genau diese Aussage, denn es besagt: „Wer ohne guten Grund lacht, sei ein Narr“ (www.sueddeutsche.de). Viele Russen sind davon überzeugt, dass es nur falsch sein kann, bei Missständen und Beschwernissen in der Welt unnatürlich gut drauf zu sein und würden dieses Benehmen eher als taktlos und hartherzig einstufen. Dies gründet auf der Tatsache, dass dem Lachen in Russland die Funktion Höflichkeit zu demonstrieren fehlt und sie dies nur tun, wenn sie es auch aufrichtig empfinden. Aufgrund des sehr starken Aberglaubens in Russland muss sehr vorsichtig auf Bewegungen oder Gestiken geachtet werden, da man sonst sehr schnell als unhöflich abgestempelt werden kann. Dazu zählen zum Beispiel Verhaltensweisen, wie sich die Nase in Anwesenheit einer anderen Person im Raum zu putzen. Dies ist unverzeihlich. Ein direktes Anstarren in einem Gespräch wird in Russland als sehr aggressiv und provozierend empfunden, hier ist es üblich, einen eher abgewandten oder gar fehlenden Augenkontakt zu pflegen (vgl. Grekova 2009: 42). Ein nächster Punkt ist, dass Russen sehr berührungsfreudig mit ihren Mitmenschen umgehen, dies zwar immer noch unterscheiden zwischen privaten und beruflichen Bekannten, jedoch in allen Fällen gerne berühren und dafür offen sind (ebd.). Die russische Kultur ist auch eine Kultur der Körpernähe, sie rücken an ihre Gesprächspartner immer 30-40 Zentimeter näher heran als Deutsche dies tun. Wie bereits erwähnt besteht ein sehr starker Aberglaube in Russland, der viele Glaubenssätze und -regeln mit sich bringt. Darunter gehören auch nonverbale Signale, die bei Nichteinhaltung als unhöflich abgestempelt werden können. Es werden nun ein paar weniger dieser Sätze aufgelistet. Erstens ist Pfeifen in öffentlichen Räumen nicht erwünscht, denn man glaubt, wer pfeift, verliert sein Geld. Zweitens sollte man bei der Begrüßung in einem Haus sich niemals über die Türschwelle die Hände reichen oder jemanden etwas über die Türschwelle übergeben, da diese Handlung sonst Pech ins Haus bringen würde. Nachdem nun die verbalen als auch die nonverbalen sprachlichen Eigenheiten der russischen Bevölkerung erläutert wurden, wird im letzten Unterpunkt auf die paraverbalen kulturellen Normen eingegangen, bevor beide Kulturen, die deutsche und russische, miteinander verglichen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ausdruck von Höflichkeit im interkulturellen Vergleich am Beispiel von Deutschland und Russland
Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V889421
ISBN (eBook)
9783346200730
ISBN (Buch)
9783346200747
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausdruck, beispiel, deutschland, höflichkeit, russland, vergleich
Arbeit zitieren
Anna-Katharina Komm (Autor), 2019, Ausdruck von Höflichkeit im interkulturellen Vergleich am Beispiel von Deutschland und Russland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889421

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