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Die Staatstheorien des Niccolò Machiavelli in seinen Werken "Il Principe" und "Discorsi"

Seine Einschätzungen im historischen Kontext

Title: Die Staatstheorien des Niccolò Machiavelli in seinen Werken "Il Principe" und "Discorsi"

Term Paper , 2004 , 24 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: MA Stefanie Gentner (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Niccolò Machiavelli war in seiner Zeit und ist bis heute einer der am kontroversesten diskutierten Staatsdenker. Sein pragmatischer Blick, die unerbittliche Strenge seiner Gedanken und politischen Ausführungen und der beherzte Einsatz für sein Land haben ihn als wichtigsten politischen Denker im Italien des 15./16. Jahrhunderts berühmt aber auch berüchtigt gemacht. Tatsächlich erscheint der Staatsdenker mit seinem ersten, 1513 verfassten Werk „Il Principe“ als Lobredner der Tyrannis. Seine darin enthaltenen Ratschläge zu Machtgewinn und Machterhalt provozierten den bis heute gültigen Begriff des „Machiavellismus“, der Politik ohne Moral, aber mit Skrupellosigkeit und radikalem Machtdenken versteht. Erfolg rechtfertigt Täuschung und Gewalt.
Wie Machiavelli neben diesem seinem negativen Menschenbild doch auch als Diener der Republik und wegbereitender politischer Denker unter positiveren Gesichtspunkten verstanden werden kann, zeigt erst die umfassende Lektüre seiner zweiten politischen Schrift, den „Discorsi“ (1521). Die Vorzüge der Republik herausstellend, erscheint Machiavelli hier in einem menschlicheren Licht.
Wichtig für das Verständnis der Gegensätzlichkeit in Machiavellis Ausführungen und Anschauungen sind dabei die historischen Vorkommnisse im Italien des 15./16. Jahrhunderts. Seine eigene Gesinnung unberücksichtigt, reagiert Machiavelli mit seinen Schriften auf die Umbrüche im Land. Als Betroffener und leidenschaftlicher Politiker dieser Zeit und aufgrund seiner Sorge um die Zukunft Florenz‘ und Italiens resultieren seine politischen Theorien aus praktischem Anlass und sind nicht, wie bei den meisten Philosophen, rein normatives Gedankengut.
„Die verschiedenen Facetten eines solchen Charakters fügen sich nur zusammen, wenn man die Bedingungen seines alltäglichen Lebens zu verstehen versucht“ , hebt Friederike Hausmann in ihrem Werk „Machiavelli und Florenz“ hervor. Machiavellis Briefe aber auch sein Werk „Die Geschichte von Florenz“ geben einen ganz speziellen Blick auf das Leben in Italien und seine Metropole in der Renaissance. Gerade dieser historische Aspekt ist für die Auseinandersetzung mit Machiavelli und seinen Theorien so wichtig und macht sein politisches Denken, sein Geschichtsverständnis und Menschenbild erst interessant. Deshalb möchte ich zunächst auf Machiavellis Leben und das Italien im 15./16. Jahrhundert eingehen und darauf aufbauend seine Lehre von den Staatsformen erklären.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung: Streitbare Person Niccolò Machiavelli

II. Politik, Recht und Moral bei Niccolò Machiavelli

A. Stationen in Machiavellis Leben

B. Umbruch und Zeitenwende im Italien des 15./16. Jahrhunderts

1. Einfluss des Geschlechts der Medici, Zersplitterung Italiens und Kriege der Kleinstaaten

2. Die Renaissance als Zeit der Veränderung

C. Aufbau und Systematik von Machiavellis „Il Principe“ und das Wesen der Fürstenherrschaft

1. Widmung und Schlusskapitel als Aufforderung an den regierenden Medici

2. Varianten und Eigenschaften der Fürstenherrschaften

D. Analyse des Heerwesens – Beispiel Cesare Borgia

1. Erörterung amoralischer Methoden zur Krisenbewältigung und „Machiavellismus“-Theorie

2. Erlangung des richtigen Rufes, Ruhm und Ansehen

E. Machiavellis Republikbegriff in seinem Werk „Discorsi“

1. Die verschiednen Staatsformen

2. Vorbild Rom als Mischform der Regierungssysteme

3. Die starke Republik

4. Vorzüge der Republik

5. Die Religion als Mittel zum Zweck

III. Schluss: Machiavelli als Opfer seiner Zeit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die gegensätzliche Darstellung der Staatstheorien Niccolò Machiavellis in seinen Hauptwerken „Il Principe“ und „Discorsi“. Ziel ist es, das oft einseitige Bild des „Machiavellismus“ zu hinterfragen und Machiavellis politisches Denken unter Berücksichtigung der historischen Umbrüche im Italien des 15. und 16. Jahrhunderts in einen differenzierteren Kontext zu stellen.

  • Historische Einordnung von Machiavellis Wirken und Leben
  • Analyse der Machttheorie und des Fürstenbegriffs in „Il Principe“
  • Untersuchung des Republikbegriffs und der Bedeutung von Gesetz und Religion in den „Discorsi“
  • Gegenüberstellung von Moral, Opportunismus und politischer Notwendigkeit
  • Bewertung von Machiavelli als politischem Akteur und Zeitzeuge seiner Epoche

Auszug aus dem Buch

2. Varianten und Eigenschaften der Fürstenherrschaften

Das Werk beginnt ganz logisch, nachvollziehbar und ohne allzu provozierende und falsch zu verstehende Darlegungen. In den Kapiteln I bis XI beschreibt Machiavelli pragmatisch die verschiedenen Herrschaftsformen. Er teilt alle Staaten in Republiken und Fürstentümer ein, wobei er nur auf zweite eingeht. Es gibt die „stati ereditarii“ und die „stati nuovi“1. Die Machtergreifung durch das Erbe ist die einfachste, weil das Volk an das Geschlecht seiner Fürsten gewöhnt ist. Die Herrschaftsform und die Regierungsform werden beibehalten, die Menschen im Staat denken nicht an Veränderung, der Fürst kann ohne Zwang und Druck regieren.

Schwieriger wird es, wenn ein neuer, fremder Staat angegliedert werden soll. „Perché sempre, ancora che uno sia fortissimo in sugli eserciti, ha bisogno del favore de’ provinciali a intrare in una provincia“2, schreibt Machiavelli. Dabei unterscheidet er zwischen völlig fremden und nur teilweise fremden Staaten. Bei letzteren sind die Sprache und Kultur bekannt, was die Machtübernahme erleichtert – besonders, wenn „non sieno in usi a vivere liberi“1. Der “principe“ müsse nur das Geschlecht des bisher regierenden Fürsten auslöschen, dann verhalte sich die Bevölkerung ruhig. Bereits hier kommt Machiavellis illusionslose Beschreibung zum Vorschein. Pragmatisch und emotionslos erzählt er, was den wahren Herrscher ausmacht.

Bei der schwierigeren Machtübernahme fremder Staaten, so führt er weiter aus, sollte der Fürst seine Residenz in das neue Gebiet verlagern, um aufkommende Unruhen bereits im Keim ersticken zu können. Außerdem sollen Kolonien gegründet werden, die dem neuen Staat durch die eigenen Gesetze und Sitten Fesseln anlegen. Der Vorteil: Kolonien lassen sich ohne oder mit nur geringen Ausgaben gründen und aufrechterhalten. Die Römer hätten es richtig gemacht. Sie legten Kolonien an, standen den Schwächeren bei, ohne deren Macht zu stärken und schwächten die Mächtigen. Gleichzeitig achteten sie darauf, dass ausländische Machthaber keinen Einfluss bekamen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Streitbare Person Niccolò Machiavelli: Einführung in die kontroverse Wahrnehmung Machiavellis und seine Rolle als wichtiger Denker des 15./16. Jahrhunderts.

II. Politik, Recht und Moral bei Niccolò Machiavelli: Überblick über die Lebensstationen und den historischen Kontext, der Machiavellis politisches Denken nachhaltig prägte.

A. Stationen in Machiavellis Leben: Darstellung der beruflichen Laufbahn vom Regierungsamt bis zum Sonderbotschafter der Republik Florenz.

B. Umbruch und Zeitenwende im Italien des 15./16. Jahrhunderts: Analyse der instabilen politischen Lage Italiens, geprägt durch Machtkämpfe der Medici und externe Einflüsse.

1. Einfluss des Geschlechts der Medici, Zersplitterung Italiens und Kriege der Kleinstaaten: Untersuchung der ökonomischen und politischen Bedeutung der Medici-Familie sowie der allgemeinen Zerrissenheit des Landes.

2. Die Renaissance als Zeit der Veränderung: Betrachtung des Wandels im menschlichen Bewusstsein und der Rückbesinnung auf antike Werte als Grundlage für neue Staatskonzepte.

C. Aufbau und Systematik von Machiavellis „Il Principe“ und das Wesen der Fürstenherrschaft: Analyse der Entstehung von „Il Principe“ als Reaktion auf die Krise in Italien.

1. Widmung und Schlusskapitel als Aufforderung an den regierenden Medici: Interpretation der einleitenden und abschließenden Appelle an die Medici als Ausdruck patriotischer Sorge.

2. Varianten und Eigenschaften der Fürstenherrschaften: Erläuterung der verschiedenen Herrschaftstypen und Strategien zur Sicherung neuer Gebiete durch einen Fürsten.

D. Analyse des Heerwesens – Beispiel Cesare Borgia: Erörterung der zentralen Bedeutung des Militärs für die Stabilität und Machtausübung eines Staates.

1. Erörterung amoralischer Methoden zur Krisenbewältigung und „Machiavellismus“-Theorie: Untersuchung der provokativen Ratschläge zu Machttechnik, Täuschung und Grausamkeit.

2. Erlangung des richtigen Rufes, Ruhm und Ansehen: Beschreibung der notwendigen Taktiken eines Herrschers, um sich Ansehen zu verschaffen und den Schein zu wahren.

E. Machiavellis Republikbegriff in seinem Werk „Discorsi“: Analyse von Machiavellis Fokus auf die Republik als ideale und nachhaltigste Staatsform.

1. Die verschiednen Staatsformen: Vorstellung der verschiedenen Regierungsformen und deren zyklische Entwicklung nach Machiavelli.

2. Vorbild Rom als Mischform der Regierungssysteme: Begründung, warum die römische Verfassung als bestmögliches, stabiles Modell angesehen wurde.

3. Die starke Republik: Definition der Ziele Freiheit und Expansion als Grundpfeiler eines starken republikanischen Staates.

4. Vorzüge der Republik: Darlegung der Vorteile eines partizipativen Systems gegenüber der Tyrannei hinsichtlich Stabilität und Bürgerwille.

5. Die Religion als Mittel zum Zweck: Untersuchung der funktionalen Rolle von Religion und Tradition zur Führung eines Volkes.

III. Schluss: Machiavelli als Opfer seiner Zeit: Abschließende Bewertung Machiavellis als politischer Stratege, der seine Lehren aus der Notwendigkeit einer krisengebeutelten Epoche zog.

Schlüsselwörter

Niccolò Machiavelli, Il Principe, Discorsi, Machiavellismus, Politische Theorie, Renaissance, Florenz, Macht, Republik, Virtù, Fortuna, Fürstenherrschaft, Staatsformen, Italienische Geschichte, Cesare Borgia

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Staatstheorien Niccolò Machiavellis, wobei der Schwerpunkt auf der Gegenüberstellung seiner zwei Hauptwerke „Il Principe“ und „Discorsi“ liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Machtgewinn und -erhalt, das Verhältnis von Moral und Politik, die Rolle der Religion in staatlichen Systemen sowie die Vorzüge und Bedingungen einer starken Republik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, das oft auf Vorurteilen basierende Bild des „Machiavellismus“ zu korrigieren und Machiavellis politisches Handeln aus der historischen Perspektive seiner Zeit zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Analyse und vergleichende Textinterpretation der primären Schriften Machiavellis in Kombination mit historischem Kontextwissen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Machiavellis Biografie, die Analyse des „Fürsten“-Ideals in „Il Principe“ und die detaillierte Betrachtung des Republikmodells in den „Discorsi“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Macht, Politik, Virtù, Fortuna, Republik und den historischen Kontext der Renaissance in Florenz definiert.

Warum spielt die Person Cesare Borgia eine so große Rolle für den Autor?

Machiavelli sieht in Cesare Borgia ein historisches Paradebeispiel für einen Herrscher, der Tatkraft (Virtù) und politisches Kalkül vereinte, um Stabilität in der Romagna zu erreichen.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Moral in den beiden Werken?

Während „Il Principe“ den Fokus auf den zweckorientierten, teils amoralischen Machterhalt eines Einzelnen legt, betonen die „Discorsi“ die moralische und institutionelle Stabilität innerhalb einer geregelten Republik.

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Details

Title
Die Staatstheorien des Niccolò Machiavelli in seinen Werken "Il Principe" und "Discorsi"
Subtitle
Seine Einschätzungen im historischen Kontext
College
LMU Munich  (Geschwister-Scholls-Institut für Politische Wissenschaft)
Grade
1,7
Author
MA Stefanie Gentner (Author)
Publication Year
2004
Pages
24
Catalog Number
V89201
ISBN (eBook)
9783638026079
ISBN (Book)
9783638924993
Language
German
Tags
Staatstheorien Niccolò Machiavelli Werken Principe Discorsi
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MA Stefanie Gentner (Author), 2004, Die Staatstheorien des Niccolò Machiavelli in seinen Werken "Il Principe" und "Discorsi", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89201
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