Islamic Banking im globalen Finanzsystem


Essay, 2008

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen des Islamic Banking
2.1. Historische Entwicklung
2.2. Begriffsklärung und Kriterien des Islamic Banking

3. Finanzierungsformen des Islamic Banking im internationalen Finanzsystem
3.1. Beteiligungsfinanzierung
3.2. Exportfinanzierung
3.3. Klassische Anleihen
3.4. Sachmittelkredite
3.6. Leasing
3.7. Projektfinanzierung

4. Integration des Islamic Banking in das Bankensystem am Beispiel von Malaysia

5. Schlussbetrachtung

Bibliographie

1. Einleitung

Innerhalb des globalen Finanzsystems nimmt das Islamic Banking mittlerweile einen bedeutenden Platz ein.[1] Immobilienprojekte in Dubai, Staatsanleihen des Emirates von Katar oder die Erneuerung der Flugzeugflotte von Emirates sind nur einige wenige Investitionsbeispiele, welche auf der Grundlage von Islamic-Banking-Produkten finanziert wurden.[2] Islamische Finanzprodukte können dabei auch durchweg auch für Anleger außerhalb der islamischen Welt interessant sein. Zunehmend operieren daher bereits islamische Finanzinstitutionen nicht nur erfolgreich in der islamischen Welt, sondern haben auch ihren Platz in Europa und in den USA gefunden.[3] Im Jahre 1996 konnte bereits ein in islamische Finanzprodukte angelegtes Vermögen in Höhe von mehr als 100 Milliarden US-Dollar mit einem jährlichen Wachstum in Höhe von 15 Prozent verzeichnet werden. Obwohl diese Entwicklung einerseits unwahrscheinlich positive Aspekte impliziert, müssen andererseits verschiedene Kriterien im Kontext dieser Finanzierungsanlagen beachtet werden. Die vorliegende Untersuchung zeigt zunächst die historische Entwicklung über das Islamic Banking auf, erläutert grundlegende Begrifflichkeiten und erörtert die strengen Kriterien des Islamic Banking. Im Fortgang erfolgt eine Positionierung des Islamic Banking im internationalen Finanzsystem. Hier werden eingangs sowohl wirtschaftliche als auch rechtliche Rahmenbedingungen untersucht und im weiteren Verlauf Finanzierungsformen des Islamic Banking präsentiert, welche speziell im internationalen Finanzsystem populär sind. Anschließend wird die Integration des Islamic Banking in das Bankensystem am Beispiel von Malaysia aufgezeigt. In der abschließenden Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse zusammengefasst und evaluiert.

2. Grundlagen des Islamic Banking

Einführend werden die Grundlagen des Islamic Banking erörtert. Um ein besseres Verständnis für das Islamic Banking aufzubringen, erfolgt eingangs ein historischer Abriss. Im Folgenden werden wichtige Begriffe erläutert und die Kriterien des Islamic Banking aufgezeigt.

2.1. Historische Entwicklung

Die ersten modernen Formen des islamischen Bankenwesens entstanden Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, deren Auslöser der Anstieg des Ölpreises und die Ausbreitung panislamischer Bewegungen bildeten. Durch die Gründung der Organisation Islamischer Staaten (OIC) im Jahre 1970 wurden Tendenzen gefördert, das bisher traditionell geführte islamische Bankenwesen an die gegenwärtigen Verhältnisse anzupassen. Es entstanden Forschungseinrichtungen, welche sich ausschließlich mit der Gestaltung des Finanzwesens befassten, welche sich am Islam orientierten. Im Jahre 1974 wurde dann durch einen Beschluss auf dem Gipfeltreffen der OIC in Lahore die Gründung der Islamischen Bank für Entwicklung (IDB) beschlossen. Diese Bank legte den Grundstein für ein neues, islamisch geprägtes Bankensystem.[4] Ferner sollte sie die wirtschaftliche Entwicklung und den sozialen Fortschritt der islamischen Mitgliedsstaaten entsprechend der Prinzipien des islamischen Rechts fördern.[5] Im Jahre 1975 wurde die Dubai Islamic Bank als erste staatlich unabhängige Bank eröffnet. Damit entstand ein internationaler Verband islamischer Banken, welche sich gemeinsam gewissen islamischen Normen und Interessen unterwarfen. Im Jahre 1979 unterwarf Pakistan als erstes Land sein gesamtes Bankenwesen vollständig den islamischen Anordnungen; im Jahre 1983 folgten der Iran und der Sudan.[6]

Im Jahre 1996 implementierte die amerikanische Citibank einen Geschäftszweig mit islamischen Produkten und eröffnete eine Filiale in Bahrain. Damit nimmt diese Bank eine Vorreiterposition bei der Implementierung islamischer Produkte außerhalb der islamischen Welt ein.[7] Im Jahre 2002 wurde mit der Islamic Bank of Britain die erste europäische Bank mit islamischem Charakter eröffnet. Mittlerweile wurden in Großbritannien sieben Geschäftsstellen eröffnet. Weitere Expansionen sind in Frankreich und Deutschland geplant.[8] Bis zum heutigen Tage haben sich 275 islamische Banken in 80 Ländern etabliert,[9] welche gegenwärtig über eine Marktkapitalisierung in Höhe von rund 13 Milliarden US-Dollar, ein Guthaben in Höhe von 265 Milliarden US-Dollar und tätigen finanziellen Investitionen in Höhe von 400 Milliarden US-Dollar verfügen.[10] Weitere Banken folgten und zwischenzeitlich verfügen fast alle Geldinstitute über ein ‚Fenster zur islamischen Welt’ oder sie offerieren spezielle Dienstleistungen für islamische Finanzprodukte.[11] Aufgrund dieser Entwicklungen existieren seit dem Jahre 1999 zwei islamische Marktindices: der Dow Jones Islamic Market Index sowie der FTSE Islamic Index. Hier werden ausschließlich Unternehmen aufgenommen, welche den Kriterien des Islamic Banking gerecht werden.[12] Während im Jahre 1999 nur rund zwölf Islam-Fonds aufgelegt wurden, gab es im Jahre 2006 bereits mehr als 150 Islam-Fonds. In den Jahren 2004 bis 2006 ließen sich Kurssteigerungen um mehr als 65 Prozent identifizieren.[13]

Auch in Deutschland nimmt das Interesse an islamischen Finanzprodukten verstärkt zu. Die erste Bank, welche in Deutschland einen islamischen Fonds aufgelegt hat, war im Jahre 2000 die Commerz International Capital Management, eine Tochtergesellschaft der Commerzbank. Bei diesem Fonds handelte es sich um den Al-Sukoor European Equity Fund.[14] Die Auflage dieses Fonds wurde mit dem hierzulande vorhandenen Potenzial assoziiert, zumal immerhin 3,5 Millionen Muslime in Deutschland leben, welche ihr Geld entweder bei den konventionellen deutschen Banken anlegen oder aber in Immobilien in ihren Heimatländern investieren. Da muslimische Mitbürger im Vergleich zu deutschen Bürgern eine fast doppelt so hohe Sparquote aufweisen, wurde seitens der Commerzbank prognostiziert, dass die Implementierung dieses Fonds erfolgreich sein kann, zumal sich die muslimische Bevölkerung mit diesem Finanzprodukt aufgrund ihrer Mentalität identifizieren könnte.[15] Doch das Projekt der Commerzbank scheiterte. Um einen Fonds in diesem Bereich effektiv und effizient zu betreiben, muss dieser minimal über ein Anlagevolumen in Höhe von zwanzig Millionen Euro verfügen. Im Jahre 2005 betrug das Anlagevolumen dieses Fonds jedoch nur vier Millionen Euro, weshalb der Fonds zu Beginn des Jahres 2006 geschlossen wurde. Der Grund dieser Fehlentwicklung lag wohl offenbar darin, dass die Kriterien für Islamic Banking nicht konkret eingehalten wurden. Außerdem kritisierten Experten, dass für dieses Projekt keine konsequenten Marketingmaßnahmen betrieben wurden.[16]

[...]


[1] Vgl. Bälz (2007), S. 1.

[2] Vgl. Bälz (2005), S. 1.

[3] Vgl. Warde (2007), S. 1 und Bälz (2005), S. 38.

[4] Vgl. Warde (2007), S. 1.

[5] Vgl. Bälz (2005), S. 38.

[6] Vgl. Warde (2007), S. 1.

[7] Vgl. Bälz (2005), S. 38.

[8] Vgl. Rauscher (2006), S. 24.

[9] Vgl. Rauscher (2006), S. 23.

[10] Vgl. Bälz (2005), S. 38.

[11] Vgl. Warde (2007), S. 1.

[12] Vgl. Bälz (2005), S. 38.

[13] Vgl. Knappmann (2006), S. 2.

[14] Vgl. Bälz (2007), S. 2.

[15] Vgl. Knappmann (2006), S. 1.

[16] Vgl. Knappmann (2006), S. 2.

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Details

Titel
Islamic Banking im globalen Finanzsystem
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V89016
ISBN (eBook)
9783638035064
ISBN (Buch)
9783638929769
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islamic, Banking, Finanzsystem
Arbeit zitieren
Mathias Kunze (Autor), 2008, Islamic Banking im globalen Finanzsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89016

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