Die völkische Bewegung, deren Terminus „völkisch“ auf den verwirrenden, metaphysischen, mithin mystischen, deutschen Begriff „Volk“ zurückgeht, ist in jeder Hinsicht nur schwer zu fassen. Das ist vermutlich auch der Grund, wieso sich keiner der beiden Autoren auch nur im Ansatz an einer Definition der völkischen Bewegung versucht.
Uwe Puschner betont die Vielschichtigkeit, Komplexität und Differenziertheit der völkischen Bewegung, die ein breites weltanschauliches Spektrum innerhalb der Bewegung zur Folge hatten. Auch deshalb bereitet es große Schwierigkeiten, die Begriffe „völkisch“ und „völkische Bewegung“ zu definieren. Prinzipiell lässt sich nur sagen, dass die völkische Bewegung eine lebens- und kulturreformerisch orientierte Sammelbewegung unterschiedlichster (ideologischer) Strömungen war.
Auch die zeitliche Einordnung der völkischen Bewegung bereitet Probleme. Von einer völkischen Bewegung wurde erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts gesprochen, ihre unmittelbaren Ursprünge liegen jedoch im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, namentlich in der „deutschen Bewegung“. Sowohl Puschner als auch Mosse weisen darauf hin, dass die entscheidende Entwicklung der völkischen Bewegung und ihrer Ideologie nicht nach, sondern bereits vor dem 1. Weltkrieg stattfand. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Die völkische Bewegung
2. Hauptaugenmerk: Verhältnis von Nationalsozialismus und völkischer Bewegung
3. George Mosses Pfeiler der völkischen Ideologie
4. Entstehung und Entwicklung der völkischen Bewegung
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der völkischen Bewegung auseinander, indem sie die Analysen von Uwe Puschner und George Mosse gegenüberstellt. Das primäre Ziel ist es, die Entstehung, Ideologie und die strukturelle Entwicklung der völkischen Bewegung vor dem Ersten Weltkrieg zu untersuchen sowie deren komplexes, teilweise spannungsreiches Verhältnis zum späteren Nationalsozialismus kritisch zu beleuchten.
- Historische Einordnung der völkischen Bewegung und ihrer Ideologie
- Strukturierung der völkischen Weltanschauung anhand der Schlüsselbegriffe Sprache, Rasse und Religion
- Die Rolle der völkischen Bewegung als ideologischer Nährboden des Nationalsozialismus
- Bedeutung von Institutionen und Schrifttum für die gesellschaftliche Verbreitung völkischer Ideen
- Die Funktion des Antisemitismus als konstitutives Element und Bindemittel der Bewegung
Auszug aus dem Buch
Die völkische Bewegung
Die völkische Bewegung, deren Terminus „völkisch“ auf den verwirrenden, metaphysischen, mithin mystischen, deutschen Begriff „Volk“ zurückgeht, ist in jeder Hinsicht nur schwer zu fassen. Das ist vermutlich auch der Grund, wieso sich keiner der beiden Autoren auch nur im Ansatz an einer Definition der völkischen Bewegung versucht.
Uwe Puschner betont die Vielschichtigkeit, Komplexität und Differenziertheit der völkischen Bewegung, die ein breites weltanschauliches Spektrum innerhalb der Bewegung zur Folge hatten. Auch deshalb bereitet es große Schwierigkeiten, die Begriffe „völkisch“ und „völkische Bewegung“ zu definieren. Prinzipiell lässt sich nur sagen, dass die völkische Bewegung eine lebens- und kulturreformerisch orientierte Sammelbewegung unterschiedlichster (ideologischer) Strömungen war.
Auch die zeitliche Einordnung der völkischen Bewegung bereitet Probleme. Von einer völkischen Bewegung wurde erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts gesprochen, ihre unmittelbaren Ursprünge liegen jedoch im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, namentlich in der „deutschen Bewegung“. Sowohl Puschner als auch Mosse weisen darauf hin, dass die entscheidende Entwicklung der völkischen Bewegung und ihrer Ideologie nicht nach, sondern bereits vor dem 1. Weltkrieg stattfand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die völkische Bewegung: Einführung in die Problematik der Begriffsdefinition und die zeitliche Verortung der völkischen Bewegung zwischen Ende des 19. Jahrhunderts und dem Ersten Weltkrieg.
2. Hauptaugenmerk: Verhältnis von Nationalsozialismus und völkischer Bewegung: Analyse der komplexen, teils gegnerischen und teils ergänzenden Beziehung zwischen den völkischen Institutionen des Kaiserreichs und dem aufkommenden Nationalsozialismus.
3. George Mosses Pfeiler der völkischen Ideologie: Untersuchung der rassenideologischen und naturmystischen Grundlagen, die laut Mosse die geistige Basis für die NS-Ideologie bildeten.
4. Entstehung und Entwicklung der völkischen Bewegung: Erläuterung der Bedeutung von gesellschaftlicher Stimmung und Antisemitismus als Triebkräfte, sowie eine kritische Reflektion der wissenschaftlichen Herangehensweise der Autoren.
5. Literatur: Verzeichnis der herangezogenen wissenschaftlichen Werke von George L. Mosse und Uwe Puschner.
Schlüsselwörter
Völkische Bewegung, Nationalsozialismus, Ideologie, Antisemitismus, Weltanschauung, Uwe Puschner, George Mosse, Rassenlehre, Wilhelminisches Kaiserreich, Kulturreform, Germanisches Christentum, deutsche Bewegung, Weltanschauung, Politik, Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die völkische Bewegung in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und vergleicht dazu die Perspektiven der Historiker Uwe Puschner und George Mosse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die ideologischen Grundlagen der Bewegung, ihre institutionelle Verankerung im Kaiserreich und ihr Einfluss auf die Entstehung des Nationalsozialismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die völkische Bewegung systematisch zu erfassen und zu klären, inwieweit sie als Wegbereiterin oder ideologischer Nährboden für den Nationalsozialismus fungierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der die Konzepte von Puschner und Mosse gegenübergestellt und kritisch bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Differenzierung völkischer Strömungen, der Rolle von Antisemitismus als Bindemittel und der gesellschaftlichen Institutionalisierung völkischer Ideen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind völkische Bewegung, Antisemitismus, Ideologie, Nationalsozialismus und die Analyse von Puschner und Mosse.
Wie bewerten die Autoren das Verhältnis zum Nationalsozialismus?
Beide Autoren sehen eine ideologische Verwandtschaft, betonen aber, dass die Beziehung zwischen völkischer Bewegung und Nationalsozialismus uneinheitlich, komplex und teilweise durch Rivalität geprägt war.
Welche Bedeutung hat der Antisemitismus laut Mosse?
Mosse sieht im Antisemitismus ein konstitutives Element der völkischen Bewegung, das als Triebkraft und wesentliches Bindemittel innerhalb der Ideologie fungierte.
Was kritisiert der Autor an den untersuchten Werken?
Es wird kritisiert, dass die Autoren die völkische Bewegung zu stark aus der Retrospektive des Nationalsozialismus betrachten und sie weniger als eigenständiges Phänomen würdigen.
Warum fällt eine Definition der völkischen Bewegung so schwer?
Der Begriff ist durch seine metaphysischen und mystischen Wurzeln im Wort „Volk“ sowie durch die enorme Vielschichtigkeit und Differenziertheit der ideologischen Strömungen innerhalb der Bewegung kaum präzise zu fassen.
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- Fabian Uhl (Author), 2007, Die völkische Bewegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89073