Die Botschaft Jesu von der Gottesherrschaft und das Verhalten der Kirche


Hausarbeit, 2006

14 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. DIE BOTSCHAFT Jesu von der Gottesherrschaft
1.1. als Weiterentwicklung jüdischer Apokalyptik in den Geschehenskontext des gegenwärtigen Gottes
1.2. als Verkündigung in Wort und Tat
1.2.1. Die Gleichnis-Reden
1.2.2. Die Logien-Reden

2. DAS VERHÄLTNIS der Kirche zur göttlichen Herrschaft
2.1. aus der Geschichte
2.2. in der Nachfolge Jesu
2.2.1. Verteidigung jesuanischer Verkündigung
2.2.2. im 21. Jahrhundert

3. DAS WIRKEN der Kirche in der Gegenwart im Lichte der Gottesherrschaft
3.1. verkünden - in der Verkündigung
3.2. begründen - Gottesherrschaft in allen Völkern begründen
3.3. beten – der Weg in den Himmel auf Erden

Schluss

Literatur- und Quellenverzeichnis

In brüderlicher Verbundenheit

fr. P. Dr. Lambert Schmitz OP

dessen Lehren und Predigen hören zu dürfen,
mich mit tiefer Dankbarkeit erfüllt.

Für stets freundliche Unterstützung
Danke ich von Herzen Herrn Wolfgang Brunken, Bibliothekar des Dominikanerkonvent zu Hamburg

Herrn Dipl.-Bibl. Joachim Richter, Institut für Theologie und Frieden, Hamburg

Einleitung

Die Botschaft Jesu von der Gottesherrschaft ist im Kern die Verheißung des Reich Gottes, gleichsam ein Zustand, da alles Böse endet und durch das vollkommene Gute abgelöst wird[1]. Dieses Reich ist indes kein zukünftiges Gemeinwesen, nicht reduziert auf territoriale oder soziopolitische Macht wie der Begriff implizieren könnte, sondern geht in einem metaphysischen Sinn weit über weltliche Attribute hinaus: Die Gottesherrschaft ist bereits in der Person Jesu selbst Realität. Sein Leben und Wirken ist Ausdruck dieser Herrschaft Gottes, wenn Jesus, der Sohn Gottes, doch auch dreieinig verbunden mit dem Vater und dem Heiligen Geist, etwa durch Wundertaten die Herrlichkeit als auch Gewalt/Kraft des Idealziels eines Gottesreiches vorzeichnet und damit echte Herrschaft in einer mehr als nur majestätischen – nämlich göttlichen Weise ausübt.

Dabei ist die Gottesherrschaft keine isolierte, etwa diktatorische Regentschaft. Sie zielt der Verkündigung Jesu nach vielmehr auf das Individuum: Die Gottesherrschaft beginnt im eigenem Herzen, sie soll im Leben für den Nächsten sichtbar werden, sich in Folge auf sie (die Nächsten) ausbreiten, so dass das Reich Gottes – Ziel aller Gottesherrschaft – so schnell wie möglich vollständig anbricht.

Im Brief des Apostels Paulus an die Kolosser wird Christus als das Haupt des Leibes, die Kirche aber als der Leib [2] bezeichnet. Bleibt man in dieser Analogie, ist sie also Arme und Beine des Kopfes/Herzens Christi, quasi die ausführende Kraft, die Exekutive zur Realisierung der Gottesherrschaft. Damit ist die Rolle der Kirche in Bezug auf die Gottesherrschaft sichtbar: Sie hat alles zu tun, was dem Ideal eines Reiches Gottes schon im Hier und Jetzt näherzukommen vermag und alles zu unterlassen, was diesem Ziel abträglich sein könnte. Ihr hoher Organisationsgrad lässt gelegentlich die Frage aufkommen, ob sie diesem hohem Ziel gerecht wird, insbesondere, da ihre ausführenden Glieder als Menschen immer auch der Sünde unterliegen. So wie der einzelne Christ sich immer wieder neu fragen muss, ob er sich der Gottesherrschaft als „Kind Gottes“ angemessen unterwirft, so hat auch die „Mutter Kirche“ in ihrer institutionalisierten Form um angemessenes Wirken zu ringen. Das Verhältnis der Kirche zur Gottesherrschaft, also letztlich die Frage, ob sie sich dem Primat Gottes wirklich und in ihren Vollzügen adäquat unterstellt und wie sie wirken soll, ist Gegenstand dieses Vortrags.

1. DIE BOTSCHAFT Jesu von der Gottesherrschaft

Im Zentrum der Verkündigung Jesu steht die Botschaft vom nahen Gottesreich. Dies ist „die am wenigsten umstrittene theologische Aussage im Christentum“[3]. Dafür ist das Verständnis dieser Botschaft, die mit ihr verbundenen konkreten Vorstellungen und Erwartungen, nachhaltig Gegenstand der Forschung und auch geeignet, inner-halb christlicher Kirchen und Gemeinschaften Trennendes in den unterschiedlichen Lehransichten zu etablieren. Denn die Selbstverständlichkeit, mit der Jesus vom (König-) Reich Gottes spricht, setzt voraus, dass er bei seinen Zuhörern eine Vorstellung trifft, die ihnen vertraut ist[4]. Bei seinen (jüdisch sozialisierten) Jüngern und Anderen konnte er daher auf Vorstellungen einer neuen Weltordnung, faktisch einer Neuschöpfung setzen[5], dem ein Messias vorausgeht[6]. Der Aufwand seiner Gleichnis-Reden und die Mühen, die er darauf verwendet ihren Sinngehalt auszulegen, verdeutlichen aber, dass er hier entscheidende, eigene Akzente setzt.

1.1. als Weiterentwicklung jüdischer Apokalyptik in den Geschehenskontext des gegenwärtigen Gottes

Die Vorstellung des Judentums zu der Frage, was wir erhoffen dürfen, der eschatologische Ansatz einer Zukunftsperspektive, ist ein im Wesentlichen apokalyptischer. Es setzt zunächst den Untergang dieser Welt voraus, um den Alten Bund durch sogar mehr als nur einen Neuen Bund zu ersetzen, nämlich der Einheit des Volkes Israel im umfassenden Frieden Gottes. Diese eschatologische Hoffnung geht so weit, das die Gegenwart nur als eine ‚Durchgangsstation’ zu diesem Ziel betrachtet wird. Der Sinn des Lebens reduziert sich damit auf eine Zeit der Vorbereitung auf die erwartete Erscheinung Gottes. Sie ist damit nicht sinnfrei, bezieht ihre Sinnlegitimation aber ganz überwiegend mit der Erwartung auf Zukünftiges.

Die Botschaft Christi war für jüdische Ohren revolutionär, da er in seinen Verkündigungen in Wort und Tat das Hier und Jetzt in den Geschehenskontext des bereits gegenwärtigen Gottes einband und ihm unterordnete. So wird aus der Gottesherrschaft, der schlichten Erwartung auf die Neuordnung (die vor allem aus der destruktiv-negativen Unzufriedenheit mit den Gegebenheiten genährt wurde), ein Ereignis, ein Geschehen, welches den Menschen das Handeln Gottes an der Welt und den Einzelnen unmittelbar erfahrbar macht, und damit eine konstruktiv-positive Wendung erfährt. Schon im Hier und Jetzt erfahren wir Gottes Herrschaft und werden nicht länger auf ein ungewisses Jenseits vertröstet. Die jesuanische Gottesherrschaft als Ereignis sperrt sich allerdings gegen Definitionen[7].

Revolutionär ist dieser Ansatz auch deshalb, weil dieses ‚neue Konzept’ nicht nur in Gleichnissen ausführlich erläutert wird und dabei von mitreißender Überzeugungskraft ist, sondern auch durch Tat verkündigung enorme Verstärkung erfährt: Es geht um die in den Schriften des Neuen Testaments vielfach bezeugten Heilungstaten und exorzistischen Handlungen Jesu. Wo er sich anschickt die Dämonen auszutreiben, liegt die durch ihn präsente Gottesherrschaft gleichsam im Kampf mit dem Reich des Bösen und lässt ihn sagen: „Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen“[8].

Gerade hier wird deutlich: Wenn Jesus handelt, handelt Gott in ihm.

1.2. als Verkündigung in Wort und Tat

Heilstaten und Exorzismen sind Ausdrucksformen der Tat verkündigung. Im Wort wird die Gottesherrschaft durch Jesus in Gleichnissen und seinen Logien-Reden verkündet.

1.2.1. Die Gleichnis-Reden

Zur Illustrierung der bereits gegenwärtigen Gottesherrschaft bedient sich Jesus in seinen Reden verschiedener Gleichnisse, deren Zahl, Auswahl und exegetische Zu-ordnung in der Fachliteratur variieren. So zählt der (ev.) Theologe Werner Zager vier Gleichnisse auf und stellt sie unter die Zuordnung von Endgerichtsaussagen[9], in der Betrachtung der verschiedenen Quellen in Bezug auf Gottesherrschaft und dem später zu untersuchenden Verhältnis zur Kirche, scheinen von besonderem Inter-esse: Die Gleichnisse vom Sauerteig[10], vom Wachsen der Saat[11], vom Schatz und von der Perle[12] und vom Fischernetz[13], denn hier lassen sich verschiedene Akzente Jesu erkennen. In der Parabel vom Sauerteig zeigt sich in einer Abfolge, dass die Gottesherrschaft zwar gegenwärtig verborgen, die künftige Herrlichkeit aber eine vollkommene ist; ihr Kommen unter allen Umständen Gewiss und – vierter Akzent –bereits jetzt im Wort wirklich und wirksam ist, soweit sie sich auf die Gegenwart der Hörer bezieht. Bei dem Gleichnis der selbstwachsenden Saat wird zusätzlich betont, dass das Kommen der Gottesherrschaft keiner menschlichen Einflussnahme unterliegt, während vor allem die letztgenannten drei Parabeln (Schatz, Perle, Fischernetz) die bereits gegenwärtige Gottesherrschaft betonen. „Die Gleichnisse sind Mitteilung und zugleich Zuspruch einer alles andere überbietenden Wirklichkeit, die dem Hörer ein Ja zu dieser Wirklichkeit förmlich aufzwingt“[14] ; es geht um Reaktionen des überwältigt-seins von Schatzfinder, Perlentaucher und Fischer, die ob der offenkundigen, realpräsenten Gottesherrschaft ihrer freien Entscheidung beraubt scheinen. So wie es die Hölle auf Erden geben kann, kann es auch schon den Himmel auf Erden geben: „in der anfanghaften Realisierung des Reiches Gottes“[15].

[...]


[1] Reich Gottes: Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Reich_Gottes in der Fassung vom 05.10.2006

[2] Kol 1,18

[3] Gerhard Müller (Hrsg.), Theologische Realenzyklopädie Bd. 15, Walter de Gruyter, Berlin 1986,
S. 201 Zeile 26 ; vgl. auch Rolf Baumann, GK LB 8, Was die historisch kritische Methode über Jesus von Nazaret sagen kann, Theologie im Fernkurs (Hg.), Würzburg 2004, S. 18, Abs. 2.1 letzter Satz.

[4] Karl-Heinrich Bieritz, Grundwissen Theologie: Jesus Christus, Chr. Kaiser, Gütersloh 1997, S. 47

[5] Vgl. Deuterojesaja: Jahwe wird wieder auf dem Zion seinen Sitz nehmen und dort seine Königsherr-schaft über alle Völker ausüben.

[6] Div. Stellen: Ps 2; 8; 110; Jes 7,14f; 9,1-6; 11,1-16; Am 9,11-15; Mi 5,1-4

[7] Vgl. Lk 17,20f; Die Bibel, a.a.O.

[8] LK 11,20; Mt 12,28; Die Bibel, a.a.O.

[9] Vgl. Werner Zager, Gottesherrschaft und Endgericht in der Verkündigung Jesu, Walter de Gruyter, Berlin 1996, S. 137f.

[10] Lk 13,20f; Mt 13,33 Q

[11] Mk 4,26-29

[12] Mt 13,44-46

[13] Mt 13,47-50

[14] Theologische Realenzyklopädie Bd. 15, S. 202, Zeile 21f, a.a.O.

[15] Bernd Jochen Hilberath, Was dürfen wir hoffen, LB 14 GK Theologie im Fernkurs (Hg.), Würzburg 2004, S. 52 Nr. 4.41 4. Aufzählung

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Botschaft Jesu von der Gottesherrschaft und das Verhalten der Kirche
Note
2,1
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V89103
ISBN (eBook)
9783638033350
ISBN (Buch)
9783638929417
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Botschaft, Jesu, Gottesherrschaft, Kirche
Arbeit zitieren
Bernd Schnitter (Autor), 2006, Die Botschaft Jesu von der Gottesherrschaft und das Verhalten der Kirche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89103

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