Subliminale Textbotschaften - ein Wirkungsvergleich zwischen Erwachsenen und Kindern


Zwischenprüfungsarbeit, 2005

27 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Maskierte Botschaften
2.2. Experimente zur subliminalen visuellen Wahrnehmung
2.2.1. Visuelle Reize
2.2.2. Das Coca-Cola Experiment
2.3. Subliminale Akustische Wahrnehmung: Backmasking und unterschwellige Botschaften

3. Forschungsfrage und Hypothesen

4. Das Experiment
4.1. Musikalische Stimuli
4.1.1. Herstellung
4.1.2. Die Maskierung der Botschaft
4.2. Durchführung
4.3. Experiment mit Erwachsenen
4.3.1. Ergebnisse
4.3.1.1. Wortliste
4.3.1.2. Getränkewahl
4.3.2. Schlussfolgerung
4.4. Experiment mit Kindern
4.4.1. Ergebnisse
4.4.1.1. Wortliste
4.4.1.2. Getränkewahl
4.4.2. Schlussfolgerungen

5. Vergleich zwischen den beiden Probandengruppen
5.1. Wortliste
5.2. Getränkewahl

6. Diskussion

7. Zusammenfassung

8. Literatur

9. Anhang
9.1. Fragebogen Erwachsene
9.2. Fragebogen Kinder
9.3. Versuchsdesign Erwachsene
9.4. Versuchsdesign Kinder

1. Einleitung

Die Frage, ob Menschen durch subliminale Botschaften beeinflussbar sind, beschäftigt nicht nur die Wissenschaft. Besonders die Werbebranche wäre daran interessiert, durch unterschwellige Botschaften in ihrer Werbung die Verkaufszahlen zu steigern. Auch die Musikbranche benutzt angeblich solche Botschaften in verschiedenen Songs. In dem Film „Josy and the Pussycats“ werden subliminale Botschaften durch die Songs einer Girl-Group verbreitet. Dadurch werden die Hörer angetrieben, bestimmte Produkte zu kaufen.

Eine Gruppe von Studenten der Hochschule für Musik und Theater Hannover hat zusammen mit ihrem Professor ein Experiment mit selbst hergestellten Stimuli durchgeführt, mit dem geprüft werden soll, ob subliminale Botschaften in Musik einen solchen Effekt haben können. Interessiert hat uns auch, ob es einen Wirkungsunterschied zwischen Erwachsenen und Kindern gibt.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1. Maskierte Botschaften

Maskierte Botschaften können in zwei verschiedenen Formen auftreten: Auditiv oder visuell. Dabei muss immer beachtet werden, dass diese Botschaften bewusst nicht wahrgenommen werden dürfen. Eine Maskierung kann bei auditiven Botschaften z.B. durch Überlagerung mit anderen akustischen Signalen geschehen. Bei visuellen Botschaften ist man in der Wissenschaft generell bemüht, die Länge der Darstellung des Reizes möglichst kurz zu halten.

2.2. Experimente zur subliminalen visuellen Wahrnehmung

Es gibt zahlreiche Experimente die sich mit subliminalen Botschaften befasst haben. Ich möchte hier zwei vorstellen, wobei das erste die Arbeit seriöser Wissenschaftler kreditieren, das zweite auf die Wirkung von imposanten, aber gefälschten Experimenten aufmerksam machen soll.

2.2.1. Visuelle Reize

Ein Experiment französischer Wissenschaftler hat untersucht, ob visuelle subliminale Botschaften vom Gehirn überhaupt wahrgenommen werden können. Die Versuchspersonen haben hierbei einen visuellen Reiz erhalten. Dieser war zwischen 20 und 40 Millisekunden lang. Vor und nach diesem Reiz, sahen die Probanden lediglich ein geometrisches Muster, so dass eine bewusste Wahrnehmung nicht möglich ist.

Die Probanden sollten bei diesem Experiment bestimmen, ob eine ihnen gezeigte Zahl zwischen 1 und 9 größer oder kleiner als 5 ist und dies schnellstmöglich per Knopfdruck festlegen.

Das Ergebnis zeigte, dass die Probanden eine andere Reaktionszeit aufwiesen, wenn ihnen eine Zahl als Reiz, wie oben beschrieben, kurz vorher bereits einmal gezeigt worden war. Waren beide Zahlen größer bzw. kleiner 5 wurde die gemessene Reaktionszeit schneller, waren die Zahlen nicht kongruent, brauchte der Proband etwas länger.[1]

2.2.2. Das Coca-Cola-Experiment

Im Jahr 1957 hat James Vicary in einem Kino in Fort Lee, NJ folgendes Experiment durchgeführt. Durch unterschwellige Befehle, wie „Trink Coca-Cola!“, die er alle 5 Sekunden mit einem Spezialprojektor für 1/3000 Sekunde auf die Leinwand geworfen hat, konnte der Coca-Cola-Konsum der Kinobesucher um 18,1 Prozent gesteigert werden. Der Konsum von Popcorn sogar um 57,5 Prozent.

Leider ist es nicht gelungen das Experiment von Vicary zu reproduzieren. Fünf Jahre nach dem Experiment, war Vicary gezwungen zuzugeben, dass er die Daten gefälscht hatte.[2]

2.3. Subliminale akustische Wahrnehmung: Backmasking und unterschwellige Botschaften

Seit Mitte der 1980er Jahre kursieren diverse Theorien über rückwärts eingespielte Botschaften in Musikstücken, die vom Hörer nicht bewusst wahrgenommen werden und das Verhalten des Hörers ändern können.[3]

Einige Rockgruppen geben sogar zu, dass sie derartige Botschaften in ihren Songs eingespielt haben. So kann man bei dem Stück „Another One Bites the Dust“ von „Queen“ die Botschaft „Start smoking marijuana“ hören, wenn man es rückwärts abspielt. Ob dies allerdings eine Wirkung auf den Hörer hat, der nichts von der Botschaft weiß, ist nicht belegt.

Die öffentliche Diskussion gipfelte in einem Prozess gegen die Heavy-Metal-Band Judas Priest und ihre Plattenfirma. Sie wurden angeklagt, durch rückwärts eingespielte Botschaften satanischen Inhalts, den Selbstmord, bzw. Selbstmordversuch, zweier US-amerikanischer Jugendlicher verursacht zu haben. „Die Anklage wurde u.a. wegen einem mangelnden wissenschaftlichen Nachweis der Wirkung der tontechnisch nachweisbaren Passagen abgelehnt.“[4]

Ein Experiment von Thorne und Himelstein (1984), in dem die Probanden derartige Stücke vorgespielt bekamen, zeigte, dass Probanden mit dem Wissen über das Vorhandensein von und den Inhalt der Botschaften, wesentlich mehr Botschaften korrekt heraushören können, als eine Kontrollgruppe ohne dieses Wissen. Die Kontrollgruppe hörte nicht einmal 10% der Botschaften.[5]

3. Forschungsfrage und Hypothese

Es ist also möglich, visuelle subliminale Botschaften kurzfristig zu behalten und zu verarbeiten. Funktioniert das aber auch bei auditiven Botschaften? Kann man einen Menschen durch unterschwellige Befehle dazu bringen, dass er etwas Bestimmtes tut? Werden wir demnächst alle ein bestimmtes Produkt kaufen, weil die Werbung dafür subliminale Botschaften benutzt? Gibt es eine Gedankenbeeinflussung, oder gar eine Verhaltensbeeinflussung durch subliminale Botschaften in Musik?

Entsprechend dem vorgestellten, gescheiterten Experiment von Vicary, und dem Prozess gegen Judas Priest, haben wir folgende Hypothese aufgestellt:

Eine Gedanken- oder gar Verhaltensbeeinflussung durch subliminale Botschaften in Musikstücken ist nicht möglich.

4. Das Experiment

Die Idee zu diesem Experiment entstand in einem Seminar zum Thema „Musik und Manipulation“ bei Prof. Reinhard Kopiez an der HMTH. Vier Studenten haben sich zur Vorbereitung und Durchführung bereit erklärt.

4.1. Musikalische Stimuli

4.1.1. Herstellung

Mit Hilfe eines Computers haben wir zwei Musikstücke erstellt, die vom Charakter her sehr unterschiedlich sind. Dennoch sind beide möglichst einfach strukturiert, damit keine rhythmischen oder melodischen Extravaganzen die Aufmerksamkeit des Hörers an sich reißen. Beide Stücke haben keinen Gesang, damit ein Text keinen Einfluss haben kann. Die aufgesprochene unterschwellige Botschaft, die wir in die Stücke eingearbeitet haben, ist jeweils eine andere. Zur Unterscheidung der ansonsten namenlosen Stücke sollen die Namen der beiden Durchgänge des Experiments dienen: „Wortliste“ und „Getränkewahl“. Die Bedeutung der Namen wird später genauer erklärt.

Die gesprochenen Botschaften bestehen jeweils aus einem Wort und sind nicht retrograd, also vorwärts, eingespielt worden. Wir haben uns für die normale Sprechrichtung entschieden, da wir der Meinung waren, dass bei subliminalen Botschaften zunächst eine Wirkung bei vorwärts gesprochenen Botschaften auftauchen müsste. Außerdem hätten wir sonst eine weitere Variable gehabt, die einen Einfluss auf das Ergebnis haben könnte.

4.1.2. Die Maskierung der Botschaft

Damit man die aufgesprochenen Botschaften nicht von vornherein bewusst hören kann, haben wir die Botschaft leiser als den restlichen Track eingespielt. Dabei haben wir uns an eine Studie von Zwicker und Feldtkeller gehalten, die besagt, dass eine Maskierung der Botschaft erfolgt, wenn sie etwa 10dB leiser ist als der Track.[6]

Wie die Abbildungen 1 & 2 zeigen, sind die Botschaften jeweils unterhalb der Lautstärke des Tracks eingespielt worden, so dass der Text nicht lauter erklingt als die Musik. Die grüne Kurve in Abbildung 1 stellt das Stück „Wortliste“ ohne Botschaft dar, die rote Kurve die Botschaft. In Abbildung 2 für „Getränkewahl“ ist die rote Kurve der Musik-Track, die schwarze Kurve die Botschaft. Beide Grafiken zeigen auf der x-Achse die Dauer des jeweiligen Tracks, und auf der y-Achse die Lautstärke in dB(A) angegeben.

Abbildung 1: Lautstärkeverläufe des Beispiels „Wortliste“ (in dB(A))

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Lautstärkeverläufe des Beispiels „Getränkewahl“ (in dB(A))

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf beiden Grafiken ist deutlich zu erkennen, dass die Lautstärke der Botschaft immer deutlich unterhalb der Lautstärke des Tracks liegt, so dass eine unterschwellige Maskierung der Botschaft erfolgt. Dadurch kann eine bewusste Wahrnehmung nicht erfolgen. Die Botschaft kann – wenn überhaupt – nur noch subliminal wirken.

Allerdings kann es auch sein, dass die Botschaft in bestimmten Frequenzen lauter ist als der Musik-Track und dadurch hörbar wird. Dies sollen die nächsten beiden Grafiken widerlegen.

[...]


[1] Vgl. Naccache und Dehaene, S. 52

[2] Vgl. Schneider, S. 145-148

[3] Vgl. Ott

[4] Ott

[5] Vgl. Ott

[6] Vgl. Zwicker & Feldtkeller, S. 162-165

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Subliminale Textbotschaften - ein Wirkungsvergleich zwischen Erwachsenen und Kindern
Hochschule
Hochschule für Musik und Theater Hannover
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V89250
ISBN (eBook)
9783638047326
Dateigröße
1336 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Subliminale, Textbotschaften, Wirkungsvergleich, Erwachsenen, Kindern
Arbeit zitieren
Holger Plottke (Autor), 2005, Subliminale Textbotschaften - ein Wirkungsvergleich zwischen Erwachsenen und Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89250

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