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Jorge Luis Borges - Ein Zyniker?

Eine Analyse der Historia Universal de la Infamia unter der Gesichtspunkt des Zynismus

Title: Jorge Luis Borges - Ein Zyniker?

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 16 Pages , Grade: 1,00

Autor:in: Caroline Wullenweber (Author)

Romance Studies - Latin American Studies
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Summary Excerpt Details

War Jorge Luis Borges ein Zyniker? Das Gedicht in dem er von Gottes glänzender Ironie spricht, ihm gleichzeitig die Bücher und die Blindheit zu schenken, lässt dies erahnen. Doch wo ist der Zynismus bei Borges verankert und wie drückt er sich aus?
Zynismus ist im Gegensatz zur Ironie kein Stilmittel, er ist eine Grundhaltung. Deswegen fällt es schwer, anhand von literarischen Werken Zynismus nachzuweisen. Was allerdings möglich ist, ist anhand von Stilmitteln und Erzählstilen auf ein zynisches Denken zu schließen. Diese zynische Grundhaltung kann sich in literarischen Stilmitteln wie Ironie, Antithese, Inversionen und Paradoxien ausdrücken. Am Anfang dieser Haltung steht der Zweifel, die Skepsis.
Dies lässt sich anhand von Borges Werk sehr gut nachweisen, jedenfalls für sein späteres Werk.

Am Anfang seiner schriftstellerischen Tätigkeit, der Zeit des sogenannten Anti-Borges, standen hingegen Werke, die sich durch Lebensfreude, Empathie und Gefallen an seinen Charakteren auszeichneten. Von dieser Art zu schreiben hat Borges sich mit der Zeit mehr und mehr entfernt. Nun übte er sich im distanzierten Blick. Er wendete sich Themen zu, die nicht mehr seiner Lebenswelt angehörten, und die ihm so einen gefühllosen Erzählstil ermöglichten. Den Anfang bildeten hier die Erzählungen aus Historia Universal de la Infamia von 1935.
Der Ansatz dieser Arbeit ist, in Analogie zu diesem Werk, den Wandel in Borges Werk und Leben zu erklären. Dieser Wandel ist der eines Idealisten zu einem intellektuellen Zyniker. Besondere Brisanz erhält dies durch den Umstand, dass Borges später sein Frühwerk negierte, ja sogar all diese Bücher vernichten wollte, so dass nichts an diesen Anti-Borges erinnere. [...]
Um diese Thesen plausibel zu machen, steht am Beginn dieser Arbeit eine Frühgeschichte des Zynismus. Daraufhin wird die Verbindung zwischen Zynismus und Intellekt hergestellt, um eine Grundlage für die Interpretation des Zynismus bei Borges zu schaffen.
Die Analyse der ersten Erzählung aus Historia Universal de la Infamia widmet sich dann genau den genannten zynischen Strukturen und versucht, sie anhand der Texte noch eingängiger zu erklären.[...]
So ist es für diese Arbeit sogar nötig, von Borges Werk auf sein Leben zu schließen und umgekehrt. Seine Vorliebe für Ironie und Verkehrung, für Oxymora und Paradoxa resultieren aus einer zynischen Lebenssicht, die charakteristisch für die Person Jorge Luis Borges ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil

2.1 Eine Frühgeschichte des Zynismus

2.2 Zynismus bei Jorge Luis Borges

2.3 Zynismus in Borges’ Werk anhand einer Analyse von „El atroz redentor Lazarus Morell“ aus Historia Universal de la Infamia

3 Schlussbetrachtungen

4 Literatur:

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Frage, ob Jorge Luis Borges als Zyniker bezeichnet werden kann, und analysiert hierfür den Wandel in seinem literarischen Schaffen von einem idealistischen Frühwerk hin zu einer zynischen, intellektuellen Grundhaltung.

  • Die philosophischen Ursprünge des Kynismus und deren Übertragung auf den modernen Zynismusbegriff.
  • Die Entwicklung von Borges’ intellektuellem Stil und seine Abkehr vom "Anti-Borges"-Frühwerk.
  • Die Analyse von zynischen Strukturen anhand von "Historia Universal de la Infamia".
  • Die Verknüpfung von Autorbiografie, literarischem Schaffen und der bewussten Nutzung paradoxer Stilmittel.

Auszug aus dem Buch

2.3 Zynismus in Borges’ Werk anhand einer Analyse von „El atroz redentor Lazarus Morell“ aus Historia Universal de la Infamia

Die gerade erst gegründete Zeitung Crítica, hatte sich die Themen Sport und Sensation als Oberthemen gesetzt. Sie beauftragte Borges damit, eine Literaturseite zu gestalten. So erschienen von 1933 bis 1934 die Texte, die 1935 zusammengefasst und publiziert wurden. In jeder Ausgabe erschien eine Erzählung unter der Rubrik Historia Universal de la Infamia, sie waren also von Anfang an als eine Serie konzipiert und hatten einen thematischen Rahmen.

Diese Texte gelten als die ersten narrativen Texte in Borges’ Werk. Sie erzählen Geschichten von Hochstaplern, Gangstern, Mördern und anderen fragwürdigen Gestalten. Sie haben weder mit Argentinien zu tun noch mit Literatur, noch mit anderen intellektuellen Bereichen, mit denen Borges vertraut war. Sie stellen im Werk von Borges etwas völlig Neues dar. Somit kann man sie in Bezug auf Borges Oeuvre als ein Schlüsselwerk ansehen.

Bereits die Überschrift konstruiert einen Gegensatz. Eine Universalgeschichte schreibt man über etwas Erhabenes, etwas allgemein Anerkanntes, vielleicht über Musik oder bildende Kunst oder Literatur. Borges schreibt eine über die Infamie, Gisbert Haefs übersetzt sie ins Deutsche mit Universalgeschichte der Niedertracht. Hier bringt Borges zwei unvereinbare Bereiche zusammen, zum ersten die womöglich akademische Geschichtsschreibung und zum zweiten das Bösartige, Niederträchtige, Infame. Dies ist die erste Ungereimtheit. Die nächste ist, dass eine Universalgeschichte evoziert, man erhielte einen umfassenden Überblick, und nicht kurze, unzusammenhängende Erzählungen, wie es hier der Fall ist. So findet bereits im Titel ein Spiel mit Paradoxien statt, das sich durch den ganzen Textkorpus zieht.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung etabliert die Forschungsfrage nach der zynischen Grundhaltung bei Jorge Luis Borges und stellt den Wandel vom "Anti-Borges"-Frühwerk zur distanzierten, zynischen Schreibweise vor.

2 Hauptteil: Der Hauptteil erläutert zunächst die philosophischen Wurzeln des Kynismus, überträgt diese auf Borges’ allgemeine literarische Strategien und analysiert abschließend detailliert die Erzählung „El atroz redentor Lazarus Morell“.

3 Schlussbetrachtungen: Das Kapitel fasst zusammen, wie Borges den Zynismus als intellektuelle Grundhaltung und Schutzmechanismus nutzte, um sich als Person hinter seinem Werk zu verbergen.

4 Literatur:: Listet die für die Untersuchung verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf.

Schlüsselwörter

Jorge Luis Borges, Zynismus, Kynismus, Literaturwissenschaft, Ironie, Historia Universal de la Infamia, Paradoxie, intellektuelle Grundhaltung, Skeptizismus, literarische Analyse, Anti-Borges, Dialektik, Peter Sloterdijk, Erzählstil, Widersprüchlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht den literarischen Wandel von Jorge Luis Borges und geht der Frage nach, inwiefern sein Schreiben von einer zynischen Grundhaltung geprägt ist.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die philosophische Abgrenzung zwischen Kynismus und Zynismus, die Bedeutung von Ironie als intellektuelles Werkzeug sowie die Untersuchung von Borges’ Frühwerk.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es nachzuweisen, dass Borges' Zynismus kein bloßes Stilmittel ist, sondern eine tief verwurzelte Haltung, die sich besonders in seinem Übergangswerk "Historia Universal de la Infamia" manifestiert.

Welche methodische Vorgehensweise wählt der Autor?

Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die philosophische Konzepte (u.a. von Peter Sloterdijk) mit einer textnahen Untersuchung von Borges' Werken verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung des Zynismus, die Anwendung auf Borges' allgemeines Werk und eine spezifische Fallstudie zu "El atroz redentor Lazarus Morell".

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie intellektueller Zynismus, Paradoxie, Distanzierung, literarische Inversion und die "Verkehrte Welt" definiert.

In welchem Verhältnis stehen Zynismus und Ironie bei Borges?

Der Autor argumentiert, dass Ironie für Borges kein Selbstzweck ist, sondern lediglich das Ausdrucksmittel einer dahinterstehenden zynischen, das heißt alles hinterfragenden, Grundhaltung.

Warum wird gerade "Historia Universal de la Infamia" als Schlüsselwerk betrachtet?

Dieses Werk markiert laut der Arbeit die Übergangsphase, in der Borges den Stil des "Anti-Borges" verlässt und beginnt, fiktive Stoffe mit distanzierter, zynischer Narrativik zu bearbeiten.

Welche Funktion hat die "Verkehrte Welt" in Borges' Erzählungen?

Sie dient als rhetorisches und inhaltliches Prinzip, um tradierte Werte und moralische Gewissheiten durch Inversionen und Paradoxien ins Lächerliche zu ziehen oder zu entwerten.

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Details

Title
Jorge Luis Borges - Ein Zyniker?
Subtitle
Eine Analyse der Historia Universal de la Infamia unter der Gesichtspunkt des Zynismus
College
Free University of Berlin  (Lateinamerika-Institut)
Course
Oscar Wilde, G.K. Chestertonm B. Shaw und J.L. Borges
Grade
1,00
Author
Caroline Wullenweber (Author)
Publication Year
2007
Pages
16
Catalog Number
V88971
ISBN (eBook)
9783638032483
Language
German
Tags
Jorge Luis Borges Zyniker Oscar Wilde Chestertonm Shaw Borges
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Caroline Wullenweber (Author), 2007, Jorge Luis Borges - Ein Zyniker?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88971
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