Die Finanzmarktkrise 2007 in den USA und in Europa

Status Quo und Implikationen für die Zukunft


Essay, 2008

27 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Finanzmarktkrise – ein Überblick
2.1. Entstehung und Entwicklung in den USA
2.2. Auswirkungen auf Europa
2.2.1. Auswirkungen auf Deutschland
2.2.2. Auswirkungen auf weitere Länder Europas
2.2.3. Status Quo der Finanzmarktkrise

3. Finanzaufsicht in Deutschland
3.1. Deutsche Bundesbank
3.2. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
3.2.1. Allfinanzaufsicht
3.2.2. Hauptaufgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
3.2.3. Bankenaufsicht
3.2.4. Versicherungsaufsicht
3.2.5. Wertpapieraufsicht
3.3. Mögliche Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise

4. Schlussbetrachtung

Bibliographie

1. Einleitung

In der Mitte des Jahres 2007 zeigte die so genannte US-Immobilienkrise auch auf andere Länder massive Auswirkungen.[1] Hohe Investitionen in Wertpapiere, welche mit amerikanischen Immobilienkrediten und anderen Forderungen unterlegt waren, trugen dazu bei, dass sich die US-Hypothekenkrise zu einem weltweiten Finanzproblem ausweitete.[2] Durch eigene Anlagen oder so genannte Zweckgesellschaften waren beziehungsweise sind einige Kreditinstitute in Europa tief mit diesen Problemen verbunden.[3] Bereits vor Krisenbeginn im Jahre 2007 galten US-Hypotheken als risikoreich. Als sich die Zahlungsausfälle von Kunden mit schlechter Bonität (Subprime) häuften, fielen zunächst im Monat Juli des Jahres 2007 die Kurse der US-Banken. Kurz darauf erreichte die Krise auch Deutschland und traf insbesondere einige Landesbanken, wie zum Beispiel die SachsenLB.[4]

Das Ziel der vorliegenden Expertise besteht darin, die Entstehung und Entwicklung der Bankenkrise zu beschreiben, die Zusammensetzung und Aufgabenbereiche der Finanzaufsicht in Deutschland zu präsentieren sowie die Folgen der Finanzmarktkrise für die Finanzmarktaufsicht in Deutschland zu diskutieren und mögliche Konsequenzen (Reformen) für die Zukunft aufzuzeigen.

2. Die Finanzmarktkrise – ein Überblick

Einführend werden die Entstehung der Finanzmarktkrise in den USA geschildert und die Auswirkungen insbesondere auf Deutschland erläutert.

2.1. Entstehung und Entwicklung in den USA

Seit dem Jahre 2000 und in den Folgejahren boomte der Immobilienmarkt in den USA. Die US-Notenbank Federal Reserve System (Fed)[5] senkte zwischen den Jahren 2001 und 2003 die Leitzinsen auf ein Prozent. Vor diesem Hintergrund wurden die US-Banken mit der Kreditvergabe sehr nachgiebig. Auch Klienten mit extrem schwacher Bonität, so genannte Subprime-Kunden, erhielten Kredite zum Bau von Immobilien. Dabei verfügten zahlreiche Darlehen über variable und obendrein in den ersten zwei Jahren über sehr niedrige Zinssätze.[6] Der Markt für die Subprime-Kredite wuchs bis zum Ende des Jahres 2006 auf 1,5 Billionen Dollar an. Die Banken reichten den Großteil dieser Kredite über den Kapitalmarkt, das heißt an andere Kreditinstitute, Hedge-Fonds und Fonds, weiter. Konkret konnte dies über langfristig laufende Asset Backed Securities (ABS) realisiert werden. Bei den ABS wurden zunächst Finanzaktiva in Form eines Treuhandvermögens gepoolt. Danach wurden die in diesem Pool befindlichen Ansprüche in Form von Wertpapieren verbrieft und am Kapitalmarkt entsprechend platziert. Adressaten dieser Wertpapiere waren insbesondere institutionelle Anleger.[7] Innerhalb einer ABS-Transaktion fand eine Veräußerung eines großvolumigen, diversifizierten Portfolios von Forderungen eines Unternehmens an eine nicht zum Konsolidierungskreis des Unternehmens gehörende Gesellschaft statt. Diese finanzierte den Kauf durch die Ausgabe von Wertpapieren, den ABS. Die Zins- und Tilgungsleistungen erfolgten durch den Cashflow der fälligen Forderungen, wobei die Verwaltung der Forderungen bei dem Unternehmen blieb. Über die Verbriefungsstrukturen konnten insbesondere Banken ihre Risiken aus der Kreditvergabe an Drittparteien transferieren und damit die Refinanzierung eines Kreditportfeuilles unmittelbar über den Kapitalmarkt betreiben. „Damit werden bisher illiquide Kreditrisiken handelbar und können effizient auf andere Kapitalmarktteilnehmer umverlagert werden.“[8] Neben den ABS, das heißt zusammenfassend Anleihen, welche mit den schwachen Hypotheken in den USA unterlegt sind, wurden auch ähnlich konstruierte kurzfristige Asset Backed Commercial Paper (ABCP) zur Umlagerung genutzt.

Die etappenweise Erhöhung der US-Leitzinsen von Mitte des Jahres 2004 bis in das Jahr 2006 auf 5,25 Prozent und die fallenden Immobilienpreise lassen sich als Auslöser der Finanzkrise identifizieren.[9] Im März des Jahres 2007 gingen zahlreiche auf Subprime-Kunden spezialisierte US-Hypothekenfinanzierer wie zum Beispiel die New Century insolvent.[10] Im Juni des Jahres 2007 gingen zwei Hedge-Fonds der US-Bank Bear Stearns an ihrem Subprime-Investment zugrunde. Im Juli des Jahres 2007 begannen die Ratingagenturen mit Herabstufungen der mit Subprime-Krediten besicherten ABS. Als Folge stiegen die Risikoaufschläge an den Kreditmärkten deutlich. Banken und Private-Equity-Institute fanden kaum noch Abnehmer für Anleihen und neue Kredite. Ferner scheiterten kreditfinanzierte Übernahmen. Cünnen (2007) fasst die Entstehung der Krise wie folgt zusammen: „Bereits im März gingen zahlreiche Baufinanzierer in den USA, die sich auf die bonitätsschwachen Hausbauer konzentriert hatten, in die Knie. Fallende Immobilienpreise auf der einen und steigende Zinsen auf der anderen Seite ließen die Ausfallraten bei den Krediten der wenig zahlungskräftigen Hypothekennehmer drastisch steigen. Seither zieht die so genannte ‚Subprime-Krise’ immer weitere Kreise.“[11]

In den folgenden Abschnitten werden – ansatzweise und auf der Grundlage betroffener Institute in Europa – die Auswirkungen der Subprime-Krise auf Europa skizziert.

2.2. Auswirkungen auf Europa

In den Sommermonaten des Jahres 2007 zeigte die Finanzkrise auch ihre Auswirkungen auf dem europäischen Markt. Zunächst werden die Auswirkungen auf Deutschland und im Fortgang auf weitere Länder Europas dargestellt.

2.2.1. Auswirkungen auf Deutschland

Insbesondere in Deutschland gerieten die Banken Deutsche Industriebank (IKB) und SachsenLB in eine prekäre Situation. Diese Kreditinstitute mussten vor dem Zerfall gerettet werden. Anfang August 2007 musste die Düsseldorfer IKB von einem KfW-Bankenpool mit einer Bürgschaft gerettet werden, welche mehrere Millionen Euro umfasste. Über ihren Rhineland-Fonds war diese Bank von problematischen US-Immobilienkrediten getroffen worden.

Nach der im letzten Augenblick verhinderten Insolvenz, der anschließenden Veräußerung der SachsenLB und dem damit verbundenen Rücktritt des Finanzministers des Bundesland Sachsens gab es sogar Spekulationen um ein Ende der Regierungskoalition in diesem Bundesland. Die Landesbank Sachsen musste mit einer Kreditlinie der Sparkassen-Finanzgruppe in Höhe von mehr als 17 Milliarden Euro aufgefangen werden.[12] Eine in Dublin ansässige Tochtergesellschaft Ormond Quay nahm umfangreiche Investitionen in den US-Immobilienmarkt vor. Über diese Zweckgesellschaft hatte die SachsenLB den Handel geführt und die Risiken nicht in der Bilanz aufgezeigt, was letztlich zur Krise geführt hatte.[13] Schließlich erfolgte der endgültige Verkauf der SachsenLB an die Landesbank Baden-Württemberg Ende August 2007.[14]

Auch die Commerzbank war in diesem Zusammenhang von der Finanzmarktkrise stärker betroffen, als noch im Monat Juli 2007 vermutet wurde. Die Bank hatte mit 1,2 Milliarden Euro im Subprime-Bereich investiert. Die angekündigten Abschreibungen in Höhe von 80 Milliarden Euro spiegelten nicht den Informationsstand wider, welchen die Commerzbank im Oktober 2007 publiziert hatte. Diese Abschreibungen werden zweifellos nicht ausreichen.[15]

2.2.2. Auswirkungen auf weitere Länder Europas

Die Finanzmarktkrise wirkte sich auch auf weitere europäische Staaten aus. Vor der britischen Hypothekenbank Northern Rock versammelten sich Kunden, welche sich um ihr Geld sorgten.[16] Die Northern Rock wurde schließlich mit Krediten der Bank of England gestützt, um eine Insolvenz zu vermeiden. Durchweg alle britischen Institute forderten zu Beginn des Monats September 2007 Liquiditätshilfen durch die Notenbank (Bank of England). Die Liquiditätsprobleme nahmen auch am gesamten Bankenmarkt in Großbritannien zu. Beispielsweise mussten die Banken für ihre kurzfristige Refinanzierung ein sehr hohes Kapitalvolumen aufbringen wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Der Kapitalmarktzins, zu welchem sich die Banken in London untereinander Finanzmittel zur Verfügung stellten, stieg im September 2007 sukzessive an und bemaß sich schließlich um fast ein Prozent über dem Leitzins der britischen Zentralbank.[17]

[...]


[1] Vgl. DZ Bank (2007), S. 1 f.

[2] Vgl. Kurm-Engels / Maisch (2007), S. 21; auch o. Verf. (2007), S. 1.

[3] Vgl. Nagl (2007), S. 28.

[4] Vgl. Drost (2007), S. 10.

[5] Beim Federal Reserve System handelt es sich um ein zweistufiges Geld- und Kreditsystem, dem in den USA die Aufgabe der Zentralbank zukommt. Zwölf Federal Reserve Banks (FRB) bilden das Zentrum der FED. Diese Banken repräsentieren die alleinigen Notenbanken der USA und die Zentralinstitute, bei denen die dem FRS angehörenden Geldinstitute ihre Liquiditätsreserven halten. Die Leitung einer FRB übernimmt ein Verwaltungsrat, welcher sich aus neun Mitgliedern zusammensetzt. Sechs Mitglieder dieses Organs werden von den untergeordneten Mitgliedsbanken und drei von dem übergeordneten Board of Governours of the Federal Reserve System gewählt. Dabei handelt es sich um den Zentralbankvorstand, einem Gremium sieben Mitgliedern, welche vom US-Kongress bei der Ernennung des US-Präsidenten für einen Zeitraum von vierzehn Jahre benannt werden. Das Board of Governours of the Federal Reserve System überwacht das US-Federal System und legt die Geldmarktpolitik fest. Vgl. dazu Bord of Governors of the Federal Reserve System (2005), S. 2 ff.

[6] Vgl. dazu Schneck (2004), S. 96 ff.

[7] Vgl. Paul (2006), S. 506.

[8] Perridon / Steiner (2007), S. 436.

[9] Vgl. Nagl (2007), S. 29.

[10] Vgl. dazu Maisch / Cünnen / Wiede et al. (2007), S. 10.

[11] Cünnen (2007), S. 2.

[12] Vgl. o. Verf. (2007a), URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,500626,00.html (Stand: November 2007).

[13] Vgl. Biskamp / Bergermann (2007), S. 74.

[14] Vgl. o. Verf. (2007b), S. 40 f.

[15] Vgl. Biskamp / Bergermann (2007), S. 74.

[16] Vgl. DZ Bank (2007), S. 1.

[17] Vgl. Maisch (2007), S. 21.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Finanzmarktkrise 2007 in den USA und in Europa
Untertitel
Status Quo und Implikationen für die Zukunft
Autor
Jahr
2008
Seiten
27
Katalognummer
V89010
ISBN (eBook)
9783638032568
ISBN (Buch)
9783638929783
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzmarktkrise, Europa
Arbeit zitieren
Mathias Kunze (Autor:in), 2008, Die Finanzmarktkrise 2007 in den USA und in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89010

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