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Die "displaced person" Ruth Klüger

Suche nach einer Heimat in "weiter leben"

Titel: Die "displaced person" Ruth Klüger

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2006 , 29 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Eva Kühl (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Ruth Klügers Autobiografie „weiter leben. Eine Jugend“ und mit der Frage, ob die Autorin, deren Lebensumstände sich immer wieder drastisch verändern, irgendwo eine Heimat hat, oder ob sie ihr Leben lang eine „displaced person“ ist, wie sie in der Zeit kurz nach der Gefangenschaft im KZ bezeichnet wird.
Zunächst wird ein einführender Überblick über unterschiedliche Definitionen des Heimat-Begriffs gegeben. Dabei wird der Begriff in drei Kategorien geteilt, die jeweils Konstituenten für Heimat sein können, nämlich Orte, Gemeinschaften und Sprache. Aufbauend auf die theoretische Grundlage werden dann einzelne Elemente in Ruth Klügers Autobiografie als mögliche Heimat diskutiert. Ziel der Arbeit ist es, die Frage nach einer Heimat zu klären bzw. zu zeigen, warum keine der untersuchten Möglichkeiten eine Heimat sein kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

2. Der Begriff „Heimat“

2.1. Orte als Heimat

2.2. Gemeinschaften als Heimat

2.3. Sprache als Heimat

3. Möglichkeiten einer Heimat in „weiter leben“

3.1. Orte

3.1.1. Wien und Österreich

3.1.2. Die Lager

3.1.3. Deutschland

3.1.4. Amerika

3.2. Gemeinschaften

3.2.1. Familie

3.2.2. Die Juden

3.3. Sprache

4. Fazit

Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Ruth Klügers Autobiografie „weiter leben“ im Hinblick auf die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen die Autorin ein Gefühl von Heimat entwickeln konnte, angesichts einer durch Flucht und Verfolgung geprägten Biografie.

  • Theoretische Fundierung des Heimat-Begriffs durch Kategorisierung in Orte, Gemeinschaften und Sprache
  • Analyse der verschiedenen Lebensstationen der Autorin (Wien, Konzentrationslager, Deutschland, Amerika)
  • Untersuchung familiärer Bindungen und der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk
  • Reflexion der Rolle der (Muttersprache) als mobile Identitätskomponente

Auszug aus dem Buch

3.1.1. Wien und Österreich

Wien ist die Stadt, in der Ruth Klüger geboren wurde und in der sie ihre Kindheit verbracht hat. Reduziert man ,Heimat’ auf die Herkunft, ist Wien Ruth Klügers Heimatstadt. Andererseits fehlt außerhalb der eigenen Wohnung jegliche Form von Sicherheit, die z.B. bei Améry als grundlegend für die Heimat angeführt wird. „Man trat auf die Straße und war im Feindesland“, beschreibt Klüger die Situation ihrer Kindheit in Wien, oder in einem ihrer Gedichte: „Ich bin im Hause des Henkers geboren“. Bestimmend ist dabei nicht nur die konkrete körperliche Gefahr, sondern auch der Verlust an Verhaltenssicherheit. Ihr, dem jüdischen Kind, ist in der Öffentlichkeit fast alles verboten, ständig besteht die Gefahr, durch ,falsches’ Verhalten Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. So wird ein verbotener Kinobesuch im Jahr 1940 zur Mutprobe und gipfelt in der Konfrontation mit einem BDM-Mädchen und in der Erkenntnis, „wer im Königsschloß etwas zu suchen hat und wer nicht“.

Dem Kind Ruth Klüger wird unmissverständlich klargemacht, dass Wien nicht seine Heimat sein will. Sie ist zwar „an diesem Ort beheimatet, aber ohne Erlaubnis“.

Trotzdem fühlt sie sich ihr ganzes Leben lang mit der Stadt verbunden. Obwohl der Wunsch nach Heimat ständig zurückgewiesen wird, ist die Kindheit geprägt von der Sehnsucht und dem Gefühl, eine Wienerin zu sein. Das Kind Ruth Klüger ist „für ein Heimatgefühl sehr empfänglich“ und bringt der Stadt Wien und dem Land Österreich eine tiefe Liebe und ein starkes Zugehörigkeitsgefühl entgegen. Bei einer flüchtigen Begegnung mit anderen Österreichern auf einer italienischen Straße ist sie sicher, dass sie alle „zur selben Gemeinschaft gehören“ und fühlt: „Ich bin aus Österreich [...]. Das stimmt, das gilt, das ist [...] ein Satz, der mich beschreibt.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit: Einführung in die Thematik der Heimatlosigkeit in der autobiografischen Literatur und Zielstellung der Analyse von Ruth Klügers Werk.

2. Der Begriff „Heimat“: Theoretische Definition des Heimat-Begriffs anhand der drei Kategorien Orte, Gemeinschaften und Sprache.

3. Möglichkeiten einer Heimat in „weiter leben“: Diskussion der verschiedenen Lebensstationen und sozialen Bindungen Ruth Klügers auf ihre Eignung als Heimat.

3.1. Orte: Untersuchung der Bedeutung von Wien, Lagern, Deutschland und Amerika als physische und emotionale Ankerpunkte.

3.1.1. Wien und Österreich: Analyse der Kindheitsprägung und des widersprüchlichen Gefühls von Zugehörigkeit und Ausgrenzung.

3.1.2. Die Lager: Betrachtung der Zwangsgemeinschaft in Konzentrationslagern, insbesondere Theresienstadt, unter dem Aspekt der verdrängten oder zweifelhaften Heimatfunktion.

3.1.3. Deutschland: Erörterung der ambivalenten Beziehung zu Deutschland durch traumatische Erlebnisse und spätere kulturelle Verbundenheit.

3.1.4. Amerika: Analyse des Neubeginns und der Etablierung familiärer Ersatzstrukturen in den USA.

3.2. Gemeinschaften: Analyse der Bedeutung von sozialen Gruppen unabhängig von konkreten Orten.

3.2.1. Familie: Untersuchung der schwierigen Mutter-Kind-Beziehung und des Verlusts weiterer Familienmitglieder.

3.2.2. Die Juden: Analyse der kollektiven Identität und der jüdischen Gemeinschaft als Solidaritätsgemeinschaft statt religiösem Bekenntnis.

3.3. Sprache: Betrachtung der deutschen und englischen Sprache als mobile, wenn auch begrenzte Identitätsanker.

4. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass keine der untersuchten Möglichkeiten eine vollständige Heimat bietet, sondern ein Mosaik aus Heimaten besteht.

Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Ruth Klüger, weiter leben, Heimat, Heimatlosigkeit, Identität, Autobiografie, Wien, Theresienstadt, Exil, Sprache, Familie, Judentum, displaced person, Heimatbegriff, Flucht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Ruth Klügers Autobiografie „weiter leben“ unter der zentralen Fragestellung, ob die Autorin im Laufe ihres Lebens ein Gefühl von Heimat entwickeln konnte oder ob sie zeitlebens heimatlos blieb.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die Definition von Heimat anhand von Orten, Gemeinschaften und Sprache sowie deren Anwendung auf Ruth Klügers Biografie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu untersuchen, ob für die Autorin Orte, Gemeinschaften oder die Sprache eine Heimat bilden können und warum die Analyse letztlich zu dem Schluss kommt, dass keine der untersuchten Möglichkeiten eine Heimat sein kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Definitionen von Heimat (u.a. von Ina-Maria Greverus und Andrea Bastian) auf das autobiografische Werk Ruth Klügers anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Kategorien Orte (Wien, Lager, Deutschland, Amerika), Gemeinschaften (Familie, Juden) und Sprache systematisch analysiert und auf die spezifische Lebenssituation Ruth Klügers bezogen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Heimat, Identität, Autobiografie, Flucht, Exil und das Mosaik an Heimaten, wie die Autorin es selbst beschreibt.

Warum spielt das Konzentrationslager Theresienstadt eine besondere Rolle?

Theresienstadt nimmt eine ambivalente Sonderrolle ein, da es trotz des schrecklichen Hintergrunds für die elfjährige Ruth Klüger Erfahrungen von Gemeinschaft und Zusammenhalt bot, die den üblichen Heimatdefinitionen zumindest teilweise nahekommen.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der deutschen Sprache?

Die deutsche Sprache wird als „Erbe“ und Teil der Identität betrachtet, das jedoch nicht mit einer heimatlichen Geborgenheit an einem Ort gleichzusetzen ist und somit nur ein begrenztes, eingegrenztes Heimatgefühl ermöglicht.

Welche Rolle spielt die Mutter-Tochter-Beziehung?

Die Beziehung wird als spannungsreich und konfliktbeladen analysiert, wodurch die Familie, die eigentlich als Kern von Heimat gilt, für Ruth Klüger nie den erhofften sicheren Rückzugsort darstellte.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die "displaced person" Ruth Klüger
Untertitel
Suche nach einer Heimat in "weiter leben"
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Autobiografien des 20. Jahrhunderts
Note
2,0
Autor
Eva Kühl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
29
Katalognummer
V89364
ISBN (eBook)
9783638026703
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klüger Autobiografien Heimat 20. Jahrhundert Autobiographie Konzentrationslager Auschwitz Holocaust Ruth Klüger Vertreibung Flucht Nationalsozialismus Jüdin Judentum Deutsche Geschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Eva Kühl (Autor:in), 2006, Die "displaced person" Ruth Klüger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89364
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  29  Seiten
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