Wenn man heute in Zeiten von Harz IV eine Umfrage zum Thema: „Für wie gesichert halten sie ihren Lebensabend?“ starten würde, wäre die Antwort der meisten Menschen: „Für sehr unsicher.“ oder „Es ist riskant zu planen.“
Arbeitslosigkeit und ihre Folgen sind für viele Menschen die größte Bedrohung in ihrem Leben.
Für dieses und andere Risiken bietet die Sozialwissenschaft seit Mitte der 80er Jahre einen Schlüsselbegriff – die „Risikogesellschaft“.
Die Diskussion um diese Art des Gesellschaftskonzeptes wurde 1986 durch den Soziologieprofessor Ulrich Beck (1944) entfacht. In diesem Jahr veröffentlichte er sein Buch „Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne.“
Als solche bezeichnet er eine moderne Gesellschaft, in der die sozialen, politischen, ökologischen und individuellen Risiken aus einem industriegesellschaftlichen Fortschritt resultieren, der sich mehr und mehr den bestehenden Kontroll- und Sicherungsvorkehrungen dieser Gesellschaft entzieht. Somit thematisiert er also auch die Frage, wie mit derartigen Risiken umzugehen ist.
Ziel seiner Gesellschaftstheorie war die Verknüpfung des Handlungs- und des Strukturaspektes (vgl. Treibel 1993, S. 220).
Man kann annehmen, dass dieses Gesellschaftskonzept unter den heutigen regionalen aber auch globalen Gefährdungslagen der Bevölkerung regen Zuspruch erhält.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Gegenstand der Risikogesellschaft
2. Theorie der Risikogesellschaft
3. Die drei Säulen der Risikogesellschaft
3.1 Das Theorem der dreifachen Individualisierung
3. 2 Der Integrationsaspekt
4. Die reflexive Modernisierung
5. Globalisierung
6. Rezeption und Kritik
7. Sport als Spiegel der Risikogesellschaft
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit zielt darauf ab, die soziologische Theorie der "Risikogesellschaft" von Ulrich Beck zu erläutern und ihre Relevanz für den Kontext der Sportsoziologie zu prüfen.
- Grundlagen und Definition der Risikogesellschaft nach Ulrich Beck
- Das Konzept der Individualisierung und ihre Folgen für das Individuum
- Soziale Integration und die Bedeutung von Wissens- und Mediengesellschaften
- Die reflexive Modernisierung und Globalisierung als treibende Kräfte
- Übertragung der Theorie auf den Sportsektor und sportives Handeln
Auszug aus dem Buch
Die drei Säulen der Risikogesellschaft
Das Konzept der Risikogesellschaft versucht Beziehungen innerhalb der bestehenden Gesellschaft aufzudecken. Dies bezieht sich zum einen auf das Verhältnis der Gesellschaft zu den Ressourcen von Natur und Kultur. Auf ihnen baut sie sich auf, aber sie minimiert sie durch die Industrialisierung. Dabei handelt es sich nicht nur um Bodenschätze, sondern auch um kulturelle und soziale Kräftereservoire wie die Familie.
Zum Zweiten geht es um die Gesellschaft und die von ihr erzeugten Gefährdungen und Probleme. Sie übersteigen die bisherigen Grundlagen gesellschaftlicher Sicherheitsvorstellungen, und werden sie bewusst, so können sie die bestehende Gesellschaftsordnung erschüttern. So wird heute besonders der Bereich des politischen Handelns und der politischen Entscheidungen in Zweifel gezogen.
In der vorindustriellen Gesellschaft waren die Gefährdungen der Menschheit nicht abzusehen. Pest, Hunger und andere Katastrophen gehörten zum Leben dazu, wurden aber nicht von Menschenhand geschaffen. Die heutigen Risiken haben sich aber durch die rationale Herstellbarkeit der menschlichen Lebensverhältnisse in unkalkulierbare Risiken verwandelt – auch für die beteiligte und verantwortliche Industrie und Politik.
„Die Risikogesellschaft ist also [...] eine Katastrophengesellschaft. In ihr droht der Ausnahmezustand zum Normalzustand zu werden“ (Beck 1986, S. 105).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Gegenstand der Risikogesellschaft: Einführung in die Entstehung des Begriffs der Risikogesellschaft vor dem Hintergrund wachsender gesellschaftlicher Unsicherheiten wie Arbeitslosigkeit.
2. Theorie der Risikogesellschaft: Erläuterung der soziologischen Perspektive Becks, die das Ende der Moderne und die Logik der Risikoproduktion und -verteilung in den Vordergrund stellt.
3. Die drei Säulen der Risikogesellschaft: Analyse der wechselseitigen Abhängigkeit von Gesellschaft, Ressourcen und Risiken sowie der Entstehung einer neuen Wissens- und Mediengesellschaft.
3.1 Das Theorem der dreifachen Individualisierung: Untersuchung der Herauslösung aus traditionellen Sozialformen und der daraus resultierenden Notwendigkeit zur individuellen Lebensgestaltung in einer Leistungsgesellschaft.
3. 2 Der Integrationsaspekt: Darstellung der veränderten Integrationsmechanismen in modernen Gesellschaften durch materielle, normative und kulturelle Faktoren.
4. Die reflexive Modernisierung: Diskussion über die Notwendigkeit, gesellschaftliche Krisen durch eine selbstkritische Reflexion von Institutionen und Individuen zu bewältigen.
5. Globalisierung: Betrachtung der nivellierenden Wirkung globaler Gefahren, die zu einer egalisierenden Weltgefahrensgemeinschaft führen.
6. Rezeption und Kritik: Einordnung der wissenschaftlichen Diskussion und der kritischen Auseinandersetzung mit der Allgemeingültigkeit der Theorie.
7. Sport als Spiegel der Risikogesellschaft: Anwendung der Theorie auf den Sport, wobei dieser als Bereich für Identitätsbildung, Kompensation und soziale Positionierung analysiert wird.
Schlüsselwörter
Risikogesellschaft, Ulrich Beck, Individualisierung, reflexive Modernisierung, Globalisierung, Sportsoziologie, Sozialisation, Identitätsbildung, Industriegesellschaft, Wissensgesellschaft, soziale Integration, Risikoproduktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Theorie der Risikogesellschaft, wie sie von Ulrich Beck in den 1980er Jahren geprägt wurde, und beleuchtet deren Auswirkungen auf die heutige Lebenswelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Individualisierung, die reflexive Modernisierung, die Dynamik der sozialen Integration sowie den Einfluss globaler Risiken auf die Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Konzepte von Ulrich Beck verständlich darzustellen und ihre Anwendbarkeit auf sportsoziologische Phänomene und gesellschaftliche Trends zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Auswertung soziologischer Fachliteratur (insbesondere von Ulrich Beck und A. Treibel) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Risikogesellschaft, die Mechanismen der Individualisierung und Integration sowie die Übertragung dieser Erkenntnisse auf den modernen Sport.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Risikogesellschaft, Individualisierung, reflexive Modernisierung, Globalisierung und soziale Integration.
Warum wird der Sport als „Spiegel“ der Gesellschaft bezeichnet?
Weil der Sport moderne Entwicklungen wie Pluralisierung und den Drang zur individuellen Identitätsfindung direkt reflektiert und Funktionen wie Kompensation oder Reintegration übernimmt.
Was versteht Beck unter dem „Fahrstuhleffekt“?
Der Fahrstuhleffekt beschreibt die Vorstellung, dass eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung zu einem allgemeinen Wohlstandsgewinn führt, wodurch klassische Klassengrenzen zugunsten individueller Lebensstile verschwimmen.
Wie unterscheidet sich die Risikogesellschaft von der klassischen Industriegesellschaft?
Während in der Industriegesellschaft die Verteilung von Gütern und Reichtum im Vordergrund stand, dominiert in der Risikogesellschaft die Frage nach der Vermeidung und Zurechnung gesellschaftlich produzierter Gefährdungen.
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- Marlen Frömmel (Author), 2004, Ein Einblick in soziologische Theorieansätze - Ulrich Beck: "Die Risikogesellschaft", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89083