Bedürfnisorientierte Angebotsentwicklung im Jugendtourismus anhand des Beispiels des Kinderferiendorfes in Neumünster


Hausarbeit, 2008

55 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Zielsetzung
1.3 Begriffserklärung
1.1.1 Jugend als Zielgruppe

2. Freizeitbedürfnisse Jugendlicher im Jugendtourismus
2.1 Bedarfsprofil im Jugendtourismus
2.1.1 Einleitung
2.1.2 Profilkriterien
2.2 Zusammenfassung
2.2.1 Bedarfsdeckung
2.2.2 Fun als verbindende Klammer
2.2.3 Service als verbindende Klammer
2.2.4 Übertrag

3. Jugendtouristische Angebote im Kinderferiendorf
3.1 Kinderferiendorf der Stadt Neumünster
3.1.1 Eingliederung
3.1.2 Aufbau
3.1.3 Personal
3.1.4 Nutzer
3.1.5 Angebotsanalyse

4. Bedürfnisorientierte Angebotsentwicklung im Kinderferiendorf
4.1 Vergleich Bedarfsprofil mit dem Angeboten des Kinderferiendorf
4.2 Entwicklung von einem touristischen Angebot
4.2.1 Angebot 1 „Mix“

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Anhang

1.Einleitung

1.1 Vorwort

Über 71%1 der 14-17 jährigen der Deutschen Gesamtbevölkerung verreiste im Jahre 2005.

7,7%1 der 14-17 jährigen, die selbstorganisiert anreisten, wählten dabei Schleswig Holstein als Urlaubsziel: – ca. 206.000 Personen.

Auch die Jugendfreizeitstätten erfreuen sich mit 2,7 Millionen Übernachtungen pro Jahr über regen Zulauf[1]

Jugendtourismus geht seinen Weg. In den letzten 50 Jahren hat sich Jugendtourismus verändert, angepasst und erneuert.

Gerade oder wegen der enormen gesellschaftlichen Veränderungen würde jeder „Stillstand“ zu großen Problemen in einem Tourismusbetrieb führen.

Vom Verkäufermarkt zum Käufermarkt, vom Reiseveranstalter zum Reiseanbieter, vom Teil der Kinder & Jugendarbeit zum Reisemarkt.

Jugend und damit auch der Jugendtourismus steht im Wandel der Zeit.

„Qualität kann produzieren…. […] wer die Kunden(un)Zufriedenheit kennt.“[2]

Die Kundenzufriedenheit im Jugendtourismus wird immer wichtiger, und somit wird der Blick auf die Bedürfnisse der Jugendlichen unabdingbar. Jedoch reicht es nicht, sich nur die Bedürfnisse von Jugendlichen anzuschauen, sondern es muss auch ein passendes Angebot dahingehend entwickelt werden.

Erschwerend für den Jugendtourismus ist, dass die Entwicklung der Bevölkerungszahl von 2005 auf 2050 um über 6 Millionen[3] zurück gehen wird und damit automatisch der Markt immer kleiner wird. Auchdie Zahl der unter 20-Jährigen wird von 16,5 Millionen um mehr als 5 Millionen bis 2050 schrumpfen[4]

1.2 Zielsetzung

Im meiner Hausarbeit werde ich anhand von Fachliteratur und aktuellen Untersuchungen die Bedürfnisse von Jugendlichen im Jugendtourismus herausarbeiten und ein Bedürfnisprofil erstellen.

Anhand meiner Praktikumsstelle, dem Kinderferiendorf der Stadt Neumünster, werde ich die dortigen Angebote mit den herausgearbeiteten Bedürfnissen der Jugendlichen abgleichen und, exemplarisch, im dritten Teil ein bedürfnisorientiertes Angebot für das Kinderferiendorf Neumünster entwickeln.

Meinen Schwerpunkt lege ich dabei auf die Darstellung der aktuellen Bedürfnisse von Jugendlichen.

1.3 Begriffserklärung

1.1.1 Jugend als Zielgruppe

Um für die weitere Hausarbeit eine einheitliche Grundlage zu schaffen, werde ich hier den Begriff / die „Parameter“ für die Jugendphase – sprich die Phase in der man Jugendlicher ist - umschreiben und festlegen.

Eine einheitliche Definition des „Jugendbegriffs“ existiert nicht.

Es gibt in der Jugend- Soziologieforschung viele Ansätze und Meinungen, wie sich die Jugendphase definieren lassen könnte. Diese Ansätze stehen in ständiger Diskussion, da sich die Jugend und die Gesellschaft ständig verändert.

Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle. So beginnt z.B. der Eintritt ins Berufsleben später, die Arbeitszeit ist in den letzten Jahren gestiegen, die Bildungsphase hat sich verlängert und der Bindungsprozess an die Eltern besteht länger. Auch die Lebenserwartungen, in Bezug auf Lebensdauer und Qualität haben sich deutlich gesteigert (alles im Vergleich zu den letzten 100 Jahren).

Ich werde an den Beispielen zweier Ansätze die Definition der „Jugendphase“ kurz darstellen.

1.1.1.1 Biografische Grundlage

Die Biografische Grundlage beschreibt überwiegend die biologischen und anthropologischen Entwicklungen, die zwischen der Kinder- und Erwachsenenphase liegt.

Zusätzlich nimmt die Biografische Grundlage entwicklungspsychologische Daten mit auf.

In der biografischen Grundlage wird zum einen die körperliche Entwicklung, zum anderen aber auch die geistige Entwicklung berücksichtigt.[5]

So schwankt das Alter in dieser Phase zwischen 13 und 25 Jahren, bietet jedoch die Möglichkeit, individuelle Entwicklungen zu berücksichtigen. Auch das deutsche Jugend-Strafrecht berücksichtigt in den meisten Urteilen die biografische Grundlage.5

Da aber gerade im Tourismusbereich die Bedürfnisse und Erwartungen der Klientel (je nach Alter) schwanken, ist eine genauere Alterseinschränkung notwendig. Hier bietet sich die juristische „Jugendphase“ an.

1.1.1.2 Juristische Jugendphase

Als sogenannte „Juristische Jugendphase“ bezeichne ich den im Bürgerlichen Gesetzbuch festgelegten Alterszeitraum der Minderjährigkeit.

Darin heißt es, dass alle Personen, die 12 bis 18 (im eigentlichen Wortlaut 14-23) Jahre alt sind, sich in der Jugendphase befinden.

Im dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) wurden zum Schutz von Minderjährigen mehre Gesetze erlassen, die die Minderjährigkeit regeln (BGB § 828 ff.).

Zwei dieser Gesetze, die gerade im Jugendtourismus wichtig sind, befassen sich mit der „ Aufsichtspflicht “ für Minderjährige und „ Geschäftsfähigkeit “ durch Erreichen der Volljährigkeit (Paragraph 832 im BGB). Natürlich ist auch die Aufsichtspflichtübertragung an 2te/ 3te Personen in diesem Paragraphen geregelt (ein typisches Beispiel siehe Grafik) und spielt im Jugendtourismus eine ebenso große Rolle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufsichtspflichtübertragung

Zusammenfassend entscheide ich mich für das Alter (13) 14 – 18 Jahre, jedoch mit dem Bewusstsein, dass der individuelle Entwicklungsstand von Einzelpersonen bei einem Bedürfnisprofil im Tourismus berücksichtigt werden muss (vergleiche auch Punkt 2.2.1 in dieser Hausarbeit)

Dieses Alter spiegelt sich ebenso in den Marketingentscheidungen vieler Unternehmen wieder, und es besteht die größtmögliche Chance, einen Konsens zwischen den verschiedenen Bedürfnissen zu entwickeln.

2. Freizeitbedürfnisse Jugendlicher im Jugendtourismus

2.1 Bedarfsprofil im Jugendtourismus

2.1.1 Einleitung

Nur wer die Erwartungen/ Bedürfnisse der Kunden kennt, kann diese befriedigen und angemessen darauf reagieren. Mittlerweile beschäftigen sich ganze Firmen und Abteilungen damit, mittels Kundenumfragen, Beobachtungen und Analysen von Kaufverhalten, die Bedürfnisse der jeweiligen Klientel herauszufinden.

Dabei gibt es bestimmte Grundbedürfnisse, die erfüllt werden sollten, aber auch Bedürfnisse, die darüber hinaus gehen.

Durch immer mehr Reiseerfahrungen (teils durch das Verreisen mit Eltern), bessere Aufklärung (z.B. durch das Internet) und immer höher werdende Standards im Tourismus, ist es zunehmend schwieriger, die hohen Erwartungen/ Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen.

Warum sollte man die Bedürfnisse erfüllen?

Ziel ist es, die Bedürfnisse der Jugendlichen so zu erfüllen, dass dieser die Reise wiederholen möchte, oder/und Bekannten und Freunden in der Peer Group davon berichtet, um sie für diese Reise zu werben.

Gerade der Jugendtourismus lebt von einem Empfehlungsmarketing.

Diese Ausarbeitung bezieht sich auf den kommerziellen Jugendtourismus

Jedoch unterliegen gemeinnützige (oder ähnliche) Verbände auch der Wirtschaftlichkeit .

Über 58%[6] der 137 Befragten in der „Ruf Jugendreisestudie 1997“ geben an, vom teilnehmenden Freund oder Freundin von dieser Reise erfahren zu haben. Nur 5%6 (Reisebüro), 8%6 (direkt angeschrieben) und 6%6 (sonstiges) wurden anders erreicht . Hinzu kommen noch 39%6 der Befragten, die über ein Reisebüro von einer dieser angebotenen Jugendreisen erfahren haben (Mehrfachnennungen waren möglich).Dies macht deutlich, wie wichtig das Empfehlungsmarketing innerhalb des Freundeskreises der Jugendlichen ist.

Gleichzeitig zeigt es, dass nicht nur Reiseveranstalter, sondern auch Reisevermittler (in diesem Fall das Reisebüro) die Bedürfnisse der Jugendlichen kennen müssen, um ein optimales Produkt anbieten zu können.

Die Bedürfnisse von Jugendlichen im Jugendtourismus lassen sich von verschiedenen Blickrichtungen analysieren. In der Berger Studie z.B. werden die Bedürfnisse in Hinblick auf konsumsteigernde Eigenschaften analysiert. Mir, allerdings, ist es wichtig, die aus pädagogischer Sicht wichtigsten Bedürfnisse aufzuzeigen, die bei einer Planung eines Reiseangebotes berücksichtigt werden sollten. Sicherlich gibt es eine Menge anderer Bedürfnisse. Alle hier aufzudecken würde den Rahmen dieser Arbeit jedoch überschreiten.

Daher beschränke ich mich auf 12 „pädagogische“ Bedürfnisse.

Man wird feststellen, dass es zum Teil Überschneidungen gibt- einige Bedürfnisse gleichzeitig für die Befriedigung anderer Bedürfnisse sorgen.

Die Begriffe „Interesse“, „Motiv“, „Bedürfnis“ oder „Erwartung“ benutze ich in folgenden synonym.

Aufgrund des engen Rahmens der Hausarbeit, kann ich nur sehr bedingt und an wirklich eindeutigen Merkmalen eine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern, Herkunft oder anderen beeinflussenden Merkmalen machen.

Weise aber darauf hin, dass für eine zielgruppenorientierte Angebotsentwicklung darauf geachtet werden sollte.

Das von mir entwickelte Bedürfnisprofil kann somit keine 1:1 anwendbaren Rezepte für die Praxis liefern, sondern setzt einen Leser voraus, der in der Lage ist, dieses Bedürfnisprofil auf seinen individuellen Fall anzuwenden.

2.1.2 Profilkriterien

2.1.2.1 Rekreation

Würde man einen großen Teil der Bevölkerung fragen, wozu ihr Urlaub hauptsächlich diene, würden wohl die meisten Personen antworten, ihnen wären „Abschalten, Erholen und zur Ruhe kommen“ die wichtigsten Dinge im Urlaub, ohne dabei schon festzulegen, was sie unter Erholung verstehen.

In unserer heutigen, modernen aber auch zeitdurchhetzten Zeit, ist Rekreation wichtiger denn je. Gerade Jugendliche spüren die Rast- und Zeitlosigkeit immer deutlicher.

Dank modernster Techniken (Handy, immer schnellere Fortbewegungsmittel, Computer etc.), ist es möglich, in kürzester Zeit immer mehr zu erledigen.

Dabei steigt der Druck, der auf den Jugendlichen liegt, immer weiter. Gründe sind hierbei eine hohe Arbeitslosenquote, höhere Anforderungen und große gesellschaftliche Erwartungen.

Dieses zeigt u.a. die Shell Jugendstudie 2006 – dort haben 69%[7] aller befragten Jugendlichen Angst davor, keinen Ausbildungsplatz zu finden und in die Arbeitslosigkeit zu rutschen.

All diese Punkte wirken sich auf das Urlaubsverhalten aus!

Der Jugendtourismus hat sich in den letzten 40 Jahren stark gewandelt, war jedoch sehr lange Zeit ein Teil der „Jugendarbeit“ bzw. der Freizeitpädagogik. Es war üblich, an organsierten Reisen der Kommune, kirchlichen Organisationen oder der Jugendämter teilzunehmen.

Oftmals wurde so der Teilnehmer mehr und mehr zum Klienten, da selbst bis 1958 die Jugendarbeit sich primär auf Randgruppen konzentrierte.[8]

In dem Buch „Pädagogik des Jugendreisens“ machen die Autoren anhand eines kleinen Beispiels deutlich, welchen Inhalt früher Jugendreisen hatten und wie diese umschrieben wurden:

So heißt es in der Einladung zu einer evangelischen Urlaubsfreizeit:

Das Programm: Wir möchten eine frohe Gemeinschaft junger Christen sein, wobei wir in der Programmgestaltung Eure Wünsche und Vorschläge gern berücksichtigen.

Die Leitung plant: Zur körperlichen Erholung: Wanderungen ins Gebirge und viel Faulenzen, Baden im Thuner See, Bootsfahren auf dem Vierwaldstätter See und Brienzer See.

Zum Atemholen der Seele: Morgenandachten und Sonntagsgottesdienste, Tischgebete und Gespräche über Alltagsfragen im Lichter der Bibel, persönliche Betreuung […]“[9]

Die Autoren weisen darauf hin, dass wohl keiner der Zielgruppe vermuten würde, dass die Leiter der Freizeit das Programm fast lückenlos vorgeplant haben und die „Vor und Nachmittage dem religiösen Programm verbindlich vorbehalten waren.“[10]

Dieser „Ausflug“ in die Vergangenheit macht deutlich, wie enorm groß der Unterschied zwischen der Ankündigung und dem Urlaub selber war.

Oftmals mussten die „Pädagogen“ zu Tricks und autoritären Maßnahmen greifen, um die Jugendlichen während der Freizeit zur aktiven Teilnahme zu bewegen.[11]

Priorität war damals, eine Reise als eine pädagogisch durchgeplante Maßnahme anzubieten.

Ob zur Weiterentwicklung von Geist und Seele, zur politischen Bildung oder mit pädagogischen Erziehungszielen / Lerninhalten - Auf die Bedürfnisse der Jugendlichen wurde nur sehr wenig Rücksicht genommen.

Die Rekreation – sprich die Erholung, das Wohlbefinden, stand damals an einer untergeordneten Stelle. Die Pädagogen gingen damals davon aus, dass ihr Programm zur Erholung beitragen würde.

In unserer heutigen Zeit ist die Rekreation der Jugendlichen wichtiger den je und sollte in den Jugendreisen einen hohen Stellenwert erhalten.

Auch das Berger Institut greift die Erholung mit dem Punkt „Tranquil[12] “ in dem „Handlungskonzept für die Neuausrichtung des Tourismus in Schleswig-Holstein“ auf und ordnet den Jugendlichen diesbezüglich einen „nichtzutreffenden“[13] Wert zu, was ich kritisch betrachte, da hier nach „konsumfördernden Werten“ eine Auswahl getroffen wurde. Ich vermute, dass im Rahmen der Untersuchung von einem „am Strand liegenden Jugendlichen“ ausgegangen ist, „der so natürlich weniger Geld ausgeben kann“. Vergleicht man das Bedürfnis nach Rekreation mit der „Ruf Jugendreisestudie[14] “ und der „ICONKIDS&YOUTH14 – Studie“ (beide 1998), so wird man feststellen, dass ein Mittelwert von 2.714 (4.0 = 100%) bei der Wichtigkeit angeben wurde.*

Wichtig ist auch hier, dass es unterschiedliche Arten von Erholung bei Jugendlichen gibt. Der eine erholt sich beim Sport, der andere beim Sonnen am Strand.

Ein gutes Wohlbefinden sorgt für eine große Rekreation am Urlaubsort. Dabei habe ich während meiner Mitarbeit auf Reisen gemerkt, dass nicht nur die Hardware (Location, Ausstattung), sondern auch die Software (Teamer, Mitarbeiter...) sehr maßgebend für die Rekreation von Jugendlichen ist (Vergleiche auch 2.1.2.8. in dieser Arbeit).

Auch hier ist es wichtig zu erkennen, dass Jugendliche sich unter unterschiedlichen Bedingungen wohl fühlen können.

Die Bedingungen, die bei der Hardware und zum Teil auch bei der Software erfüllt werden müssen, steigen durch die hohen Reisererfahrungen der Jugendlichen an, die Erwartungen der Jugendlichen werden größer[15].

2.1.2.2 Soziales

Es ist typisch für den Jugendtourismus, im Gegensatz zum Erwachsenentourismus, mit anderen Personen zusammen zu verreisen und auf „engstem Raum zusammen zu(er-) leben.

Es gibt zwar einige Ausnahmen im Erwachsenentourismus, wie z.B. Reisen, bei denen man sich bewusst für eine Gruppenreise (mit allen Konsequenzen wie z.B. gemeinsamer Schlafraum) entscheidet, jedoch ist diese Art zu verreisen im Vergleich mit anderen Reisearten im Erwachsenentourismus eher unüblich.

Im Jugendtourismus ist das Bedürfnis nach sozialen Prozessen sehr hoch.

Dabei umschließt dieses Bedürfnis ebenso die Geselligkeit in der Gruppe, als auch das, was Horst. W. Opaschowski 1976 als Zielfunktion der freien Zeit unter „Kommunikation“ versteht.

„Begegnung, Kontakte zwischen individuellen Gruppen, Austausch von Informationen, Sensibilisierung der Gefühle und Absichten anderer“[16], so schreibt er es in seinem Buch „Pädagogik der Freizeit“.

Auf alle Teilbereiche einzugehen würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten und dürfte wohl einer eigenen Ausarbeitung nahe kommen.

Da die sozialen Verhältnisse innerhalb der Gruppe im Jugendtourismus jedoch sehr wichtig sind und zum Teil auf die noch folgenden Bedürfnisse Einfluss nimmt, sollte man dieses soziale Bedürfnis nicht außeracht lassen.

Giesecke, Keil und Perle machten anhand der „Hotel Beziehung[17] “ („flüchtige Kontakte, keine gemeinsamen Absichten) deutlich, welche Auswirkungen bereits die Unterbringung vor Ort haben kann. So werden die sozialen (engeren) Kontaktmöglichkeiten, der Jugendlichen in einem Hotel von vorneherein auf das eigene Hotelzimmer beschränkt und es erfordert einer größeren Anstrengung, über die eigene „Türschwelle“ hinaus zu treten und soziale Kontakte zu knüpfen. Dahingegen bietet ein Zeltlager (z.B. mit 8 Bett-Zelten) eine viel größere Möglichkeit für soziale Kontaktmöglichkeiten, u.a. durch die offenere Atmosphäre.

Mit dem Wert 3.8[18] (nette Teamer) und 3.618 (Geselligkeit und Anschluss) sowie 3.718 (gute Atmosphäre) [4.0 = sehr wichtig] in der Ruf Jugendreisestudie, setzen die Jugendlichen ein eindeutiges Zeichen für die Wichtigkeit des Bedürfnis „Soziales“.

Dabei wirkt sich dieses nicht nur auf die anderen Teilnehmer, sondern, wie die Daten zeigen, auch auf die Teamer und somit auf die gesamten Mitarbeiter einer Freizeit aus. Aus meiner Sicht ist die gute Atmosphäre einer Freizeit sehr wichtig. Sie ist oftmals ein Spiegelbild der gesamten Stimmung in einem Lager und kann so auf evtl. Defizite in einem ganz anderen Bereich/ Bedürfnis hinweisen.

Die Geselligkeit und der Anschluss an eine Gruppe (im Folgenden von mir als soziale Absicherung beschrieben) ist ein sehr starkes Bedürfnis der Jugendlichen. Ich habe oft bemerkt, dass gerade jüngere Jugendliche, die das erste Mal alleine verreisen, große Angst haben, keinen Anschluss / Freunde zu finden. Die Mitarbeiter sollten gerade am Anfang einer Freizeit diese Sorgen berücksichtigen und Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme bieten.

Hierbei ist zu beachten, dass dies nicht in Gruppenzwang ausarten darf, da den Jugendlichen das Bedürfnis nach „Ungezwungenheit“[19] in diesem Bereich mit einem Wert von 3.7 (4.0= 100%) sehr wichtig ist.

Festzuhalten bleibt also: Das Bedürfnis nach Geselligkeit, sozialer Absicherung und einer guten Atmosphäre in einer Gruppe ist bei den Jugendlichen sehr hoch. Gleichzeitig ist die soziale Absicherung eine Grundlage für die Befriedung weiterer Bedürfnisse.

Deshalb sollte man ausreichend „Gelegenheiten zur informellen Geselligkeit“[20] schaffen und auch während einer Reise immer wieder anbieten.

Im Bewusstsein, dass soziale Prozesse immer und überall stattfinden (können), sollte man sich im klaren sein, welche Auswirkungen z.B. die Unterbringung, Betreuung oder die Mahlzeiten während einer Jugendreise haben können. Wichtig ist auch, dass man soziale Prozesse zwar steuern, aber nicht erzwingen kann, ebenso wie man diese nur sehr begrenzt verhindern kann.

2.1.2.3 Integration

So wichtig die sozialen Prozesse auch sind, umso schwieriger ist es, ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter Beibehaltung der Interessen jedes Individuums zu schaffen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Jugendliche sind oftmals dazu bereit, ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse für die Gruppe zurück zu stellen.

Dieses zeigte auch die Ruf Jugendreisestudie im Sommer 1997.

Nur 3%[21] gaben an, dass sie die Reise wegen der mangelnden Freiheit und zurückgestellter Wünsche nicht wiederholen würden.

Die aktuellste Shell Jugendstudie zeigt sogar, dass Freundschaften und soziale Kontakte bei den Jugendlichen wichtiger den je sind. Über 97% der Befragten geben in dieser Studie an, dass „Freundschaft“ für die Lebensgestaltung von (großer) Bedeutung ist.[22]

[...]


[1] http://www.ljrsh.de/

index.php?module=Artikel&func=viewpub&tid=1&pid=231 Zugriff: 28.12.2007

[2] Eistenstein, , 2007, Präsentationsfolie: 11

[3] Vergl. Statistisches Bundesamt—Pressestelle, 2006, S. 15

[4] a.a.O., S. 19

[5] Vergl. Porwol, 2000, S. 50

[6] Vergl. Porwol, 2001, S. 102

[7] www.mbjs.brandenburg.de/sixcms/media.php/4793/shell_brab.pdf -Zugriff: 11.01.07, S. 12

[8] Vergl. Porwol, 2001, S. 17

[9] Giesecke, Keil, Perle , 2002, S. 44,45

[10] a.a.O., 2002, S. 45

[11] Vergl. Giesecke, Keil, Perle, 2002. S. 45

[12] Vergl. Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr / Roland Berger Strategy Consultants, 2006, S.37

[13] a.a.O., S.43 (Grafik)

[14] Porwol, 2001, S.274

* im Folgenden Zitiere ich die „Ruf Jugendreisestudie“ da die ICONKIDS&YOUTH Studie nur teilfragen abdeckt und sich in den wenigen Ergebnissen mit der Ruf Jugendreisestudie deckt.

Ebenso wurde seit 1993, in allen Jugendreisestudien, der größte Teil der Jugendlichen von „Ruf Jugendreisen“ befragt, somit diese fast deckungsgleiche sind.

[16] Vergl. Opaschowski, 1976, S. 118

[17] Giesecke, Keil, Perle, 2002, S. 81

[18] Porwol, 2001, S. 273

[19] Vergl. Porwol, 2001, S. 278

[20] Giesecke, Keil, Perle, 2002, S. 85

[21] Vergl. Porwol, 2001, S.126

[22] Vergl. http://www.shell.com/static/de-de/downloads/2006/Jugendstudie_2006/pdf/Infografiken.pdf Zugriff: 10.01.08 - S. 2

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Bedürfnisorientierte Angebotsentwicklung im Jugendtourismus anhand des Beispiels des Kinderferiendorfes in Neumünster
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
55
Katalognummer
V89331
ISBN (eBook)
9783638026604
ISBN (Buch)
9783638924412
Dateigröße
1616 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Viele aktuelle Untersuchungen wie die Shell Jugendstudie, die Berger Studie zur Neuausrichtung des Jugendtourismus und weitere Fachliteratur u.a. von Ruf Jugendreisen finden sich in dieser Arbeit wieder. Im Anhang befinden sich 2 grafsich aufgearbeitete Schaubilder.
Schlagworte
Bedürfnisorientierte, Angebotsentwicklung, Jugendtourismus, Beispiels, Kinderferiendorfes, Neumünster, Jugendreisen, Zielgruppe, Marketing, Bedürfnisse, Profil, Jugend, Vereisen, Urlaub, Sommer, Ziele, Sven Johannsen, Sven, Kinderreisen, Pädagogisch, Pädagogik, Erzieher, Tourismus, Freizeit, Kulturarbeit
Arbeit zitieren
Sven Johannsen (Autor), 2008, Bedürfnisorientierte Angebotsentwicklung im Jugendtourismus anhand des Beispiels des Kinderferiendorfes in Neumünster, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89331

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