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Aufgeklärter Absolutismus in Brandenburg-Preußen unter Friedrich II.

Title: Aufgeklärter Absolutismus in Brandenburg-Preußen unter Friedrich II.

Seminar Paper , 2006 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marlen Frömmel (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Summary Excerpt Details

Der Absolutismus als Herrschaftsform ist in der Forschung allgemein anerkannt, seine Funktion als Epochenbegriff jedoch nicht bei allen Autoren kritikfrei. Angriffspunkt bildet dabei seine Verwendung für ein gesamteuropäisches Phänomen, welches jedoch nicht zeitgleich und in gleicher Ausprägung einsetzte. [...] Für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation lässt sich dabei festhalten, dass „das Jahr 1648 […] zwar ein Epochenjahr der deutschen Geschichte [ist], aber es leitet nur bedingt das Zeitalter des Absolutismus ein, denn dieser erfasste nicht das Reich insgesamt, sondern in sehr unterschiedlicher Weise lediglich seine Fürstenstaaten“.
Die Entwicklung in diesen anderthalb Jahrhunderten war aber nicht nur von der differenten territorialen Ausbreitung des Absolutismus gekennzeichnet, sondern auch von den Auswirkungen philosophischer Einflüsse geprägt – allen voran durch die der Aufklärung. Diese bewirkte einen Wandel der Herrschaftsauffassungen der absolutistischen Fürsten. So sah sich Friedrich II., der Große, als „erste[r] Diener des Staates“ mit der Verpflichtung, die Wohlfahrt und irdisches Glück zu verwirklichen. Wie dieses Phänomen zu bezeichnen sei – ob aufgeklärter Absolutismus oder Reformabsolutismus –, darüber ist man sich in der Forschung nicht einig. Einerseits weil die Tiefenwirkungen der Aufklärung auf die absolutistische Staatsverwaltung umstritten sind, andererseits weil der „aufgeklärte Absolutismus“, welcher als historiographischer Kunstbegriff 1847 von W. Roschers eingeführt wurde, dazu führe, „die von der Aufklärung ausgehenden reformerischen Impulse zu überschätzen“.
Als Vertreter des aufgeklärten Absolutismus wird vor allem Friedrich II. von Preußen angesehen. Trotz der kritischen Auseinandersetzung mit diesem Terminus und seiner Ausführung auf Staatsebene verstanden auch seine Zeitgenossen unter einem „aufgeklärten Monarchen“ den absolut regierenden Herrscher, „der aber durch zeitgemäße Reformen die Ideale der Aufklärung in die praktische Politik umgesetzt habe“.
Daher werden zunächst anhand zeitgenössischer Aufklärer die Ideen und die Zielpunkte innerhalb des absolutistischen Staates aufgezeigt. Anschließend soll untersucht werden, inwieweit sich Friedrich II. als aufgeklärter Monarch diesem Gedankengut verpflichtet fühlte, wobei eher auf die Entwicklung der Strukturen Wert gelegt wird als auf eine Ereignisgeschichte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Absolutismus – Aufklärung – Friedrich der Große

2. Vom Absolutismus zum Aufgeklärten Absolutismus

2.1 Immanuel Kant: „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ (1783)

2.2 Andreas Riem: „Aufklärung ist ein Bedürfnis des menschlichen Verstandes“ (1788)

2.3 Das Modell des aufgeklärten Absolutismus

3. Friedrich der Große

3.1 Politik

3.2 Die Gesellschaft und ihre Gliederung

3.2.1 Bauern und Landbevölkerung

3.2.2 Der Adel

3.2.3 Die städtische Bevölkerung

3.2.4 Die neuen Eliten

3.3 Wirtschaft

3.3.1 Die Landwirtschaft

3.3.2 Gewerbe und Handel

3.3.3 Die Formen der Wirtschaftspolitik

3.4 Verwaltung

3.5 Erziehungswesen

3.6 Kirche und Religion

3.7 Die Reformierung des Rechtswesens

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen absolutistischer Herrschaftspraxis und den Ideen der Aufklärung am Beispiel von Brandenburg-Preußen unter Friedrich II., um zu klären, inwieweit Friedrich II. tatsächlich als aufgeklärter Monarch agierte oder ob politische und strukturelle Notwendigkeiten einer echten Reform entgegenstanden.

  • Analyse der theoretischen Grundlagen des aufgeklärten Absolutismus durch zeitgenössische Denker wie Kant und Riem.
  • Untersuchung der außenpolitischen Strategien und Machtbestrebungen Friedrichs II. im Kontext der Staatsräson.
  • Bewertung der gesellschaftlichen Strukturen, insbesondere des Verhältnisses zwischen Adel, Bürgertum und Bauernschaft.
  • Evaluation wirtschaftlicher Reformansätze und deren Grenzen durch fiskalische und ständische Prioritäten.
  • Einschätzung der Reformtätigkeit in Verwaltung, Bildung, Religion und Rechtsprechung hinsichtlich ihrer aufklärerischen Ambitionen.

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Gesellschaft und ihre Gliederung

Wie im Reich war auch die Gesellschaft in Brandenburg-Preußen noch in Stände gegliedert. Innerhalb dieser erfolgte eine weitere Gliederung aufgrund von Vermögen, Prestige und Privilegien. „[…] jeder [war] darauf bedacht […], sich in seinem ‚Stande’ zu erhalten, andere von gleichen Ansprüchen und Rechten auszuschalten, Konkurrenz und Veränderung möglichst zu verhindern.“ Als Sozialordnung war dieses System allerdings im 18. Jahrhundert überholt, da es der erfolgten Entwicklung – dem allmählichen Aufstieg des Bürgertums – nicht gerecht wurde. Dennoch hielt Friedrich II. die alten Standesschranken bewusst aufrecht – auch in dem erst 1794 erlassenen, aber von ihm initiierten, „Allgemeinen Landrecht für die preußischen Staaten“ –, da er sich aufgrund seiner außenpolitischen Aktionen keine Auseinandersetzungen im Inneren leisten konnte.

So stärkte er den Adel mehr als andere Stände, da er sie für die Landesverwaltung und das Militärwesen benötigte. Um ihre Autorität nicht zu untergraben oder zu stark zu beschneiden, war es Friedrich II. auch nicht möglich, die Lage der Bauern entscheidend gegen den Willen der Junker zu bessern. Seine Versuche die vorherrschende Leibeigenschaft zu mildern, hielt ihn jedoch nicht davon ab, auch Militär bei Bauernaufständen einzusetzen.

Das Bürgertum erlebte zwar einen gesellschaftlichen Aufstieg, allerdings nur der Teil, der in den Wirtschaftssektoren für Friedrich Positives bewirkte. Ansonsten verhinderte er ein Verdrängen der adeligen Gutsbesitzer und schränkte die Rechte der schon ansässigen bürgerlichen Gutsbesitzer ein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Absolutismus – Aufklärung – Friedrich der Große: Einleitung in den Forschungsdiskurs über den Epochenbegriff des Absolutismus und die Ambivalenz des Herrschaftsstils Friedrichs II. zwischen Aufklärungsidealen und machtpolitischem Realismus.

2. Vom Absolutismus zum Aufgeklärten Absolutismus: Darstellung der theoretischen Fundamente durch Denker wie Kant und Riem, die den Kompromiss zwischen aufklärerischem Denken und absolutistischer Herrschaft rechtfertigten.

3. Friedrich der Große: Umfassende Analyse der Regierungspraxis Friedrichs II. in verschiedenen Staatsbereichen unter dem Aspekt der Verschränkung von Aufklärung und absoluter Macht.

3.1 Politik: Untersuchung der außenpolitischen Ziele Friedrichs II., die primär durch Rationalität und Machtinteressen geprägt waren und die aufklärerische Theorie oft überlagerten.

3.2 Die Gesellschaft und ihre Gliederung: Analyse der ständischen Struktur Preußens, in der Friedrich II. trotz gesellschaftlicher Dynamiken die Vormachtstellung des Adels zur Stabilisierung des Staates bewusst wahrte.

3.3 Wirtschaft: Behandlung der merkantilistischen Wirtschaftspolitik, die zur Stärkung der Finanzen und des Militärs diente, wobei individuelle wirtschaftliche Freiheiten der Staatsräson untergeordnet blieben.

3.4 Verwaltung: Kritik an der Effizienz des Verwaltungsapparates, der trotz einzelner Reformansätze stark an überkommenen Systemen festhielt und vom König zentralistisch gesteuert wurde.

3.5 Erziehungswesen: Betrachtung der Schulpolitik, die im theoretischen Ansatz auf Bildung setzte, in der Praxis jedoch stark von kirchlichen und staatlichen Vorgaben dominiert blieb.

3.6 Kirche und Religion: Analyse der religiösen Toleranzpolitik, die unter Friedrich II. vor allem als staatsnotwendiges Instrument begriffen wurde und primär Christen betraf.

3.7 Die Reformierung des Rechtswesens: Aufzeigen des Spannungsfeldes in der Rechtsprechung, wo trotz Humanisierungstendenzen die ständischen Privilegien der rechtlichen Gleichheit entgegenstanden.

4. Resümee: Fazit über die Regierungszeit Friedrichs II., die zwar als aufgeklärter Absolutismus bezeichnet werden kann, in der jedoch der Staat stets die Überhand über humanitäre Ideale behielt.

Schlüsselwörter

Aufgeklärter Absolutismus, Friedrich II., Preußen, Aufklärung, Staatsräson, Gesellschaftsstruktur, Ständegesellschaft, Wirtschaftspolitik, Verwaltungsreform, Rechtswesen, Toleranzpolitik, Modernisierung, Machtstreben, Preußische Geschichte, Reformen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die Regierungszeit Friedrichs II. von Preußen und analysiert, inwieweit sein Handeln tatsächlich durch die Ideale der Aufklärung bestimmt war oder primär traditionellen absolutistischen Machtinteressen folgte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Untersuchung deckt die Bereiche Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Erziehung, Religion und das Rechtswesen ab, um ein ganzheitliches Bild der preußischen Verhältnisse im 18. Jahrhundert zu zeichnen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die kritische Hinterfragung des Begriffs „aufgeklärter Absolutismus“ im preußischen Kontext und die Klärung, warum trotz vorhandener aufklärerischer Reformansätze fundamentale gesellschaftliche Strukturen wie die Leibeigenschaft oder die Standesprivilegien bestehen blieben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse zeitgenössischer Quellen und historischer Forschungsliteratur, um die theoretischen Postulate der Aufklärung mit der realpolitischen Praxis des preußischen Staates abzugleichen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der politischen Grundlagen, eine Untersuchung der gesellschaftlichen Gliederung, der wirtschaftlichen Maßnahmen, der Verwaltung, des Schulwesens, der Religionspolitik sowie der Reformen im Rechtswesen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie aufgeklärter Absolutismus, Friedrich II., Staatsräson, Standegesellschaft, Merkantilismus und Rechtsreformen charakterisiert.

Warum konnte Friedrich II. die Ideale der Aufklärung nicht konsequenter umsetzen?

Die Arbeit argumentiert, dass politische Notwendigkeiten, wie die Stabilität des Staates, der Schutz der territorialen Integrität und die Abhängigkeit vom Adel als tragender Stütze des Militärs und der Verwaltung, eine radikale Abkehr von traditionellen Systemen verhinderten.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Adels im preußischen Staat?

Der Adel wird als privilegierte Führungsschicht beschrieben, deren Unterstützung für Friedrich II. essenziell war, weshalb er trotz der aufklärerischen Kritik an Ständeschranken diese in der Praxis bewusst schützte.

Welchen Stellenwert nimmt das "Allgemeine Landrecht" für die Bewertung ein?

Das Landrecht wird als Spiegelbild der Widersprüche des friderizianischen Preußens gewertet, da es einerseits Rechtsreformen anstrebte, andererseits aber ständische Privilegien festschrieb.

Was bedeutet der Begriff "aufgeklärt" in diesem spezifischen Kontext?

Der Begriff bezieht sich hier nicht primär auf humanitäre Absichten, sondern darauf, dass Friedrich II. den Staat nicht für private Zwecke nutzte, sondern sich selbst als "ersten Diener des Staates" verstand und durch Vernunft und Rationalisierung die Effizienz des Staates steigerte.

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Details

Title
Aufgeklärter Absolutismus in Brandenburg-Preußen unter Friedrich II.
College
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald
Course
Proseminar: Der Absolutismus
Grade
1,0
Author
Marlen Frömmel (Author)
Publication Year
2006
Pages
26
Catalog Number
V89084
ISBN (eBook)
9783638025539
ISBN (Book)
9783640108800
Language
German
Tags
Aufgeklärter Absolutismus Brandenburg-Preußen Friedrich Proseminar Absolutismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marlen Frömmel (Author), 2006, Aufgeklärter Absolutismus in Brandenburg-Preußen unter Friedrich II., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89084
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