Absicht der Arbeit
Fragestellung und Ziele
Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu spektakulären Fällen von Unternehmenskrisen, die oft auch zur Insolvenz führten. Beispielhaft seien hier die Krisen der Bremer Vulkan Werft, der Metallgesellschaft und Klöckner genannt. Abbildung 1 veranschaulicht die Entwicklung von Unternehmensinsolvenzen in den vergangenen 5 Jahren. Deutschland hat dabei in Europa eine vergleichsweise
hohe Insolvenzrate.(1)
(Kann nicht dargestellt werden)
Abbildung 1: Unternehmensinsolvenzen in Deutschland(2)
Am 1. Januar 1999 trat nach einer Gesetzesreform das neue Insolvenzrecht in Kraft. Diese Arbeit soll sich mit der Frage beschäftigen, welche Konsequenzen aus dieser Insolvenzordnung (InsO) ein Unternehmen aus dem Umfeld des Insolvenzbetroffenen in eine Krise stürzen können. Es soll geklärt werden, wo Regelungen der InsO das einzelne Gläubigerunternehmen gefährden und welche Möglichkeiten
der Entgegenwirkung aufgrund des Gesetzes bestehen. Weiterhin sollen
Ansätze zur Vorhersage und Absicherung gegen Unternehmenskrisen und Insolvenzen aufgezeigt werden.
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1 European Business Review 1998, S. 1
2 Das Diagramm basiert auf Daten des statistischen Bundesamts. Zu beachten ist, dass die Zahlen für 1999 und 2000 nur vorläufige Schätzungen sind, weil die Statistik nach der Rechtsreform
umgestellt und erst im Laufe des Jahres 2001 neu veröffentlicht wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorgehensweise
2 Grundlagen zu Unternehmenskrisen und Insolvenzrecht
2.1 Unternehmenskrisen
2.2 Krisenursachen: eine Abgrenzung
2.3 Die neue Insolvenzordnung
2.3.1 Schwerpunkte der Insolvenzrechtsform
2.3.2 Ablauf des Insolvenzverfahrens
2.4 Bisheriger Erfolg der neuen InsO
3 Insolvenzordnung als Krisenauslöser?
3.1 Behandlung von Forderungen in der Insolvenz
3.2 Behandlung von Verträgen in der Insolvenz
3.3 Krise durch die Insolvenz eines Kunden
3.4 Krise durch die Insolvenz eines Lieferanten
3.5 weitere potentielle Krisenauslöser
4 Krisenabwendung und internationales Recht
4.1 Gläubigerrechte in der Insolvenzordnung
4.2 Insolvenz- und Krisenvorhersage
4.2.1 Formen von Früherkennung
4.2.2 Grenzen der Früherkennung
4.3 Handlungsempfehlungen für Unternehmen
4.4 Ansätze bei grenzüberschreitenden Insolvenzen
4.4.1 Modellrecht der UNCITRAL
4.4.2 Recht der Europäischen Gemeinschaft
4.4.3 Ansatz der Weltbank
5 Zusammenfassung und offene Fragen
5.1 Umfeldeinflüsse durch die InsO und Reaktionsmöglichkeiten
5.2 Notwendigkeit weiterer Betrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Konsequenzen die Insolvenzordnung (InsO) für Unternehmen im Umfeld eines insolventen Partners haben kann. Dabei wird analysiert, an welchen Stellen das Gesetz Gläubigerunternehmen gefährdet, welche Reaktionsmöglichkeiten bestehen und wie Krisen durch Insolvenzen von Kunden oder Lieferanten frühzeitig vorhergesagt und abgesichert werden können.
- Konsequenzen der Insolvenzordnung für Geschäftspartner
- Handhabung von Forderungen und Verträgen in der Insolvenz
- Identifikation von Krisenpotenzialen durch Kunden- oder Lieferanteninsolvenzen
- Methoden und Grenzen der Krisen-Früherkennung
- Internationale Ansätze bei grenzüberschreitenden Insolvenzverfahren
Auszug aus dem Buch
3.2 Behandlung von Verträgen in der Insolvenz
Ein weiterer kritischer Punkt im Insolvenzverfahren ist die Behandlung von gegenseitigen schwebenden Verträgen zwischen dem insolventen Unternehmen und seinen Partnern. Mit den §§103ff InsO wird die Handhabung verschiedener Vertragsverhältnisse geregelt. Grundsätzlich bestehen dabei drei Möglichkeiten:
- Die Vertragsverhältnisse erlöschen
- Sie bleiben bestehen
- Oder der Insolvenzverwalter übt ein Wahlrecht aus
Das Wahlrecht gestattet dem Verwalter einen Vertrag zu erfüllen bzw. dessen Erfüllung zu verlangen oder aber die Erfüllung abzulehnen. Er ist verpflichtet, dieses Wahlrecht nach einer Aufforderung durch den Vertragspartner auszuüben, da es sonst erlischt. Verträge, die bereits von einer Seite vollständig erfüllt sind, bleiben grundsätzlich bestehen und müssen demzufolge auch von der anderen Seite erfüllt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorgehensweise: Beschreibung der Literaturrecherche und der methodischen Strukturierung der Arbeit zur Vorbereitung der inhaltlichen Analyse.
2 Grundlagen zu Unternehmenskrisen und Insolvenzrecht: Definition von Unternehmenskrisen, Einordnung von Krisenursachen und Erläuterung der Schwerpunkte der neuen Insolvenzordnung.
3 Insolvenzordnung als Krisenauslöser?: Analyse der Auswirkungen einer Insolvenz auf bestehende Forderungen und Vertragsverhältnisse mit Kunden und Lieferanten.
4 Krisenabwendung und internationales Recht: Darstellung von Gläubigerrechten, Frühwarnsystemen sowie internationalen Ansätzen bei grenzüberschreitenden Insolvenzen.
5 Zusammenfassung und offene Fragen: Zusammenfassende Betrachtung der Umfeldeinflüsse durch die InsO und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Insolvenzordnung, Unternehmenskrisen, Gläubigerrechte, Forderungsausfall, Vertragsverhältnisse, Krisen-Früherkennung, Insolvenzverwalter, Risikomanagement, grenzüberschreitende Insolvenz, Liquiditätssicherung, Masseforderungen, Restschuldbefreiung, Insolvenzmasse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des deutschen Insolvenzrechts auf Unternehmen, die in einer Geschäftsbeziehung zu einem insolventen Partner stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Behandlung von Forderungen und schwebenden Verträgen, die Auswirkungen auf die Liquidität von Gläubigern sowie Strategien zur Krisenfrüherkennung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Regelungen der InsO Gläubigerunternehmen gefährden können und welche Maßnahmen zur Entgegenwirkung sowie zur Vorhersage von Krisen möglich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine literaturbasierte Analyse des Gesetzestextes, relevanter Kommentare, Fachaufsätze und Praxishandbücher durchgeführt, um ein Grundgerüst für die Erörterung krisenauslösender Wirkungen zu bilden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Behandlung von Verträgen und Forderungen, den Gefahren bei Kunden- oder Lieferanteninsolvenzen und den internationalen Ansätzen des Insolvenzrechts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Insolvenzordnung, Unternehmenskrisen, Gläubigerrechte, Krisen-Früherkennung und Vertragsmanagement.
Warum stellt die Lieferverpflichtung bei teilbaren Leistungen ein besonderes Risiko dar?
Da Leistungen, die vor der Insolvenzeröffnung erbracht wurden, nur noch als Insolvenzforderungen gelten, kann die Fortführung der Lieferverpflichtung ohne gesicherte Gegenleistung zu Liquiditätsengpässen beim Gläubiger führen.
Welche Rolle spielt das Wahlrecht des Insolvenzverwalters für Vertragspartner?
Das Wahlrecht ermöglicht dem Verwalter, Verträge entweder zu erfüllen oder abzulehnen, was für den Partner eine große Unsicherheit bezüglich seiner eigenen Geschäftsplanung und der Erfüllung seiner Ansprüche bedeutet.
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- Dörthe Müller (Author), 2001, Umwelteinflüsse infolge des Insolvenzrechts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/891