Heimat und Identität bei Siebenbürger Sachsen

Das Verhältnis der Siebenbürger Sachsen und Roma in Weilau


Hausarbeit, 2007

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Begriffsklärung
1. 1. Die Geschichte Siebenbürgens
1.1.1 Siebenbürgen unter der Herrschaft Ungarns
1.1.2 Siebenbürgen unter den Habsburgern und den Osmanen
1.1.3 Doppelmonarchie und Zugehörigkeit zu Großrumänien
1.1.4 Der 2. Weltkrieg und die Folgen
1.1.5 Die Revolution und ihre Folgen
1. 2. Die Sachsen in Siebenbürgen
1.2.1 Grundlegende Veränderungen
1.2.2 Der 2. Weltkrieg
1.2.3 Das Ceausescu - Regime
1. 3. Roma in Siebenbürgen
1.3.1 Willkür und Diskriminierung
1.3.2 Der Nationalsozialismus

2. Das Zusammenleben von Minderheiten am Beispiel der Siebenbürger Sachsen und der Roma in Weilau
2.1 Die Besonderheit an Weilau
2.2 Heimat und Identität im Zeitalter der fortgeschrittenen Moderne

3. Fazit und Ausblick

Bibliografie

1. Einleitung und Begriffsklärung

In Siebenbürgen, einer Region Rumäniens, leben seit mehr als 700 Jahren Deutsche Auswanderer. Darüber hinaus besitzt Rumänien die größte Romapopulation der Welt. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Sachsen und den Roma in Siebenbürgen im Hinblick auf die Veränderung der Lebenswelten der beiden Minderheitengruppen. Ferner soll ein Überblick über das Zusammenleben dieser beiden ethnischen Gruppen am Beispiel des kleinen Ortes Weilau gegeben werden. Am Ende steht die Frage, wie sich die der Exodus der Siebenbürger Sachsen hinsichtlich des Verlusts von Heimat und Identität auf die Ausgewanderten auswirkt und wie sich die Welt für die Roma in dem kleinen Ort dadurch verändert.

Einen relativ großen Stellenwert hat in dieser Arbeit die siebenbürgische Geschichte, da nur durch diese die Situation der Sachsen und auch der Roma deutlich wird. Der stetige Wandel in Siebenbürgen ist ständiger Begleiter der Siebenbürger Sachsen und der Roma.

In dieser Arbeit wird der Begriff Roma für alle Sinti und Roma verwendet. Die in Weilau ansässigen Roma nennen sich selber Zigeuner, doch scheint mir die einheitliche Verwendung des Begriffs Roma als neutraler und verhindert eventuelle Verwechslungen. Gegen die gebräuchliche Wendung Sinti und Roma entschied ich mich aus Gründen der Lesbarkeit. Die Siebenbürger Sachsen werden als Sachsen oder als Deutsche (mit Verweis auf Siebenbürgen, oder eines anderen Merkmals) bezeichnet, die unterschiedliche Verwendung der beiden Termini gibt keinen Aufschluss über etwaige inhaltliche Feinheiten.

1. 1. Die Geschichte Siebenbürgens

Die Geschichte Siebenbürgens wird in dieser Arbeit nur so weit dargestellt, wie sie für das Thema von Bedeutung ist. Das bedeutet zum einen eine zeitliche als auch eine inhaltliche Beschränkung.

Die ersten Deutschen kommen um das 12./ 13. Jahrhundert, Sinti und Roma im 14. Jahrhundert nach Siebenbürgen, worauf an späterer Stelle noch eingegangen werden soll. Siebenbürgen erhält seinen Namen erst durch die deutschen Einwanderer im 12. und 13. Jahrhundert. In der Zeit davor wird das von dichten Wäldern umgebene Gebiet, durch den lateinischen Terminus „ultra silvas“ (jenseits der Wälder) als Ultrasilvania, später als Transsilvania bezeichnet.[1] Das heutige Transsilvanien nach rumänischer Sicht umfasst alle vormals ungarischen Teile Rumäniens, also Siebenbürgen, das Banat, Sathmar, die Marmarosch und das Kreischgebiet.[2]

1.1.1 Siebenbürgen unter der Herrschaft Ungarns

Seit der Jahrhundertwende um das 10./ 11. Jahrhundert steht das damalige Transsilvanien unter der Herrschaft Ungarns. Die ungarischen Könige betreiben eine starke Christianisierung im Inneren, was langfristig eine starke Anbindung an den Westen nach sich zieht.[3] In der Mitte des 12. Jahrhunderts werden Siedler aus dem Heiligen Römischen Reich angeworben, von denen die meisten aus dem deutschsprachigen Raum stammen.

Obwohl die Grenzen nach Osten gut bestellt und durch eigens dorthin umgesiedelte Szekler auch gut besetzt sind, halten sie dem Mongolensturm 1241, wie die meisten europäischen Grenzen, nicht stand. Die Folge ist ein weitgehend verwüstetes Land und eine dezimierte Bevölkerung. Erst nach Jahrzehnten wird das Land wieder gefestigt und durch Binnenmigration neu bevölkert.[4] Diesem großen Angriff folgt ein zweiter im Jahr 1285, der aber weniger verheerend als der erste ausfällt.

Obwohl bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts bereits Rumänen in Siebenbürgen erwähnt werden, treten sie erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts auch politisch in Erscheinung, etwa durch Aufstieg in den Adelsstand. Sie werden bis ins 19. Jahrhundert Walachen genannt.[5] Etwa gegen Ende des 14. Jahrhunderts finden sich die ersten Sinti und Roma in Siebenbürgen ein.

Ab Mitte des 14. Jahrhunderts fallen Osmanen in Europa ein. Es folgt eine Zeit der ständigen Bedrängung und teilweisen Besetzung durch die Osmanen. Siebenbürgen bleibt von der Besetzung verschont und dient den Truppen aus den Fürstentümern Walachei und Moldau als Rückzugsgebiet und Partner im Kampf gegen die Türken dient. Obwohl von der Besetzung verschont, so fallen doch immer wieder kleine Gruppen von Eindringlingen ein und verwüsten und brandschatzen grenznahe Städte und Dörfer der Sachsen und der Szekler.

Die schwierige Lage der Gegend trifft die Bauern am härtesten. Nach einem niedergeschlagenen Bauernaufstand 1437/ 38, dem Sieg von siebenbürgischen gegen osmanische Truppen auf dem Brodfeld kommt es zum Bauernkrieg unter Georg Dozsa. Die bäuerlichen Truppen lehnen sich gegen den Adel auf und fordern gesellschaftliche Gleichberechtigung. Nach einigen Erfolgen kommt es zur blutigen Niederschlagung des Aufstandes, die Anführer werden zum Tode verurteilt. Die Bauern werden aller Freizügigkeiten beraubt und deren „ewige Leibeigenschaft“ beschlossen.[6]

Schließlich kommt es zum Fall des ungarischen Königreichs. Truppen von König Ludwig II. unterliegen 1526 dem türkischen Heer bei der Schlacht von Mohács.[7] Der König und ein Großteil der Würdenträger fallen, das Königreich zerbricht.

1.1.2 Siebenbürgen unter den Habsburgern und den Osmanen

Ungarn wird unter osmanischer Oberherrschaft in drei Machtbereiche aufgeteilt, Siebenbürgen erhält gleichzeitig aber auch – erstmals – eine verhältnismäßig große Unabhängigkeit. Der Adel, Sachsen und Szekler teilen sich fortan die Herrschaft über Siebenbürgen, das zu einem relativ selbständigen Fürstentum wird. Nominell gehört es zum habsburgischen Reich, entrichtet aber ein Tribut an das osmanische Reich, das auch die Fürsten bestimmt. 1558 wird Glaubensfreiheit im Zuge des Humanismus und der Reformation gesetzlich verankert.

1594 tritt Fürst Sigismund Báthory in die „heilige Liga“ ein, die unter der Führung der Habsburger steht und sich gegen die Osmanen richtet. Durch diese Entscheidung wird der „lange Türkenkrieg“ nach Siebenbürgen geholt. Ein langer Kampf um die Herrschaft beginnt, sie wechselt mehrmals von Báthory zu den kaiserlichen Generälen. Die Religionsfreiheit wird abgeschafft, die Verfassung außer Kraft gesetzt.

Michael, Wowoide der Walachei, der für das heutige Nationalbewusstsein der Rumänen noch von grundlegender Bedeutung ist, greift 1599 in den Konflikt ein.[8] Er besiegt den Landesherrn Andreas Báthory und tritt die Herrschaft über Siebenbürgen an. Als Erster eint er so die drei rumänischen Länder.

Nach der Ermordung Michaels im Jahre 1601 beginnt die Herrschaft des General Basta, die wegen ihrer Grausamkeit in einen Aufstand der Bevölkerung führt. Unter der Führung von Stephan Bocskay erringen die Aufständischen zahlreiche Siege gegen die kaiserlichen Truppen und finden so weiter Verbündete in Adel und Bevölkerung. Bocskay wird zum siebenbürgischen Fürsten gewählt. Dank der militärischen Pattsituation zwischen den Habsburgern und den Osmanen wird durch den 1606 geschlossenen Frieden von Zsitvatorok eine längere Friedensperiode erreicht. Das so genannte „goldene Zeitalter des Fürstentums“ bricht an und hilft Siebenbürgen zu einer großen außenpolitischen Unabhängigkeit. Die Unruhen im Inneren gehen jedoch weiter und werden durch die mehrmalige Teilnahme Siebenbürgens am Dreißigjährigen Krieg verstärkt.[9]

Die politische Selbständigkeit wird durch die Osmanen beendet, die als Antwort auf die Außenpolitik des siebenbürgischen Fürsten Georgs II. Rákóczi das Land verwüsten und es auf den Vasallenstatus herunterstufen. Das osmanische Reich hat somit wieder starken Einfluss auf die Politik Siebenbürgens.

In den folgenden Jahren werden jedoch nach und nach die von den Türken besetzten Gebiete durch die Habsburger zurückerobert. Siebenbürgen weigert sich zunächst, die Herrschaft anzuerkennen. Durch die Erhebung des Adels, die Anerkennung der Eigenständigkeit Siebenbürgens, sowie der Religionsfreiheit, der ständischen Verfassung und der Besitztümer der Stände wird das Fürstentum schließlich dem Habsburger Kaiser Leopold untergeordnet. Dieser ist nun König von Ungarn und Fürst von Siebenbürgen in einer Person.

Doch eine Reihe von politischen Entwicklungen, an deren Spitze der 1699 geschlossene Friede zwischen Habsburgern und Osmanen in Karlowitz steht lässt die Instabilität wieder deutlich werden. Der Kleinadel und die Bauern lehnen sich gegen den Kaiser auf. Da die Habsburger mit den spanischen Erbfolgekriegen ausgelastet sind, gelingt es den Kuruzen, wie sie sich selbst nennen, für kurze Zeit große Teile Siebenbürgens und Ungarns zu erobern. Die Deutschen Siebenbürgens schließen sich dem Bündnis jedoch nicht an sondern leisten ihm Widerstand. Die Kuruzen werden schließlich von den kaiserlichen Truppen besiegt und Siebenbürgen in das Habsburgische Reich eingegliedert. Die Rumänen spielen in dieser Auseinandersetzung kaum eine Rolle, was auf ihren – trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit - geringen militärischen und politischen Einfluss zurückzuführen ist.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts leben Schätzungen zufolge etwa 90.000 Sachsen, 500.000 Ungarn und 280.000 Rumänen in Siebenbürgen. Zahlen über die Population der Roma lassen sich nur schwer finden. Über diese Bevölkerungsgruppe sind zu dieser Zeit kaum Auszeichnungen vorhanden.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist eine taktile Politik des Kaisers gegenüber der Siebenbürgischen Verfassung dafür verantwortlich, dass die Selbständigkeit Siebenbürgens Schritt für Schritt geringer wird. Der Adel verliert an Macht, Schlüsselpositionen werden mit kaisertreuen Kandidaten besetzt. Die Stände verlieren einen Großteil ihres davor relativ starken Einflusses.

[...]


[1] Vgl. hierzu: Roth, H., Kleine Geschichte Siebenbürgens, Köln 1996, S. 14.

[2] Vgl. ebd., S. 122.

[3] Vgl. ebd., S. 27.

[4] Vgl. ebd., S. 34.

[5] Vgl. ebd., S. 35: Der Begriff Walachen hat abwertenden Charakter, deshalb wird in dieser Arbeit, analog zur Quelle der Begriff Rumänen verwendet.

[6] Vgl. ebd., S. 45.

[7] Vgl. ebd., S. 47.

[8] Wowoide = oberster Vertreter der Provinz im Mittelalter.

[9] Vgl. Roth, Geschichte, S. 61.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Heimat und Identität bei Siebenbürger Sachsen
Untertitel
Das Verhältnis der Siebenbürger Sachsen und Roma in Weilau
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Volkskunde & Europäische Ethnologie)
Veranstaltung
Heimat und Identität
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V89348
ISBN (eBook)
9783638026642
ISBN (Buch)
9783640257294
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heimat, Identität, Siebenbürger, Sachsen, Heimat, Identität
Arbeit zitieren
Christoph Mayr (Autor), 2007, Heimat und Identität bei Siebenbürger Sachsen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89348

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