Über den Autor:
Jens Gerstner absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung als Bankkaufmann, die er als einer der Landesbesten abschloss. Anschließend studierte er an der Universität des Saarlandes Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkt Bankwirtschaft, Außenhandel und internationales Management sowie Personal- und Organisationsmanagement.
Der „IAA-India-Day“, der im Jahr 2007 zum zweiten Mal stattfand, sollte Wege für Kooperationen im boomenden Automobilmarkt von Indien vorzeigen. Auf der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am Main, der „weltgrößten Branchenschau“ (Financial Times Deutschland 2005) wurden mehrere Kooperationsverträge zwischen Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), und seinem indischen Kollegen Ravi Kant, designierter Präsident des indischen Automobilverbandes SIAM und Managing Direktor von Tata Motors unterschrieben (IAA 2007a). Der Präsident des deutschen Automobilverbandes ist sich sicher, dass der indische und der deutsche Automobilmarkt nicht aufeinander verzichten können (IAA 2007b). Ein weiteres Projekt, welches im März diesen Jahres vom indischen Industrieministerium verabschiedet wurde, ist der Automotive Mission Plan 2016 (vgl. Abb.1). Dieser ist konkret an die indische Automobilindustrie gerichtet, welche nach Aussage der Regierung Indiens als „Sonnenaufgang“ (IAA 2007b) der indischen Industrie bezeichnet wird. Dieser Plan besagt, dass wegen der demografischen Entwicklung in Indien bis zum Jahre 2016 der Bedarf an günstigen Autos rasant steigen und das Wachstum von derzeit 14% pro Jahr bei weitem übertreffen wird (IAA 2007b). Jedoch will man sich nicht nur auf das erwartete Wachstum innerhalb des eigenen Landes verlassen. Um eventuelle Nachfrageschwankungen des Heimatmarktes auszugleichen und ebenfalls von den Chancen des internationalen Automobilmarktes profitieren zu können, streben indische Automobilhersteller nach internationalen Märkten (Raina 2007). Die bisherige Internationalisierung steht noch am Anfang, denn auf der größten Automobilmesse der Welt mit über 1.000 Ausstellern ist die indische Industrie wenig vertreten (Financial Times Deutschland 2007). Genau 4 Messestände aus Indien sind auf der IAA 2007 gemeldet, darunter ein Gemeinschaftsstand der ACMA. Es handelt sich dabei ausschließlich um Zulieferer, von den indischen Pkw-Herstellern selbst befindet sich kein Präsentationsstand auf der IAA 2007 (IAA 2007c).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Markteintrittsstrategien im internationalen Wettbewerb
2.1. Markteintrittsstrategie
2.2. Markteintrittszeitpunkte
2.2.1. Übersicht der Markteintrittszeitpunkte
2.2.2. Länderübergreifende Timingstrategien
2.2.3. Länderspezifische Timingsstrategien
2.3. Markteintrittsformen
2.3.1. Systematisierung der Markteintrittsformen
2.3.2. Arten von Markteintrittsformen
2.3.2.1. Export
2.3.2.2. Betätigungsformen mit Wertschöpfung im Ausland ohne Kapitalbeteiligung
2.3.2.2.1. Lizenzierung
2.3.2.2.2. Know-how-Verträge
2.3.2.2.3. Franchising
2.3.2.3. Betätigungsformen mit Wertschöpfung im Ausland und Kapitalbeteiligung
2.3.2.3.1. Joint Ventures
2.3.2.3.2. Tochtergesellschaften und Akquisitionen
2.3.3. Einflussfaktoren auf die Wahl der Markteintrittsform
2.3.3.1. Varianten der Leistungsstrategie
2.3.3.2. Markt – bzw. Standortwahl
3. Rahmenbedingungen bei Markteintrittstrategien
3.1. Wichtige Rahmenbedingungen des indischen Marktes
3.2. Der indische Automobilmarkt – ein Überblick
3.2.1. Branchenstruktur
3.2.2. Wettbewerber
3.2.3. Lieferanten
3.2.4. Abnehmer
3.2.4.1. Endverbraucher
3.2.4.2. Händler
3.3. Der europäische Pkw-Markt – ein Überblick
3.3.1. Branchenstruktur
3.3.2. Wettbewerber
3.3.3. Lieferanten
3.3.4. Abnehmer
3.3.4.1. Endverbraucher
3.3.4.2. Händler
4. Unternehmensspezifische Faktoren
4.1. Unternehmensziele von Tata Motors und M&M
4.2. Finanzkraft von Tata Motors und M&M
4.3. Produktmerkmale von Tata Motors und M&M
4.4. Produktkapazitäten von Tata Motors und M&M
5. Analyse der Markteintrittsformen auf europäischen Märkten anhand der Beispiele der indischen Pkw-Hersteller Tata Motors und M&M
5.1. Markteintrittszeitpunkte indischer Pkw-Hersteller in europäischen Märkten
5.1.1. Ablauf der länderübergreifenden Timingstrategie von Tata Motors und M&M
5.1.2. Ablauf der länderspezifischen Timingstrategie von Tata Motors und M&M
5.2. Analyse der Markteintrittsform und der Marktwahl indischer Pkw-Hersteller in europäischen Märkten am Beispiel von Tata Motors und M&M
5.2.1. Markteintritt von Tata Motors auf dem europäischen Markt
5.2.2. Markteintritt von M&M auf dem europäischen Markt
5.2.3. Potenzielle Formen der weiteren Marktbearbeitung durch Tata Motors und M&M
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Eintrittsstrategien indischer Automobilhersteller auf den gesättigten europäischen Märkten. Das primäre Forschungsziel besteht darin, die von Tata Motors und M&M gewählten Markteintrittszeitpunkte sowie die gewählten Marktbearbeitungsformen kritisch zu untersuchen und deren Erfolgsaussichten vor dem Hintergrund der spezifischen Unternehmensfaktoren und Marktgegebenheiten zu bewerten.
- Grundlagen des internationalen Markteintrittsmanagements
- Strukturanalyse des indischen und des europäischen Automobilmarktes
- Unternehmensspezifische Analyse von Tata Motors und Mahindra & Mahindra
- Empirische Untersuchung der Markteintrittsformen und Timingstrategien in Europa
- Bewertung potenzieller weiterer Expansions- und Kooperationsszenarien
Auszug aus dem Buch
2.2.2. Länderübergreifende Timingstrategien
Grundsätzlich sind drei Formen der länderspezifischen Timingstrategien zu unterscheiden(vgl. Tab. 1). Der Unterschied besteht in der räumlichen bzw. der produktbezogenen Grundlage. (Zentes/ Swoboda/Schramm-Klein 2006, S.133).
Variante A: Wasserfallstrategie: Auslandsmärkte werden sukzessive erschlossen. Das Produkt (Objekt) wird hierbei nach einer einleitenden Stufe, z.B. nach gesammelten Erfahrungen auf dem Heimatmarkt, auf einer zweiten Stufe in einem Auslandmarkt eingeführt (vgl. Abb. 2). Das Unternehmen stellt hierbei sicher, dass auf bereits gemachte Erfahrungen aus dem Heimatmarkt zurückgegriffen werden kann. Mit den darauf folgenden Stufen steigt der Grad der Heterogenität der zusätzlich aufgenommenen Ländermärkte. Einerseits kann das Unternehmen nach jeder weiteren Stufe überlegen, welche Märkte als nächstes erschlossen werden sollen, so dass man sich geänderten Unternehmens- und Umweltbedingungen anpassen kann. Andererseits kann ein Unternehmen z.B. bei einer Neuprodukteinführung nicht nur das Auslandsengagement in einem Land festlegen, sondern auch spätere Stufen eingehend planen.
Variante B: Sprinklerstrategie: Auslandsmärkte werden simultan erschlossen (vgl. Abb. 3). Der Grund für die Wahl dieser länderübergreifenden Timingstrategie lässt sich in wettbewerbsstrategischen Überlegungen finden. Von praktischer Relevanz kann es z.B. sein, wenn eine Neuprodukteinführung in bereits erschlossene Märkte geplant wird. Ein weiterer Grund kann sein, dass aufgrund der immer kürzer werdenden Produkt und Technologiezyklen in bestimmten Branchen in Verbindung mit hohen Entwicklungskosten und steigendem Wettbewerbsdruck Unternehmen dazu gezwungen sind, in kurzer Zeit möglichst viele Auslandsmärkte zu erschließen
Variante C: Selektive Strategie: Auslandsmärkte werden selektiv erschlossen. Diese Form kann man als eine Art Mischform aus sukzessiver und simultaner Strategie verstehen; es kommt zu einer kombinierten Vorgehensweise. Im Rahmen dieses Strategietyps werden bspw. die Ressourcen des Unternehmens auf die Erschließung und intensive Bearbeitung einzelner ausländischer Märkte konzentriert. Die anderen Märkte werden hierbei weiterhin erschlossen. Sie werden jedoch weniger intensiv bearbeitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung der indischen Automobilindustrie und die wachsenden internationalen Kooperationen zwischen deutschen und indischen Akteuren.
2. Markteintrittsstrategien im internationalen Wettbewerb: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen für Timingstrategien und verschiedene Formen des Markteintritts in ausländische Märkte.
3. Rahmenbedingungen bei Markteintrittstrategien: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Indien und Europa sowie der jeweiligen Branchenstrukturen.
4. Unternehmensspezifische Faktoren: Hier werden die Ziele, die Finanzkraft, Produktmerkmale und Kapazitäten der beiden untersuchten Unternehmen Tata Motors und M&M im Detail dargestellt.
5. Analyse der Markteintrittsformen auf europäischen Märkten anhand der Beispiele der indischen Pkw-Hersteller Tata Motors und M&M: In diesem Hauptteil wird das tatsächliche Vorgehen der beiden Unternehmen bei ihrem Eintritt in Europa analysiert und bewertet.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die unterschiedlichen strategischen Ansätze der Unternehmen bezüglich ihrer Nachhaltigkeit im europäischen Markt.
Schlüsselwörter
Indien, Automobilindustrie, Markteintritt, Markteintrittsstrategie, Tata Motors, M&M, Europa, Internationalisierung, Timingstrategien, Joint Venture, Export, Automobilmarkt, Strategisches Marketing, Branchenanalyse, Fahrzeugsegment
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Strategien indischer Automobilhersteller, insbesondere Tata Motors und Mahindra & Mahindra, bei der Erschließung europäischer Märkte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem internationalen Marketing, den spezifischen Rahmenbedingungen des indischen und europäischen Marktes sowie den verschiedenen Formen des Markteintritts (Export, Kooperationen, Investitionen).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Markteintritts- und Timingstrategien der indischen Hersteller zu analysieren und zu bewerten, warum einige Ansätze erfolgreicher sind als andere.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche sowie der Analyse von Unternehmenskennzahlen und Experteninterviews mit Branchenvertretern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Eintrittszeitpunkte und Marktbearbeitungsformen beider Unternehmen in Europa sowie der Bewertung potenzieller zukünftiger Entwicklungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Markteintritt, Indien, Automobilindustrie, Tata Motors, Mahindra & Mahindra, Internationalisierung, Timingstrategien.
Warum wird Tata Motors als Late Mover eingestuft?
Da Tata Motors erst im Laufe des 21. Jahrhunderts in den europäischen Markt eintrat, ist das Unternehmen im Vergleich zu etablierten Weltmarktführern als Nachzügler bzw. „Late Mover“ zu klassifizieren.
Welchen Einfluss hatte der gescheiterte Deal mit MG Rover auf Tata Motors?
Der Zusammenbruch der Kooperation führte zum kurzzeitigen Erliegen der Vertriebskanäle in Großbritannien und erzwang eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens in Europa.
Warum gilt M&M in Europa als aggressiv?
M&M verfolgt seit dem offiziellen Eintritt 2005 eine sehr schnelle, länderübergreifende Erschließungsstrategie und strebt die Positionierung als Spezialist für Nischenfahrzeuge an.
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- Jens Gerstner (Author), 2007, Eintrittsstrategien indischer Pkw-Hersteller auf europäischen Märkten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89077