In Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs bis in die Mitte der 90iger Jahre war es für mittelständische Unternehmen in Deutschland unproblematisch, ihre Betriebsmittelfinanzierung mit Bankkrediten zu realisieren. Das Angebot an Kreditmitteln übertraf die Nachfrage bei den Unternehmen. In der zweiten Hälfte der 90iger Jahre änderte sich der Markt.
Der deutsche Kreditmarkt befand sich im internationalen Vergleich in der Krise, welche einen umfassenden Veränderungsprozess auslöste. Die Banken stellten ihr Firmenkundengeschäft in Frage und wurden durch die die neuen internationalen Richtlinien zur Eigenkapitalhinterlegung bei Bankkrediten (Basel II) dazu gezwungen, ihr gesamtes Kreditportfolio auf den Prüfstand zu stellen. Als Entscheidungsmittel für die Kreditvergabe wurden genaue Bonitätsbeurteilungsverfahren (Rating) eingeführt, und die Einheitszinsen bei den Kreditkonditionen durch risikoabhängige Zinsen ersetzt.
Mittelständische Unternehmen, deren Finanzierung klassischerweise fast ausschließlich bankenorientiert war, sind seitdem besonders von der restriktiveren Kreditvergabepolitik der Banken betroffen.
Oftmals können die Unternehmen die neuen Kriterien bei der Kreditvergabe nicht erfüllen, wodurch der Kreditzugang erschwert, verteuert und teilweise verhindert wird. Auch die anderen Formen der klassischen Mittelstandsfinanzierung, die Eigenfinanzierung und der Lieferantenkredit, können oftmals nur begrenzt zur Finanzierung eingesetzt werden. Immer mehr mittelständische Unternehmen sehen sich dadurch gezwungen, alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen. Eine dieser alternativen Finanzierungsformen, die seit Jahren kontinuierlich wächst, ist das Factoring.
Gegenstand dieser Arbeit ist die Frage, ob das Factoring als Finanzierungsform von mittelständischen Unternehmen als Alternative zur klassischen Mittelstandsfinanzierung genutzt werden kann. Da Factoring neben der Finanzierungsfunktion auch andere Komponenten beinhaltet, wird des Weiteren untersucht, welche zusätzlichen Anwendungsmöglichkeiten sich aus diesen Komponenten für ein mittelständisches Unternehmen ergeben können.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Ziel der Arbeit
2. Der Mittelstand in Deutschland
2.1. Bedeutung des Mittelstands
2.2. Klassische Formen der Mittelstandsfinanzierung
3. Grundlagen des Factorings
3.1. Definition des Factorings
3.2. Funktionen des Factorings
3.2.1. Finanzierung
3.2.2. Versicherung
3.2.3. Service
3.3. Factoringarten
3.3.1. Echtes und unechtes Factoring
3.3.2. Offenes und stilles Factoring
3.3.3. Inhouse-Factoring
3.3.4. Fälligkeits-Factoring
3.3.5. Export- und Import-Factoring
3.3.6. Aktuelle Entwicklungen
3.3.6.1. Reverse Factoring
3.3.6.2. Privatkunden-Factoring
3.4. Ablauf des Factoring-Verfahrens
3.5. Der Factoringmarkt in Deutschland
4. Anwendungsbereiche für Factoring im Mittelstand
4.1. Abgrenzung des Factorings zur klassischen Mittelstandsfinanzierung
4.2. Potentiale und Auswirkungen des Factorings
4.2.1. Factoring als Finanzierungsinstrument
4.2.2. Weitere Komponenten des Factorings
4.2.2.1. Risikomanagement
4.2.2.2. Debitorenmanagement
4.2.3. Bilanzielle Auswirkungen
4.2.4. Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen des Factorings
4.2.5. Factoring als Finanzierungs- und Sicherungsinstrument im Außenhandel
4.3. Grenzen des Factorings
4.3.1. Die Forderungen des Unternehmens
4.3.2. Abtretbarkeit der Forderungen
4.3.3. Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit des Unternehmens
4.3.4. Unternehmensgröße und -struktur
4.3.5. Branche und Produkt
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit Factoring als alternative Finanzierungsform zur klassischen Mittelstandsfinanzierung genutzt werden kann und welche zusätzlichen betriebswirtschaftlichen Nutzen sich daraus ergeben.
- Bedeutung und Finanzierungssituation des deutschen Mittelstands
- Funktionsweise und Arten des Factorings als Finanzierungs- und Sicherungsinstrument
- Vergleichende Analyse von Factoring gegenüber klassischen Bankkrediten und Zessionskrediten
- Bilanzielle Auswirkungen und Kosten-Nutzen-Analyse des Factorings
- Grenzen der Anwendbarkeit des Factorings im mittelständischen Sektor
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Finanzierung
In Absatz 3.1 wurde bereits erwähnt, dass Factoring ein Kaufgeschäft ist. Demnach erscheint der Begriff der Forderungsfinanzierung in diesem Zusammenhang als missverständlich. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Tatsächlich tritt aus der Sicht des Forderungsverkäufers ein Finanzierungseffekt ein. Dieser entsteht durch den Verkauf der Forderungen sobald diese entstanden sind; das Unternehmen wandelt seine Forderungen in liquide Mittel um. Aufgrund dieses Effekts ist es betriebswirtschaftlich gesehen legitim, von einer Finanzierungsfunktion im Factoring zu sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Ziel der Arbeit: Analyse der veränderten Finanzierungsbedingungen für den Mittelstand durch Basel II und Einführung der Forschungsfrage zur Eignung von Factoring als Alternative.
2. Der Mittelstand in Deutschland: Definition des Mittelstandes nach IfM-Kriterien sowie eine Darstellung der traditionellen Finanzierungsformen und deren Grenzen.
3. Grundlagen des Factorings: Definition und systematische Erläuterung der Funktionen sowie der verschiedenen Varianten des Factorings unter Einbeziehung des deutschen Marktes.
4. Anwendungsbereiche für Factoring im Mittelstand: Detaillierte Untersuchung der Potenziale, Auswirkungen und Grenzen von Factoring, inklusive eines Kosten-Nutzen-Vergleichs.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Eignung von Factoring und Ausblick auf die zukünftige Bedeutung dieser Finanzierungsform für den Mittelstand.
Schlüsselwörter
Factoring, Mittelstand, Unternehmensfinanzierung, Forderungsmanagement, Liquidität, Basel II, Forderungsabtretung, Debitorenmanagement, Risikomanagement, Bilanzverkürzung, Finanzierungsalternative, Kosten-Nutzen-Analyse, Lieferantenkredit, Export-Factoring, Reverse Factoring.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema Factoring als alternative Finanzierungsoption für mittelständische Unternehmen in Deutschland, insbesondere unter Berücksichtigung schwierigerer Rahmenbedingungen bei Bankkrediten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen des Factorings, der Vergleich zu klassischen Finanzierungsinstrumenten wie dem Zessionskredit sowie die praktische Kosten-Nutzen-Analyse und Anwendungsgebiete im Mittelstand.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob Factoring eine vollwertige Alternative zur klassischen Mittelstandsfinanzierung darstellt und welche zusätzlichen Anwendungsmöglichkeiten, etwa im Risikomanagement, sich für Unternehmen ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer deskriptiven Auswertung von Marktdaten, ergänzt durch beispielhafte betriebswirtschaftliche Berechnungen zur Veranschaulichung der Effekte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Einordnung des Mittelstands, die detaillierte Darstellung der Factoring-Funktionen (Finanzierung, Versicherung, Service) sowie eine kritische Prüfung der Grenzen des Factorings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Factoring, Mittelstandsfinanzierung, Liquidität, Risikomanagement und Forderungsmanagement.
Warum ist das Rating für den Mittelstand im Kontext dieser Arbeit relevant?
Das Rating beeinflusst nach Basel II den Zugang zu Bankkrediten massiv; die Arbeit zeigt auf, wie Factoring durch die Bilanzverkürzung und Eigenkapitalverbesserung die Rating-Situation positiv beeinflussen kann.
Inwieweit spielt das Auslandsgeschäft für das Factoring eine Rolle?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Factoring im Außenhandel insbesondere als Sicherungsinstrument dient, um den administrativen Aufwand und das Ausfallrisiko bei grenzüberschreitenden Forderungen zu minimieren.
- Quote paper
- Dave Moonen (Author), 2007, Factoring als alternative Finanzierungsform für den Mittelstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89313