Die Auseinandersetzung mit dem Thema Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll aufzeigen, wie adoleszente Schwangere und Mütter in der Bewältigung ihrer aktuellen Lebenssituation unterstützt werden können.
Im ersten Abschnitt erfolgt zunächst eine inhaltliche und formale Eingrenzung auf die Personengruppe, die Gegenstand der Betrachtungen im Rahmen dieser Diplomarbeit ist.
Anhand statistischer Angaben und soziodemografischer Daten, die zugleich die Relevanz des Themas verdeutlichen, sollen weitere spezifische Charakteristika der Personengruppe beschrieben werden.
Anschließend wird ein Überblick zum Umfang wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Thema gegeben. Theoretische Positionen und bisherige Forschungsansätze zum Thema Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz werden in einem Review zur Literatur im deutschsprachigen Raum dargestellt.
Auf Grundlage der recherchierten Literatur werden im darauffolgenden Abschnitt die unterschiedlichen Erklärungsansätze zur Entstehung ungeplanter Schwangerschaften in der Adoleszenz aufgezeigt.
Im anschließenden Kapitel werden die spezifischen Bewältigungsanforderungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Mutterschaft herausgearbeitet. Neben körperlichen Aspekten finden dabei psychosoziale Aspekte Berücksichtigung.
Die Bewältigung der Anforderungen im Zusammenhang mit früher Schwangerschaft und Mutterschaft ist Inhalt des nächsten Kapitels. Ausgehend von den Risiken früher Schwangerschaft und Mutterschaft, die in der vorliegenden Literatur diskutiert werden, soll auch die subjektive Perspektive der jungen Mädchen anhand der aktuellen Forschungsergebnisse in den Blick genommen werden. Auf Grundlage der Ergebnisse und anschließender eigener Reflexionen wird im Anschluss daran der Unterstützungsbedarf der betroffenen Mädchen erarbeitet.
Im darauf folgenden Kapitel werden verschiedene Interventionsansätze anhand vorliegender wissenschaftlicher Publikationen dargestellt und hinsichtlich des Unterstützungsbedarfs bewertet.
Im abschließenden Kapitel sollen die Ergebnisse der Diplomarbeit noch einmal zusammengefasst und in einen gesellschafts- bzw. sozialpolitischen Rahmen eingebettet betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz – ein wachsendes Thema?
2.1 Begriffsbestimmungen und Eingrenzung
2.2 Statistische Kenntnisse und Aussagen zur Häufigkeit
2.3 Soziodemografische Daten
3 Theoretische Positionen und Forschungsansätze – Eine Literaturrecherche zur Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz
3.1 Suchterme und Suchläufe in der Datenbank Psyndex
3.2 Quantitative und qualitative Auswertung
3.2.1 Anzahl der Publikationen
3.2.2 Empirische Arbeiten
3.2.3 Theoretische Arbeiten
4 Hintergründe von Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz
4.1 Sexuelles Risikoverhalten und Kontrazeption
4.2 Psychologische Erklärungsansätze
4.2.1 Psychodynamische Aspekte
4.2.2 Bindungstheoretische Aspekte
4.3 Sozialisationstheoretische Betrachtungen
5 Bewältigungsanforderungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz
5.1. Frühe Schwangerschaften und adoleszente Entwicklung
5.2. Frühe Schwangerschaft als nicht-normatives kritisches Lebensereignis
5.3. Spezifische Bewältigungsanforderungen bei früher Schwangerschaft und Mutterschaft
5.3.1 Körperliche Aspekte früher Schwangerschaften
5.3.2 Psychosoziale Aspekte früher Schwangerschaft und Mutterschaft
6 Bewältigung der Situation adoleszenter Schwangerschaft und Mutterschaft und Schlussfolgerungen für den Unterstützungsbedarf
6.1 Risiken früher Schwangerschaften und früher Mutterschaft
6.2 Die Bewältigung früher Schwangerschaft und Mutterschaft
6.2.1 Umgang der Mädchen mit einer frühen Schwangerschaft
6.2.2 Das Leben als junge Mutter
6.2.3 Unterstützende Faktoren im Hinblick auf die Bewältigung
6.3 Unterstützungsbedarf
7 Interventionsansätze im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz
7.1 Rechtliche Grundlagen und Ansprüche
7.2 Interventionsansätze
7.2.1 Beratung und Begleitung
7.2.2 Mutter-Kind-Einrichtungen
7.2.3 Interventionsansätze zur schulischen und beruflichen (Aus)Bildung
7.3 Kritische Einschätzung der Interventionsansätze
8 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifischen Bewältigungsanforderungen sowie Interventionsansätze für adoleszente Schwangere und Mütter, um aufzuzeigen, wie diese Zielgruppe in ihrer aktuellen Lebenssituation unterstützt werden kann. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Zusammenwirken von Adoleszenzthematik und Mutterschaft sowie auf die Faktoren, die eine gelingende Lebensbewältigung ermöglichen.
- Spezifische psychosoziale und körperliche Bewältigungsanforderungen bei früher Mutterschaft.
- Erklärungsansätze für ungeplante Schwangerschaften in der Adoleszenz.
- Evaluation von Beratungs- und Unterstützungsangeboten in Deutschland.
- Rolle familiärer und sozialer Unterstützung sowie der Einfluss auf Bildungs- und Berufswege.
- Bedeutung der Bindungstheorie und psychodynamischer Aspekte für Interventionen.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Psychodynamische Aspekte
Psychoanalytische Überlegungen zur Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz werden in der vorliegenden Literatur zumeist auf Grundlage von klinischen Erfahrungen aus der Arbeit mit jugendlichen Schwangeren und Müttern angestellt. Der Grossteil dieser Publikationen wurde bereits in den siebziger und achtziger Jahren veröffentlicht und muss somit in Bezug auf Aktualität hinterfragt werden.
Merz (1979, 1988) hat eine Häufung folgender auffälliger Merkmale bei jungen Mädchen, die ungewollt schwanger geworden waren, beschrieben:
- Trennung/Scheidung der Eltern,
- psychische oder somatische Erkrankung mindestens eines Elternteiles und/oder eine grobe Beziehungsstörung zu den Töchtern, die bis in die frühe Kindheit zurückreicht,
- prägravide Entwicklungsstörungen der jungen Mädchen,
- auffällige Partnersituation der jungen Mädchen,
- aktuell bedeutsame Ereignisse: Tod oder drohender Tod einer nahen Bezugsperson.
Die anamnestischen Befunde wiesen nach Merz darauf hin, dass es sich bei den untersuchten Mädchen nicht um ein durchschnittliches und der Normalbevölkerung entsprechendes Kollektiv handelte. Folglich müssten die geschilderten Auffälligkeiten in Familien- und Persönlichkeitsstruktur das Zustandekommen der Schwangerschaft begünstigt haben. Demnach sei eine unerwünschte Schwangerschaft in der Adoleszenz keine sich zufällig ereignende Störung, sondern vielmehr „Ausdruck und Symptom einer gestörten Entwicklung“ (vgl. 1979, S. 31) Merz konstatierte, dass bei den untersuchten Mädchen drei grundlegende Konflikte adoleszenter Entwicklung, so der Loslösungskonflikt, die Bedrohung der narzisstischen Homöostase und die Auseinandersetzung mit der Realität des Todes, in besonderer Weise verschärft wären. Aufgrund psychodynamischer Erwägungen könne die im bewussten Erleben unerwünschte Schwangerschaft als ein „Austragungsmodus“ dieser Konflikte gedeutet werden (vgl. ebd.). Mitverantwortlich für die Entstehung der Schwangerschaft seien demnach der Versuch, regressive Impulse zu realisieren, eine narzisstische Lücke auszufüllen und die Irreversibilität des Todes ungeschehen zu machen. (vgl. S. 40).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der Zielgruppe und der leitenden Fragestellungen für die Diplomarbeit.
2 Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz – ein wachsendes Thema?: Definition der Zielgruppe sowie Darstellung statistischer Daten zur Häufigkeit früher Schwangerschaften.
3 Theoretische Positionen und Forschungsansätze – Eine Literaturrecherche zur Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz: Analyse der bestehenden Literaturlage und Forschungsansätze im deutschsprachigen Raum mittels Datenbankrecherche.
4 Hintergründe von Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz: Diskussion von Kontrazeptionsverhalten sowie psychologischer und sozialisationstheoretischer Erklärungsmodelle.
5 Bewältigungsanforderungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz: Untersuchung der spezifischen Entwicklungsaufgaben und Herausforderungen, die durch die verfrühte Elternrolle entstehen.
6 Bewältigung der Situation adoleszenter Schwangerschaft und Mutterschaft und Schlussfolgerungen für den Unterstützungsbedarf: Analyse der Risiken und der Bewältigungsstrategien junger Mütter, abgeleitet aus aktueller Forschung.
7 Interventionsansätze im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz: Überblick über rechtliche Rahmenbedingungen und konkrete Hilfsangebote wie Beratung und betreutes Wohnen.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Ergebnisse und Forderungen für weitergehenden sozialpolitischen Handlungsbedarf.
Schlüsselwörter
Adoleszenz, frühe Schwangerschaft, Mutterschaft, Bewältigungsanforderungen, Interventionsansätze, Jugendhilfe, psychosoziale Risiken, Lebensereignisse, Identitätsentwicklung, Sozialisation, Kontrazeption, Beratung, Mutter-Kind-Einrichtungen, Jugendalter, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Situation von adoleszenten Schwangeren und Müttern in Deutschland, wobei der Fokus auf den Bewältigungsanforderungen und den notwendigen Interventionsansätzen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die psychologische und soziale Entwicklung von Jugendlichen, die Ursachen ungewollter früher Schwangerschaften sowie die Möglichkeiten der institutionellen Unterstützung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie adoleszente Schwangere und Mütter bei der Bewältigung ihrer komplexen Lebenssituation unterstützt werden können, indem individuelle Ressourcen und soziale Faktoren betrachtet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche, insbesondere einer systematischer Datenbankrecherche in Psyndex, sowie der qualitativen Analyse aktueller wissenschaftlicher Publikationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Hintergründe früher Schwangerschaften, die spezifischen psychologischen und sozialen Belastungen sowie die Evaluation bestehender Hilfskonzepte und Interventionsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Adoleszenz, Mutterschaft, Bewältigungsanforderungen, Jugendhilfe, Bindungstheorie und psychosoziale Risiken.
Welche Rolle spielt die Bindungstheorie in der Arbeit?
Die Bindungstheorie dient als wichtiger Erklärungsrahmen für das Verständnis der Mutter-Kind-Interaktion und hilft dabei, das misstrauische Verhalten einiger junger Mütter gegenüber Hilfsangeboten einzuordnen.
Warum wird frühe Mutterschaft oft als "non-normatives kritisches Lebensereignis" bezeichnet?
Weil sie außerhalb des üblichen zeitlichen Rahmens der Familiengründung liegt und die jungen Frauen vor Anforderungen stellt, auf die sie aufgrund ihres Alters und fehlender Erfahrungsressourcen oft nicht vorbereitet sind.
Welche Bedeutung haben die "Kindlichen" laut Friedrich und Remberg im Kontext der Beratung?
Diese Gruppe junger Mütter zeichnet sich dadurch aus, dass sie kaum in der Lage ist, ihre Angelegenheiten eigenständig zu regeln und Verantwortung an ihr soziales Umfeld abgibt, weshalb sie besonders umfassende Unterstützung benötigt.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Jugendhilfe?
Die Arbeit bewertet die Jugendhilfe als notwendige Unterstützung, weist aber kritisch auf die Gefahr der "Fremdbestimmung" durch bürokratische Strukturen hin, die von den jungen Frauen als Bevormundung erlebt werden kann.
- Quote paper
- Kristin Münstermann (Author), 2007, Schwangerschaft und Mutterschaft in der Adoleszenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89399