Chinas energiepolitischen Interessen im Nahen Osten


Essay, 2007
6 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

1. Einleitung

Der unaufhaltsame Aufstieg Chinas zu einer führenden Wirtschaftsnation wird in der Welt mit Faszination und mit Argwohn verfolgt. Schon jetzt ist das Land hinter den USA der zweitgrößte Erdölkonsument der Welt. Umso erschreckender erscheint die Tatsache, dass China den gewaltigen Schritt vom Nettoexporteur zum weltweit drittgrößten Ölimporteur in nur zehn Jahren vollzogen hat. 35 Prozent des globalen Wachstums der Ölnachfrage zwischen 2001 und 2004 sind allein China zuzuschreiben (Müller 2006: 9). Dabei hat sich seine Abhängigkeit von Ölimporten dramatisch verschärft. Während China 1995 nur 7,6 Prozent seines Rohöls aus dem Ausland importierte, lagen die Auslandsimporte im Jahre 2004 schon bei 40 Prozent. Als Spätzünder auf dem hart umkämpften Ölmarkt ist China jedoch gezwungen, seine schwache Position auszugleichen, indem es der bei Suche nach Ölquellen auch Regionen ins Auge fasst, deren strategische Bedeutung für das Land traditionell eher gering war (Steinhilber 2006b: 80). Neben Afrika und Lateinamerika trifft dies vor allem auf den Nahen und Mittleren Osten zu. Chinas Interesse an diesen Regionen ist seit Mitte der 90er Jahre mit seiner wachsenden Importabhängigkeit stetig gestiegen und so hat das Land seine ökonomischen und politischen Bemühungen in den Regionen um ein Vielfaches gesteigert. Pekings Engagement steht dabei „ganz im Zeichen des inneren ökonomischen Transformationsprozesses. Um die wirtschaftliche Dynamik unter Dampf zu halten, […] muss die rasant steigende Energienachfrage befriedigt werden“ (Steinhilber 2006b: 82).

Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit der Frage nach den energiepolitischen Interessen, die China in der Region des Nahen Ostens, speziell in Saudi Arabien und dem Iran, verfolgt. Die Motive des chinesischen Engagements wie auch die Erwartungen der regionalen Akteure und der USA sollen dabei veranschaulicht werden. Es soll unter anderem gezeigt werden, welche gegenseitigen Abhängigkeiten und Konflikte sich aufgrund des verworrenen Interessengeflechts der beteiligten Akteure ergeben.

Die Ausführungen basieren auf dem von Jochen Steinhilber im Jahr 2006 erschienenen Aufsatz Öl für China: Pekings Strategien der Energiesicherung in Nahost und Nordafrika.

2. Energiesicherheit als außenpolitische Bestimmung Pekings

Aus Sicht der chinesischen Regierung hängt nicht nur die innere soziale Stabilität der Gesellschaft, sondern auch das politische „Überleben“ der „ruling party“, des chinesischen Regimes, stark vom wirtschaftlichen Wachstum des Landes ab. „Um den Feueratem der chinesischen Wirtschaft immer wieder neu entfachen und damit die politische und soziale

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Stabilität aufrechterhalten zu können, muss eine rasant steigende Nachfrage nach Energie befriedigt werden“ (Steinhilber 2006b: 82). Kohle deckt knapp zwei Drittel des chinesischen Energiebedarfs und ist somit der wichtigste Energieträger des Landes, gefolgt von Öl (25 Prozent), Wasserkraft (7 Prozent) und Gas/Kernkraft (3 Prozent) (Steinhilber 2006b: 82). Doch die technischen und ökologischen Möglichkeiten der Kohlenutzung sind begrenzt, so dass der Anteil von Erdöl und Erdgas in den kommenden Jahren deutlich steigen wird. Als drittgrößter Nettoimporteur der Welt sieht sich die chinesische Regierung schon jetzt vor vollendete Tatsachen gestellt: „Während die Nachfrage nach Rohöl von 1993 bis 2002 um 90 Prozent zunahm, förderte die heimische Produktion nur knapp 15 Prozent mehr zu Tage [...] Eine Abhängigkeit von Ölimporten ist die Folge, die sich in den nächsten Jahren noch verschärfen wird“ (Steinhilber 2006b: 83). Chinas Hauptlieferanten für Erdöl sind die Länder des Nahen und Mittleren Ostens, vor allem Saudi Arabien, Iran und Oman, sowie Nordafrika. Dort lagern die größten Öl- und Gasreserven der Welt, der Anteil an der weltweiten Ölförderung liegt bei 35 Prozent im Jahre 2004. Chinas Öldiplomatie hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt auf diese Länder konzentriert, schließlich kommen 60 Prozent der Ölimporte Chinas aus dieser Region. Grundlage der chinesischen Ölpolitik ist dabei die Schaffung von stabilen bilateralen Beziehungen zu den wichtigsten energieproduzierenden Ländern. Strategische Ölpartnerschaften, langfristige Lieferverträge und der Erwerb von Konzessionen stehen im Mittelpunkt der chinesischen Bestrebungen, sich Zugang zu den Ölquellen im Ausland zu sichern. Zu diesem Zweck will sich Peking, auch aufgrund seiner schwachen Position auf dem internationalen Energiemarkt, nicht zuletzt auch „in den weniger hellen Nischen des Globus“ engagieren (Steinhilber 2006b: 84). Dabei begibt sich die chinesische Regierung allerdings in eine Dilemmasituation: „Einerseits will man – durch langfristige Lieferverträge für Erdöl und Erdgas und den Einstieg chinesischer Energieunternehmen – stabilen Zugang zu den Ressourcen im Mittleren Osten erlangen, andererseits will man sich gegenüber den Krisen und Akteuren der Region politisch möglichst neutral und defensiv verhalten“ (Steinhilber 2006a). Hinzu kommt das Problem, das sich China im Rennen um die knappen Ölressourcen der Region mit Japan, Indien und Südkorea gleich drei seiner engsten regionalen Rivalen gegenüber gestellt sieht. Es wird also nicht allein ausreichen, sich den erdölproduzierenden Ländern als verlässlicher Abnehmer zur Verfügung zu stellen. „Eine Reihe von arabischen Staaten sowie der Iran erwarten [...] als Gegenleistung vielfältige Kooperationsangebote, die ihnen aus ihrem technologischen Rückstand, ihrer ökonomischen Stagnation und politischen Isolation heraushelfen sollen“ (Steinhilber 2006b: 86). Zudem

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verhehlen viele arabische Staaten nicht, dass sie ein starkes Interesse an einer zweiten globalen Führungsmacht als Gegengewicht zu den USA verfolgen. Chinas politische Ambitionen sind jedoch eher pragmatischer Natur und beschränken sich in erster Linie auf die ökonomische Modernisierung des Landes. „Doch die Situation in der weiteren Region macht es für China immer schwieriger, die politischen Klippen zu umsteuern, die Krisenherde wie der Sudan, der Irak oder der Iran darstellen“ (Steinhilber 2006a).

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Chinas energiepolitischen Interessen im Nahen Osten
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: „Internationale Erdölpolitik“
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
6
Katalognummer
V89182
ISBN (eBook)
9783638037808
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chinas, Interessen, Nahen, Osten, Hauptseminar, Erdölpolitik“
Arbeit zitieren
Josip Pejic (Autor), 2007, Chinas energiepolitischen Interessen im Nahen Osten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89182

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