In Siebenbürgen, einer Region Rumäniens, leben seit mehr als 700 Jahren Deutsche Auswanderer. Darüber hinaus besitzt Rumänien die größte Romapopulation der Welt. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Sachsen und den Roma in Siebenbürgen im Hinblick auf die Veränderung der Lebenswelten der beiden Minderheitengruppen. Ferner soll ein Überblick über das Zusammenleben dieser beiden ethnischen Gruppen am Beispiel des kleinen Ortes Weilau gegeben werden. Am Ende steht die Frage, wie sich die der Exodus der Siebenbürger Sachsen hinsichtlich des Verlusts von Heimat und Identität auf die Ausgewanderten auswirkt und wie sich die Welt für die Roma in dem kleinen Ort dadurch verändert. Einen relativ großen Stellenwert hat in dieser Arbeit die siebenbürgische Geschichte, da nur durch diese die Situation der Sachsen und auch der Roma deutlich wird. Der stetige Wandel in Siebenbürgen ist ständiger Begleiter der Siebenbürger Sachsen und der Roma. In dieser Arbeit wird der Begriff Roma für alle Sinti und Roma verwendet. Die in Weilau ansässigen Roma nennen sich selber Zigeuner, doch scheint mir die einheitliche Verwendung des Begriffs Roma als neutraler und verhindert eventuelle Verwechslungen. Gegen die gebräuchliche Wendung Sinti und Roma entschied ich mich aus Gründen der Lesbarkeit. Die Siebenbürger Sachsen werden als Sachsen oder als Deutsche (mit Verweis auf Siebenbürgen, oder eines anderen Merkmals) bezeichnet, die unterschiedliche Verwendung der beiden Termini gibt keinen Aufschluss über
etwaige inhaltliche Feinheiten.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG UND BEGRIFFSKLÄRUNG
1. 1. DIE GESCHICHTE SIEBENBÜRGENS
1.1.1 SIEBENBÜRGEN UNTER DER HERRSCHAFT UNGARNS
1.1.2 SIEBENBÜRGEN UNTER DEN HABSBURGERN UND DEN OSMANEN
1.1.3 DOPPELMONARCHIE UND ZUGEHÖRIGKEIT ZU GROßRUMÄNIEN
1.1.4 DER 2. WELTKRIEG UND DIE FOLGEN
1.1.5 DIE REVOLUTION UND IHRE FOLGEN
1. 2. DIE SACHSEN IN SIEBENBÜRGEN
1.2.1 GRUNDLEGENDE VERÄNDERUNGEN
1.2.2 DER 2. WELTKRIEG
1.2.3 DAS CEAUSESCU - REGIME
1. 3. ROMA IN SIEBENBÜRGEN
1.3.1 WILLKÜR UND DISKRIMINIERUNG
1.3.2 DER NATIONALSOZIALISMUS
2. DAS ZUSAMMENLEBEN VON MINDERHEITEN AM BEISPIEL DER SIEBENBÜRGER SACHSEN UND DER ROMA IN WEILAU
2.1 DIE BESONDERHEIT AN WEILAU
2.2 HEIMAT UND IDENTITÄT IM ZEITALTER DER FORTGESCHRITTENEN MODERNE
3. FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der Lebenswelten der Siebenbürger Sachsen und der Roma in der Region Siebenbürgen, wobei das Zusammenleben dieser beiden Minderheiten anhand des Beispiels des Ortes Weilau analysiert wird. Im Fokus steht dabei die Frage nach den Auswirkungen von Identitätsverlust und Heimatveränderung auf die jeweiligen Gruppen.
- Historische Entwicklung der Minderheiten in Siebenbürgen
- Das spezifische Zusammenleben von Sachsen und Roma in Weilau
- Der Verlust von Heimat und Identität bei den Siebenbürger Sachsen
- Anpassungsprozesse der Roma an veränderte Lebensumstände
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Besonderheit an Weilau
Das Besondere an Weilau ist die Geschichte des Zusammenlebens der Sachsen mit den Roma. Im Folgenden soll die Zeit des 20. Jahrhunderts betrachtet werden, sofern nichts näheres angegeben ist. Die Roma sind in Weilau geduldet und verdingen sich in der Regel als Tagelöhner und Knechte bei den Sachsen. Sie übernehmen mit der Zeit die Sprache und die Konfession der Sachsen und somit große Teile der deutschen Kultur. Dennoch sind sie in der Kirchengemeinde nur geduldet, nicht erwünscht. Bis ins Jahr 1989 zahlen die Roma keine Kirchensteuer und haben so auch kein Stimmrecht bei Wahlen für die Ämter des Gemeindevorstands oder für das Presbyterium.
Dennoch sind die Roma bis zu Beginn des 2. Weltkrieges unabdingbare Arbeitskräfte auf den Höfen der Sachsen. Augenzeugen zufolge geben nach dem Evakuierungsbefehl im September 1944 einige der Sachsen die Schlüssel ihrer Höfe an Roma und fliehen vor der roten Armee in Richtung Westen. Die Roma kümmern sich um das Vieh und unterhalten die Höfe. Dass in dieser Überlieferung im Nachhinein die Gründe möglicherweise verklärt werden, bleibt zu beachten. Dennoch ist feststellbar, dass eine grobe Vertrauensbasis vorhanden sein muss, um diesen Schritt der Schlüsselübergabe zu vollziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG UND BEGRIFFSKLÄRUNG: Diese Einleitung führt in die historische und soziale Situation der Minderheiten der Sachsen und Roma in Siebenbürgen ein und definiert die zentralen Forschungsfragen.
1. 1. DIE GESCHICHTE SIEBENBÜRGENS: Ein historischer Abriss von der ungarischen Herrschaft über die habsburgische Zeit bis hin zur Revolution 1989 und deren Folgen für die Region.
1. 2. DIE SACHSEN IN SIEBENBÜRGEN: Darstellung der Entwicklung der Sachsen von ihrer Einwanderung im Mittelalter bis zu ihrem Status als Minderheit unter dem Einfluss politischer Umbrüche.
1. 3. ROMA IN SIEBENBÜRGEN: Analyse der Geschichte der Roma, ihrer systematischen Diskriminierung und ihrer Marginalisierung durch verschiedene politische Regime bis in die Gegenwart.
2. DAS ZUSAMMENLEBEN VON MINDERHEITEN AM BEISPIEL DER SIEBENBÜRGER SACHSEN UND DER ROMA IN WEILAU: Untersuchung der spezifischen sozialen Dynamik und des Zusammenlebens der beiden Gruppen im Ort Weilau über das 20. Jahrhundert hinweg.
2.1 DIE BESONDERHEIT AN WEILAU: Fokus auf die historische Arbeitsteilung und das komplexe Vertrauensverhältnis zwischen den Sächsischen Landbesitzern und den Roma-Tagelöhnern.
2.2 HEIMAT UND IDENTITÄT IM ZEITALTER DER FORTGESCHRITTENEN MODERNE: Analyse der unterschiedlichen Identitätsentwicklungen der Gruppen im Kontext von Auswanderung und Verbleib.
3. FAZIT UND AUSBLICK: Zusammenfassung der Ergebnisse, die den notwendigen, fortwährenden Anpassungsprozess beider Minderheiten unterstreicht.
Schlüsselwörter
Siebenbürgen, Siebenbürger Sachsen, Roma, Weilau, Identität, Heimat, Minderheiten, Geschichte, Rumänien, Anpassungsprozess, Migration, Vertreibung, Kultur, Lebenswelten, Diktatur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den sozialen und historischen Entwicklungen der Minderheiten der Siebenbürger Sachsen und der Roma in der rumänischen Region Siebenbürgen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese beider Gruppen, den Folgen von politischer Unterdrückung, der Auswanderungsthematik und den Fragen nach Heimat und kultureller Identität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Wandel der Lebenswelten beider Gruppen zu untersuchen und aufzuzeigen, wie diese mit Identitätsverlust und den Anforderungen an die Anpassung umgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische und soziologische Analyse, die durch Literaturquellen, zeitgenössische Berichte und Fallbeispiele aus dem Ort Weilau gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die siebenbürgische Geschichte, die spezifischen Werdegänge der Sachsen und Roma sowie die Besonderheiten ihres Zusammenlebens in Weilau erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Siebenbürgen, Identität, Heimat, Minderheiten, Migration und Anpassungsprozess definiert.
Warum war der Ort Weilau für die Forschung besonders relevant?
Weilau dient als Fallbeispiel, da hier über Jahrhunderte ein enges, wenngleich hierarchisches Zusammenleben zwischen den Sachsen und den Roma stattfand, das exemplarisch für den Wandel in der Region steht.
Wie wirkte sich die Auswanderung der Sachsen auf die Roma in Weilau aus?
Nach der massiven Abwanderung der Sachsen nach 1989 übernahmen die verbliebenen Roma Teile der deutschen Kultur, wie etwa die Pflege der evangelischen Gemeinde, stehen jedoch weiterhin vor der Herausforderung, ihre eigene Identität zu finden.
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- Christoph Mayr (Autor), 2007, Heimat und Identität bei Siebenbürger Sachsen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89348