Frankreich und Italien - Ein Weg aus der habsburgischen Umklammerung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

25 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Italien zwischen Frankreich und Habsburg

2. Die französische Invasion Italiens
2.1 Frankreichs Situation in Europa
2.2 Italien – der geeignete Austragungsort
2.2.1 Das labile Gleichgewicht durch den Frieden von Lodi
2.2.2 Anreize des französischen Eingreifens in Italien

3. Die erste Periode der Italienkriege 1494‑1504 – der Kampf um Neapel
3.1 Die erste Heilige Liga (März 1495)
3.2 Ludwig XII. (1498-1515)

4. Die zweite Periode der Italienkriege (1509‑1516) – Norditalien
4.1 Die Liga von Cambrai (1508)
4.2 Die Zweite Heilige Liga (1511)
4.3 Die Lage der italienischen Staaten

5. Das Ringen um die Hegemonie in Europa (1521-1559)
5.1 Der erste Krieg: 1521-1525
5.2 Der zweite Krieg: 1526-1529
5.3 Der dritte Krieg: 1534-1536
5.4 Der vierte Krieg: 1542-1544
5.5 Heinrich II., der Kaiser und sein Sohn Philip II.

6. Der Friede von Cateau-Cambrésis

7. Venedig während des Kampfes um Italien

8. Die Auswirkungen der französischen Invasion

9. Literatur

10. Anhang

1. Italien zwischen Frankreich und Habsburg

Italien und das ausgehende 15. Jahrhundert sind nicht nur mit der Epoche der Renaissance und der Entdeckung Amerikas verbunden, sondern auch mit dem aufkeimenden, sich dann im 16. Jahrhundert manifestierenden Antagonismus zwischen den Herrscherhäusern Habsburg und Valois, denn um 1500 wurden die dynastischen Weichen für das habsburgische Weltreich gestellt.

Die lang andauernde Auseinandersetzung um Italien als Schlüsselregion Europas war geprägt von rasch wechselnden Bündnissen. Dabei war entscheidend, dass das Haus Habsburg im Besitz der Kaiserwürde war und dass es seit Karl V. aufgrund eines reichen dynastischen Erbes über den größten Besitz unter allen europäischen Fürsten verfügte. Beides mobilisierte Karl V. gegen den französischen König seit der gewonnenen Kaiserwahl von 1519 – insbesondere in Italien. Hier führte er insgesamt fünf Kriege gegen die französischen Könige Franz I. und Heinrich II., welche zur Anlaufstelle der Gegner des kaiserlichen Herrschaftssystems wurden.

Die Antizipation neuzeitlicher Entwicklungen in den internationalen Beziehungen vollzieht sich in der italienischen Staatenwelt zwischen dem Frieden von Lodi (1454) und dem Einfall Karls VIII. in Italien (1494), wodurch die Ära des Gleichgewichts in Italien beendet wurde. Denn damals wurden umfassende und zukunftsweisende diplomatische Instrumentarien wie ein permanentes Gesandtschaftswesen entwickelt.[1] Die Republik Venedig entwickelte auch eine Form der Berichterstattung, die in Europa einmalig blieb – die obligaten Finalrelationen ("relazioni"). Sie sind der Ausdruck der weit reichenden Außenbeziehungen der Markusrepublik, die von England über Italien bis nach Konstantinopel, Moskau und Persien reichten. Gewiss trug die Intensivierung der Diplomatie zum häufigeren Gebrauch vertraglicher Mittel bei, ohne dass daraus jedoch eine Stabilität der Beziehungen entstanden wäre. Die Vertragspraxis war auch weiterhin vom Aspekt kurzfristiger Nützlichkeit und Perspektivität gekennzeichnet, aber es war eben nicht mehr nur die Heiratspolitik, auf der sich Bündnisse gründeten.[2] Und genau dieses Verhalten der einzelnen Staaten untereinander war prägend für den Kampf um die Hegemonie in Italien zwischen 1494 und 1559, welcher für das Haus Habsburg und für Frankreich gleichzeitig ein Ringen um die Hegemonie in Europa war.[3]

In der Forschung wird dabei der Schwerpunkt eher auf die Lage Karls V. gelegt – dies spiegelt sich auch in der Quellenlage wider[4]. Es gibt nur wenige deutschsprachige Arbeiten, welche diese Epoche der italienischen Geschichte ausführlich mit den französischen Königen in Zusammenhang bringen.[5] Dabei ist natürlich festzustellen, dass der Verlauf der Kriege um Italien nur im Zusammenspiel dieser Regenten zu behandeln ist. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen die Staaten der Apenninenhalbinsel, aber auch hier begrenzt sich die in Deutsch verfasste Literatur auf Gesamtüberblicke oder die Beschreibung der einzelnen Staaten.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Ursachen und den Verlauf der französischen Invasion in Italien im Widerstreit mit Spanien/Habsburg darzustellen. Da das Handeln der italienischen Staaten und der Päpste durch diese geprägt war, sollen die Motive ihres Verhaltens – explizit am Beispiel Venedigs – und die Auswirkungen des europäischen Hegemoniestrebens auf der Halbinsel betrachtet werden.

2. Die französische Invasion Italiens

2.1 Frankreichs Situation in Europa

„Die Zeit seit dem machtpolitischen Aufstieg Frankreichs um die Mitte des 13. Jahrhunderts kennzeichnete ein permanentes Kräftemessen zwischen Frankreich und dem Imperium, sprich Deutschland, um die Vormachtstellung im Abendland.“[6]

Im 15. Jahrhundert wurde Frankreich dann durch den Hundertjährigen Krieg[7], aber auch durch die Großmachtpolitik Kaiser Maximilians (1486-1519) zur inneren Einheit gezwungen, um nicht nur politisch weiterhin ein Gegengewicht zu bilden, sondern auch um sich geopolitisch die Option zu erhalten, die habsburgische Einschnürung zu durchbrechen.[8] Diese Möglichkeit sah Karl VIII. (1483-1498) in dem Übergriff auf Italien. „Das Schicksal seines [(Maximilians)] burgundischen Erbes, ja das Schicksal des Hauses Österreich mitsamt demjenigen des Kaisertums war, seitdem es Karl VIII. gelang, sich durch Einbeziehung Italiens ein Gegengewicht gegen das Erzhaus zu verschaffen, von den Ereignissen in Italien abhängig.“[9]

[...]


[1] Vgl. Andreas, W.: Staatskunst und Diplomatie der Venezianer im Spiegel ihrer Gesandtenberichte. Leipzig, 1943. Vgl. Goez, W.: Geschichte Italiens in Mittelalter und Renaissance: Grundzüge. Darmstadt, 1988. S. 269. Vgl. Altgeld, W. (Hg.): Kleine italienische Geschichte. Stuttgart, 2002. S. 129. Vgl. Schieder, T.; Engel, J. (Hg.): Die Entstehung des neuzeitlichen Europa. Stuttgart, 1971. S. 734, 858. Vgl. Fueter, E.: Geschichte des europäischen Staatensystems von 1492-1559. Berlin [u.a.], 1919. S. 4-7.

[2] Vgl. Mittermaier, K.: Die Politik der Renaissance in Italien. Darmstadt, 1995. S. 24, 71.

[3] Vgl. Kohler, A.: Das Reich im Kampf um die Hegemonie in Europa 1521-1648. München, 1990.

[4] Kohler, A. (Hg.): Quellen zur Geschichte Karls V. Darmstadt, 1990.

[5] Treffer, G.: Franz I. von Frankreich (1494-1547). Herrscher und Mäzen. Regensburg, 1993.

[6] Mittermaier, S. 30.

[7] Vgl. Sieburg, H.-O.: Geschichte Frankreichs. Stuttgart, 1989. S. 68-85.

[8] Vgl. Schieder/Engel, S. 246.

[9] Ebd. S. 246.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Frankreich und Italien - Ein Weg aus der habsburgischen Umklammerung
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Veranstaltung
Italien in der Frühen Neuzeit
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V89000
ISBN (eBook)
9783638025157
ISBN (Buch)
9783640108770
Dateigröße
907 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bemerkungen des Ersatzkorrektors: - inhaltlich sehr gut - kleinere sprachliche Mängel, aber wohltuend über Durchschnitt - zu viele Zitate, mehr selbst formulieren - kleinere formale Mängel Und diese drei letztgenannten Punkte drückten leider meine Benotung.
Schlagworte
Frankreich, Italien, Umklammerung, Frühen, Neuzeit
Arbeit zitieren
Marlen Frömmel (Autor), 2005, Frankreich und Italien - Ein Weg aus der habsburgischen Umklammerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89000

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