Wenn man heute jemanden fragt, was er unter Höflichkeit versteht, würden höchstwahrscheinlich folgende Sätze fallen: Bitte und Danke sagen, anderen Menschen die Tür aufhalten, niemanden am Tisch zu lange den Rücken zukehren, im Bus für jemand anderen einen Platz freimachen, Leute, die einander nicht kennen, vorstellen und mit Sicherheit noch viele mehr Beispielsätze. Es scheint, jeder rühmt die Höflichkeit. Fragt man jedoch die ältere Generation, sterben höfliche Menschen immer schneller aus. Dieser Pauschalisierung, dass es kaum mehr höfliche Menschen gäbe, muss mit einem wichtigen Punkt entgegnet werden. Interkulturelle Unterschiede. In jeder Kultur, in jedem Land wird unter Höflichkeit etwas anderes verstanden und andere Aspekte als wichtig erachtet. In romanischen Sprachkulturen zum Beispiel ist man viel offener, wenn man eine Person begrüßt. Diese Offenheit ist wiederum in asiatischen Ländern eher unerwünscht und wird abwertend betrachtet. Daher wäre es ein falscher Ansatz zu behaupten, dass es kaum mehr höfliche Menschen gäbe, wenn in jeder Kultur etwas anderes darunter verstanden wird.
In dieser wissenschaftlichen Arbeit wird anscheinlich auf das Thema Höflichkeit, im interkulturellen Vergleich, eingegangen. Im Fokus liegt der verbale, der non-verbale und der paraverbale Aspekt der Sprache, welcher in Vergleich zwischen Deutschland und Russland gesetzt wird. Welche Gemeinsamkeiten respektive Unterschiede in dieser Gegenüberstellung zu finden sind, wird sich im letzten Punkt der Arbeit herausstellen. Bevor die sprachlichen Aspekte voneinander abgewägt werden, wird allgemein auf die Interkulturalität eingegangen und welche Probleme aber auch Möglichkeiten durch diese kulturspezifischen Eigenheiten entstehen können. Am Schluss sollte ein Ergebnis zustande kommen, welches Einblick in die Kultur Russlands als auch Deutschlands bietet und die Höflichkeit von zwei kulturell sehr unterschiedlichen Seiten beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Theoretische Hintergründe
1.1 Interkulturalität
1.2 Probleme und Möglichkeiten kulturspezifischer Normen und Verhaltensweisen
1.3 Höflichkeit – ein universelles Gut?
2 Praktische Beispiele
2.1 Aspekte der Höflichkeit am Beispiel von Deutschland
2.1.1 verbal
2.1.2 nonverbal
2.1.3 paraverbal
2.2 Aspekte der Höflichkeit am Beispiel von Russland
2.2.1 verbal
2.2.2 nonverbal
2.2.3 paraverbal
3 Vergleich der kulturspezifischen Höflichkeitsformen
3.1 Gemeinsamkeiten
3.2 Unterschiede
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Ausdruck von Höflichkeit im interkulturellen Vergleich zwischen Deutschland und Russland. Ziel ist es, die verbale, nonverbale und paraverbale Kommunikation beider Kulturen zu analysieren, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung und Ausführung höflichen Verhaltens aufzuzeigen und so zum Verständnis zwischen den Kulturen beizutragen.
- Interkulturelle Kommunikation und deren theoretische Grundlagen
- Analyse verbaler Höflichkeitsformen (Sprachgebrauch, Anrede)
- Untersuchung nonverbaler Ausdrucksformen (Mimik, Gestik, Proxemik)
- Betrachtung paraverbaler Aspekte (Lautstärke, Sprechtempo, Schweigen)
- Gegenüberstellung deutscher und russischer kultureller Normen
Auszug aus dem Buch
1.2 Probleme und Möglichkeiten kulturspezifischer Normen und Verhaltensweisen
Wie bereits im vorherigen Gliederungspunkt beschrieben, ist Sprache ein wichtiges Mittel des Ausdrucks und der Kommunikation, in der automatisch die erworbenen und angeeigneten Verhaltensweisen einer Person mitschwingen (vgl. Zach 2010: 10). Daher können aufgrund unterschiedlicher Kulturen und eingeprägten Handlungsmustern einer Kultur, in einer Gesprächssituation zweier Angehörigen unterschiedlicher Herkunft, gewisse Missverständnisse und Probleme auftreten. Diese unterschiedlichen Denk- und Verhaltensmuster können jedoch auch einen positiven Einfluss auf die Gesprächspartner haben. Beide Parteien können in ihrem zukünftigen Auftreten gegenüber Menschen fremder Kulturen bereits auf alle Unterschiede und Gegensätze vorbereitet sein und sich dadurch die Interpretation der Konversation und der Behavioreme erleichtern. Laibl (1995) definiert Behavioreme als soziokulturelbedingte Verhaltensweisen, die zum einen verbal, nonverbal und paraverbal ausgedrückt werden und zum anderen auch extraverbal geäußert werden können (vgl. Laibl 1995: 13).
Diese Verhaltensweisen nennt man unter anderem auch Kultureme, welche durch die Kulturemtheorie von Oksaar (1988) nachweislich geprägt wurde (vgl. Oksaar 1988: 26f). Zu diesen genannten Verhaltensweisen zählen unter anderem der räumliche Abstand, den man in einem Gespräch zu seinem Gegenüber einhält, das sogenannte Nähe- und Distanzverhalten. Aber auch die Begrüßung der Kommunikationspartner ist ausschlaggebend für den weiteren Gesprächsverlauf. Hinzu kommt paraverbales Sprechverhalten, welches mit unter die Artikulation, das Sprechtempo oder die Sprechlautstärke miteinschließt. Da paraverbale Kommunikation, anders als nonverbale Kommunikation, vom Gesprächspartner wesentlich registriert und gehört werden kann, ist es möglich, dass bestimmte Verhaltensweisen in der Ausführung des Sprechaktes falsch aufgefasst werden und somit bestimmte Differenzen zwischen den Kommunikationspartnern entstehen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Theoretische Hintergründe: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe der Interkulturalität und Höflichkeit definiert sowie die Bedeutung kulturspezifischer Normen für die Kommunikation erörtert.
2 Praktische Beispiele: Dieser Abschnitt analysiert detailliert die verbalen, nonverbalen und paraverbalen Höflichkeitsformen in Deutschland und Russland anhand spezifischer Verhaltensweisen.
3 Vergleich der kulturspezifischen Höflichkeitsformen: Hier werden die zuvor analysierten Merkmale beider Kulturen gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten in der Wertschätzung von Freundschaft sowie zentrale kulturelle Unterschiede herauszuarbeiten.
4 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede in der kulturellen Wahrnehmung von Höflichkeit zusammen und betont die Notwendigkeit, sich auf diese Differenzen vorzubereiten, um Missverständnisse zu vermeiden.
Schlüsselwörter
Höflichkeit, Interkulturalität, Kommunikation, Deutschland, Russland, Verbal, Nonverbal, Paraverbal, Proxemik, Verhaltensmuster, Interkultureller Vergleich, Missverständnisse, Normen, Kultur, Sprecherwechsel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie Höflichkeit in Deutschland und Russland unterschiedlich definiert, wahrgenommen und in der Kommunikation (verbal, nonverbal, paraverbal) ausgedrückt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Bereiche Sprache, Körpersprache (Mimik, Gestik, Raumverhalten) sowie paraverbale Signale wie Sprechtempo und Lautstärke im interkulturellen Kontext.
Welches Hauptziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, ein Verständnis für die kulturspezifischen Eigenheiten beider Länder zu schaffen, um interkulturelle Missverständnisse in Kommunikation und Geschäftsbeziehungen zu minimieren.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer vergleichenden Analyse fachwissenschaftlicher Literatur zu interkulturellen Aspekten und Kommunikationstheorien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Höflichkeitsformen beider Länder sowie einen anschließenden Vergleich, der Gemeinsamkeiten und Unterschiede hervorhebt.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Höflichkeit, Interkulturalität, interkultureller Vergleich, Kommunikation und kulturspezifische Normen.
Warum spielt die Proxemik eine so wichtige Rolle in der Arbeit?
Die Proxemik, also das Raumverhalten, ist ein zentraler Aspekt der nonverbalen Kommunikation, bei dem zwischen deutschen und russischen Gepflogenheiten signifikante Unterschiede bestehen, die zu Fehlinterpretationen führen können.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von "Lächeln" laut dieser Untersuchung?
Die Autorin stellt fest, dass Lächeln in Deutschland oft als Höflichkeitsgeste dient, während es in Russland häufig als Ausdruck aufrichtiger Emotion gesehen wird und ein "grundloses" Lächeln eher negativ wahrgenommen werden kann.
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- Anna-Katharina Komm (Author), 2019, Ausdruck von Höflichkeit im interkulturellen Vergleich am Beispiel von Deutschland und Russland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889421