Diese Arbeit stellt sich dem Problem die bundesdeutsche Jugoslawienpolitik seit der Wiedervereinigung zu analysieren und dadurch eine kritische Bewertung dieser möglich zu machen. Ihr Interesse besteht darin, grundlegendste Determinanten und Systemimmanenzen zu bestimmen, die das Staatshandeln und damit auch die Außen- und Sicherheitspolitik des deutschen Staates beeinflussen. Sie will deshalb, neben der Darstellung der jüngsten bundesdeutschen Außen- und Sicherheitspolitik am Beispiel der bundesdeutschen Jugoslawienpolitik, eine gleichzeitige Einordnung dieses Politikfeldes in den kapitalistischen Systemzusammenhang vollziehen.
Die Fragestellung dieser Arbeit ist von sich aus an die dialektische Methode geknüpft, hat doch diese Methode den Anspruch, die wissenschaftliche Untersuchung einer übergeordneten Einheit, durch die Analyse der diese Einheit konstituierenden Struktur, möglich zu machen.
Nach einer grundsätzlichen Systemeinordnung des deutschen Staates und einem Blick auf sich daraus ergebende Konsequenzen, wird die Position Deutschlands im internationalen System thematisiert. Dabei wird sowohl die ökonomische als auch die politische Dimension berücksichtigt. Diese Darstellung schließt in logischer Weise an die Systemeinordnung Deutschlands an, indem sie sich auf deren Ergebnisse und Konsequenzen bezieht. Vor diesem Hintergrund wird anschließend die neue konzeptionelle Ausrichtung bundesdeutscher Außen- und Sicherheitspolitik kritisch dargelegt, um abschließend am Beispiel deutscher Jugoslawienpolitik, die praktische Umsetzung dieser Neukonzeption nachzuvollziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutschland als ein bürgerlich kapitalistischer Nationalstaat
2.1. Das Wesen des bürgerlichen Staates
2.2. Das Verhältnis zwischen globalem Kapital und territorial definiertem Nationalstaat
3. Die Position Deutschlands im internationalen System
3.1. Das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate als herausragender Einfluss für die Politik eines Industriestaates
3.2. Die Bedeutung des Außenhandels
3.3. Die wiedergewonnene außenpolitische Souveränität Deutschlands
4. Die neue außen- und sicherheitspolitische Ausrichtung Deutschlands
4.1. Die Verteidigungspolitischen Richtlinien
4.2. Die neue NATO- Strategie
5. Die neue deutsche Jugoslawienpolitik
5.1. Die Zersplitterung des jugoslawischen Staates
5.2. Der NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien
6. Resümee
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert die bundesdeutsche Jugoslawienpolitik seit der Wiedervereinigung unter einer kritischen Perspektive. Ziel ist es, grundlegende Determinanten des deutschen Staatshandelns zu identifizieren und dieses Politikfeld in den kapitalistischen Systemzusammenhang einzuordnen, wobei insbesondere die ökonomische Dimension und die dialektische Methode im Vordergrund stehen.
- Analyse der Systemimmanenzen und Determinanten deutscher Außenpolitik
- Untersuchung der Rolle Deutschlands als bürgerlich kapitalistischer Nationalstaat
- Kritische Bewertung der neuen sicherheitspolitischen Ausrichtung und des Militärinterventionismus
- Einordnung der Jugoslawienpolitik als Fallbeispiel für die Durchsetzung nationaler Interessen
Auszug aus dem Buch
2.1. Das Wesen des bürgerlichen Staates
Für die Wesensbetrachtung des bürgerlichen Staates ist es notwendig den Staat nicht als naturgegeben zu verstehen, sondern diese Kategorie aufzulösen und ihn als eine verfestigte Form gesellschaftlicher Verhältnisse zu begreifen. Der Staat konstituiert sich also aus der Gesellschaft und deren Verhältnissen, er ist eine „Einrichtung der Gesellschaft“ und somit Repräsentant von Verhältnissen zwischen Menschen, wenngleich er nicht als solcher erscheint. Daraus ist abzuleiten, daß der bürgerliche Staat also in erster Linie der Repräsentant des Kapitalverhältnisses ist, hat er sich doch aufgrund der modernen gesellschaftlichen Produktions- und Reproduktionsweise, sprich der kapitalistischen, herausgebildet und konstituiert.
Dieser Sachverhalt bildet den Hintergrund für die elementare Funktionsbestimmung des Staates, welche „die Gewährleistung der allgemeinen und äußeren Bedingungen des Reproduktionsprozesses und des Kapitalverhältnisses als der bestimmenden Struktur einer komplexen Gesellschaftsformation, einschließlich der von den einzelnen Kapitalen grundsätzlich nicht herstellbaren allgemeinen Produktionsbedingungen“, ist. Aus diesen allgemeinen Bestimmungen läßt sich folgern, dass Form und Funktion des Staates nicht analytisch zu trennen sind, da die Form vielmehr aus spezifischen, funktionalen Determinanten des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses resultiert. Bezogen auf den bürgerlichen Staat ist dessen Form also ein Produkt der Warengesellschaft und damit der kapitalistischen Reproduktion. Seine eigene Fortdauer ist an die Förderung der Reproduktion kapitalistischer Gesellschaftsverhältnisse insgesamt geknüpft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit dar, welche die Jugoslawienpolitik in den größeren Zusammenhang des kapitalistischen Systems einbettet.
2. Deutschland als ein bürgerlich kapitalistischer Nationalstaat: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Fundament, indem es den Staat als Repräsentant von Kapitalverhältnissen definiert und das Spannungsfeld zwischen globalem Kapital und nationalstaatlicher Form analysiert.
3. Die Position Deutschlands im internationalen System: Hier wird die ökonomische Basis durch die Analyse des Gesetzes vom tendenziellen Fall der Profitrate und der Bedeutung des Außenhandels beleuchtet, was zur Erklärung der wiedergewonnenen Souveränität Deutschlands führt.
4. Die neue außen- und sicherheitspolitische Ausrichtung Deutschlands: Das Kapitel behandelt die ideologische Neuausrichtung und die Militarisierung der Außenpolitik, dokumentiert durch die Verteidigungspolitischen Richtlinien und die neue NATO-Strategie.
5. Die neue deutsche Jugoslawienpolitik: Dies ist der praktische Hauptteil, der die Rolle Deutschlands bei der Zersplitterung Jugoslawiens sowie beim darauffolgenden NATO-Angriffskrieg kritisch untersucht.
6. Resümee: Das Fazit fasst die Kontinuität der deutschen Politik zusammen und verdeutlicht, wie diese dem Ziel der Etablierung kapitalistischer Marktverhältnisse am Balkan diente.
Schlüsselwörter
Bundesdeutsche Jugoslawienpolitik, Kapitalismus, Nationalstaat, Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Profitrate, Außenhandel, Militärinterventionismus, Souveränität, NATO, Rambouillet-Vertrag, Systemtheorie, Imperialismustheorie, Akkumulationsprozess, Freie Marktwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die deutsche Jugoslawienpolitik seit 1990 mit dem Ziel, diese kritisch zu bewerten und in den Zusammenhang der kapitalistischen Reproduktion einzuordnen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die Theorie des bürgerlichen Staates, die Position Deutschlands im globalen ökonomischen System sowie die sicherheitspolitische Neuausrichtung der Bundesrepublik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die grundlegenden Determinanten des staatlichen Handelns offenzulegen und aufzuzeigen, wie diese das außen- und sicherheitspolitische Auftreten Deutschlands beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die dialektische Methode, um die wissenschaftliche Untersuchung einer übergeordneten Einheit durch die Analyse ihrer konstituierenden Strukturen zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des bürgerlichen Staates, die ökonomischen Bedingungen (wie die Profitrate) und die spezifische Politik gegenüber Jugoslawien (einschließlich des NATO-Einsatzes) dargelegt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: kapitalistischer Nationalstaat, Außen- und Sicherheitspolitik, Militärinterventionismus, Systemeinordnung und ökonomische Interessen.
Welche Kritik übt der Autor am Rambouillet-Vertrag?
Der Autor argumentiert, dass der Vertrag auf die Durchsetzung einer marktwirtschaftlichen Ordnung abzielte und für Jugoslawien de facto ein unannehmbares Diktat zur Aufgabe der Souveränität darstellte.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Medien bei der Legitimation des Kosovo-Krieges?
Der Autor kritisiert, dass durch Übertreibungen und Lügen – wie etwa im Fall des angeblichen Massakers von Racak oder des „Hufeisen-Plans“ – die deutsche Öffentlichkeit und der Bundestag manipuliert wurden, um eine militärische Intervention zu rechtfertigen.
- Quote paper
- Matthias Kranz (Author), 2001, Das wiedervereinigte Deutschland als außenpolitischer Akteur - Eine Analyse der bundesdeutschen Jugoslawienpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8912