Wirkfaktoren in der E-Mail-Beratung

Eine empirische Untersuchung der Beratungsbeziehung aus der Klientenperspektive anhand des Jugendportals Ratingen der Diakonie Düsseldorf/Mettmann


Diplomarbeit, 2008

121 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung
0.1 Zusammenarbeit und die Danksagung
0.2 Situationsbeschreibung von Onlineberatung und die Motivation
0.3 Zielsetzung der Diplomarbeit
0.4 Aufbau der Diplomarbeit

I. Theoretische Grundlagen
1. Entwicklung und Stand der Psychotherapie- und Beratungsforschung
1.1 Prozessforschung und Wirkfaktoren der Psychotherapie
1.1.1 Die spezifischen Wirkfaktoren
1.1.2 Die unspezifischen Wirkfaktoren
1.1.3 Das Verhältnis von spezifischen und unspezifischen Wirkfaktoren
1.2 Die therapeutische Beziehung
1.2.1 Definition
1.2.2 Wichtige Komponenten
1.2.3 Förderliche Therapeutenvariablen
1.2.4 Die Klientenperspektive
1.2.5 Die therapeutische Beziehung aus unterschiedlicher Sicht
1.2.5.1 Die Klientenzentrierten Beratung nach Rogers
1.2.5.2 Der Lösungsorientierte Ansatz nach de Shazer
1.2.5.3 Die Verhaltenstherapie
1.2.5.4 Der Ansatz nach Grawe
1.2.5.5 Der Ansatz von Petzold
1.2.6 Die therapeutische Beziehung im Kontext von Beratung
1.3 Die E-Mail-Beratung
1.3.1 Definition, Arten und Anfragtypen der E-Mail-Beratung
1.3.2 Zielgruppe
1.3.3 Besonderheiten der E-Mail-Beratung
1.3.4 Wirksamkeit der E-Mail-Beratung
1.3.5 Berater-Klient-Beziehung in der E-Mail-Beratung
1.3.6 Methodik der E-Mail-Beratung
1.4 Die Peer-Beratung
1.4.1 Definition
1.4.2 Konzeption
1.4.3 Stärken der (Online-) Peer-Beratung

II. Empirische Untersuchung
2. Kooperationspartner
2.1 Rahmenbedingungen des Projektes
2.2 Beratungsangebot
2.3 Zielsetzung
2.4 Mitarbeiterstruktur
3. Forschungsauftrag/-vorhaben
3.1 Fragestellung
3.2 Ziel
4. Rahmenbedingungen der Studie
4.1 Vorbereitung der Untersuchung
4.2 Messinstrument
4.3 Datenquelle
4.4 Entwicklung und Grundlagen des Fragebogens
4.5 Aufbau des Fragebogens
4.6 Untersuchungsplan
4.7 Datenschutz
5. Auswertung der Ergebnisse
5.1 Auswahl und Umfang der Stichprobe
5.2 Die Ergebnisse zu den Fragestellungen
5.2.1 Soziodemographischen Faktoren der Klienten
5.2.2 Rahmenbedingungen der Beratungsinanspruchnahme
5.2.3 Darstellung der Ergebnisse der Items und Bewertungsfragen
5.2.4 Darstellung der Ergebnisse der offenen Frage
5.3 Verknüpfung des Datenmaterials
5.3.1 Getesteter Zusammenhang von dem Klientenerleben des Beraterverhaltens und dem Geschlecht des Klienten
5.3.2 Getesteter Zusammenhang von der Klientenbewertung des Beraterverhaltens und dem Geschlecht des Klienten
5.3.3 Getesteter Zusammenhang von dem Klientenerleben des Beraterverhaltens und der Aktualität der Beratung
5.3.4 Getesteter Zusammenhang von der Klientenbewertung des Beraterverhaltens und der Aktualität der Beratung
5.3.5 Getesteter Zusammenhang von dem Klientenerleben des Beraterverhaltens/ der Beratungsbeziehung und der Beratungsanzahl
5.3.6 Getesteter Zusammenhang von der Klientenbewertung des Beraterverhaltens und der Beratungsanzahl

III. Diskussion der Ergebnisse
6. Methodenkritische Diskussion
7. Diskussion der Ergebnisse
8. Eigenes Fazit

Literatur

Anhang

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Slogan des Jugendportals Ratingen der Diakonie Düsseldorf/Mettmann

0. Einleitung

0.1 Zusammenarbeit und Danksagung

Im Rahmen der empirischen Untersuchung meiner Diplomarbeit kooperiere ich mit der Diakonie Düsseldorf/Mettmann, die durch ihr Internetportal Jugendlichen und jungen Erwachsenen u.a. E-Mail-Beratung anbietet. In Zusammenarbeit mit der Diakonie wird ein Link, der zu der Online-Umfrage führt, auf dem Jugendportal www.schreib-dich-nicht- ab.de (oder entsprechend www.jugendportal-ratingen.de) installiert. Zudem wird ein Link an die Peerberater-E-Mails gehängt und durch ein gezieltes Anschreiben der User, die ihre E-Mail-Adresse bei der Registrierung auf dem Jugendportal angegeben haben, näher gebracht.

Über die Kooperation bin ich sehr dankbar, nachdem die Katholische Bundeskonferenz für Ehe-, Familien- und Lebensberatung nach anfänglicher Zusammenarbeit diese abgebrochen hat. Der Rücktritt zog leider eine Reihe von Schwierigkeiten nach sich. Da ich in der Themaformulierung für die Zulassung zur Diplomarbeit diesen Kooperationspartner angegeben hatte, so wie er auch auf dem Titelblatt der Diplomarbeit zu lesen ist, war es aus prüfungsrechtlicher Sicht leider nicht mehr möglich, das Thema zu verändern. Trotz des formalen Titels lautet das Thema meiner Diplomarbeit, so wie ich es hier ausführlich darstelle:

Wirkfaktoren in der E-Mail-Beratung

Eine empirische Untersuchung der Beratungsbeziehung aus der

Klientenperspektive anhand des Jugendportals Ratingen der Diakonie Düsseldorf/Mettmann

Ein weiterer Dank gilt der Firma Bytesconnect, die mich bei der technischen Realisierung meiner Online-Umfrage kompetent und kreativ unterstützt hat. Ohne diese Hilfe wäre die Durchführung der empirischen Untersuchung und somit auch das von mir gewählte Diplomarbeitsthema nicht realisierbar gewesen.

0.2 Situationsbeschreibung von Onlineberatung und Motivation

Durch den rasanten Anstieg der Internetnutzung hat dieses Medium einen immer höheren Stellenwert. Seit 1996 hat sich die Anzahl der Internet-User* in Deutschland verfünffacht: Jeder zweite Haushalt besitzt nach Aussage des Statistischen Bundesamts einen Internetzugang (Deutsche Gesellschaft für Online-Beratung, 2007).

Diese Entwicklung zeichnet sich auch im psychologischen, sozialen und gesundheitlichen Sektor ab. Seit über zehn Jahren wird Online-Beratung angeboten, die sich bislang als eigenständiges ergänzendes Beratungsangebot zur Face-to-Face- und Telefonberatung etabliert hat. Online-Beratung bietet eine Reihe von Vorteilen, die es dem Klientel ermöglicht, zeitlich flexibel und anonym von den niederschwelligen Angeboten Gebrauch zu machen.

Diese Beratungsform erscheint mir als zeitgemäß und bedürfnisorientiert. Internetberatung hat in den letzten Jahren durch den Ausbau weiterer Onlineportale (vgl. www.telefonseelsorge.de; www.katholische-eheberatung.de; www.gib-aids-keine- chance.de, um nur ein paar der größten Betreiber zu nennen) an erheblicher Bedeutung gewonnen. Insbesondere junge Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren nutzen das Internet (Forschungsgruppe Wahlen, 2007 zit. in Beranet/Zone 35, S. 6). Aus der Jim- Studie (Jugend, Information und [Multi-]Media-Studie) im Jahre 2006 geht ebenfalls hervor, dass gerade die Zielgruppe der Jugendlichen mit dem Internet vertraut ist. So nutzen bereits Kinder im vierten Schuljahr das Internet für den Kontakt zu Gleichaltrigen mit Instant Messagers. Dies sind Programme, die es dem User mittels einer Software erlauben, in Echtzeit mit anderen Teilnehmern zu kommunizieren. Instant Messaging kann daher mit Nachrichtensofortversand übersetzt werden. 90 % aller 12- bis 17-Jährigen verwenden das Internet und benutzen Chats zur Kommunikation. 77% dieser Gruppe sind täglich online und aktiv im Netz (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2006). Diese Entwicklungen zeigen deutlich, dass sich insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene des Internets alltäglich und selbstverständlich bedienen. Sie sind vor allem in den letzten Jahren verstärkt Zielgruppe von Jugendforen und -chats geworden. Es liegt nahe, dass Jugendliche Onlineangebote nutzen, welche auf ihre Situation zugeschnitten sind und in denen sie anonym, kostenlos und unverbindlich ihre Probleme und Sorgen ansprechen können. Als besonders attraktiv stellen sich hierbei Peerberatungen heraus, in denen ausgebildete Jugendliche und junge Erwachsene hilfsbedürftige Jugendliche beraten, um mit Problemen besser umgehen zu können.

Durch die steigende Nutzung von Online-Beratung, insbesondere durch ein junges Klientel, das bislang durch „traditionelle“ Beratung schwierig zu erreichen war, sehe ich die Beschäftigung mit dieser Thematik als sinnvoll an. Das Arbeitsfeld wird in Zukunft voraussichtlich weiter wachsen, und ich kann mir gut vorstellen, in diesem Umfeld beruflich tätig zu sein. Zudem bereitet es mir viel Freude mit diesem Medium zu arbeiten, und ich verbringe im Internet sowohl beruflich als auch im privaten Bereich viel Zeit, da ich die Vielfältigkeit der Angebote sehr schätze und es viele Aufgaben für mich vereinfacht.

Eine weitere Motivation, sich mit dem Thema der Online-Beratung zu beschäftigen, ist die Tatsache, dass bislang auf diesem Gebiet wenige Studien veröffentlicht wurden. Daher erweisen sich empirische Untersuchungen für die Evaluation von Online-Beratung als notwendig und äußerst nützlich.

03. Zielsetzung der Diplomarbeit

Im Auftrag der Katholischen Bundeskonferenz für Ehe-, Familien- und Lebensberatung möchte ich im Rahmen meiner Diplomarbeit einen Beitrag zur Online-Beratungsforschung leisten. Ich möchte die Beratungsbeziehung in der E-Mail-Beratung anhand des Jugendportals (vgl. www.schreib-dich-nicht-ab.de oder entsprechend www.jugendportal- ratingen.de) der Diakonie Düsseldorf/Mettmann untersuchen, um Ergebnisse über die Perspektive der Klienten in der E-Mail-Beratung zu erhalten. Ziel ist es, die gewonnenen Ergebnisse im Anschluss an diese Studie für die Praxis nutzbar zu machen und nach Möglichkeit die neuen Erkenntnisse dort realisieren zu lassen. Zusammenfassend gesagt ist die Zielsetzung meiner Diplomarbeit, die E-Mail-Beratung zu evaluieren, wenn möglich das Angebot im Rahmen der Beratungsbeziehung besser auf die Bedürfnisse der Klienten abzustimmen und einen kleinen Beitrag für die psychotherapeutische bzw. beraterische Prozessforschung zu leisten.

04. Aufbau der Diplomarbeit

Die Diplomarbeit lässt sich in drei große Abschnitte gliedern Der erste Teil „ Theoretische Grundlagen - Entwicklung und Stand der Psychotherapie- und Beratungsforschung “ beginnt mit einer kurzen Einführung der Prozessforschung und geht in diesem Rahmen explizit auf spezifische und unspezifische Wirkfaktoren und deren Verhältnis zueinander ein (s. Abs. 1.1). Dieser Abschnitt führt den Leser zu dem Kernstück des ersten Teils, in dem auf Theorien und Studien zu der Beratungsbeziehung bzw. zur therapeutischen Beziehung eingegangen wird (s. Abs. 1.2). Hier werden eine Definition der Klient-Therapeut-Beziehung gegeben, wichtige Komponenten aufgezeigt und empirische Ergebnisse im Hinblick auf allgemein wirksame Therapeutenfaktoren (Eigenschaften und Interventionen des Therapeuten) genannt. Ebenfalls wird die Bedeutung der Klientenperspektive für die Beurteilung der therapeutischen Beziehung angeführt. Daran schließt sich die Darstellung der therapeutischen Beziehung aus der Sichtweise unterschiedlicher Therapieschulen an, welche im Wesentlichen die Grundlage meiner entwickelten Online-Umfrage bildet. Auch im Kontext von Beratung wird dieser bedeutende Wirkfaktor kurz angesprochen. Im Abschnitt 1.3 gehe ich auf die allgemeinen Grundlagen und Besonderheiten der E-Mail-Beratung ein und beschäftige mich zudem mit den für die E-Mail-Beratung spezifischen Wirkfaktoren. Da die Beziehung zwischen Klient und Online-Berater noch kaum untersucht wurde, leite ich aus den Besonderheiten und Theorien der computervermittelten Kommunikation wichtige Rahmenbedingungen für die Klient-Berater-Beziehung im virtuellen Setting ab. Da ich die Beratungsbeziehung nicht nur im Kontext von Online-Beratung, sondern auch in Peer-Beratung unter Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen analysieren möchte, werden in Abschnitt 1.4 eine Begriffserklärung dazu gegeben und eine Konzeption sowie Stärken der (Online-)Peer- Beratung vorgestellt.

Teil II „Empirische Untersuchung“ befasst sich mit der Konzipierung, Durchführung und Auswertung der Online-Umfrage. Zunächst werde ich die wichtigsten Eckdaten meines Kooperationspartners präsentieren (s. Abs. 2). Darüber hinaus werden der Forschungsauftrag, danach Fragestellung und Zielsetzung der Studie beschrieben (s. Abs. 3) sowie die Rahmenbedingungen der empirischen Untersuchung (s. Abs. 4) wie Entwicklung und Aufbau des Fragebogens, Zugang zum Feld, zeitlicher Ablauf, Datenschutz etc. dargestellt. Abschließend werden die gewonnenen Ergebnisse der Studie anhand der kategorisierten Fragen abgebildet (s. Abs. 5), wobei auch auf die Methodik der Auswertung eingegangen wird.

Im dritten Teil „Diskussion der Ergebnisse“ werde ich auf methodische Schwächen der Arbeit eingehen sowie mich mit den erhaltenen Befunden auseinandersetzen und diese anhand vorhandener Literatur vergleichen. Es folgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und deren Bedeutung für die Praxis und ein abschließender Ausblick.

I. Theoretische Grundlagen

1. Entwicklung und Stand der Psychotherapie- und Beratungsforschung

Die Psychotherapieforschung ist ein breites und komplexes Feld, welches sich mit der Wirksamkeit und der Wirkweise psychotherapeutischer Verfahren beschäftigt. Die kontinuierliche Psychotherapieforschung geht bis in die 1950er Jahre zurück. 1952 stellte Eysenck, ein britischer Psychologe, die Effektivität von Psychotherapie in Frage, indem er an bis dahin vorliegenden Ergebnisstudien Kritik übte. Er behauptete, dass die Psychotherapie, die zu der Zeit überwiegend der Psychoanalyse entsprach, keine Erfolge über eine spontane Heilung hinaus aufweise (Fuchs, 1998, S. 6). Zur Widerlegung von Eysencks Aussage und im Bestreben, Psychotherapie zu legitimieren, wurden eine Reihe von Therapieforschungen angestoßen mit dem Ziel, die Wirksamkeit der Psychotherapie zu beweisen. In Effekt- bzw. Ergebnisstudien konnte festgestellt werden, dass Psychotherapie durchaus wirksam ist. Meta-Analysen, durch welche die Wirksamkeit beurteilt und der Versuch unternommen wurde, die Unterschiede in der Effektivität verschiedener Behandlungsformen und -methoden nachzuweisen, erbrachten jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen therapeutischen Ansätzen. Die Überlegenheit einer therapeutischen Schulrichtung konnte somit nicht nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse erhärteten die Vermutung, dass die Wirksamkeit von Psychotherapie nicht so sehr von spezifischen bzw. schulengebundenen Wirkfaktoren abhängt, als vielmehr von allgemeinen Komponenten, die in allen Therapierichtungen in gewissem Maß zum Tragen kommen mussten. (Krause Jacob, 1992, S. 20f). Unter anderem beschäftigt sich die Prozessforschung mit den sog. unspezifischen Wirkfaktoren. Sie geht der Frage nach, welche Faktoren innerhalb einer Therapie zum Erfolg führen. Forscher wie Frank, Garfield, Goldfield, Strupp und Bastine u.a. beteiligten sich in den 70er- und 80er Jahren an der sog. „common-factor“-Forschung. Diese suchte nach gemeinsamen unspezifischen Wirkfaktoren, die auf das Therapieergebnis Einfluss nehmen (Sidiropoulou, 1998, S. 8).

In den letzten Jahren entwickelte sich ein verstärktes Interesse an den Forschungsinhalten der „Differentiellen Psychotherapie-Effizienz-Forschung“, die sich einem noch höheren Anspruch verschrieben hat. Sie stellt „die“ entscheidende Frage der Psychotherapieforschung: „Welche Behandlungsmaßnahme durch wen, zu welchem Zeitpunkt, führt bei diesem Individuum mit diesem spezifischen Problem unter welchen Bedingungen zu welchem Ergebnis in welcher Zeit?“ (Meyer et al., 1991 zit. in Fuchs, 1998, S. 20). Bislang ist eine Beantwortung dieser komplexen Fragestellung nicht möglich.

Auch heute liegt der Fokus auf der Prozessforschung. Bastine et al. (1989 zit. in Fuchs, 1998, S. 20f) skizziert die drei Gegenstandsbereiche psychotherapeutischer Prozesse. Die Veränderungsprozesse des Klienten müssen zum einen im Kontext seiner allgemeiner Lebensbedingungen und -geschichte verstanden werden, zweitens im Zusammenhang mit den persönlichen und methodischen Bedingungen des psychotherapeutischen Vorgehens und zum dritten unter Berücksichtigung der institutionellen Rahmenbedingungen der Psychotherapie.

1.1 Prozessforschung und Wirkfaktoren der Psychotherapie

Die Effektivität von Psychotherapie konnte in zahlreichen Studien (vgl. Bergin, 1971; Bergin & Lambert, 1978; Smith, Glass & Miller, 1980) der letzten sechs Jahrzehnte eindeutig nachgewiesen werden. Nach der Studie von Smith & Glass (1980 zit. in Asay & Lambert, 2001, S.42) zu urteilen geht es 80% der durch Psychotherapie behandelten Klienten im Durchschnitt besser als den nicht behandelten Personen. Allerdings blieb somit die Frage offen, welche unterschiedlichen Wirkungsweisen verschiedener therapeutischer Ansätze im psychotherapeutischen Prozess zu einem erfolgreichen Ergebnis führen. Hiermit befasst sich die Prozessforschung, die Bastine et al. (1989, zit. in Sidiropoulou, 1998, S. 28) in „Typ A“ und „Typ B“ untergliedert. Die Forschung konzentriert sich beim „Typ A“ auf die Erforschung von Kern-Bedingungen, die das therapeutische Geschehen durchgehend beeinflussen. Faktoren wie die therapeutische Beziehung oder therapeutische Techniken können hierunter gefasst werden. In der „Typ B“- Forschung werden veränderungsrelevante Zeitpunkte oder Segmente im therapeutischen Prozess untersucht.

Die Psychotherapie-Prozessforschung beschäftigt sich im Rahmen der „Typ-A“- Prozessforschung mit Wirkfaktoren, die sich nach spezifischen und unspezifischen Wirkfaktoren unterscheiden lassen.

1.1.1 Die spezifischen Wirkfaktoren

Unter spezifischen Wirkfaktoren sind schulengebundene Interventionen zu fassen, die auf einem bestimmten Theoriekonzept basieren. Ziel dieser Wirksamkeitsforschung stellt der Nachweis der differenziellen Effektivität unterschiedlicher Therapieansätze dar, geleitet von der Motivation, die Wirksamkeit des eigenen therapeutischen Konzeptes zu untermauern bzw. zu belegen. Der empirischen Psychotherapieforschung ist es zwar gelungen, den Beleg über die Wirksamkeit der unterschiedlichen Therapieansätze zu erbringen, jedoch nicht oder nur bedingt über die spezifische Wirkung bestimmter Verfahren bzw. therapeutischer Methoden (Krause Jacob, 1992, S. 19). Diese Tatsache wird als „Äquivalenz-Paradoxon“ bezeichnet (Mayer, 1990 zit. in Sidiropoulou, 1998, S. 30).

Spezifische Wirkkomponenten sind Modell- und Technikfaktoren bzw. Methoden, die charakteristisch für spezielle Therapieansätze sind. Diese liefern über die therapeutische Vorgehensweise hinaus Begründungen, welche eine Problemerklärung für die Klienten bereithalten und Strategien, die angewandt werden, um die Situation der Ratsuchenden zu verbessern. Nach Lambert (1992, zit. in Hubble, Duncan & Miller, 2001, S. 28) tragen sie nur zu 15% zum Therapieerfolg bei. Dieser Kategorie wird im Gegensatz zu anderen Wirkkomponenten die geringfügigste Bedeutung beigemessen.

Dadurch wurde das Forschungsinteresse auf gemeinsame, unspezifische Wirkfaktoren gelenkt. Wenn hinsichtlich der Effektivität der Therapieansätze keine wesentlichen Unterschiede zu verzeichnen sind, die Methoden sich aber grundlegend voneinander unterscheiden, müssen darüber hinaus zusätzliche Wirkgrößen, die alle Therapieansätze beinhalten, für den Therapieerfolg von Bedeutung sein. Dieser Untersuchung hat sich die sog. „common-factor“-Forschung angenommen (Sidiropoulou, 1998, S. 30).

Neben den genannten Unterschieden verfolgen alle Therapierichtungen ein gemeinsames Ziel: Klienten sollen dabei unterstützt werden, ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren, sprich sich selbst zu helfen, indem sie sich verändern (Hubble, 1993; Miller et al., 1997 zit. in. Hubble, Duncan & Miller, 2001, S. 29).

1.1.2 Die unspezifischen Wirkfaktoren

Als Schlussfolgerung der dargestellten Entwicklungen müssen theorieübergreifende Elemente verschiedener psychotherapeutischer Ansätze wirksam sein. Lange bevor sich die Forschung den unspezifischen Faktoren zuwandte, erkannte Saul Rosenzweig im Jahre 1936, dass die gemeinsamen Elemente der therapeutischen Richtungen, insbesondere die Beziehung zwischen Klient und Therapeut - im Gegensatz zur theoretischen Fundierung der Therapieansätze - von größter Wichtigkeit für die Effektivität der Psychotherapie ist. Er veröffentlichte seine Einschätzung in einem Artikel im Journal of Orthopsychiatry (Hubble, Duncan & Miller, 2001, S. 24).

Empirische Befunde der Laienforschung, in denen die Erfolge von professionellen Helfern bzw. therapeutischen Fachkräften mit denen von Nicht-Professionellen, z.B. nahen Bezugspersonen, ehrenamtlich Tätigen etc. verglichen wurden, zeigen, dass keine wesentlichen Unterschiede zwischen den verglichenen Personengruppen bezüglich des Therapieerfolges zu verzeichnen sind (Blaser, 1982; Bozok, 1986 zit. in Huf, 1992, S. 149). Die Vergleichsstudien beweisen ebenfalls, dass andere Faktoren als die Qualifizierung von Therapeuten und die theoriespezifischen Methoden auf das Therapieergebnis Einfluss nehmen. Im Abschnitt 1.4 meiner Arbeit werde ich noch genauer auf die Ergebnisse der Laienforschung Bezug nehmen.

Eine Reihe von Forschern und Psychologen haben sich auf die Suche nach allgemeinen Wirkfaktoren gemacht. Unspezifische Wirkfaktoren sind unterschiedlich in der Literatur definiert, werden im Kontext dieser Arbeit jedoch im Sinne von Baumann & von Wedel (1981 zit. in Huf, 1992, S. 150) als Variablen, die allen Therapieformen gemeinsam sind, bestimmt. Castonguay (1993 zit. in Heim, 2000, S. 307) empfiehlt, von gemeinsamen anstatt von unspezifischen Faktoren zu sprechen, da die vermeintlich schulenspezifischen Merkmale auch eine Rolle in anderen Therapieformen spielen.

Diese gemeinsamen Wirkparameter lassen sich anhand unterschiedlicher Literatur zur Psychotherapieforschung in folgende fünf Variablenklassen unterteilen: Klientenvariablen, Therapeutenvariablen, zeitliche Strukturvariablen, Erwartungs- und Placeboeffekte und die therapeutische Beziehung. Allerdings ist die Anzahl der gemeinsamen Faktoren so groß und unüberschaubar, dass diese Einteilung nur beispielhaft sein kann. Als wichtigste Komponente werden Klientenvariablen betrachtet (Sidiropoulou, 1998, S. 36f). Nach Lambert (1992 zit. in Hubble, Duncan & Miller, 2001, S. 27) tragen Klientenfaktoren und extratherapeutische Faktoren (individuelle Patientenvariablen und Erfahrungen, die der Patient außerhalb der Therapie macht) zu 40% zum Behandlungserfolg bei. Klientenvariablen stellen auch nach Tallmann & Bohart (1996; 1999) den stärksten gemeinsamen Faktor dar. Ihrer Meinung nach erklärt sich diese Annahme aus dem sog. Dodo-Verdikt, d. h., alle Therapieformen sind ungefähr ähnlich effektiv. Aus der Vielzahl der vorhandenen Klientenvariablen kann in diesem Rahmen nur eine Auswahl genannt werden. Huf (1992, S. 155f) klassifiziert diese zum einen nach der Handlungsweise des Klienten in der Therapie (Verhaltensweisen, Aktivitäten) und nach seinen Kompetenzen (Eigenschaften wie sozialer Status, Alter, Bildungsniveau, Motivation etc.), zum anderen nach seinen Erwartungen (bezüglich der Prognose, des Therapieerfolgs etc.) und der Beziehung, die er zu seinem Therapeuten eingeht.

Der zuletzt genannte Gesichtspunkt soll in dieser Arbeit differenzierter untersucht werden und wird in der überwiegenden Literatur als eigenständige Variable betrachtet, da die Therapiebeziehung den interaktiven Aspekt zwischen dem Klienten und dem Therapeuten unterstreicht (vgl. z.B. Bachelor & Horvath, 2001).

Therapeutenvariablen lassen sich laut Huf (1992, S. 170f) in personale (demographische, biographische und personalistische), stilistische (individuelle therapeutische Mittel) und instrumentale Charakteristika gliedern. Tscheulin (1982 zit. in Sidiropoulou, S. 40) untergliedert die instrumentalen Therapeutenvariablen wiederum in technologische und relationale Variablen. Die erste Unterteilung geht auf die Fähigkeit ein, therapeutische Techniken umzusetzen, und die zweite beschäftigt sich mit den sog. relationalen Variablen, welche die Fähigkeit des Therapeuten beinhalten, eine Beziehung zum Klienten herzustellen, z.B. mit Hilfe der gesprächstherapeutischen Basisvariablen nach Rogers (vgl. Abs. 1.2.4.1). Im Gegensatz zu den Klientenvariablen wird der Einfluss von Therapeutenvariablen bis auf die instrumentellen Variablen, die signifikant das Therapieergebnis beeinflussen, aufgrund weniger stichhaltiger Befunde als eher geringfügig eingeschätzt (Tscheulin, 1982 zit. in Sidiropoulou, S. 188-191).

Die zeitlichen Strukturvariablen, als letzte Variablenklasse, berücksichtigen die allgemeine Therapiedauer. Eine Reihe von Forschern wie Seligman (1995) und Luborski et al. (1971) konnten in Studien belegen, dass die Therapiedauer - gemessen an der Anzahl der Therapiesitzungen - positiv mit dem Therapieerfolg korreliert. Allerdings muss hierbei der Schweregrad des Störungsbildes Berücksichtigung finden, da er über die erforderliche Behandlungsdauer entscheidet (Howard, Orlinsky & Lueger 1994 zit. in Sidiropoulou, 1998, S. 41f).

Erwartungs- und Placeboeffekte sind nach Lambert (1992, zit. in Hubble, Duncan & Miller, 2001, S. 59) genauso effektiv für die Veränderung der Klienten wie Modell- und Technikfaktoren. Diese tragen zu etwa 15% zur Verbesserung in der Therapie bei. Mit Erwartungs- und Placeboeffekten ist die Einstellung der Klienten, meist schon im Vorfeld der Therapie, gemeint, die mit der Hoffnung verknüpft ist, eine Verbesserung durch die Therapie und deren Methoden zu erreichen. Nach Frank und Franks Ansatz (1991, zit. in Hubble, Duncan & Miller, 2001, S. 28) glauben beide Therapiebeteiligten, Klient und Therapeut, in erfolgreichen Therapien an die heilende Kraft der Behandlungsformen und Behandlungsrituale.

Auf die therapeutische Beziehung wird im nächsten Abschnitt gesondert und genauer eingegangen, da sie das Kernstück dieser Arbeit bildet.

Um einen Überblick über die vielfältigen Variablen zu erhalten, die den Psychotherapieprozess zu unterschiedlichen Teilen mitbestimmen, haben Orlinsky & Howard (1986 zit. in Fuchs, 1998, S. 22) ein Allgemeines Modell von Psychotherapie (AMP), „Generic Model of Psychotherapy“, entwickelt. Das Modell zeigt sehr anschaulich das komplexe Gefüge, auf dem Psychotherapie basiert, und darüber hinaus differenziert es die Komponenten der unspezifischen Faktoren, welche am Therapieprozess mitwirken bzw. das Therapieergebnis beeinflussen. Besondere Bedeutung kommt hier dem psychotherapeutischen Prozess zu, der sechs wesentliche Aspekte, wie den therapeutischen Vertrag, therapeutische Maßnahmen, die therapeutische Beziehung, die innere Selbstbezogenheit von Patient und Klient, die unmittelbare Auswirkung der Therapiesitzung und den zeitlichen Aspekt der Therapie beinhaltet.

Über die unterschiedlichen Variablenklassen und das AMP hinaus gibt es therapeutische Modellvorstellungen zum Einfluss unspezifischer Wirkfaktoren (vgl. Frank, 1989; Bandura, 1977; Karasu, 1986; Grawe, Bernauer & Donati, 1994; Petzold, 1993; Walter, 1985). Im Rahmen des Teilaspekts der therapeutischen Beziehung werden einzelne Modelle im Abschnitt 1.2 näher beschrieben.

1.1.3 Das Verhältnis von spezifischen und unspezifischen Wirkfaktoren

Es wurde festgestellt, dass spezifische Interventionen nicht isoliert wirken, das bedeutet, sie sind mit allgemeinen Wirkfaktoren verknüpft. Unspezifische Wirkfaktoren werden durch spezifische Faktoren wie eine therapeutische Methode transportiert. Wiederum im Sinne eines ganzheitlichen Therapieverständnisses können spezifische Wirkungen nur dann zum Tragen kommen, wenn auch allgemeine Wirkfaktoren verwirklicht werden, wie z.B. eine entspannte und vertrauensvolle Atmosphäre oder eine gute therapeutische Beziehung. Dabei bleibt die Frage offen, welches therapeutische Verhalten ein günstiges Therapieklima bzw. dem Klienten ein tragfähiges Beziehungsangebot schafft (Fuchs, 1998, S. 72-78). Diese Arbeit soll u.a. zur Erforschung dieser Fragestellung beitragen.

Spezifische Anteile sind für die Wirkung von Psychotherapie, wie bereits in den vorangegangenen Abschnitten dargelegt, nicht entscheidend. Allerdings kann man durch sie auch positive Wirkungen erzielen, wenn Therapeuten ihre spezielle Methode überzeugend und konsequent vertreten. Den Klienten wird somit Glaubwürdigkeit in die Kompetenz des Therapeuten vermittelt und das Vertrauen in das therapeutische Vorgehen verstärkt (Bozok & Bühler, 1988, zit. in Fuchs, 1998, S. 73).

Wichtig ist bei dieser Diskussion festzuhalten, dass eine klare inhaltliche Unterscheidung zwischen spezifischen und unspezifischen Wirkfaktoren nicht möglich ist, allenfalls kann die Abgrenzung einer begrifflichen Orientierung dienen. Es sollte nach Zimmer (1983, S. 11) eher um die Beantwortung der Frage gehen, welche Bedingungen im Sinne eines Zusammenspiels von Techniken und Beziehungsgestaltung gegeben sein sollten, um Veränderungen bei Klienten zu erzielen.

1.2 Die therapeutische Beziehung

Der therapeutischen Beziehung kommt in der gesamten Psychotherapie eine zentrale Bedeutung zu. Der Therapieerfolg wird in starkem Maße von der therapeutischen Beziehung bestimmt, zunächst einmal völlig unabhängig von den unterschiedlichen Behandlungsformen, den Problemfeldern und den Erfolgsmassen (Ackermann & Hilsenroth, 2001; Orlinsky, Grawe & Parks, 1994; Orlinsky et al., 2004; Wampbold, 2001 zit. in Egger, 2007, S. 8). Die Qualität der Beziehung kann als gemeinsamer bzw. allgemeiner Wirkfaktor betrachtet werden. Die verschiedenen Therapieansätze stimmen mit unterschiedlicher Gewichtung darin überein, dass die Beziehungsfaktoren zu einem erheblichen Teil auf ein günstiges Therapieergebnis einwirken. Nach Lambert (1992, zit. in Hubble, Duncan & Miller, 2001, S. 53) sind die therapeutischen Beziehungsvariablen bis zu 30 % an einem positiven Therapieergebnis beteiligt. Über das Ausmaß dieses Zusammenhangs gibt es allerdings unterschiedliche Ansichten. So gehen z.B. Horvath & Symonds (1991 zit. in an der Heiden, 2003, S. 15) und Beutler (2003 zit. in an der Heiden, 2003, S. 15) von einem deutlich geringeren Einfluss auf das Therapieergebnis aus, und zwar von 7 und 17 %.

Auch wenn sich bis heute noch nicht klären lässt, zu welchem Anteil Beziehungsfaktoren das Therapieergebnis beeinflussen, so besteht doch der allgemeine Konsens, dass sie eine zentrale Rolle im Therapieprozess spielen und in ein komplexes Gefüge eingebettet sind (vgl. AMP von Orlinsky & Howard, 1986). Aus einer Vielzahl von Studien geht hervor, dass die Beiträge von Klient und Therapeut zur Beziehungsgestaltung für den Therapieerfolg entscheidend sind (Orlinsky et al., 2004).

Die Qualität der Beziehung resultiert nicht ausschließlich aus positiven Therapieergebnissen, die während der Behandlung zu verzeichnen sind, sondern ist als eigenständiger Faktor zu bewerten, der allein Veränderungen beim Klienten herbeiführen kann. Ebenfalls bzw. im Rückschluss entscheidet die Beziehung auch über Misserfolg der Therapie bzw. über einen frühzeitigen Abbruch der Behandlung (Beutler et al., 2004, S. 282 u. S. 288). Ebenfalls können negative Ansichten des Klienten bezüglich des Therapeuten einen wichtigen Hinweis für einen Therapieabbruch liefern (Clarkin & Levy, 2004, S. 198). Umso wichtiger scheint es auf Seiten des Therapeuten, eine positive Beziehung zum Klienten in einer frühen Phase der Therapie zu etablieren bzw. sich um ein positives Beziehungsklima zu bemühen und Schwierigkeiten, die in der Klient-Therapeut- Beziehung am Anfang der Behandlung entstehen, direkt anzusprechen und zu bearbeiten (Bachelor & Horvath, 2001 zit. in Hubble, Duncan & Miller, 2001, S. 144f). Insbesondere mit Blick auf die Bedeutung des Beziehungsmaßes im Verlauf der Therapie sollte die vorher beschriebene Bedingung erfüllt werden. Dies bedeutet, dass das Ausmaß der Beziehungsqualität, ermittelt zwischen der dritten und fünften Therapiesitzung, einen sicheren und einheitlichen Vorhersagewert für das Therapieergebnis liefert (Costanguay, Goldfried, Wiser, Raue & Hayes, 1996; Gaston, Thompson, Gallager, Cournoyer & Gangnon, 1998; Hersaug, Monsen, Havik & Hoglend, 2002; Regli, Bieber, Mathier & Grawe, 2000 zit. in Egger, 2007). Bei der therapeutischen Beziehung handelt es sich um den meisterforschten gemeinsamen Faktor, der Lambert zufolge (1992 zit. in Hubble, Duncan & Miller, 2001, S. 49f) nach den Klientenfaktoren die wichtigste Variablengruppe darstellt. Zudem liefert die Wirkgröße der Therapeut-Klient-Beziehung in Bezug auf den Therapieerfolg den empirisch fundiertesten Beleg (Czogalik, 1990, S. 14).

Enke & Czogalik (1990 zit. in Czogalik, 1990, S. 15) sind der Auffassung, dass eine tragfähige zwischenmenschliche Beziehung zwischen Klient und Therapeut das Fundament effektiver therapeutischer Interventionen ist, also Vorgehensweisen, die eine Veränderung im Sinne einer integrierbaren Neuerfahrung und Neubewertung beim Klienten erwirken. Strupp (1999, S. 14f) sieht die Bedeutung der professionellen Beziehung zwischen den Beteiligten als essenziell. Er geht davon aus, dass Klienten eine Psychotherapie aufsuchen, weil sie mit ihrem Verhalten oder eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen unzufrieden sind und sich wünschen, diese zu verbessern. Das kann nach Strupp gelingen, indem sie sich in eine Beziehung zum Therapeuten begeben. Die therapeutische Beziehung hat demnach die Funktion, das menschliche, bei Klienten unbefriedigte Bedürfnis nach Zuneigung durch eine ihnen gut gesonnene Person zu befriedigen. Zusätzlich zur korrektiven zwischenmenschlichen Erfahrung kann der Kontakt in einer professionellen Beziehung zum Therapeuten einen Lerneffekt für den Klienten haben.

Bedingt durch die Fülle von Erkenntnissen zur therapeutischen Beziehung und die vielfältigen Facetten dieses Komplexes beschränkt sich diese Arbeit vorwiegend auf das Therapeutenverhalten bzw. auf die Therapeutenmerkmale aus der Sicht des Klienten, also auf die Weise, in der er den Therapeuten und dessen Interventionen bezüglich des Beziehungsangebotes erlebt.

1.2.1 Definition

Es gibt bislang keine einheitliche Definition der therapeutischen Beziehung, noch nicht einmal im Bezug auf die wesentlichen Komponenten der Hilfebeziehung. In der Literatur wird allein der Beziehungsfaktor „die therapeutische Beziehung“ mit den unterschiedlichsten Begriffen umschrieben bzw. benannt. Nach Einsicht der Psychotherapieliteratur lassen sich die unterschiedlichen Definitionen der therapeutischen Beziehung darauf zurückführen, dass je nach Therapierichtung andere Schwerpunkte gesetzt wurden. Eine andere Begründung liefert die Tatsache, dass das Konstrukt der Therapeut-Klient-Beziehung komplex und vielschichtig ist, so dass es schwierig ist, einen Konsens in einer einheitlichen Formulierung zu finden. Gelso und Carter (1994 zit. in Bachelor & Horvath, 2001, S. 142) äußerten diesen Mangel und präsentierten eine sehr allgemein gehaltene Begriffsbestimmung dieses gemeinsamen Faktors: „ Die therapeutische Beziehung umfasst die Gefühle und Einstellungen, die die Beratungsteilnehmer füreinander haben, und die Art und Weise, wie sie ausgedrückt werden. “ Eine detailliertere, jedoch allgemeingültige Beschreibung liefert die Definition von Orlinsky (1994a, zit. in Strauß und Wittmann, 2000, S. 74f) zum interpersonalen Aspekt: „ Das zwischenmenschliche Beteiligtsein oder die Allianz zwischen Patient(en) und Therapeut(en) beschreibt den Einfluss ihres wechselseitigen Beziehungsverhaltens auf die globale Qualität und die ‚ Atmosphäre ’ des zwischen ihnen entstehenden dyadischen bzw. des Gruppenprozesses. Dieser wird insbesondere durch die unterschiedliche Intensität der therapeutischen Zusammenarbeit (individuelle Umsetzung der entsprechenden Rollen, Abstimmung der Interaktion) sowie des ‚ individuellen Raports ’ (gegenseitiger Kontakt, wechselseitige Gefühlsbeteiligung) charakterisiert “. Im „Handbook of Psychotherapy and Behavior Change“ (2004, S. 319) führen Orlinsky & Hill diese Definition noch genauer aus. Die Begriffsbestimmung von Orlinsky dient in diesem Rahmen als Arbeitsdefinition.

1.2.2 Wichtige Komponenten

Die therapeutische Beziehung umfasst eine Vielzahl von Beziehungskomponenten. Eines der wichtigsten Kriterien stellt die therapeutische Allianz bzw. die Arbeitsbeziehung zwischen Klient und Therapeut dar. Oftmals wird der Begriff der therapeutischen Allianz als Synonym für die Klient-Therapeut-Beziehung verwendet, an anderer Stelle hebt er den Aspekt der Arbeitsbeziehung hervor. In diesen Ausführungen wird der Begriff als Synonym gebraucht. Gaston (1990 zit. in Lambert & Ogles, 2004, S. 174) fasst vier Aspekte, die überwiegend mit gegenwärtigen Einstufungsskalen gemessen werden, unter das Konstrukt „therapeutische Allianz“:

(1.) „die affektive Beziehung des Klienten zum Therapeuten,
(2.) die Fähigkeit des Klienten, zielstrebig in der Therapie arbeiten zu können,
(3.) das empathische Verständnis und Engagement des Therapeuten und
(4.) die Übereinstimmung von Klient und Therapeut hinsichtlich der Ziele und Aufgaben der Therapie.“

Der zuletzt genannte Aspekt gilt als ein generelles Wirkelement in der therapeutischen Beziehung (Orlinsky et al., 2004, S. 350). Nach Horvath & Symonds (1991 zit. in Asay & Lambert 2001, S. 56) nimmt die Qualität der therapeutischen Allianz 26% des Therapieerfolges für sich in Anspruch. Das Bündnis ist ein geeigneter Prädiktor für ein positives Endergebnis, unabhängig von der Art des angewandten psychotherapeutischen Verfahrens. Die therapeutische Allianz wird als notwendige, jedoch nicht als hinreichende Bedingung angesehen, um Persönlichkeitsveränderungen zu erwirken. Allianz- Einstufungsskalen beinhalten zudem eine starke Betonung von Patientenvariablen und konzentrieren sich zunehmend auf die Fähigkeit der Klienten, sich konstruktiv in die Therapie einzubringen (Lambert & Ogles, 2004, S. 174). Grundsätzlich beeinflusst die Fähigkeit und das Verhalten von Klient sowie Therapeut das therapeutische Bündnis, wenn sie miteinander in Interaktion treten.

1.2.3 Förderliche Therapeutenvariablen

Im Hinblick auf die Ziele der empirischen Untersuchung soll im Weiteren der Schwerpunkt auf solche Therapeutenvariablen gelegt werden, die vor allem durch die dritte Komponente der therapeutischen Allianz angesprochen werden. Es geht demnach um förderliche Einstellungen und Interventionen des Therapeuten, welche vom Klienten als hilfreich und wichtig für die therapeutische Beziehung erachtet werden und einen positiven Einfluss auf das Behandlungsergebnis nehmen.

Für die Erforschung von hilfreichen instrumentellen Therapeutenfaktoren wurde in der Vergangenheit eine Vielzahl von Messinstrumenten verwendet. Einen Überblick über diese Skalen, über die untersuchten Komponenten sowie über die Perspektiven, aus denen die Bewertung erfolgte, zeigt die Tabelle 4.2 „Most frequently Used Measures“ im „Handbook of Psychotherapy and Behavior Change“ (Hill & Lambert, 2004, S. 92). Im Folgenden sollen allgemeine Charakteristika des Therapeutenverhaltens angeführt werden, welche teilweise unabhängig von der therapeutischen Ausrichtung Gültigkeit haben. Manche der hier aufgeführten Therapeuteneigenschaften bzw. Therapeuteninterventionen werden in den nachfolgenden Abschnitten vertieft.

Es gibt eine Reihe von förderlichen Qualitäten, welche von therapeutischer Bedeutung sind. Ein wesentliches Merkmal, das mit dem Therapieerfolg korreliert, stellt das Konstrukt „Verständnis und Engagement“ (Gaston & Marmar, 1994 zit. in Bachelor & Horvath, 2001, S. 148) oder „Wärme und Freundlichkeit“ (Gomes-Schwartz, 1978 zit. in Bachelor & Horvath, 2001, S. 148) dar. Diese Elemente stehen zudem in einem positiven Zusammenhang mit der Klientenzufriedenheit. In 13 Studien zwischen 1992 und 2001 wurde sowohl das Engagement als auch die Glaubwürdigkeit des Therapeuten in Beziehung zum jeweiligen Therapieausgang betrachtet. Diese und ältere Ergebnisse aus weiteren 39 Untersuchungen belegen einen positiven Zusammenhang zwischen diesen beiden Variablen und dem Therapieresultat (Orlinsky et al., 2004, S. 347f). Darüber hinaus haben auch ähnliche Qualitäten des Therapeuten einen positiven Einfluss auf das Therapieergebnis. Klienten, die ihren Therapeuten als „einfühlsam-emphatisch, als verständnisvoll und akzeptierend, als für das Wohl des Patienten engagiert, als vertrauenswürdig und zuverlässig, als warm und unterstützend und als kompetent“ charakterisierten, erzielen die besten Therapieergebnisse (vgl. Orlinsky, Grawe & Parks, 1994; Bohart, Elliot, Greenberg & Wotson, 2003; Horvath & Bedi, 2003; Lambert & Barley, 2003 zit. in Grawe, 2004, S. 404). Lambert (1994 zit. in Fuchs, 1998, S. 9) entnahm wiederum ähnliche Therapeutenmerkmale aus Klienteneinschätzungen, die ebenfalls in einem positiven Zusammenhang mit ihrem Therapieerfolg standen. Diese kennzeichneten ihren Therapeuten überwiegend als „verständnisvoll, ermutigend, sensibel, ehrlich, interessiert usw.“.

Die Ergebnisse zu Interventionen der Therapeuten sind weniger einheitlich und eindeutig. Unter Interventionen versteht man Strategien und therapeutische Vorgehensweisen, die vom Therapeuten angewandt werden und an unterschiedliche Therapieformen angelehnt sein können (Beutler et al., 1994 zit. in Bachelor & Horvath, 2001, S. 149). Folgende Interventionen konnten nicht eindeutig, sondern nur differenziert einen positiven Einfluss auf das Therapieergebnis belegen oder ihre Wirkgröße wurde durch neuere Studien widerlegt: Rat geben, direktives Vorgehen, Reflexion, offene Fragen, Unterstützung im Sinne von Ermutigung, Selbstoffenbarung des Therapeuten und Deutungen (vgl. Bachelor & Horvath, 2001, S. 149ff).

Da vermutlich die verschiedenen Klienten-Typen unterschiedlich auf das jeweilige therapeutische Vorgehen reagieren, lassen sich keine allgemeinen bzw. einheitlichen Schlüsse bezüglich der Therapeuteninterventionen auf das Therapieergebnis ziehen. Zudem kann laut Beutler et al. (1991 zit. in Bachelor & Horvath, 2001, S. 149) die Wirkung von Interventionen möglicherweise über vielfältige Klienten- und Therapeutenvariablen transportiert werden. Auch erfordert die Art und Ausprägung des individuellen Krankheitsbildes spezifische Techniken für das jeweilige positive Therapieergebnis. Dementsprechend zeigte sich bei depressiven Klienten, welche zum Widerstand neigten, direktives Therapeutenverhalten als nützlich; nichtdirektives Vorgehen war wiederum bei denjenigen Patienten hilfreich, die nicht viel Widerstand zeigten. Die Motivation im Zusammenhang mit der Stabilität des Selbstkonzeptes des Klienten bedarf ebenfalls eines spezifischen Therapeutenverhaltens: so stellten sich erklärende Interventionen für motivierte Klienten mit stabilem Selbstbild als günstiger und bei der gegenteiligen Fallkonstruktion unterstützendes Vorgehen als geeigneter heraus (Horowitz, Marmar, Weiss, De Witt & Rosenbaum, 1984 zit. in Bachelor & Horvath, 2001, S. 149).

Es kann somit zusammengefasst werden, dass effektive Therapeuten sich dadurch auszeichnen, „dass sie spezifische Methoden anwenden, tragfähige Beziehungen anbieten und sowohl unterschiedliche Methoden als auch Beziehungsangebote differenziert an der individuellen Person und am jeweiligen Rahmen ausrichten“ (Norcross, 2002, zit. in Loth, 2003). Diese Forderung wird auch von Bachelor und Horvath (2001, S. 151) benannt. Durch die unterschiedliche Aufgeschlossenheit der Klienten sollten die spezifischen Interventionen auf die individuelle Persönlichkeit und Situation der Klienten abgestimmt werden.

Loth (2003) stellt die wichtigsten Erkenntnisse des Buches von Norcross (2002) in einem Überblick dar. Dabei beziehen sich die Ergebnisse auf zwei vorgegebene Ziele: Zum einen auf die Identifikation effektiver Bestandteile einer therapeutischen Beziehung und zum anderen auf die Bestimmung wirksamer Methoden, so dass diese in der Therapie auf die Klienten individuell zugeschnitten werden können.

Die erforschten wirksamen Elemente, die in einem signifikanten Zusammenhang mit einer günstigen therapeutischen Beziehung stehen, werden unterteilt in „effektiv und vielversprechend“. Beide Aspekte werden jeweils im Hinblick auf die Passung zwischen der therapeutischen Beziehung und den individuellen Klienten analysiert und die Ergebnisse dargestellt. Unter Passung wird in diesem Kontext das „individuelle Eingehen des Therapeuten auf die Besonderheiten des Klienten“ verstanden (Loth, 2003).

Zu den so genannten effektiven Elementen zählen die therapeutische Beziehung an sich, der spezielle Aspekt der Gruppenkohäsion, Empathie sowie der Zielkonsens und die Kooperation zwischen Klient und Therapeut. Diese als wirksam deklarierten Aspekte sind in Bezug auf die spezifische Situation des Klienten der erfolgreiche Umgang des Therapeuten mit Widerstand, mit funktionellen Beeinträchtigungen sowie mit dem Copingstil des Hilfesuchenden. Loth (2003) entnimmt dem Herausgabewerk von Norcross (2002) eine Reihe von vielversprechenden Elementen, die leider undifferenziert bzw. nicht genau erläutert werden: Als vielversprechende Therapeutenfaktoren werden die positive Zuwendung zum Klienten und das kongruente Verhalten bezeichnet. Weiterhin vielversprechend bezüglich der positiven Wirkung auf das Behandlungsergebnis sind Interventionen des Therapeuten, wie dem Klienten eine Rückmeldung über sein Verhalten etc. geben, persönliche Mitteilungen des Therapeuten und die Verwendung beziehungsrelevanter Interpretationen. Bachelor & Horvath (2001, S. 159) präzisieren den Einfluss von Interpretationen. Nach Critis-Christoph, Demorest & Connolly (1990), Luborsky & Critis-Christoph (1990) und Singer (1985) sind bei einigen Klienten Deutungen effektiv, die zentrale Beziehungsmuster des Hilfesuchenden thematisieren, wie die Beziehung zu anderen Mitmenschen oder zum Therapeuten bzw. nach Norville, Sampson & Weiss, (1996) und Weiss (1986) „zentral falsche oder fehlangepasste Annahmen, die der Klient in der Therapie zu überwinden sucht“. Diese Art von Interpretation kann deshalb als wirksam gelten, weil damit eine stärkere emotionale Involvierung des Klienten erreicht wird, welches sich wiederum günstig auf die Beziehung zwischen Klient und Therapeut auswirken kann.

Als weitere vielversprechende Elemente nennt Loth (2003) den adäquaten Umgang des Therapeuten mit Unterbrechungen der therapeutischen Allianz sowie den Umgang mit Gegenübertragung. Vielversprechende Aspekte, welche die Besonderheiten des Klienten berücksichtigen, sind das spezielle Eingehen auf die Veränderungsmotivation, Erwartungen und Vorlieben. Als letzter vielversprechender Aspekt wird nochmals das Copingverhalten des Klienten angesprochen.

1.2.4 Die Klientenperspektive

Um die therapeutische Beziehung erforschen zu können, ist die Sicht des Klienten von zentraler Bedeutung. Elliott und James (1989 zit. in Jacob, 1992, S. 32) betonen, dass der therapeutische Prozess und damit auch das therapeutische Bündnis von Klient und Therapeut erst dann umfassend verstanden und erforscht werden kann, wenn genügend Informationen über das subjektive Erleben des Klienten bekannt sind. Das Therapeutenverhalten und spezifische Interventionen erzielen eine ganz bestimmte individuelle Wirkung beim Hilfesuchenden, unabhängig davon, wie sie objektiv eingeschätzt werden oder beabsichtigt sind. Oftmals erkennen Klienten die Intention des Therapeuten bezüglich der Beziehungsgestaltung nicht bzw. nehmen diese anders war (Hill, Helms, Spiegel & Tichenor, 1988; Hill & O’Grady, 1985; Horvath, Marx & Kaman, 1990 zit. in Bachelor und Horvath, 2001, S. 145).

Demnach kommt dem Erfassen des aktuellen und subjektiven Erlebens des Klienten eine zentrale Funktion zu. Erst dadurch wird es ermöglicht, die therapeutischen Interventionen auf die individuellen Erfahrungen zuzuschneiden und allgemeingültige Feststellungen hieraus abzuleiten (Elliott & James, 1989 zit. in Fuchs, 1998, S. 91).

Ein wichtiger Faktor, der ebenfalls für die Erforschung des therapeutischen Bündnisses aus der Perspektive des Klienten spricht, ist der, dass der Beziehungsbeitrag des Therapeuten über unterschiedliche Behandlungskontexte hinweg besonders dann konsistent mit einem positiven Therapieergebnis verbunden zu sein scheint, wenn er durch den Klienten selbst und nicht durch externe Beobachter eingeschätzt wird (Orlinsky et al., 2004, S. 282). Auch in Bezug auf die Allianzbewertung, die am Anfang und zwischenzeitlich in der Therapie durch den Klienten abgegeben wurde, konnte festgestellt werden, dass sie in einem deutlichen Zusammenhang zum Behandlungserfolg steht (Krupnick et al., 1996 zit. in Asay & Lambert, 2001, S. 57).

Wichtig ist ebenfalls herauszustellen, dass es aus Sicht des Klienten und Therapeuten unterschiedliche Wahrnehmungen bezüglich der therapeutischen Beziehung gibt (z.B. Golden & Robbins, 1990 zit. in Bachelor & Horvath, 2001, S. 145). Die geringe Übereinkunft bei der Einschätzung der Bündnisqualität sieht Mallinckrodt (1991 zit. in Bachelor & Horvath, 2001, S. 145) in der Orientierung an unterschiedlichen Bezugspunkten von Klient und Therapeut. Während z.B. Therapeuten für den Therapieerfolg die Klientenbeiträge hervorheben, machen Klienten eher Therapeutenkomponenten bzw. -verhaltensweisen wie bereitgestellte Unterstützung, Wärme, Mitgefühl und emotionales Engagement für die Qualität der Beziehung verantwortlich (z.B. Bachelor, 1991 zit. in Bachelor & Horvath, 2001, S. 146).

1.2.5 Die therapeutische Beziehung aus unterschiedlicher Sicht

Im Folgenden möchte ich die therapeutische Beziehung und deren Bedeutung vom Standpunkt der jeweiligen Therapierichtung erläutern. Es werden bevorzugt die Dimensionen des Bündnisses von Klient und Therapeut näher beschrieben, die für meine Arbeit und insbesondere mit Hinblick auf die empirische Studie relevant sind. Überwiegend werden die für die jeweilige Therapie- bzw. Beratungsform charakteristischen Elemente vorgestellt.

1.2.5.1 Die klientenzentrierte Beratung nach Rogers

In der Gesprächspsychotherapie bzw. in der klientenzentrierten Beratung kommt der Qualität der Beziehung eine entscheidende Bedeutung zu. Carl R. Rogers sieht die Beziehung zwischen Berater und Klient selbst als wirksames Element, um Persönlichkeitsveränderungen beim Hilfesuchenden zu erzielen. Er geht davon aus, dass bestimmte Einstellungen bzw. Grundhaltungen des Beraters Veränderungen beim Klienten herbeiführen können. Voraussetzung hierfür ist immer, dass dem Klienten diese Einstellungen während der Beratung nähergebracht werden müssen bzw. erfahrbar sind (Rogers, 2004, S. 22).

Rogers benannte 1957 sechs Voraussetzungen für ein förderliches Beziehungsklima, welche Persönlichkeitsveränderungen beim Klienten erwirken können. Diese Auflistung enthält zudem ein Beziehungskonzept, in dem er die Grundlagen hilfreicher Beziehungen beschreibt:

„1. Klient und Ratsuchender müssen einen psychischen Kontakt zueinander haben.
2. Die eine Person, der Ratsuchende befindet sich in einem Zustand der Angst, der Disharmonie, der Verletzbarkeit.
3. Der Berater muss in der Beratungssituation flexibel, natürlich und ausgeglichen, d. h. kongruent und in die Beziehung integriert sein.
4. Der Berater muss unbedingt eine positive Einstellung gegenüber dem Klienten aufbringen, er muss ihn akzeptieren.
5. Der Berater muss Einfühlung in die psychische Situation, d.h. ein emphatisches Verstehen des inneren Bezugsrahmens des Klienten entwickeln und er muss dieses Verständnis dem Ratsuchenden mitteilen können.
6. Diese Mitteilung muss so individuell gestaltet sein, dass der Klient sie wahrnehmen und erfahren kann, d. h. die Basisvariablen müssen transparent sein.“ (Rogers, 1957 in Brem-Gräser, 1993, S. 84)

Die drei hier enthaltenen Beziehungsvariablen - Empathie, Wärme oder Akzeptanz und Echtheit oder Authentizität - werden von Rogers als notwendige und ausreichende Wirkgrößen für den Beratungserfolg gesehen (Nestmann, 2004, S. 792). Diese zentralen Grundhaltungen bedingen sich in ihrer Wirksamkeit gegenseitig, gehören demnach zusammen und bauen aufeinander auf (Brem-Gräser, 1993, S. 85). Zahlreiche empirische Studien konnten in der Vergangenheit belegen, dass die Basisvariablen nach Rogers bei Hilfe bedürftigen Personen positive Veränderungen herbeiführen können (Saschße, 1999 zit. in Straumann, 2004, S. 648). Um die Beziehungsfaktoren nach Rogers genauer zu erläutern, werden im Folgenden die einzelnen Kernbedingungen Empathie, Wertschätzung und Kongruenz kurz beschrieben, auf die Wirkung der Therapeuteneinstellungen auf den Klienten eingegangen und zudem jeweils empirische Befunde angeführt.

Unter Empathie versteht Rogers das Einfühlungsvermögen des Beraters in die Gefühlsund Problemlage des Klienten. Der Berater ist demnach angehalten, sich in die Rolle der Hilfe suchenden Person hineinzuversetzen, ihre Gefühlswelt zu verstehen und den nachvollzogenen Sinngehalt dem Klienten zu vermitteln.

Es kann davon ausgegangen werden, dass allein die Intention des Beraters, seinen Klienten verstehen zu wollen bzw. dieses zu versuchen, vom Hilfesuchenden wahrgenommen wird. Die gezeigte Anteilnahme und Einfühlung kann somit positiv auf die Berater-Klient- Beziehung Einfluss nehmen (Brem-Gräser, 1993, S. 85f). Ebenfalls teilt sich dem Klienten durch diese Bemühung „die Wertschätzung mit, ... und vermittelt ihm das Gefühl, dass der Berater seine Empfindungen und Ansichten als etwas ansieht, das wert ist, verstanden zu werden“ (Rogers, 2004, S. 217). Darüber hinaus stärkt die Empathie des Therapeuten das Vertrauen des Klienten in seine Fähigkeit, sich verständlich zu machen bzw. seinen Gefühlen und Sorgen adäquat Ausdruck zu verleihen. Nachdem Rogers 1957 die Kernbedingungen seines theoretischen Konzeptes veröffentlichte, beschäftigten sich eine Menge empirischer Untersuchungen mit dem einfühlenden Verstehen des Therapeuten. Allerdings ging die Anzahl der Studien, die sich mit diesem Aspekt im Zeitraum von 1992 bis 2001 befassten, rapide zurück. Der Grund für diese Abnahme liegt darin, dass diese Beziehungsvariable als allgemeiner Wirkfaktor anerkannt ist und demnach in einem klaren Bezug zum Therapieerfolg steht. Diese Basisvariable wurde zuletzt in einer Metaanalyse von Bohart und Kollegen im Jahre 2002 bestätigt (Orlinsky et al., 2004, S. 350).

Abschließend möchte ich noch eine Studie von Bachelor (1988 zit. in Bachelor & Horvath, 2001, S. 151) erwähnen, in der er zwischen zwei unterschiedlichen Klienten-Typen unterscheidet, die jeweils eine kognitiv und eine affektiv getönte emphatische Kommunikation des Therapeuten als hilfreich einschätzen und demnach bevorzugen. Dieses Ergebnis zeigt, dass das Empathieverhalten des Therapeuten aus der Perspektive des Hilfesuchenden kein einheitliches Konstrukt darstellt, welches als nützlich erachtet wird. Um dem individuellen Bedürfnis des Klienten gerecht zu werden und die Therapieeffektivität zu erhöhen, müsste laut Dolan et al. (1993 zit. in Bachelor & Horvath, 2001, S. 153) der Therapeut ein flexibel einsetzbares Repertoire von Beziehungshaltungen zur Verfügung haben, um es auf die jeweiligen Klientenbedürfnisse abstimmen zu können. Ein zweites wesentliches Element in der Beziehungsgestaltung zum Klienten ist die Wertschätzung. Der Klient soll vom Berater wertgeschätzt und so angenommen werden, wie er ist, ohne spezielle Anforderungen bzw. Bedingungen erfüllen zu müssen. Durch das unbedingte Akzeptieren von Seiten des Beraters kann es dem Klienten gelingen, sich zu öffnen und auch verborgene Erfahrungen oder Problembereiche zuzulassen und anzusprechen (Brem-Gläser, 1993, S. 87ff). Nach Binder & Binder (1979 zit. in Brem- Gläser, 1993, S. 89) wird durch die positive Wertschätzung die Selbstachtung des Klienten erhöht und die Beziehung wird somit konstruktiv erfahrbar. Aus früheren Studien ergaben sich insgesamt 151 Befunde, welche einen positiven Zusammenhang zwischen dem wertschätzenden Therapeutenverhalten und dem Therapieergebnis aufzeigen. Diese Wirkung auf den Therapieerfolg konnte immer dann in besonderem Maße festgestellt werden, wenn aus Klientensicht die unbedingte Wertschätzung des Therapeuten erfolgte (Orlinsky, 2004, S. 353).

Eine dritte Variable stellt die Kongruenz dar, welche die Echtheit des Beraters betont, das heißt, der Berater sollte der Hilfe suchenden Person authentisch und ehrlich gegenübertreten, ohne sich hinter einer (professionellen) Maske zu verstecken. Der Berater sollte sich seinen Empfindungen bewusst sein und diese, wenn es angebracht ist, auch äußern. Rogers geht davon aus, dass der Klient die Ehrlichkeit und Echtheit des Beraters spürt und sich auf diese Weise besser öffnen kann bzw. erreichbarer und der Beratungserfolg somit größer wird. Rogers beurteilt diese Einstellung als die grundlegendste unter den Basisvariablen in Bezug auf die Beziehungsqualität. Gleichzeitig schätzt er die Umsetzung dieser Grundhaltung im Gegensatz zur Erfüllung der anderen beiden Bedingungen jedoch als schwierig ein, weil diese voraussetzt, eigene Gefühle zuzulassen bzw. sich diesen bewusst zu sein und einen sensiblen Umgang mit dem Klienten zu pflegen (Rogers, 2004, S. 30ff). Aus 35 Studien zwischen 1950 und 1992, aus drei Untersuchungen zwischen 1992 und 1996 sowie aus zwei Meta-Analysen im Jahre 2001 und 2002 geht hervor, dass die Therapeutenvariable Kongruenz manchmal, aber nicht konsistent in Beziehung zu einem positiven Therapieergebnis steht (Orlinsky et al., 2004, S. 355).

Nach den vorigen Ausführungen zu urteilen, gelten die beschriebenen Basisvariablen grundsätzlich als wesentliche und notwendige Indikatoren für eine erfolgreiche Beratung. Aus diesem Grund bilden sie neben dem personenzentrierten Ansatz auch die Basis für viele andere Beratungskonzepte. Durch Carkhuff (1969) wurden noch zusätzliche Beziehungsdimensionen angeführt, wie Unmittelbarkeit, Konkretheit und Konfrontation, die ich an dieser Stelle nicht weiter ausführe, sondern auf die ich lediglich verweisen möchte (Nestmann, 2004, S. 792f).

1.2.5.2 Der lösungsorientierte Ansatz nach de Shazer

Studien zum lösungsorientierten Ansatz zeigen, dass die therapeutische Beziehung auch in dieser Methode von zentraler Bedeutung ist und die Voraussetzung für den Einsatz lösungsorientierter Techniken darstellt (An der Heiden, 2003, S. 20). Aus Klientensicht, die in Effektivitätsstudien erhoben wurde, wird die Berater-Klient-Beziehung sogar als das hilfreichste Element erachtet (Miller, Hubble & Duncan, 2000, zit. in Bamberger, 2004, S. 742). Zudem schätzen Klienten ein respektvolles, sorgendes Therapeutenverhalten und einen Berater, der sich Zeit zum Zuhören nimmt (Shilts et al, 2007 zit. in an der Heiden, 2003, S. 18f) sowie die Unterstützung und die Bestätigung von Seiten des Beraters (Lee, 1997 zit. in an der Heiden, 2003, S. 19).

Eine bedeutsame Technik, die zu einer tragfähigen Beziehung zwischen Ratsuchendem und Berater beitragen kann, indem sie die Wertschätzung des Klienten fördern, stellen für Bamberger (2004, S. 742) Komplimente dar. Ratsuchende, die mit weniger und großem Erfolg ihre Therapie beendeten, bewerten diese lösungsorientierte Methode als das hilfreichste Therapie-Element (Allmaier, 2002, S. 54).

Die Zusammenarbeit zwischen Berater und Klient bildet im lösungsorientierten Ansatz ein Grundprinzip. Eine gute Arbeitsbeziehung kann nach Berg (2006, S. 58) Motivation, Zusammenarbeit und Offenheit beim Ratsuchenden erwirken. Beide Teilnehmer werden als Experten für ihre Bereiche gesehen: der Klient für sein Leben, seine Probleme und Ziele etc. (durch diese Sicht auf den Klienten wird ihm Anerkennung, Würde und Kompetenz zugesprochen) und der Berater für die Gesprächsführung und die Schaffung der Rahmenbedingungen, um Lösungen im Beratungsprozess herbeizuführen. Demnach ist es Aufgabe des Beraters, in der Beziehung eine Kooperation aufzubauen (Berg, 2006, S. 22 u. 59). In diesem Kontext zeigte eine Studie von Preckel & Sauerwald (1997 zit. in an der Heiden, 2003, S. 19), „dass das Bemühen des Therapeuten um Ankoppelung und Stärkung, sowie die Achtung der Autonomie und der Ziele des Klienten in Kombination mit dem Bemühen des Therapeuten, für den Klient konkret hilfreich zu sein, mit einer hohen Qualität der Beziehung einhergeht“.

Grundsätzlich sehen die Begründer des lösungsorientierten Ansatzes die Berater-Klient- Beziehung als Grundlage für therapeutische Veränderungen, allerdings erwirkt die therapeutische Beziehung selbst keine Besserung, sondern die Problemlösung als solche. Die Interventions- bzw. Beziehungsgestaltung des Beraters orientiert sich in diesem Ansatz an dem Konzept der Beziehungstypen: Kunden-, Klagenden- und Besucher-Beziehung (vgl. Berg, 2006, S. 37-44).

1.2.5.3 Verhaltenstherapie

In der kognitiven Verhaltenstherapie kommt der therapeutischen Beziehung, welche in der Anfangsphase der Therapie zu etablieren ist, ebenfalls eine wichtige Bedeutung zu. Allerdings wurde dieser Aspekt erst sehr spät als notwendiges Element entdeckt (BorgLaufs, 2004, S. 637).

In der Therapeut-Klient-Beziehung wird vor allem die angstreduzierende Wirkung des Therapeuten, der Therapeut als Verstärker und als Modell hervorgehoben (vgl. Zimmer, 1983). Einen anderen bedeutenden Aspekt betont Schindler (1991, S. 19). Aus einer frühen Studie im Jahre 1976 von Alexander, Barton, Schiavo & Parsons lässt sich schließen, dass über zentrale Beziehungsfertigkeiten, wie Wärme, Humor etc. auch Strukturierungsvariablen in Verbindung mit den erst genannten Therapeutenmerkmalen für den Behandlungserfolg entscheidend sind. Nach Alexander und Kollegen bilden die strukturierenden und direktiven Verhaltensweisen die Grundlage für die Entfaltung der Beziehungsvariablen. Das direktive Vorgehen ist insofern förderlich, als die Struktur, Anleitung und die Transparenz, die der Therapeut dem Klienten im Gesprächsverlauf vermittelt, eine strukturierende und zur Mitarbeit motivierende Funktion hat (Schindler, 1991 zit. in Fuchs, 1998, S. 68).

Der heutige Stand der Forschung offenbart, dass diese Ergebnisse in ihrer Allgemeingültigkeit so nicht mehr bestätigt werden können. Neuere Studien belegen den Zusammenhang zwischen der Wirkung des direktiven Therapeutenverhaltens und der Ausprägung des Klienten-Widerstandes (Beutler et al., 2004, S. 249f).

1.2.5.4 Der Ansatz nach Grawe

Im Kontext seines Allgemeinen Psychotherapie-Konzeptes hat Grawe (2000, S. 315f) zwei umfangreichen Meta-Analysen vier wesentliche Wirkprinzipien entnommen: Ressourcenaktivierung, Problemaktualisierung, Problembewältigung und die motivationale Klärung. Grawe (1998, S. 134f) betrachtet die Therapiebeziehung vor allem unter der Ressourcenperspektive. Unter dem gut fundierten Wirkfaktor der Ressourcenaktivierung, versteht Grawe et al. Folgendes: „Eine Fülle über die verschiedensten Therapieformen und -settings verteilter Forschungsergebnisse weist darauf hin, dass man Patienten besonders gut helfen kann, indem man an ihre positiven Möglichkeiten, Eigenarten, Fähigkeiten und Motivationen anknüpft, indem man die Art der Hilfe so gestaltet, dass der Patient sich in der Therapie auch in seinen Stärken und positiven Seiten erfahren kann“ (Grawe & Grawe- Gerber, 1999, S. 67). Grawe (1998, S. 134f) ist der Ansicht, dass die therapeutische Beziehung von Seiten des Therapeuten vorrangig unter der Ressourcenperspektive gestaltet werden sollte, so dass die Therapiebeziehung selbst zu einer positiven Ressource für den Klienten werden kann. In diesem Aspekt sieht Grawe den Ausgangspunkt für jede Veränderung des Klienten und somit für positive Behandlungsergebnisse. Um das Bündnis zwischen Therapeut und Klient für diesen als positive Ressource erfahrbar zu machen, müssen im Hinblick auf die therapeutische Beziehung und das Therapeutenverhalten bestimmte von Schulte (1996 zit. in Grawe, 1998, S. 135) zusammengefasste Bedingungen erfüllt sein: „Der Therapeut sollte auf den Patienten professionell und als kompetenter Experte wirken. Beide Forderungen ergeben sich aus der Bedeutung der Induktion positiver Besserungserwartungen. Sie begründet auch, dass der Therapeut als Person einen glaub- und vertrauenswürdigen Eindruck auf den Patienten machen muss. Der Patient sollte sich vom Therapeuten wertgeschätzt fühlen und das Gefühl haben, dass dieser auf seiner Seite steht. Er sollte sich von ihm in seinen eigenen Anliegen verstanden und unterstützt fühlen. Er sollte das Gefühl haben, dass der Therapeut und er die gleichen Ziele verfolgen, dass die Therapie seinen eigenen Anliegen dient, dass in der Therapie nicht über ihn verfügt und bestimmt wird, sondern dass er Herr seiner selbst bleibt.“ Die zuvor genannten Merkmale einer guten Therapiebeziehung verfolgen das Ziel, das Selbstwertgefühl des Klienten zu stärken und das Bindungs- und Kontrollbedürfnis des Ratsuchenden zu befriedigen (Grawe, 2004, S. 404f). Zudem erhöhen die positiven Erfahrungen des Klienten, die im Therapieprozess mit dem Therapeuten gemacht werden können, das Vertrauen in den Helfer. Von Bedeutung ist auch, dass das Bestärken der Ressourcen des Klienten die Aufnahmebereitschaft für Veränderungsvorschläge und seine aktive Mitwirkung in der Therapie wachsen lässt (Sanders, 2004, S. 802). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Therapeut alle vom Klienten mitgebrachten Ressourcen und schlummernden Bereitschaften und Möglichkeiten aktivieren sollte, um sie für den Therapieprozess nutzbar zu machen (Grawe, 1998, S. 135).

1.2.5.5 Der Ansatz von Petzold

Aus einer konzeptanalytischen Untersuchung, welche auf 120 Studien basiert, entnimmt Hilarion Petzold (1993, zit. in. Fuchs, 1998, S. 37ff) allgemeine Wirkfaktoren, die teilweise auch beziehungsrelevante Variablen enthalten. Neben den Basisvariablen von Rogers, den „Hilfen bei der praktischen Problem- und Lebensbewältigung“ sowie der „Förderung emotionalen Ausdrucks, rationaler Einsicht, kommunikativer Kompetenz“ etc. (vgl. Petzold 1993, zit. in. Fuchs, 1998, S. 37f) werden in der Auflistung auch Faktoren wie „emotionale Stütze“ an zweiter und „Erarbeitung von positiven Zukunftsperspektiven an letzter Stelle genannt“.

Unter „emotionaler Stütze“ werden Variablen wie „Akzeptanz, Entlastung, Trost, Ermutigung, positive Zuwendung, insbesondere Förderung positiver selbstreferentieller Gefühle, z.B. Selbstwertgefühl, Selbstsicherheit, Selbstvertrauen, was eine Reduktion negativer selbstreferentieller Gefühle erforderlich macht“ verstanden. Die „Erarbeitung von positiven Zukunftsperspektiven“ umfasst den „Aufbau und die Bekräftigung von Hoffnung und Plänen sowie den Abbau von Katastrophenerwartungen“. Petzold spricht den angeführten allgemeinen Wirkfaktoren eine bedeutende Rolle für alle Therapien zu, sofern diese Faktoren „in einer spezifischen, situativen Zupassung ...“ untereinander verknüpft werden (Petzold 1993, S. 998, zit. in. Fuchs, 1998, S. 38).

Unabhängig von Petzolds Modell wurden diese Faktoren, welche in einem Zusammenhang mit dem Beziehungsaufbau bzw. der -gestaltung stehen, auf ihre Wirkung geprüft. Variablen wie emotionale Entlastung/Katharsis, geistig-seelische Verfassung (Unterstützung/ Ermutigung/Hoffnung) etc. haben in einer Vielzahl von Studien überwiegend positive Auswirkungen auf das Therapieergebnis bewiesen. In insgesamt sieben Untersuchungen zu den beiden zuvor genannten Faktoren konnte ebenfalls ein positiver Zusammenhang mit Klientenerfolgen gezeigt werden (Orlinsky et al., 2004, S. 357f).

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* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird durchgängig das generische Maskulinum verwendet, welches männliche und weibliche Personen einschließt.

Ende der Leseprobe aus 121 Seiten

Details

Titel
Wirkfaktoren in der E-Mail-Beratung
Untertitel
Eine empirische Untersuchung der Beratungsbeziehung aus der Klientenperspektive anhand des Jugendportals Ratingen der Diakonie Düsseldorf/Mettmann
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
121
Katalognummer
V89143
ISBN (eBook)
9783638025805
ISBN (Buch)
9783638926027
Dateigröße
1793 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirkfaktoren, E-Mail-Beratung
Arbeit zitieren
Diplom-Sozialpädagogin Jasmin Hartel (Autor), 2008, Wirkfaktoren in der E-Mail-Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89143

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