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Die neurobiologische Widerlegung der Willensfreiheit: ein mereologischer Fehlschluss

Eine Zusammenfassung der Argumente von Bennett und Hacker in der Debatte um die Willensfreiheit

Title: Die neurobiologische Widerlegung der Willensfreiheit: ein mereologischer Fehlschluss

Scientific Essay , 2008 , 19 Pages

Autor:in: Markus Andreas Mayer (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit ist eine Zusammenfassung der Argumente (insbesondere von Bennett und Hacker) gegen die Widerlegungsversuche der Willensfreiheit von Neurobiologen wie Gerhard Roth und Wolf Singer.
Zunächst wird die Grundstruktur dieser Widerlegungsversuche dargestellt (Ziffer 2). Dann wird Bennett und Hackers Überlegung, dass hier ein mereologischer Fehlschluss vorliege, diskutiert (Ziffer 3). Es zeigt sich dabei, dass sich starke Argumente gegen die Widerlegungsversuche anführen lassen, so dass der Standpunkt der Neurobiologen in Bezug auf die Willensfreiheit als nicht mehr vertretbar erscheint.
Ein Ausblick rundet die Untersuchung ab.
Die Argumentation von Neurophilosophen Singer und Roth in der Debatte um die Willens-freiheit gründet in der Interpretation der neurobiologischen Experimente von Libet . In diesen Experimenten wurde die zeitliche Abfolge von Handlungen und deren Einleitung auf neuronaler Ebene untersucht. Die Versuchspersonen sollten dabei– der Zeitpunkt war ihnen freige-stellt – eine Bewegung mit der rechten Hand oder den Fingern derselben machen und sich merken, wann sie den Willen gehabt haben, die Bewegung auszuführen. Gleichzeitig wurden die dabei entstehenden elektrischen Potentiale mit einem EEG aufgezeichnet.
Bei den Messungen ergab sich, dass ein Bereitschaftspotential durchschnittlich 550 Millisekunden vor der Handbewegung aufgebaut wurde. Die Versuchspersonen waren sich durchschnittlich aber nur 200 Millisekunden vor der Handbewegung bewusst, dass sie die Hand bewegen wollten.
Neurophilosophen wie Singer und Roth folgerten daraus, dass der Mensch keinen freien Willen haben könne, sondern von vornherein auf Handlungen festgelegt sei und dieses determinierte Handeln als freies Handeln rationalisiert.
Dabei sieht Roth nicht das Ich des Menschen als Akteur, sondern sein limbisches System:
„Das Gehirn generiert mit der Ausbildung eines Ich einen ‚virtuellen Akteur’, dem ein Körperschema und ein Ort im Raum zugeschrieben wird und der zum scheinbaren Träger der Willkürhandlungen wird.“
Das Ich wird vom Gehirn konstruiert.
Singer und Roth verwechseln in ihrer Argumentation, wer eine Entscheidung herbeiführt. Sie sprechen konsequent davon, dass dies das Gehirn (oder anderes Körperteil oder das lymbische System) sei und nicht der Mensch.
Zum Beispiel gibt es bei Singer Stellen, an denen dem Sehsystem die Rolle eines Akteurs zukommen lässt. Als Bildunterschrift schreibt er beispielsweise einmal:


Excerpt


Gliederung

1 Ziel und Anlage der Untersuchung

2 Eine Zusammenfassung der Argumente der Neurobiologen

3 Gegenargumente

4 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Argumente von Bennett und Hacker kritisch gegen die Thesen der Neurobiologen Gerhard Roth und Wolf Singer zur Widerlegung der Willensfreiheit zu prüfen und den Nachweis eines mereologischen Fehlschlusses zu erörtern.

  • Grundstruktur der neurobiologischen Widerlegungsversuche
  • Kritik an der Zuweisung mentaler Attribute an das Gehirn
  • Diskussion des mereologischen Fehlschlusses (vom Ganzen auf ein Teil)
  • Unterscheidung zwischen Innen- und Außenperspektive
  • Grenzen der neurowissenschaftlichen Erklärungsleistung

Auszug aus dem Buch

3 Gegenargumente

Singer und Roth verwechseln in ihrer Argumentation, wer eine Entscheidung herbeiführt. Sie sprechen konsequent davon, dass dies das Gehirn (oder anderes Körperteil oder das lymbische System) sei und nicht der Mensch.

Zum Beispiel gibt es bei Singer Stellen, an denen dem Sehsystem die Rolle eines Akteurs zukommen lässt. Als Bildunterschrift schreibt er beispielsweise einmal:

„Die gescheckten Pferde auf dieser ausapernden Almwiese werden erst als solche identifizierbar, wenn es dem Sehsystem gelungen ist, Konturen, die zu bestimmten Pferden gehören, als zusammengehörig zu erkennen.“

Das Sehsystem wird hier als Akteur bezeichnet, der sich stets bemüht, Konturen als zusammengehörig zu erkennen und dem dies auch ab und zu gelingt. Natürlich ist diese Formulierung angreifbar. Der Vorwurf, dass die Neurowissenschaftlern Roth und Singer Kategorienfehler begangen haben, ist ein zentraler Vorwurf in der Debatte. Allerdings könnte in Frage gestellt werden, ob solche Beispiele zur Diffamierung der gesamten Leistungen eines Forschers verwendet werden dürfen, es könnte sich ja schlichtweg um unpräzise Formulierungen korrekter Gedanken handeln.

Es muss also geprüft werden, inwieweit die philosophische Kritik an Singer und Roth zutreffend ist. Dies soll im Folgenden Abschnitt geschehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Ziel und Anlage der Untersuchung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die Argumente von Bennett und Hacker, die die Thesen von Neurobiologen wie Roth und Singer zur Widerlegung der Willensfreiheit hinterfragen.

2 Eine Zusammenfassung der Argumente der Neurobiologen: Dieses Kapitel erläutert die neurowissenschaftliche Deutung von Experimenten, insbesondere durch Libet, welche dazu führt, dass menschliches Handeln als rein determiniert durch das Gehirn angesehen wird.

3 Gegenargumente: Hier wird die Kritik am methodischen Vorgehen der Neurobiologen entfaltet, insbesondere der Vorwurf des mereologischen Fehlschlusses, bei dem dem Gehirn Handlungen zugeschrieben werden, die nur einer Person zukommen können.

4 Ausblick: Das Fazit stellt fest, dass die neurobiologischen Erkenntnisse nicht geeignet sind, die Freiheit des menschlichen Willens zu widerlegen, da sie philosophische Kategorienfehler begehen.

Schlüsselwörter

Willensfreiheit, Neurowissenschaften, Gerhard Roth, Wolf Singer, Bennett und Hacker, mereologischer Fehlschluss, Handlungssteuerung, Gehirn, Bewusstsein, Kategorienfehler, deterministisches Handeln, Philosophie des Geistes, Bindungsproblem, Innenperspektive

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Behauptung auseinander, dass die Neurowissenschaft die Existenz der menschlichen Willensfreiheit widerlegt habe.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Themen umfassen das Verhältnis von Neurowissenschaft und Philosophie, die Interpretation des Bereitschaftspotentials, sprachliche Kategorienfehler und die philosophische Unterscheidung zwischen Gehirn und Person.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der Nachweis, dass die Argumente von Neurobiologen gegen die Willensfreiheit logisch bzw. konzeptionell fehlerhaft sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit folgt einem philosophisch-analytischen Ansatz, der insbesondere die Argumente von Bennett und Hacker aufgreift, um den Sprachgebrauch und die methodischen Voraussetzungen der Neurobiologie zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Interpretation experimenteller Daten durch Hirnforscher, diskutiert die philosophische Kritik am Konzept des "Gehirns als Akteur" und erörtert das sogenannte Bindungsproblem.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die zentralen Begriffe sind Willensfreiheit, mereologischer Fehlschluss, Determinismus und die Unterscheidung zwischen der Perspektive der ersten und dritten Person.

Was ist mit dem "mereologischen Fehlschluss" in diesem Kontext gemeint?

Damit ist der Denkfehler gemeint, einem Teil des Ganzen – also dem Gehirn – Eigenschaften oder Fähigkeiten (wie Entscheiden oder Denken) zuzuschreiben, die logischerweise nur der gesamten Person zustehen.

Warum kritisieren die Autoren den Sprachgebrauch der Neurowissenschaftler?

Weil die Bezeichnung des Gehirns als handelndes Subjekt nicht nur eine unpräzise Metapher ist, sondern eine Denkhaltung widerspiegelt, die die menschliche Person als Akteur auflöst, was zu logischen Widersprüchen führt.

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Details

Title
Die neurobiologische Widerlegung der Willensfreiheit: ein mereologischer Fehlschluss
Subtitle
Eine Zusammenfassung der Argumente von Bennett und Hacker in der Debatte um die Willensfreiheit
College
University of Hagen  (Institut für Philosophie)
Author
Markus Andreas Mayer (Author)
Publication Year
2008
Pages
19
Catalog Number
V89148
ISBN (eBook)
9783638035125
ISBN (Book)
9783638931885
Language
German
Tags
Widerlegung Willensfreiheit Fehlschluss
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Andreas Mayer (Author), 2008, Die neurobiologische Widerlegung der Willensfreiheit: ein mereologischer Fehlschluss, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89148
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